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Graf Robert schlug mit Freuden ein. Wenn es ihm auch nie in den Sinn gekommen war, der von ihm mit allen Fasern des Herzens geliebten Brenhilde eine andere Dame vorzuziehen, und er auch jetzt an solche Möglichkeit mit keinem Atem dachte, so schmeichelte es seiner Eitelkeit doch nicht wenig, daß ihm eine Dame von so hohem Range und so großer Schönheit eine derartige Aufmerksamkeit erwies. Es überkam ihn jedoch jetzt eine ganz andere Stimmung, als wie sie ihn am Morgen beherrscht hatte: es wäre ihm jetzt nicht mehr beigekommen, den Kaiser in Gegenwart so vieler Ritter und seines zahlreichen Gefolges derart zu kränken, wie er es getan hatte; und entschlossen, diese Unbill nach Kräften gut zu machen, nahm er die Einladung der Kaiserin um so leichteren Herzens an, als er bei der herrschenden Dunkelheit den verdrießlichen Zug nicht bemerkte, der Brenhildens Stirn verdüsterte.

Das gräfliche Paar war eben in jenes Labyrinth von Gängen getreten, durch welches sich tags vorher Hereward mühsam zurechtgefunden hatte, als ein Kämmerer und eine Kammerfrau sich ihnen knieend nahten mit anderer Kleidung und dem Bedeuten, sich für die Audienz bei dem kaiserlichen Herrscher umzuziehen. Brenhilde warf einen schnellen Blick auf ihre mit Blut befleckten Sachen und Waffen und fühlte sich trotz ihrer Eigenschaft als Amazone tief beschämt. Mit der Rüstung und den Waffen des Ritters sah es nicht viel besser aus.

»Ruft meine Dienerin Agathe,« befahl die Gräfin; »denn sie allein besitzt die zu solchem Dienste notwendige Kenntnis und Tüchtigkeit.«

Die griechische Kammerfrau dankte Gott, daß ihr keine Toilette zugemutet wurde, bei der sie mit Schmiedehammer und Kneifzange hätte zu Werke gehen müssen. – Graf Robert seinerseits verlangte nach seinem Waffenschmied Marzian, der ihm »die silberne Rüstung mit den blauen Ringlein bringen solle, die er dem Grafen von Toulouse im letzten Turnier, das er auf fränkischem Boden ausgefochten, abgewonnen habe«. – Ein reichgalonierter Höfling, dessen Kostüm einige Abzeichen des Waffenschmiedehandwerkes aufwies, fragte, ob er dem Herrn Grafen die Rüstung in Ordnung bringen solle, da er sich doch einiger Uebung als rechte Hand des Kaisers bei diesem Geschäft rühmen dürfe? – Graf Robert fragte: »Und wieviel Nieten hast Du beim letzten Male geschlagen?« indem er ihn bei der Hand packte, die so weich und zart war, als hätte sie nie etwas anderes als Schönheitswasser gesehen: »und mit dem Spielzeug da?« rief der Graf lachend, indem er das silberne Hämmerchen mit elfenbeinernem Stiel aus dem milchweißen Schürzfell aus Ziegenleder hervorriß, welches der Höfling zur Schau trug. Der Höfling aber sprang entsetzt zurück mit dem Rufe: »Der Kerl zermalmt einem ja die Hand wie in einem Schraubstock!«

Während sich die Kaiserin mit ihrer Tochter gleichfalls zurückzog, um Toilette zu machen, wurde Agelastes, der Philosoph, zum Kaiser gerufen, der das prächtigste seiner Gewänder angelegt hatte, denn am Hofe von Byzanz war, wie am Hofe von Peking, der Wechsel von Staatskleid und Uniform eine der vornehmlichsten Tagesbeschäftigungen.

»Weiser Agelastes,« redete der Kaiser den greisen Philosophen an, »Du hast die Aufgabe, die ich Dir stellte, vorzüglich gelöst! Wir sprechen Dir Unsere Zufriedenheit aus. Ohne Deine List wäre es kaum geglückt, diesen ungeleckten Bären oder Bullen und seine nicht minder ungeleckte Betze oder Kuh von der Herde zu trennen. Gelingt es Uns, sie Unserem Interesse gefügig zu machen, so wird sich Unser Einfluß auf das Kreuzheer, das in dem Grafen Robert den Tapfersten der Tapferen erkennt, nicht unerheblich steigern.«

»Mein schwacher Verstand hätte solchen klugen Plan nicht ersinnen, geschweige ausführen können,« erwiderte Agelastes, »Eure kaiserliche Hoheit haben in dergleichen Geschäft tatsächlich nicht ihresgleichen.«

»Die beiden Leutchen,« versetzte der Kaiser, »haben die Wahl zwischen Freund und Geisel; als Freund werden sie sich Unsere Güte sichern, als Geisel Uns in die Notwendigkeit setzen, sie Unsere Strenge fühlen zu lassen. Ihre Landsleute werden früher im Kampfe mit den Türken liegen, als sie das Verschwinden ihres Tapfersten der Tapferen merken, und wenn sie es merken, werden sie nicht mehr in der Lage sein, ihn Uns abzutrotzen.« – »Darf ich sprechen und leben?« fragte der Philosoph, »ich halte dafür, daß es durch Klugheit und Milde gelingen dürfte, das gräfliche Paar zu Freunden des kaiserlichen Hofes zu machen.« – »Ich verstehe Dich,« versetzte der Kaiser, »und es soll nichts unterlassen werden, was Unsern Hof in den Augen dieser Wildlinge in Respekt zu setzen vermag; ich will mich ihnen noch heute abend in all meiner kaiserlichen Pracht zeigen; die Löwen Salomons sollen brüllen, der güldne Baum soll seine Wunder entfalten. Doch, Agelastes, was beschäftigt Dich? Ich sehe Dir an, daß Du mir etwas sagen willst?«

