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Er ließ unserm Arthur, der nicht wenig verlegen war, keine Zeit zu antworten, sondern fuhr fort: »Höre mich, junger Mann! Deine Lanze hat an diesem Tage dem Schweizerlande, der Stadt Bern und dem Herzoge Ferrand großes Leid zugefügt. Mir ist jedoch der Tod des von Donnersberg willkommen. Als seine Dienste immer unentbehrlicher wurden, war er aufdringlich genug, Ferrand zu seinem Brautwerber zu gewinnen, so daß der Herzog selbst, der Sohn einer Fürstin, nicht errötete, die Letzte meines Hauses – denn der Stamm meines Bruders zeigt nur entartete Sprößlinge – von mir für einen anmaßenden Jüngling zu begehren, dessen Ohm ein Knecht im Hause meines Schwiegervaters war, wenngleich dieser Rudolf sich edler Herkunft rühmte.« – »Gewiß,« sagte Arthur, »eine Ehe zwischen Personen von so ungleicher Herkunft wäre zu widersinnig, um noch von ihr zu reden.«

»Bei meinen Lebzeiten,« erwiderte Graf Albert, »wäre solch ein Bündnis nimmermehr geschlossen worden, da der Tod des Bräutigams wie der Braut durch einen Dolch die Ehre meines Hauses gegen Gewalt hätte schützen können. Allein wenn ich – dessen Tage, ja dessen letzte Lebensstunden gezählt sind – nicht mehr sein werde, was könnte dann einen rücksichtslosen Fürstenknecht, unterstützt durch die Gunst des Herzogs, durch den Beifall seines Vaters und vielleicht auch durch die unseligen Vorurteile meines Bruders, hindern, seine Sache trotz allem Widerstande eines verwaisten Mädchens durchzusetzen? Nun merkt auf, Arthur de Bere! Meine Tochter hat mir erzählt, was zwischen Euch und ihr vorfiel. Eure Gesinnung wie Euer Wandel ist des edlen Hauses wert, von dem Ihr abstammt und das sich, wie ich weiß, an die edelsten Häuser Europas rühmlich anschließt. Zwar seid Ihr enterbt, allein auch Anna von Geierstein ist es, bis auf das, was ihr Oheim ihr von ihrem väterlichen Erbe etwa abtreten dürfte. Wenn Ihr es mit ihr teilen wollt, bis bessere Tage kommen – immer vorausgesetzt, daß Euer edler Vater seine Einwilligung gibt – so weiß meine Tochter, daß ich einwillige und sie segne. Auch mein Bruder soll meinen Willen erfahren. Er wird meine Absicht billigen; denn obgleich gestorben für Gedanken an Ehre und Rittertum, ist er doch empfänglich für häusliches Glück, liebt seine Nichte und hegt Freundschaft für Dich und Deinen Vater. Was sagst Du, junger Mann? Willst Du eine bettelarme Gräfin zur Gefährtin Deines Lebens wählen? Ich glaube, ja ich weissage – denn ich stehe so nahe dem Rande des Grabes, daß mich dünkt, mir sei ein Blick über dasselbe hinaus gestattet – es wird einst den Häusern de Bere und Geierstein ein neuer Glanz beschieden sein!«

De Bere schwang sich von seinem Pferde, ergriff des Grafen Hand und wollte in Danksagungen ausbrechen; doch der Geiersteiner gebot ihm Stillschweigen.

»Wir müssen scheiden,« sprach er. »Die Zeit ist kurz – der Ort gefährlich. Ihr seid mir, persönlich gesprochen, weniger als nichts. Wäre einer der vielen Pläne des Ehrgeizes, denen ich nachrang, geglückt, so wäre der Sohn eines verbannten Grafen nimmer der Eidam, den ich erwählt hätte. Besteigt Euer Pferd wieder! – Unverdienter Dank wird lästig.«

Arthur richtete sich auf und stieg schweigend wieder zu Roß.

