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»Und der Opal? und warum wurde er mit Weihwasser besprengt?« fragte Arthur. – »Aha, ich merke, Ihr wollt,« versetzte die junge Freiin, »die volle Wahrheit von meiner Familiengeschichte hören, von der Ihr nur die romantische Sage vernommen habt. – Sie mit Wasser zu besprengen, war wohl nötig; denn sie war in Ohnmacht gefallen. Was den Opal anbelangt, so habe ich freilich auch gehört, daß sein Feuer dabei erloschen wäre; doch kam dies, wie Sachkundige behaupten, nur daher, weil die Natur dieses Edelsteins es mit sich bringt, blind zu werden, sobald man ihn mit giftigen Stoffen in Berührung bringt. Alle diese Dinge wurden durch die Volkssage anders gestaltet und in ein Feenmärchen verwandelt.«

»Aber Ihr sagt mir nichts,« fiel Arthur Philippson ein, »über – über –« – »Ueber was?« fragte seine Wirtin. – »Ueber Euer Erscheinen in jener Nacht.«

»Ist es möglich,« versetzte Anna, »daß ein Mann von Verstande sich das nicht selbst klar machen kann? Mein Vater ist ein vielbeschäftigter Mann in einem unruhigen Lande gewesen und hat sich den Groll mancher machtbegabten Personen zugezogen. Er sieht sich deswegen genötigt, oft im geheimen zu handeln und lästigen Beobachtungen auszuweichen. Ueberdies wollte er vermeiden, mit seinem Bruder, dem Landammann, zusammenzutreffen. Bei meinem Eintritt in Deutschland wurde mir also Kunde, eines Zeichens zu harren, durch das mir mitgeteilt würde, wann und wo ich meinen Vater finden sollte. Dies Zeichen war ein kleines metallenes Kruzifix, das meiner guten Mutter gehört hatte. In meinem Gemach zu Grafenlust fand ich dieses Zeichen mit der Weisung meines Vaters. Er beschrieb mir eine geheime Pforte, durch die ich die Jagdfeste verlassen könnte, und so gelangte ich zu dem Tor, über die Brücke und in den Wald, wo ich an einem bestimmten Platz meinen Vater traf.«

»Ein wildes und gefahrvolles Abenteuer,« sagte Arthur. – »Ich war nie so sehr betroffen,« fuhr Anna fort, »wie in dem Augenblicke, wo ich seine Weisung erhielt. Er zwang mich dadurch, mich von meinem gütigen, liebreichen Ohm wegzustehlen, ohne daß ich wußte, was aus mir werden würde. Doch Gehorsam war unerläßliche Pflicht. Der Ort der Zusammenkunft war genau bestimmt. Ein mitternächtlicher Gang, wo Schutz mir nahe war, konnte für mich nicht viel auf sich haben; aber die Vorsicht, daß Schildwachen an die Tore gestellt worden waren, hätte meinem Vorhaben hinderlich werden können, wenn ich nicht einigen meiner älteren Vettern, den Biedermanns, mich anvertraut hätte, die gern bereit waren, mich ungehindert gehen und kommen zu lassen. Nur Sigismund durfte ich nichts davon sagen, und da sie immer ihren Spaß mit dem schlichten Burschen zu treiben pflegen, so verlangten sie, ich sollte so an ihm vorüberschreiten, daß er mich für eine Geistererscheinung halten müsse. Ueber seine Furcht vor Gespenstern gedachten sie sich dann weidlich lustig zu machen. Ich mußte Ihnen wohl oder übel zu Willen sein, da ich ohne ihre Mithilfe gar nicht hätte gehen können. Doch groß war mein Erstaunen, als ich ganz gegen meine Erwartung an Sigismunds Stelle Euch auf der Brücke fand. Ich will gar nicht erst wissen, was Ihr darüber gedacht habt.«