Nachdem der Höfling die Stirn dreimal wider den Saum des kaiserlichen Gewandes gedrückt hatte und nach Worten zu ringen schien, um seine abweichende Meinung zum Ausdruck zu bringen, sprach er: »Nach meiner Ansicht möchten die Herrlichkeiten dieses Reiches in diesen europäischen Barbaren lediglich das Verlangen wecken, das Volk, das sich im glücklichen Besitze derselben befindet, mit Krieg zu überziehen; ist doch Gewinnsucht die einzige Triebfeder, die das Tun und Lassen dieser edlen Ritterschaft leitet. Das sattsame Beispiel liefert uns doch Bohemund von Antiochien! Indessen gibt es doch auch wieder bessere Subjekte unter diesen Franken. Zu ihnen gehört wohl auch dieser Graf Robert! Ich erzählte ihm die Sage von der Fürstin von Zulichium; aber Graf Robert achtete kaum meiner Worte; erst als die Rede von dem Drachen war, der dabei bekämpft werden müsse, um den Zauber zu lösen, taute er auf.« – »Gut denn,« erwiderte der Kaiser, »Wir wollen es noch mit anderen Märchenerzählern versuchen, die das Lügen noch besser heraushaben als Du!«

»Wie bei allen Dingen, ist auch hier Vorsicht geboten,« bemerkte demütig der Philosoph; »das Blaue vom Himmel zu lügen, ist keine sonderliche Kunst, so wenig, wie es eine ist, beim Schießen das Ziel zu verfehlen! Um den fränkischen Grafen nach unserm Willen zu lenken, muß man ihn genau kennen; und nicht minder auch seine Herzallerliebste, und ich kann nur sagen, daß sehr wenig fehlte, so hätte mich dieses Mannweib um einer kränkenden Bemerkung willen in meine eigene Wasserschlucht gestürzt.«

»Das soll Uns eine Warnung sein, sie zu beleidigen.« – »Darf ich sprechen und leben?« bemerkte Agelastes, »so hätte der Cäsar wohlgetan, sich zu der gleichen Meinung zu bekennen.« – »Das muß der Cäsar mit seinem Ehgespons abmachen,« erwiderte der Kaiser, »ich habe es ihr ja schon immer gesagt, daß sie ihm mit Unserer Geschichte zu viel zusetzt. Es muß ja selbst einem Heiligen die Geduld reißen, wenn Abend für Abend das gleiche Thema geschmiedet wird. Indessen vergiß diese Worte aus meinem Munde! Erinnere Dich ihrer wenigstens nicht in Gegenwart meiner kaiserlichen Gemahlin und Tochter!«

»Die Gräfin ist eben ein gefährliches Frauenzimmer,« sagte Agelastes, »und damit täte Nikephoros gut, zu rechnen. Den Skythen Toxartis hat sie heute mittag ohne jede andere Waffe als ihre Faust zu Boden gestreckt.« – »Den Toxartis? sprichst Du die Wahrheit?« rief der Kaiser; »nun, auch einer jener frechen Strolche, die für den Tod schon lange reif waren. Aber bring' den Vorfall zu Papier, Agelastes, damit wir im Notfall diese Tat als einen Ueberfall des Grafen von Paris dem Kreuzheere gegenüber verwerten können,« – »Gegen Euer Vorhaben, diesem Franken die salomonischen Löwen und den Wunderbaum zu zeigen, läßt sich im Grunde weiter nichts einwenden, als was ich dagegen bereits eingewendet habe: indessen mochte es gut sein, ihm nicht viele Wachen vor die Augen zu rücken; dieses fränkische Ritterpack kommt mir vor wie ein Rudel feuriger Pferde; sind sie ruhig, lassen sie sich an einem Seidenfaden lenken; werden sie argwöhnisch und wild, lassen sie sich durch den stärksten Stahlzaum nicht meistern! Und wild könntet Ihr den fränkischen Grafen leicht machen, wenn Ihr ihm viel Wachmannschaft vor die Augen rücktet.« – »Ich will es an keiner Vorsicht fehlen lassen,« versetzte der Kaiser; »so läute denn nun die silberne Glocke, Agelastes, zum Zeichen, daß die Diener mich ankleiden sollen.« – »Ein Wort noch, kaiserliche Hoheit, solange wir noch allein sind,« sagte Agelastes, sich bis zum Erdboden verneigend, »wollen mir kaiserliche Majestät die Leitung Ihrer Menagerie anvertrauen?« – »Nimm hier dies Siegel,« sprach der Kaiser, »es macht Dich zum Herrn über Unsere Menagerie-Tiergruben. Nun aber rede einmal offen und ehrlich, Agelastes, denn Dein verstecktes Gesuch hat Uns verwundert. Wie willst Du diese Wildlinge unter Deine Fuchtel bringen?« – Agelastes erwiderte mit tiefer Verbeugung: »Durch nichts weiter als die Macht der Falschheit!« – »Darin erscheinst Du mir als Meister, solange ich Dich kenne,« versetzte der Kaiser; »und auf welche Schwäche ihres Charakters willst Du Deine Geschosse richten?« – »Auf ihre Ruhmsucht!« erwiderte, rückwärts aus dem kaiserlichen Gemache schreitend, der Philosoph.