»Ich weiß, daß meine letzte Stunde nahe ist,« fuhr Graf Albert von Geierstein fort, »Hört und zittert! Der Herzog von Burgund ist zum Tode verurteilt, und die unsichtbaren Richter, die in der Tiefe ihren Spruch fällen und im geheimen rächen, gleich der Gottheit, haben Strang und Dolch in meine Hand gelegt.« – »O, werft diese garstigen Symbole von Euch!« rief Arthur enthusiastisch aus. »Mögen sich Häscher und geheime Mörder finden, solch Amt zu vollführen, das den edlen Herrn von Geierstein entehrt!« – »Still, törichter Knabe!« antwortete der Graf. – »Der Eid, den ich geschworen habe, ist höher denn der wolkige Himmel, und fester begründet als jene fernen Berge. Auch wähne nicht, mein Tun sei das eines Meuchlers, eher könnte ich das des Herzogs als ein solches ansehen. Ich sende keine Mietlinge, wie diese elenden Venezianer es sind, hinaus auf die Jagd gegen, sein Leben, ohne das meinige dabei in Gefahr zu setzen. Ich gebe nicht seiner Tochter – die unschuldig ist an seinen Missetaten – die Wahl zwischen schmachvoller Ehe und einer vor der Welt entwürdigenden Zurückgezogenheit. Nein, Arthur de Bere, ich suche Karl mit der Entschlossenheit eines Mannes auf, der sich dem sichern Tode preisgibt, um das Leben eines Gegners zu vertilgen,« – »Ich bitte Euch, redet nicht mehr davon,« sagte Arthur, höchst ängstlich. »Bedenkt, ich diene für den Augenblick dem Fürsten, den Ihr bedroht –« – »Und bist verbunden,« unterbrach ihn der Graf, »ihm zu offenbaren, was ich Dir sage. Ich wünsche, daß Du es tust, und obwohl er die Vorladung der heiligen Feme gering geachtet hat, so freut es mich doch, ihm persönliche Herausforderung zukommen zu lassen. Sagt Karl von Burgund, daß er Albert von Geierstein schwer verletzte. Wer an seiner Ehre gekränkt wurde, verliert alle Freude am Leben. Warnt ihn, sich vor mir wohl in acht zu nehmen; denn Albert von Geierstein ist meineidig, so der Herzog noch die zweite Sonne des herannahenden Jahres erblickt. – Und jetzt lebt wohl; denn ich sehe eine Schar unter burgundischem Banner sich nahen.«

Mit diesen Worten warf der Geiersteiner sein Roß herum und sprengte von dannen, –

Zwanzigstes Kapitel

Arthur war allein gelassen worden, und vielleicht voll Verlangen, den Rückzug des Grafen Albert zu decken, ritt er dem herannahenden Häuflein Burgunder entgegen, das dem Fähnlein de Contays nachzog. »Willkommen, willkommen!« sagte dieser Edelmann, indem er hastig auf den jungen Ritter zukam. »Der Herzog ist eine Viertelstunde Weges mit einem Reiterhaufen hinter uns, den Aufklärern zu Hilfe zu kommen. Es ist noch keine halbe Stunde her, da kam Euer Vater zu uns zurück und meldete, Ihr wärt durch die Verräterei der Venezianer in einen Hinterhalt gelockt und zum Gefangenen gemacht worden. Er hat den Campobasso des Verrats bezichtigt und ihn zum Zweikampf herausgefordert. Beide wurden unter der Obhut des Obermarschalls in das Lager geführt, da sie sonst auf der Stelle aneinander geraten wären, obwohl mich dünkt, als zeigte der Welsche wenig Lust, es zu Hieben kommen zu lassen. Der Herzog hält ihre Schwerter in der Scheide und hat den Kampf auf den Dreikönigstag festgesetzt.«

