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»Herr Landammann,« versetzte der Herzog kalt, »wir haben Euch offen angehört. Wir haben Euch gehört, obwohl Ihr hierher vor unser Angesicht gekommen seid, die Hände mit dem Blute unseres Vogtes, des Ritters Archibald von Hagenbach, befleckt. Denn angenommen, er wurde von einer hinterlistigen Verbrüderung hingerichtet – die, beim St. Georg! solange wir leben und regieren nie ihr pestilenzialisches Haupt in den Gauen diesseits des Rheins erheben soll! – so ist doch nicht zu leugnen, daß Ihr dabei standet und den Meuchlern zu ihrer Untat Vorschub leistetet. Kehrt heim in Eure Berge und dankt Gott, daß Ihr mit heiler Haut heimkehrt! Sagt denen, die Euch sendeten, daß ich sofort an ihren Grenzen stehen werde! Eine Gesandtschaft, aus der Mitte Eurer angesehensten Bürger gewählt, mag mir entgegenkommen, den Strick um den Hals, eine Fackel in der Linken und das Schwert bei der Spitze gefaßt! Dann werde ich geruhen, Euch den Frieden zu den Bedingungen, die mir belieben, zu diktieren!«

»So lebe denn wohl, Friede, und willkommen du, Krieg!« sagte Arnold Biedermann, »alle Plagen und Flüche dieser Fehde mögen auf die Häupter derer fallen, die lieber Blut und Kampf als Ruhe und Eintracht wählten! Karl von Burgund, Flandern und Lothringen, Herzog von sieben Herzogtümern und Graf von siebzehn Grafschaften! Ich erkläre Euch Fehde im Namen der verbündeten Kantone und aller derer, die sich denselben noch anschließen. Hier,« rief er, »ist mein Absagebrief!«

Der Herold nahm aus den Händen des Arnold Biedermann das verhängnisvolle Blatt. – »Lest es nicht!« sagte der hochfahrende Herzog. »Der Henker mag's am Schweife seines Pferdes durch die Straßen ziehen und dann an den Galgen nageln, damit alle Welt erfahre, wie wir eine elende Schrift und deren Ueberbringer behandeln. Hinweg mit Euch! so schnell Eure Füße Euch tragen! Treffen wir uns wieder, so sollt Ihr verspüren, wen Ihr beleidigt habt. – Mein Pferd! Die Sitzung ist aufgehoben.«

Als alles sich in Bewegung setzte, die Halle zu verlassen, näherte sich der Maire von Dijon abermals dem Herzoge und äußerte voller Scheu die Hoffnung, Seine Hoheit wolle huldreichst teilnehmen an einem Bankett, das die Ortsobrigkeit ihm zu Ehren veranstalte. »Nein, beim St, Georg von Burgund, Herr Maire,« rief Karl mit stechendem Blicke, »Euer Frühstück hat uns nicht so gefallen, daß es uns noch nach einem Mittagsschmaus bei Euch gelüstete!« – Mit diesen Worten drehte er dem betroffenen Bürgermeister den Rücken, bestieg seinen Hengst und ritt zurück in sein Lager, Als er sich unterwegs mit seinen Offizieren besprach, zu denen sich Philippson gesellte, ritt plötzlich der Kanzler von Burgund in großer Eile heran: »Herr,« sprach er, »soeben sind Nachrichten über Frankreich und England eingetroffen. Ludwig und Eduard sind völlig einig.« Sowohl der Herzog als auch Philippson erstaunte.

»Ich erwartete das,« sprach Karl, »jedoch nicht so schnell. Was haben sie abgemacht? Wo überwintert das englische Heer? Welche Städte, Festungen und Schlösser sind ihnen als Unterpfand oder zum dauernden Besitz eingeräumt worden?«

»Die englische Armee kehrt in die Heimat zurück,« versetzte der Kanzler, »und zwar so schnell die Ueberfahrt bewerkstelligt werden kann; und Ludwig versieht sie dabei mit allen Segeln und Rudern, die in seinen Staaten zu finden sind, damit sie Frankreich so schnell wie möglich räumen können,« – »Und durch welche Abtretungen hat Ludwig einen seinen Angelegenheiten so notwendigen Frieden erkauft?« – »Durch, schöne Worte,« sagten der Kanzler, »durch reiche Geschenke und durch fünfhundert und etliche Tonnen Weins.« – »Wein!« rief der Herzog, »hörtest Du jemals dergleichen, Sir Philippson? Traun, Deine Landsleute sind kaum besser denn Esau, der seine Erstgeburt für ein Linsengericht verkaufte! Fürwahr, ich muß gestehen, ich habe noch keinen Engländer gekannt, der einen Handel mit trocknem Munde abgeschlossen hätte.«

