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»Zuverlässig wird er,« sprach die Königin, »dem Usurpator Eduard nicht vertrauen, da dieser eben den größten Verrat an seinem Bündnisse begeht.« – »In welcher Hinsicht, edle Frau?« versetzte Oxford, »Die Nachricht, aus die Ihr anspielt, ist mir nicht kund geworden.« – »Wie, Lord? Soll ich denn die erste sein, die Euch sagt, daß Eduard von York mit einem größeren Heer herübergekommen ist, als selbst mein Schwiegervater, der berühmte Heinrich der Fünfte, jemals nach Frankreich oder Italien führte?« – »Wenigstens horte ich, daß man solches erwartete,« sagte Oxford, »und ich war sogleich der Meinung, daß dies unserer Sache nachteilig wäre.« – »Eduard ist angekommen,« sagte Margarethe, »und der Verräter und Usurpator hat Ludwig von Frankreich aufgefordert, ihm die Krone dieses Landes als sein Eigentum auszuliefern – eben die Krone, die auf dem Haupte meines unglücklichen Gemahls glänzte, als er als Kind noch in der Wiege lag.«

»So ist es denn entschieden, – die Engländer sind in Frankreich,« antwortete Oxford im Tone der schwersten Besorgnis. – »Und wer begleitet Eduard auf diesem Zuge?« – »Alle – alle bittersten Feinde unseres Hauses und unserer Sache. Der falsche, verräterische, ehrlose Georg, den er Herzog von Clarence nennt – der Blutsäufer Richard – die schwelgerischen Hastings – Howard – Stanley – kurz, all jene Verräter, die ich nicht nennen mag! es wäre denn, daß meine Verwünschung sie hinwegraffen könnte von der Oberfläche der Erde.«

»Und – ich zittre zu fragen,« sprach der Graf, – »bereitet Burgund sich, die Engländer als Kampfgenossen zu begrüßen und gemeinschaftliche Sache mit ihnen gegen Ludwig von Frankreich zu machen?« – »Meinen Nachrichten zufolge,« versetzte die Königin, »und diese sind so geheim wie zuverlässig und werden überdies durch das allgemeine Gerücht bestätigt, – nein, mein teurer Oxford, nein!«

»Mögen die Heiligen drob gepriesen sein!« antwortete der Graf. »Eduard von York, ich will auch dem Feinde nichts Uebles nachreden, – ist ein verwegener, furchtloser Feldherr – allein, er ist weder Eduard III., noch der heldenmütige schwarze Prinz. – Auch nicht jener fünfte Heinrich von Lancaster, unter welchem ich meine Sporen verdiente. Mag Eduard ohne den Beistand Burgunds, auf den er gerechnet hat, gegen Frankreich zu Felde ziehen! Ludwig ist zwar kein Held, aber er ist ein vorsichtiger, gewandter Heerführer und in diesen staatsklügelnden Zeiten vielleicht sehr zu fürchten. Doch welche Schritte tat Burgund?«

»Er hat Deutschland bedroht,« sagte Margarethe, »und seine Scharren überfluten jetzt Lothringen, wo er die bedeutsamsten Städte und Festen wegnahm.« – »Wo ist Ferrand de Vaudemont – ein Jüngling voll Mut und Unternehmungsgeist? Man sagte, er wolle im Namen seiner Mutter Yolanda von Anjou, Eurer Schwester, seine Rechte auf Lothringen geltend machen,« – »Entflohen,« versetzte die Königin, »nach Deutschland oder in die Schweiz.« – »Burgund mag vor ihm auf der Hut sein,« sagte der erfahrene Graf, »denn sollte der enterbte Jüngling Verbündete unter den kecken Schweizern finden, so dürfte dem Burgunder in ihm ein furchtbarer Feind erwachsen. Wir sind gegenwärtig nur stark durch des Herzogs Stärke, und wird diese in müßigen und schwankenden Anstrengungen vergeudet, so schwinden, ach! unsere Hoffnungen mit seiner Macht; selbst wenn wir ihn geneigt fänden, uns beizustehen. Meine Freunde in England sind entschlossen, nur mit Burgunds Beihilfe sich zu erheben,«

»Dies ist nicht das schlimmste,« sagte Margarethe. »Mehr fürchte ich die Staatsklugheit Ludwigs, der, so meine Späher mich nicht gröblich täuschten, wirklich schon dem Usurpator Eduard einen geheimen Frieden antrug! indem er große Summen anbot, um England für die Partei der Yorks zu erkaufen und eine siebenjährige Waffenruhe zu erlangen.« – »Es kann nicht sein,« sagte Oxford, »Er sollte, wo er ein so großes Heer befehligt, sich ans Frankreich zurückziehen wollen, ohne den Versuch zu machen, seine verlorenen Provinzen wiederzugewinnen.«

