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Nun brachte der Laird von Balmawhapple einen vollen Humpen aus auf »das schwarze Samtmännchen«, das anno 1702 so treffliche Dienste geleistet habe, und wünschte, daß das weiße Pferd über dem von ihm gegrabenen Wall den Hals brechen möge!

Edwards Kopf war im Augenblick nicht klar genug, aus diesen Worten herauszumerken, daß sie auf König Williams Sturz mit seinem Rosse über einen Maulwurfshügel anspielten; nichtsdestoweniger mußte ihm dieser Trinkspruch verdächtig vorkommen, denn er las in den Augen des Nimrods zu deutlich, daß eine ungeziemende Anspielung darin auf den Regenten enthalten sein müsse, in dessen Diensten er stand. Aber bevor er hierauf zu antworten vermochte, polterte der Baron von Bradwardine voller Ingrimm los:

»Sir, gleichviel, wie es in diesen Punkten um meine Privatmeinung stehen mag, so kann ich doch nicht dulden, daß hier Dinge zur Aeußerung kommen, die der Ehre eines Edelmannes zu nahe treten könnten, der sich zurzeit unter meinem Dache aufhält. Sir, wenn es Euch auch an dem Respekt vor den Gesetzen der Höflichkeit gebricht, so wollt Ihr doch wenigstens den militärischen Eid, jenes Sacramentum Militare, respektieren, wodurch jeder Offizier an die Fahne gebunden ist! Leset gefälligst im Titus Livius nach, was dort von den römischen Soldaten gesagt wird, die so unglücklich waren, ihren Soldateneid zu brechen, exunguere sacramentum. Aber, Sir, Ihr seid nun mal ein Ignorant in der alten Geschichte sowohl, als in Dingen der jetzt üblichen Lebensart.«

»Kein solcher Ignorant, wie es Euch beliebt mich zu nennen!« schrie Balmawhapple; »ich weiß zur Genüge, daß Ihr es abseht auf die geheiligte Konvention; aber wenn alle Whigs in der Hölle zusammengenommen ...«

Hier fielen ihm der Baron und Waverley zusammen ins Wort, und der Baron schrie:

»Schweigt, Sir! Ihr beweist nicht bloß Ignoranz, sondern blamiert auch Euer Vaterland in Anwesenheit eines Fremden und Engländers auf das schimpflichste ...«

Hier bat Waverley den Baron von Bradwardine um die Erlaubnis, einen Schimpf zu beantworten, der auf ihn persönlich gemünzt zu sein scheine. Aber der Baron, erhitzt vom Wein und Grimm und Zorn, war nun gleichfalls außer Rand und Band geraten.

»Ich muß bitten, Kapitän Waverley, sich ruhig zu verhalten! Ihr seid überall anderswo, sui juris [nach persönlichem Recht] , frei von Familienzwang, das heißt, es steht Euch frei, zu denken und handeln und Euch zu rächen auf eigne Faust. Aber in meinem Haus und Hof, im Bereich dieser armseligen Herrschaft Bradwardine, das quasi mein Eigentum ist, als stillschweigend weiterlaufende, wenn auch willkürliche Pachtung, bin ich für Euch verantwortlich, in loco parentis [an Stelle eines Verwandten] habe ich Euch zu schützen gegen Beschimpfung. Und Euch, Mr. Balmawhapple, Euch warne ich, mich keine weitere Abweichung von dem Pfade guter Sitte bemerken zu lassen.«

»Und ich sage Euch, Mr. Cosmo Cormyne Bradwardine von Bradwardine und Tully-Beolan,« erwiderte der Weidmann mit beißendem Hohn, »ich mache aus jedem ein Wasserhuhn, der mir in meinem Spruch nicht Bescheid tut, mag er ein mopsöhriger englischer Whig sein mit dem schwarzen Band am Ohrlappen, oder einer, der seine Freunde im Stich läßt, um bei den Hannöverischen um Gunst zu betteln.«

Im Nu schwangen beide ihre Klingen und fochten ein paar wilde Gänge. Balmawhapple war jung und kräftig und heftig, aber der Baron war ein ungleich größerer Meister in der Führung seiner Waffe und hätte seinem Gegner sicher ganz andre Stiche versetzt, als er sich es in diesen ersten Gängen erlaubt hatte, wenn er bloß nicht zu sehr unter, dem Einflusse des »geweihten Bären« gestanden hätte.