»Meine Gedanken waren die eines Toren,« sagte Arthur, »eines doppelten Toren. Wäre ich etwas Besseres gewesen, so würde ich Euch meine Begleitung angeboten haben. Mein Schwert – «– »Ich hätte Euer Anerbieten nicht annehmen können,« versetzte Anna gelassen, »Mein Gang mußte in jeder Hinsicht geheim bleiben. Ich traf meinen Vater – er war von Rudolf von Donnersberg behindert worden, seinen Vorsatz auszuführen und mich noch in eben der Nacht mitzunehmen. Doch gelangte ich am frühen Morgen wieder zu ihm, indem Anneli eine Zeitlang meine Rolle bei den Schweizern spielte. Mein Vater wollte nicht wissen lassen, wann und mit wem ich meinen Oheim und dessen Gefolge verließ. Ich brauche Euch kaum zu sagen, daß ich Euch im Kerker sah.«

»Ihr wart die Erhalterin meines Lebens,« sagte der Jüngling – »die Wiederherstellerin meiner Freiheit –« – »Fragt mich nicht danach, warum ich mich in Schweigen hüllte. Ich mußte ganz nach Vorschrift handeln. Ihr wurdet nur zu dem Zweck befreit, eine Verbindung zwischen den Bürgern innerhalb der Feste und den Schweizern außerhalb zustandezubringen. Nach der Bestürmung von La Ferette erfuhr ich von Sigismund Biedermann, daß eine Rotte Buschklepper Euch und Euren Vater verfolgte, um Euch zu plündern. Mein Vater hatte mich mit den Mitteln versehen, das Schweizermädchen Anna von Geierstein in ein deutsches Edelfräulein umzugestalten. Ich setzte mich sofort zu Pferde, und es freut mich, Euch einen Wink gegeben zu haben, der Euch wohl der Gefahr entrissen haben wird.«

»Aber mein Vater?« fragte Arthur. – »Ich habe alle Ursache, zu hoffen, daß er sich gesund und wohl befindet,« antwortete das Fräulein. »Und nun, mein Freund, nachdem diese Rätsel aufgeklärt sind, ist es Zeit zu scheiden, und zwar für immer.« – »Scheiden! Und für immer!« wiederholte der Jüngling mit einer Stimme, die einem verhallenden Echo glich. – »Unser Geschick will es,« sagte das Mädchen, »Ich fordere Euch auf, Euch zu prüfen, ob es nicht Eure Pflicht ist, wie es die meinige ist. Ihr werdet mit Anbruch des Tages nach Straßburg gehen und – nimmer sehen wir uns wieder.«

Mit einer Glut der Leidenschaft, die er nicht unterdrücken konnte, warf Arthur sich zu den Füßen des Mädchens, deren zitternde Stimme deutlich zu erkennen gab, was sie bei diesen Worten empfand. Sie sah sich nach der Zofe um, allein Anneli war in diesem bedenklichen Augenblicke verschwunden, und nach ein paar Sekunden war die Gebieterin vielleicht nicht mehr ungehalten über die Abwesenheit ihrer Zofe.

»Steht auf,« sagte sie, »Arthur – steht auf. Ihr müßt keinen Empfindungen Raum geben, die Euch und mir verderblich werden können.« – »Hört mich, Fräulein, bevor ich Euch Lebewohl sage für immer – einem Missetäter selbst wird das Wort vergönnt, auch wenn er die schlimmste Sache verteidigen möchte. Ich bin ein schwertumgürteter Ritter, Sohn und Erbe eines Grafen, dessen Name in England, Frankreich und überall bekannt ist, wo Tapferkeit ihren Lohn findet –« – »Ach,« seufzte Anna, »ich habe nur zu lange schon geahnt, was Ihr mir jetzt sagt. – Steht auf, ich bitte Euch, steht auf!« – »Nicht eher, als bis Ihr mich hörtet,« sagte der Jüngling, indem er eine ihrer Hände ergriff, die in der seinigen zitterte, doch ohne sich ihr zu entziehen. – »Hört mich,« sprach er mit aller Schwärmerei der ersten Liebe, sobald diese die Hindernisse der Verschämtheit überwunden hat; »mein Vater und ich, ich gestehe es, haben einen gefährlichen Auftrag übernommen. Ihr werdet bald hören, ob das Geschäft gut oder böse abläuft. Glückt es, so werdet Ihr bald von mir unter meinem wahren Namen hören; gehe ich zu Grunde, so möchte ich. daß Anna von Geierstein mir eine Träne nachweine!«