»Das tut diesem Eduard nichts,« sagte Margarethe, »der fälschlich Plantagenet genannt wird und wohl ebenso niedrig von Gemüt wie von Geblüt ist, da man sagt, daß sein wirklicher Vater ein Bogenschütz Blackburn aus Middleham war. Er wird nicht ruhig schlafen, bevor er nicht heimgekehrt sein wird nach England mit jenen Mordgenossen, die ihm die gestohlene Krone schützen sollen. Er wird sich in keinen Krieg mit Ludwig einlassen, und Ludwig wird nicht anstehen, seinen Stolz zu demütigen, seinen Geiz zu füttern und seine wollüstige Verschwendungssucht durch Goldsummen zu sättigen. So fürchte ich sehr, das englische Heer wird Frankreichs Buden mit dem eitlen Ruhme verlassen, sein Panier für etliche Wochen lang noch einmal in den Provinzen aufgepflanzt zu haben, die es vormals sein eigen nannte.« – »Um so mehr sei es an uns, den Burgunder rasch zur Entscheidung zu bringen,« versetzte Oxford, »und zu diesem Zweck eile ich nach Dijon. Ein Heer, wie die Scharen Eduards wird in Frankreich überwintern müssen, selbst wenn es Waffenstillstand mit dem König Ludwig schließt. Mit tausend hennegauischen Lanzen kann ich aber bald im Norden Englands sein, wo wir, außer der Zusicherung von Schottlands Hilfe, noch manche Freunde haben. Der treue Westen wird sich auf ein verabredetes Zeichen erheben – die Einwohner von Wales werden sich auf das Losungswort Tudor vereinen, die rote Rose erhebt noch einmal ihr Haupt, und somit erhalte Gott den König Heinrich!«

»Ach,« sagte die Königin – »aber nicht meinen Gemahl, nicht meinen Freund – nur den Sohn meiner Schwiegermutter von einem wallischen Häuptling – kalt, wie es hieß, und listig – allein es sei so! Wenn nur Lancaster triumphiert und sich an York rächt, so will ich zufrieden sterben!« – »So kann ich also die Anerbietungen machen, zu denen Ew. Majestät mich früher ermächtigten, um Burgund für unsere Sache zu gewinnen? Erfährt Karl etwas von der vorgeschlagenen Waffenruhe zwischen Frankreich und England, so wird der Stachel um so tiefer dringen.« – »Versprecht alles,« entgegnete die Königin. »Ich kenne das Innerste dieses Herzogs – es ist nur auf Besitzerwerb nach allen Seiten hin gerichtet. Deswegen hat er Gelder weggenommen – deswegen überflutet und besetzt er jetzt Lothringen – deswegen girrt er nach den armseligen Resten der Provence, die mein Vater noch die seinigen nennt. Bei so vermehrtem Besitztum gedenkt er seinen Herzogsmantel gegen die Krone eines unabhängigen Monarchen zu vertauschen. Sagt ihm, Margarethe könne seinen Absichten förderlich werden – sagt ihm, mein Vater René werde seine Staaten ihm in dem Augenblick abtreten, wo seine Hennegauer sich nach England einschiffen, so Karl nur ein mäßiges Jahresgehalt gewährt, um eine Anzahl Geiger und eine Schar Mohrentänzer zu unterhalten; denn diese bilden Renés sämtliche irdischen Bedürfnisse. Die meinigen sind noch geringer – Rache an York und ein Grab! Was das elende Gold betrifft, dessen wir bedürfen, so hast Du Juwelen zu verpfänden – was die übrigen Bedingungen anbelangt, so kann allenfalls Bürgschaft geleistet werden.«

»Was dies betrifft, hohe Frau, so kann ich zu Eurem Königsworte noch ein Ritterwort geben; und wird mehr verlangt, so soll mein Sohn als Geisel in Burgund bleiben.« – »O, nein, nein!« rief die Königin, vielleicht von dem einzigen zärtlichen Gefühle ergriffen, das in ihrem übermäßigen Unglück noch nicht ganz erstickt worden war. »Setzt nicht das Leben des edlen Jünglings aufs Spiel – er ist der letzte des treuen, anhänglichen Hauses De Vere – er sollte der Waffenbruder meines geliebten Eduard sein und wäre fast sein Genoß in einem frühzeitigen blutigen Grabe geworden! Verwickelt dieses arme Kind nicht in die Staatsränke, die seiner Familie so verhängnisvoll wurden. Laßt ihn mit mir ziehen! Ihn mindestens will ich schirmen vor Gefahr, so lange ich lebe, und ihn versorgt wissen, wenn ich nicht mehr sein werde,«