Edward sprang von seinem Sitze auf, um sich zwischen die Kämpfenden zu werfen, aber der umgestürzte Koloß des Laird von Killancureit hielt ihn auf, so daß es sicher Mord und Totschlag gegeben hätte, wenn nicht von andrer Seite Hilfe gekommen wäre, und zwar von seiten der Wirtin, die sich bislang ruhig hinter der Ofenwand verhalten hatte, eifrig mit der Berechnung der Zechschuld beschäftigt, die die drei Lairds zu bezahlen hatten, jetzt aber durch das Schwertergeklirr, trotzdem es in ihrer Schenke nicht zu den Seltenheiten gehörte, veranlaßt wurde, vorzutreten. Als sie sich mit einem raschen Blick von der Situation überzeugt hatte, stürzte sie beherzt vor und beschwerte sich unter lautem Geschrei, »wie die gnädigen Herren dazu kämen, sich hier in ihrem Hause zu schlagen und eine arme Witwe in schlechten Ruf zu bringen, da es doch wahrlich an Acker und Feld, wo sie sich schlagen könnten, in Schottland nicht fehle!«

Diesem Einwand gegen die Schlägerei der beiden Edelleute gab sie kräftigen Nachdruck dadurch, daß sie ihr Plaid mit großer Geschicklichkeit über die Klingen warf, worauf nun auch die zum Glück noch nüchternen Diener herzueilten, und die beiden Kampfhähne, mit Hilfe von Edward und Killancureit, der sich inzwischen von der Erde aufgerichtet hatte, auseinander brachten. Killancureit schaffte Balmawhapple fort, der noch immer wie ein Rohrspatz auf alles, was Whig und Presbyterianer und Fanatiker in England sei, schimpfte und nur mit großer Anstrengung aufs Pferd zu bringen war.

Waverley dagegen geleitete mit Unterstützung Saunders Saundersons den Baron von Bradwardine in seine Wohnung. Der Baron konnte es aber nicht über sich bringen, eher sich zu Bett zu begeben, als bis er die Vorgänge dieses Abends durch eine lange, gelehrte Apologie »weißzuwaschen« versucht hatte, von der aber außer den beiden Worten »Kentauren« und »Lapithen« nichts zu verstehen war.

Elftes Kapitel

Waverley war an Weingenuß nicht gewöhnt. Er schlief die ganze Nacht hindurch bis in den späten Morgen hinein, und als er erwachte, traten ihm die Vorgänge des verwichenen Abends wieder in die Erinnerung und bereiteten ihm unsägliche Pein. Er, ein Edelmann, ein Soldat, ein Waverley, war auf grobe Weise beleidigt worden! Freilich war die Person, von der die Beleidigung über ihn gekommen war, nicht im Zustande der Zurechnungsfähigkeit gewesen; freilich sagte er sich, daß er, wenn er diese Beleidigung rächen wolle, die himmlischen Gesetze ebenso verletze, wie die seines Vaterlandes; ebenso verhehlte er sich nicht, daß er, wenn er die Sache weiter verfolgen wolle, das Leben eines Mannes aufs Spiel setzte, der vielleicht im übrigen den ihm als Staatsbürger wie als Mensch obliegenden Pflichten pünktlich nachkäme; ebenso, daß er auch mit dem eignen Leben spiele. Das waren alles Dinge, die ihm schwer auf dem Herzen lasteten, aber immer und immer wieder kehrte mit unverminderter Kraft der ihm angeborne Stolz wieder. Und da ihm die Beleidigung zugefügt worden war mit ausdrücklichem Hinweis auf seine militärische Eigenschaft, so gab es für ihn keinen Zweifel mehr. Er begab sich in das Frühstückszimmer in der Absicht, sich von der Familie zu verabschieden und einen seiner Kameraden zu bitten, daß er ihm halbwegs entgegenkomme, um dann, je nach den Umständen, seine Forderung an den Laird Balmawhapple zu überbringen.

In der Frühstücksstube traf er Miß Bradwardine allein. Sie war eben damit beschäftigt, den Tee und Kaffee aufzugießen und die Tafel mit all dem Luxus eines echten altschottischen Frühstücks herzurichten, wozu frisches Gersten- und Weizenbrot, Eier, Renntier-, Schöps- und Rindskeule gehörten, ferner Lachs und Schinken und eingemachtes Obst und Hafermehlsuppe, ferner Buttermilch in gleicher Mischung in silbernem Kruge. Die letzten Gerichte waren besonders bestimmt für den Baron, aber Miß Rosa bemerkte, daß der Vater zu sehr früher Stunde schon ausgegangen sei und den Befehl hinterlassen habe, den Junker auf keinen Fall im Schlafe zu stören.

Waverley verhielt sich stumm und war, als er sich an die Tafel gesetzt hatte, so zerstreut und gar nicht bei der Sache, daß Miß Bradwardine keine besonders vorteilhafte Meinung von seiner Unterhaltungsgabe gewann. Ein paar Fragen, die sie über gleichgültige Dinge aufwarf, beantwortete er nebenhin. Auf einmal aber sprang er auf, denn ein Blick in den Garten hatte ihm ein Bild gezeigt, auf das er in seiner dermaligen Stimmung am wenigsten vorbereitet war. Im Garten kamen Arm in Arm der Baron von Bradwardine und der Laird Balmawhapple, anscheinend in tiefes Gespräch versunken, und letzterer mit verbundnem Arm!