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»Du läßt nur den wichtigen Punkt außer Erwähnung, wie wir es vermeiden können, wider unser Gelübde zu verstoßen,« bemerkte Herzog Gottfried. – »Ich meine,« erwiderte Bohemund, »es sei in solchem Falle Pflicht eines jeden von uns, das Gelübde zu umgehen. Und daß dies so schwer sei, kann ich nicht finden. Sind wir denn so unbeholfene Reiter, oder sind unsere Rosse so widerhaarig, daß wir den Weg bis nach dem Landungsplatze nicht rückwärts reiten könnten? So können wir doch auch die Schiffe wieder besteigen, sollte ich denken? und in Europa angelangt, bindet uns das Gelübde nicht mehr, da es nur für Palästina lautet.«

Lauter Beifall lohnte dem verschmitzten Sohne des Grafen Guiscard, und Herzog Gottfried rief: »Dergleichen Ausflüchte, wie sie der Bruder Bohemund hier ausklügelt, sind allerdings von Kasuisten mehrfach als statthaft erklärt worden; ich fürchte nur, daß die hier im Rate anwesenden geistlichen Herren sich nicht einverstanden erklären werden.« – Aber Peter der Einsiedler, der ein sehr großes Ansehen besaß, erklärte, die strenge Ausführung des Gelübdes sei schon um deswillen zu verwerfen, weil sie das Heer zu schwächen drohe; da ein so guter Ausweg gefunden sei, solle man keinesfalls auf dem buchstäblichen Sinne des Gelübdes bestehen. Er bot sich zum Schlüsse an, selbst auf seinem Esel rückwärts bis Skutari zu reiten, würde aber vom Herzog Gottfried schnell davon abgebracht, denn dieser fürchtete dadurch bei den Heiden bloß ins Lächerliche zu verfallen; ebenso meinte er, nicht auf das Erbieten des Fürsten Bohemund eingehen zu sollen, weil er die Selbstsucht desselben zu sehr fürchtete; um ihn aber nicht vor den Kopf zu stoßen, erklärte er, auf seine Landes- und Völkerkenntnis bei dem syrischen Feldzuge nicht verzichten zu können. Dagegen ernannte er Tankred zum Führer des Zuges nach Konstantinopel zum Zwecke der Befreiung des Grafen Robert und seiner Gemahlin. Bertha gab er eine Nachricht hierüber, an den Grafen mit, in der er ihm zugleich einen ernsten Tadel aussprach wegen seines aller Vorsicht entratenden Verhaltens gegen den griechischen Kaiser und dessen Trabanten;, dann entließ er das kühne Mädchen mit einem Lobe über ihre bei der heiklen Angelegenheit an den Tag gelegte Umsicht und bewiesene Treue.

»Wer sind die beiden Männer, die dort auf Euch warten?« fragte er sie beim Gehen. – »Der eine ist der Schiffsführer, der mich über den Bosporus gebracht hat; der andere ist ein alter, treuer Waräger, der mich hergeführt hat.« – »Ich halte es für geratener, die beiden Männer kehren nicht wieder mit Dir zurück, da sie leicht mehr gesehen haben können, als für uns gut ist,« erklärte Herzog Gottfried und befahl einigen Knappen, sie in ihre Mitte zu nehmen, gab jedoch dem Mädchen die Versicherung mit auf den. Weg, daß sie nur solange zurückgehalten werden sollten, bis Tankred, dessen Obhut er Bertha anempfahl, mit dem Grafen und dessen Gemahlin zurückgekehrt sei.

Tankreds Schar von fünfzig Lanzen mit der ihnen beigegebenen Begleitung von je zehn Mann, zusammen fünfhundert Mann, war alsbald zum Aufbruche bereit und rückte nach einigen kurzen Manövern, ihre Pferde in Gang zu bringen, eine Kolonne von vier Gliedern bildend, auf die von Bohemund gefundene Weise, das Gelübde zu umgehen, nach dem Landungsplatze ab. Erst wußten die Bewohner von Skutari nicht, was sie denken sollten, als sie die Leute rückwärts reiten sahen, endlich aber durchschauten sie die Sache und erhoben ein großes Geschrei. Das bestimmte die meisten Ritter, ihre Pferde Kehrt machen zu lassen und in die Stadt wie sonst einzureiten, da sie fürchten mußten, daß sich die Bewohner beeilen würden, die Schiffe in Sicherheit zu bringen, um sie so an der Überfahrt zu verhindern.

