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Bei diesen Worten zog er das Halsgeschmeide der Königin Margarethe unter dem Wamse hervor.

»Diese Steine,« sagte Arthur, »sind von unschätzbarem Werte und gehören weder meinem Vater noch mir, sondern der Königin, die Du eben gesehen hast. Doch was ist aus dem Herzog geworden?«

»Karl hat sich nach Burgund zurückgezogen, gleich einem Eber, der einen Speerstich erhielt, und mehr in Wut gebracht als verwundet worden ist; allein er soll traurig und mürrisch sein. Andere sagen aus, er habe seine zerstreute Streitmacht gesammelt, neue Heeresmacht dazu gezogen und seine Untertanen geschraubt, ihm Geld zu geben, so daß wir einen zweiten Angriff zu erwarten haben. Doch nach einem solchen Siege wird die ganze Schweiz mit uns ziehen,« – »Und mein Vater ist beim Herzog?« fragte Arthur, – »Ei freilich, und hat auf recht gottgefällige Weise versucht, einen Frieden mit meinem Vater zu schließen. Aber es wird ihm schwerlich glücken, Karl ist so toll wie immer. Und unser Volk ist gar stolz auf seinen Sieg! darum wird's weitergehen.« – »Und was bringt Dich und Deinen Feldherrn, den Prinzen Ferrand von Nancy, hierher?« – »Ei, Du selbst bist die Ursache unserer Herreise, – Es heißt, Du und die Königin Margarethe, Ihr ginget damit um, diesen alten Fidelkönig René dahin zu bringen, daß er seine Länder an Karl abtrete und Ferrand dessen Anrechte auf Lothringen verleugnet. Und der Herzog von Lothringen schickte einen Mann, den Du gar Wohl kennst, das heißt, Du kennst ihn nicht, sondern Du kennst jemanden von seiner Familie. Der sollte einen Strich durch Eure Rechnung machen und es verhindern, daß Karl die Provence erhielte und Ferrand in seinen natürlichen Rechten auf Lothringen gekränkt oder übervorteilt würde. Dieser Gesandte war mein Ohm, der Graf Albert von Geierstein, meines Vaters Bruder.« – »Anna von Geiersteins Vater?« wiederholte Arthur. – »Freilich! Dieser, mein Ohm, hat ein paar Zauberbücher aus der Burg Arnheim bei sich, und man sagt, er kann mit mehr als menschlicher Eile von einem Ort zum andern kommen; ja es sollten ihm in seinem Treiben mächtigere Ratgeber als bloße Menschen beistehen. Bei alledem sollen, wie hoch und gewaltig seine Gaben auch sein mögen, sie ihm doch nicht sonderlich gedeihen, sie mögen nun aus gottesfürchtiger oder aus gottloser Quelle stammen. Er ist ewig in Streit und Gefahr verwickelt.«

»Ich weiß Näheres von seinem Lebenslauf,« sagte Arthur, »doch ich habe gehört, daß er die Schweiz verließ, um zum Kaiser zu gehen.«

»Wahr,« antwortete der junge Schweizer, »und dann heiratete er die junge Freiin von Arnheim. – Allein späterhin zog er sich des Kaisers Ungnade zu, und so hielt mein Ohm es für geratener, über den Rhein zu gehen und sich an des Burgunders Hof zu begeben. Er wurde huldvoll aufgenommen; allein nach Jahr und Tag war es auch mit dieser Freundschaft aus. Ohm Albert bekam viel Gewalt in heimlichen Verbindungen, die Karl mißbilligte, und er setzte deshalb meinem Ohm dermaßen zu, daß dieser ein Mönchskleid antat und sich das Haupt scheren ließ, um nicht den ganzen Kopf hergeben zu müssen. Obwohl der Herzog ihn laufen ließ, fand er ihn doch so oft in seinem Wege, daß alle Welt meinte, er warte nur auf die Gelegenheit, ihn zu greifen und ums Leben zu bringen. Mein Ohm aber behauptet fortwährend, daß er den Burgunderherzog nicht fürchte, wohl aber dieser weit mehr ihn zu fürchten habe. Und Du hast ja auch gesehen, wie keck er seine Rolle zu La Ferette spielte.«

