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Karl wollte schon Befehl erteilen, den Abgeordneten in Haft zu nehmen, als er einen Blick auf den Grafen von Oxford warf, dessen Anwesenheit ihm wider seinen Willen Zwang auferlegte. Er schien sich eines Besseren zu besinnen und sprach: »Ich sehe, daß Ihr Euch alle verbündet habt, meine Pläne zu durchkreuzen, und ohne Zweifel mich aller monarchischen Gewalt berauben wollt, nur daß ich eben noch meine Krone tragen darf. Jedoch Ihr sollt merken, daß Ihr es mit Karl von Burgund, einem Fürsten, zu tun habt, der, obgleich er Euch die Ehre erwies, Euren Rat einzuholen, doch vollauf imstande ist, seine Schlachten ohne die Mithilfe seiner Edlen zu führen, falls diese ihm den Beistand ihrer Schwerter weigern; der seine Zahlungen ohne die Hilfsleistungen tolpischer Bürger entrichten und wohl auch einen Weg ausfindig machen kann, um ohne die Fürbitte einer undankbaren Priesterschaft zum Himmel zu gelangen. – Ich will allen denen, die hier gegenwärtig sind, zeigen, daß ich mich durch aufrührerische Antworten nicht beirren lasse und meinen Vorsätzen getreu bleibe. – Herold! führe die Männer vor, die sich die Verbündeten aus den Städten und Kantonen des Schweizerlandes nennen.«

Oxford und alle, denen wirklich das Wohl des Herzogs am Herzen lag, hörten mit größter Besorgnis den Entschluß des Fürsten, den Schweizer Abgeordneten, gegen die er schon von vornherein eingenommen war, in einem Augenblicke Gehör zu geben, wo er durch die Weigerung der Stände, ihn mit Geld zu unterstützen, aufs heftigste erzürnt war. Alle erkannten, daß der Würfel geworfen war, aber da niemand mit übermenschlicher Voraussicht begabt war, ahnte niemand, daß dieser Augenblick sogar die Entscheidung über Karls Leben und die Unabhängigkeit Burgunds als eines für sich bestehenden Reiches nach sich zog.

Zwölftes Kapitel

Die Pforten der Halle wurden nun den Schweizer Abgeordneten geöffnet, die eine Stunde lang außerhalb des Palastes hatten harren müssen, ohne im mindesten jene Aufmerksamkeiten zu erfahren, die unter gebildeten Völkern den Stellvertretern eines fremden Staates erwiesen werden. Allerdings mußte ihr äußeres Erscheinen, als seien sie Gebirgsjäger oder Hirten, inmitten einer in buntfarbigen Anzügen, in Gold- und Silberschnüren, Wirkereien und Edelsteinen prunkenden Versammlung, jedem die Meinung einflößen, sie könnten nur in aller Demut als Bittsteller hierher gekommen sein.

Oxford, der das Benehmen seiner ehemaligen Reifegenossen genau beobachtete, erkannte jedoch sogleich, daß sie alle der Festigkeit und Gleichgültigkeit getreu blieben, durch die sie sich schon früher hervorgetan hatten, Rudolf von Donnersberg behielt seinen kecken, trotzigen Blick bei – der Bannerherr zeigte seinen gewohnten kriegerischen Gleichmut, mit dem er alles um sich her, scheinbar teilnahmlos, betrachtete – der Bürger von Solothurn gab sich ebenso förmlich und gewichtig wie immer. Nur der edle Landammann, auf den Oxford hauptsächlich seine Aufmerksamkeit richtete, schien von dem Gefühle der unsichern Lage, in die sein Vaterland versetzt wurden war, überwältigt zu sein; indem er nach dem rauhen, unehrenwerten Empfang zu fürchten schien, daß der Krieg sich nicht mehr vermeiden ließe.

Nach einem Schweigen von fast fünf Minuten sprach der Herzog in dem hochfahrenden, schneidenden Tone, den er hier Wohl für angemessen halten konnte, und der nur allzusehr seine Gemütsart verriet: »Ihr Männer von Bern, Schwyz, oder welche Weiler und Wildnisse Ihr hier vertreten möget, wisset, daß wir Euch, die Ihr Aufrührer seid gegen die Herrschaft Eurer gesetzmäßigen Obern, nimmer Gehör verliehen hätten, wenn nicht ein wohlgeschätzter Freund, der sich eine Zeitlang in Euren Bergen aufhielt, und den Ihr unter dem Namen Philippson kennt, sich für Euch verwendet hätte. Seiner Fürsprache haben wir soweit stattgegeben, daß wir, statt Euch nach Verdienst dem Galgen zu überliefern, uns herabließen, Euch zu empfangen. Nun laßt hören, welche Genugtuung Ihr dafür bieten könnt, daß Ihr frech und vermessen unsere Stadt La Ferette bestürmtet, unsere Untertanen niederschlugt und den Mord mitansaht, unterstütztet und anrietet, der an dem edlen Ritter, unserm Vogte Archibald von Hagenbach verübt wurde. Sprecht, so Ihr etwas Zur Verteidigung Eurer Missetat und Eures Verrats vorbringen könnt!«