Diese ging trotzdem nicht leicht von statten, denn die Besatzung von Skutari drohte sich den Kreuzrittern ernstlich zu widersetzen, so daß sich Herzog Gottfried von Bouillon genötigt sah, ihnen ein berittenes Kommando zum Beistande zu schicken. Es gelang nun zwar dem größten Teile von Tankreds Mannen, sich einzuschiffen; aber da die Schiffer den Zorn des Kaisers fürchteten, hatten sie sich sämtlich geflüchtet, so daß sich die Kreuzritter genötigt sahen, selbst zu den Rudern zu greifen. Dadurch wurde natürlich die Überfahrt erheblich verzögert, denn die Ritter waren nicht bloß solcher Arbeit ungewohnt, sondern auch mit den Wind- und Strömungsverhältnissen nicht vertraut. Der Abend kam heran, bevor sie das andere Ufer erreichten.

Viertes Kapitel

Alles Volk war in Konstantinopel auf den Beinen am Morgen des anderen Tages, denn zwischen dem Cäsar Nikephoros und dem Grafen Robert von Paris sollte der vom Kaiser verkündigte Zweikampf ausgefochten werden. Für Byzanz war dies ein außerordentliches Schauspiel. An dem westlich von der Stadt gelegenen Ufer waren die Schranken errichtet worden. Von da erblickte man die Stadtmauern mit ihren vierundzwanzig Toren: neunzehn Wasser- und fünf Landtore, ein großartiges Bild, dessen Anblick man teilweise noch heute genießen kann. Wie heute, erhob sich auch damals schon die Stadt in ihrem Umfange von neunzehn englischen Meilen hinter einem Ringe der herrlichsten Zypressen; aber die Zinnen und Obelisken sind zumeist verschwunden; dagegen deuten die vielen Minarets, die jetzt dem Islam dienen, auf den Reichtum an Christentempeln, den die Stadt damals aufzuweisen hatte.

Die Schranken, die eine Länge von sechzig und eine Breite von vierzig Schritten hatten, waren zur Bequemlichkeit der Zuschauer von allen Seiten mit übereinander liegenden Sitzreihen umgeben: in der Mitte dieser Sitze und dem Mittelpunkte der Schranken gegenüber stand ein Podium, bestimmt für den Kaiser und geschieden von den Sitzreihen durch hölzerne Pfähle, die für etwaigen Fall von Gefahr leicht zur Verteidigung eingerichtet werden konnten. Sobald der Tag zu grauen anfing, zogen die Bürger in Scharen zur Stadt hinaus, um sich die Schranken anzusehen, die schon in der Nacht von einer stattlichen Abteilung der Schar der Unsterblichen besetzt worden waren. Neben dem großen Tore, durch das man von außen zu dem kaiserlichen Throne gelangte, befand sich ein zweiter Eingang, durch den eine zweite Schar, ihrem Körperbau, wie ihrer Tracht und Streitaxt nach zu schließen, von der Waräger-Garde, sich Zugang verschaffte, um den Platz um den Thron herum zu besetzen. Ueber diesen Ereignissen kam der Vormittag, und Achilles Tatius, der den Kaiser an diesem wichtigen Tage nicht aus den Augen lassen wollte, eilte nach dem Palaste.. »Kaiser Und Herr!« rief er, voll Hast in das Gemach desselben stürzend; »ich bin zu meinem Leidwesen der Bote schlimmer Kunde. Eine große Schar von Kreuzfahrern ist von Skutari her, im Widerspruch mit dem Eurer Hoheit geleisteten Gelübde über die Meerenge gesetzt. Das Lemnoser Geschwader hat versucht, sie aufzuhalten, gemäß dem im kaiserlichen Kriegsrate für solchen Fall vorgefaßten Beschlusse. Es ist ihm zwar gelungen, ein paar der feindlichen Schiffe mittels des griechischen Feuers zu vernichten: aber den Lateinern unter dem Befehle des verwegenen Tankred ist es geglückt, das Admiralsschiff unserer Flotte in Brand zu stecken, und wie die Rede geht, so ist Phraortes, der unglückliche Admiral, mit der Mehrzahl seiner Mannschaft dabei umgekommen.«

»Und warum meldest Du mir solche Hiobspost erst, wenn nichts mehr dagegen zu tun ist?« fragte, den Akoluth scharf fixierend, der Kaiser.

»Mit Verlaub, Hoheit,« erwiderte der Verschworene, »ich dachte, Euch einen Plan zu unterbreiten, der das kleine Mißgeschick wieder gut machen könnte.« – Schön,« sagte der Kaiser trocken, »und, was für ein Plan ist das?« – »Ich würde raten, ungesäumt Eure Waräger gegen die wider ihr Gelübde unter Tankreds Befehl zurückgekehrten Kreuzfahrer ins Feld rücken zu lassen; sie dürften mit den fünfhundert Franken schneller aufgeräumt haben, als der Bauer die Mäuse und Ratten auf seinem Felde los wird.« – »Und was beginne ich in dieser Zeit, wenn sich meine Angelsachsen draußen schlagen?«