»Ich kann diese Nachricht kaum glauben,« sagte der Graf von Oxford. »Wenn dieser Eduard sich auch damit begnügte, die Seefahrt gemacht zu haben, bloß um mit fünfzigtausend Engländern ruhig zurückzukehren, so sind in seinem Lager stolze Edelleute und hochfahrende Krieger, die sich seinem schmachvollen Vorhaben sicher widersetzen würden.«

»Das Geld Ludwigs,« sagte der Minister, »hat edle Hände gefunden, die es willig hinnahmen. Der französische Wein hat alle Kehlen des englischen Heeres überschwemmt, – der Lärm und Aufruhr waren zügellos, und das Gefühl für ihre Nationalehre ist in dem allgemeinen Jubel verloren gegangen, und diejenigen unter ihnen, die sich würdevoller und als weise Staatsklügler zeigen möchten, erklären, man hätte wohl weise und ritterlich gehandelt, weil man bei dieser Jahreszeit doch keine Quartiere hätte finden können. Nur hätte man noch Tribut von Frankreich fordern müssen, um wenigstens im Triumphe heimzukehren.« – »Und dem König Ludwig,« setzte Oxford hinzu, »volle Freiheit zu lassen, ungestört Burgund mit allen seinen Streitkräften anzugreifen.« –»Nicht so, Freund Philippson,« sagte der Herzog, »wisse, daß zwischen Burgund und Frankreich ein Waffenstillstand für sieben aufeinander folgende Jahre obwaltet, und wäre dieser nicht bewilligt und verbrieft worden, so möchten wir wahrscheinlich Mittel gefunden haben, den Vertrag zwischen England und Frankreich zu vereiteln, selbst wenn es darauf angekommen wäre, den gefräßigen Insulanern Rindfleisch und Bier während der Wintermonate zu reichen. – Herr Kanzler, Ihr mögt uns verlassen, jedoch bleibt in der Nähe, daß Ihr schnell zu haben seid!«

Als der Erzbischof das Zelt verließ, ging der Herzog, der mit seinem schroffen und herrschsüchtigen Charakter viele Herzensgüte verband, die man wohl Großmut nennen konnte, auf den Grafen Oxford zu, der wie vom Donner gerührt dastand. »Mein armer Oxford,« sprach er, »Du bist erstarrt über die Kunde, die wohl Deiner Ansicht nach, dem Plane nachteilig ist, den Deine wackere Seele mit so inniger Hingebung hegt. Ich hätte um Deinetwillen das englische Heer längere Zeit in Frankreich zurückhalten mögen; allein hätte ich versucht, dies zu tun, so wäre es mit dem Waffenstillstand zwischen Ludwig und mir zu Ende und es mir folglich nicht mehr möglich gewesen, diese lumpigen Kantone zu züchtigen und eine Kriegerschar nach England zu schicken. Wie die Sachen jetzt stehen, gib mir nur eine Woche Frist, die Schweizer zu strafen, und Du füllst eine größere Streitmacht erhalten, als Deine Bescheidenheit sie von mir begehrte. Fürchte nichts! verlasse Dich auf meinen Beistand, – vorausgesetzt, wohl verstanden, daß es mit der Abtretung der Provence seine Richtigkeit hat. Wir wollen alles so schleunig wie möglich betreiben. Unsere Mannschaft erhält Befehl, diesen Abend noch gegen Welsch-Neuenburg aufzubrechen, wo die hochmütigen Schweizer ein Pröbchen von Feuer und Schwert bekommen sollen!«

Oxford seufzte schwer, machte jedoch keine ferneren Vorstellungen. Hierin tat er sehr weise, denn er wußte, daß er nur des Herzogs leicht erregten Zorn entfacht, sonst aber nichts erreicht hätte.

Dreizehntes Kapitel

Indem wir den Grafen Oxford im Gefolge des hartnäckigen Herzogs von Burgund an dem Zuge gegen die Schweiz teilnehmen lassen, den der eine als kurzen Ritt bezeichnete, der andere aber in weit ernsterem, gefährlicherem Lichte betrachtete, kehren wir zu Arthur de Vere oder dem jüngeren Philippson zurück, der, wiewohl sehr langsam, so doch sicher und wohlbehalten von seinem treuen Geleitsmann nach der Provence geführt wurde.

Der Zustand Lothringens, das von des Herzogs Kriegsmannen überflutet war und zu gleicher Zeit von mancherlei umherziehenden Scharen durchstreift wurde, machte das Reisen so gefährlich, daß man oft die Hauptstraße seitwärts liegen lassen und auf Umwegen weiter ziehen mußte. Durch traurige Erfahrungen belehrt, fremden Führern zu mißtrauen, fühlte Arthur sich auf dieser so wichtigen und gefährlichen Reise dessenungeachtet geneigt, seinen diesmaligen Führer, dem Provencalen Thibault, oder Theobald, zu vertrauen, da dieser genau die Wege kannte, die sie zu ziehen hatten, und, soweit er folgern konnte, den besten Willen zeigte, sein Amt mit Treue zu erfüllen.