»Beim St. Georg zu Windsor!« rief Arthur, – »Der schwarze Priester zu St. Paul!« – »Oho! verstehst Du mich jetzt? Nun, er nahm es auf sich, daß Karl es nicht wagen würde, ihn für seinen Anteil am Tode des Hagenbachers zu strafen; und ruhig saß Ohm Albert unter den Ständen Burgunds und wiegelte sie auf, daß sie dem Herzoge das verlangte Geld verweigern sollten. Allein, als der Schweizerkrieg ausgebrochen war, erkannte Albert, daß er als Geistlicher nicht mehr sicher sein würde, und so erschien er plötzlich in Ferrands Lager zu Neuenburg und sandte Botschaft an Karl, worin er ihm den Dienst aufkündigte und ihm Trotz bot. Er erzählte dem Herzog Ferraud, daß Du hier wärst, und erbot sich herzugehen und nähere Kunde einzuziehen. Obschon er das Schweizer Feldlager erst vor fünf oder sechs Tagen vor der Schlacht verließ und die Entfernung von Arles und Neuenburg wohl achtzig Meilen betragen mag, begegneten wir ihm doch schon auf der Rückreise, als Herzog Ferrand mit mir vom Schlachtfelde hierher eilte.« – »Ihr seid ihm begegnet!« sagte Arthur, »Dem schwarzen Priester von St. Paul?« – »Nun ja doch,« versetzte Sigismund, »aber er war als Karmelitermönch verkleidet,« – »Als Karmeliter!« rief Arthur. »Und ich war so blind, seine Dienste der Königin anzubieten. Und doch ist's vielleicht gut, daß die Unterhandlung sich zerschlug. Nach dieser entsetzlichen Niederlage hatte doch alles rückgängig gemacht werden müssen.«

Soweit war ihr Gespräch gediehen, als Mordaunt erschien und den Engländer aufforderte, ihm in das Gemach seiner Gebieterin zu folgen.

»Ach, armer Arthur,« redete sie ihn an, »Dein Leben beginnt da, wo Deines Vaters Leben zu enden droht, in vergeblicher Arbeit zur Rettung eines sinkenden Schiffes. Der Herzog von Burgund, der bisher siegreich in allen seinen kühnen Unternehmungen war, braucht nur den flüchtigen Gedanken zu hegen, dem Hause Lancaster Beistand zu leisten, und siehe! sein Schwert zerbricht an dem Dreschflegel eines Bauers! und seine wohlgeregelten Heerscharen, die für die rüstigsten der Welt galten, zerstieben wie Staub im Winde! Wo ist Dein Vater?« – »Bei dem Herzoge, edle Frau, wie ich erfuhr,« versetzte Arthur. – »Eile zu ihm, und sage, ich befehle ihm, auf seine eigene Sicherheit bedacht zu sein, und für meine Angelegenheit nicht mehr zu sorgen. Dieser letzte Streich hat mich zu Boden geschmettert, – Ich bin ohne Bundesgenossen, ohne Freund, ohne Geldmittel,« – »Nicht so, Königin,« erwiderte Arthur, »Ein Teil Eurer Habe ist Eurer Hoheit durch gutes Glück zurückgebracht worden,« – Damit holte er den kostbaren Halsschmuck hervor und erzählte, wie derselbe gerettet wurde,

»Ich freue mich über den glücklichen Zufall, der uns diese Diamanten zurückgibt,« sagte die Königin, »ich bin nun wenigstens imstande, meinen Dank abzustatten. Bringe diese Edelsteine Deinem Vater, sag' ihm, meine Pläne wären zu Ende – sag' ihm, mein Herz wäre endlich gebrochen. Sag' ihm, der Schmuck gehöre ihm, und zu seinem eigenen Nutzen möge er ihn verwenden. Aermlich nur wird er ihn für die edle Grafschaft Oxford entschädigen, die er in meinen Diensten verlor,« – »Königliche Frau,« sagte der Jüngling, »seid versichert, mein Vater würde lieber als einfacher Reitersmann dienen, als Euer Mißgeschick noch erschweren,« – »Nie hat er Gehorsam verweigert,« sagte Margarethe, »und dies ist der letzte Wille, den ich ihm äußere. So er selber zu reich oder zu stolz ist, um aus einer Königin Geheiß Vorteil zu ziehen, so wird er arme Leute meines Anhanges genug finden, die weniger Mittel besitzen oder weniger Bedenken hegen. Doch ich höre den törichten, alten Mann zurückkehren, der alle ergebnisreichen Vorfälle dieses Tages schon wieder vergessen hat. Im Heraufkommen pfeift er sich ein Lied. Nun, wir werden bald von einander scheiden, und meine Entfernung wird eine Erlösung für ihn sein. Du, aber, Arthur, kehre morgen früh zu Deinem Vater zurück!«

So aus der Königin Gegenwart entlassen, gab Arthur Thibault die Weisung, alles zur Abreise bereit zu halten. Dann widmete er sich der Lustbarkeit des Abends. Doch fand er wenig Freude an den geselligen Veranstaltungen, zumal er sich plötzlich durch den Herzog Ferrand, den siegreich vom Schlachtfelde hergekommenen Krieger, und durch Sigismund, den riesigen Schweizer, den Ferrand überall als Grafen von Geierstein vorstellte, ganz in den Schatten gestellt sah. Kein Mensch kümmerte sich um den jungen Engländer; ja, man begegnete ihm, dem Parteimann der Margarethe, deren Sache ganz verloren war, und die mit ihrem melancholischen Wesen an dem lustigen Hofe schon manches Vergnügen gestört hatte, mit unverhohlenem Mißbehagen. All das verdroß ihn heftig.