Arthur ritt mit Contay zurück und stieß auf eine größere Reiterschar unter dem glänzenden Banner des Herzogs. Sofort wurde er vor Karl geführt. Dieser hörte mit anscheinender Besorgnis Arthur die Klage seines Vaters gegen den Italiener bestätigen, dem der Herzog so sehr gewogen war. Als Arthur versicherte, daß die Venezianer sich mit dem feindlichen Führer kurz vorher besprochen hätten, ehe der Graf Campobasso Arthur aufforderte, weiter zu reiten, und daß er dadurch in einen Hinterhalt geraten sei, schüttelte der Herzog den Kopf, senkte die dichten Augenbrauen und murmelte vor sich hin: »Bloß Haß gegen Oxford wahrscheinlich – diese Welschen sind rachsüchtig.« – Dann richtete er das Haupt auf und befahl unserm Arthur, fortzufahren.

Mit einer Art von Verzückung vernahm er die Erzählung vom Tode des Donnersberg, riß eine goldene Kette vom Hals und warf sie über Arthurs Nacken, »Traun, Du hast uns allen Ruhm vorweggenommen, junger Arthur,« fügte er, »das war der plumpste Bär von allen; die übrigen sind gegen ihn junge säugende Brut. Mich dünkt, ich habe einen jugendlichen David gefunden, der mir ihren dickköpfigen Goliath erschlug. Aber der Tölpel! daß er wähnte, seine Bauernfaust könnte eine Ritterlanze schwingen. Brav, mein wackerer Knabe, – und was mehr? Wie kamst Du davon? Durch irgend eine schlaue Kriegslist, möcht ich wetten!« – »Vergebt, hoher Herr,« antwortete Arthur, »ich wurde von dem feindlichen Führer Ferrand in Schutz genommen, der mein Zusammentreffen mit dem von Donnersberg als mannhaften Zweikampf betrachtete. Er entließ mich in allen Ehren, mit Roß und Waffen.« – »Hm!« sagte Karl, dessen üble Laune wiederkehrte, »Prinz Abenteuer muß den Großmütigen spielen – hm! – Es gehört dergleichen zu seiner Rolle; doch soll mich das keine Linie breit von meinem Verfahren ablenken. Setzt Eure Erzählung fort, Arthur de Bere.« – Als Arthur ferner mitteilte, was Graf Albert von Geierstein zu ihm über den Herzog gesagt hatte, heftete dieser einen brennenden Blick auf ihn und zitterte vor Ungeduld, indem er den Jüngling mit der hastigen Frage unterbrach: »Und Ihr – Ihr traft ihn mit Eurem Dolche unter der fünften Rippe? Tatet Ihr es nicht?« – »Ich tat es nicht, Herr Herzog, – wir waren einander durch gegenseitige Zusage verpflichtet.« – »Doch wußtet Ihr, daß er mein Todfeind ist,« sprach der Herzog, »geht junger Mann! Deine laue Gleichgültigkeit hat Dein Verdienst geschmälert. Daß Du Albert von Geierstein entrinnen ließest, macht den Tod Rudolfs von Donnersberg quitt.« – »Sei dem so, hoher Herr,« sagte Arthur kühn. »Ich mache weder Anspruch auf Euer Lob, noch verdiene ich Euren Tadel. In beiden Fällen hatte ich Gründe zu achten, die mich persönlich betrafen. Donnersberg war mein Feind, und dem Grafen Albert von Geierstein bin ich verpflichtet.« – Die umherstehenden burgundischen Edlen erschraken über diese kühne Rede. Allein es war nie vorauszusehen, wie Karl dergleichen aufnehmen würde. Diesmal blickte er mit einem Lachen umher und sagte: »Hört Ihr diesen englischen jungen Hahn, Ihr Herren? wie wird der eines Tages den Ton hochstimmen, da er jetzt schon in eines Fürsten Gegenwart so wacker kräht!«