Der Lanbammann schien antworten zu wollen, allein Rudolf von Donnersberg übernahm mit der ihm eigenen Kühnheit und Verwegenheit die Verteidigung. Er stellte sich dem Herzoge mit unerschrockenem Auge gegenüber. »So Ihr uns Aufrührer nennt,« sprach er, »so müßt Ihr erwägen, daß eine lange Reihe von Siegen, mit Österreichs edelstem Blut besiegelt, unserer Eidgenossenschaft die Freiheit zurückgegeben hat, die eine ungerechte Tyrannei uns vergebens zu rauben versuchte. Solange das Land Österreich sich uns als gerechter und wohlwollender Herrscher zeigte, dienten wir ihm mit unserm Leben. Als es tyrannisch gegen uns wurde, machten wir uns unabhängig. Will es uns jetzt noch etwas anhaben, so werden die Nachkommen eines Stauffacher, Tell und Walter Fürst ebenso bereit sein wie sie, ihre Freiheit zu verfechten. Euer Erlaucht – so solches Euer Titel ist – hat nichts zu schaffen mit einem Zwist zwischen uns und Oesterreich. Was endlich Eure Drohung mit Galgen und Rad anbelangt, so sind wir hier wehrlose Männer, mit denen Ihr nach Laune verfahren mögt; jedoch wissen wir zu sterben, und unsere Landsleute wissen uns zu rächen.«

Der zornmütige Herzog würde hierauf mit nichts anderm als dem Befehle geantwortet haben, die ganze Gesandtschaft augenblicklich zu verhaften und hinzurichten. Doch sein Kanzler erhob sich in diesem Augenblick, lüftete die Mütze mit tiefer Verbeugung gegen den Herzog und bat um Erlaubnis, dem überstolzen Jüngling zu antworten, der, wie er sagte, die Worte Seiner Hoheit falsch verstanden hätte. – »Junger Mann,« sprach der hohe Staatsdiener: »Burgund hat Antwort von Euch zu begehren auf folgende Fragen: Was kamet Ihr unter dem Deckmantel friedlicher Gesandten hierher und erregt Fehde in unsern ruhigen Besitzungen, stürmt eine Feste, erschlagt die Besatzung und tötet deren Befehlshaber, den edlen Ritter von Hagenbach? Was begingt Ihr also Handlungen, die dem Völkerrechte zuwiderlaufen und in vollem Maße die Strafe verdienen, die Euch mit Recht angedroht ward, die jedoch, wie ich hoffe, unser gnädiger Landesfürst Euch schenken wird, so Ihr geziemend Genugtuung für so arge Verletzungen bietet?«

»Ihr seid ein Priester, ehrwürdiger Herr,« sagte Rudolf von Donnersberg, indem er den Kanzler von Burgund anredete. »Findet sich in dieser Versammlung ein Krieger, der Eure Anklage vertreten will, so fordere ich ihn Mann gegen Mann zum Kampfe. Wir stürmten die Feste La Ferette nicht. – Wir wurden friedlich eingelassen, dort aber augenblicklich von den Reisigen des Hagenbachers umringt, offenbar in der Absicht, uns zu überfallen und zu erschlagen. Wäre es geschehen, Ihr hättet, traun! von mehr Erschlagenen als von uns gehört. Allein Aufruhr brach aus unter den Insassen des Ortes, einige Nachbarn, denen die Bedrückung und das rohe Wesen Archibalds von Hagenbach längst verhaßt war, halfen mit. Wir leisteten den Anstürmenden keinen Beistand, kamen aber auch dem Hagenbacher nicht zu Hilfe, der bereit gewesen war, das Aergste an uns zu tun. Archibald von Hagenbach starb, es ist wahr, auf einem Blutgerüst, und mit Vergnügen sah ich ihn sterbe«! jedoch es geschah unter dem Spruch eines Gerichts, das in Westfalen und den Grenzgauen diesseits des Rheins für gültig anerkannt wird. Ich bin nicht gehalten, ein solches Verfahren zu rechtfertige«! allein ich meine, den Urteilsspruch hat Hagenbach durch Willkür, Grausamkeit und schändlichen Mißbrauch der ihm verliehenen Macht sattsam verdient. All das will ich gegen jeden, der mir widerspricht, mit diesem meinem Leibe vertreten. Und hier liegt mein Handschuh!«