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»Du sprichst wohl wahr, Kamerad,« erwiderte Bertram, »und in dieser Hinsicht verdienen die Spielleute freilich Tadel. Indessen ist solcher mein Fehler nie gewesen: im Gegenteil!... Aber wenn Ihr erlaubt, so will ich jetzt ein Wort mit meinem Augustin sprechen, daß wir morgen beizeiten auf den Beinen sein müssen.«

»Tut das, Freund,« sprach der Soldat, »und zwar um so schneller, als ja doch unser karges Abendbrot wird warten müssen, bis Ihr fertig seid, daran teilzunehmen.«

»Hierzu will ich kein Aufenthalt sein,« erwiderte Bertram, »denn auch mich verlangt es nach ein paar Bissen.«

»Dann kommt«, sagte Dickson, der seit kurzem wieder in der Stube war; »ich will Euch zeigen, wo ich dem jungen Vogel sein Nest gebettet habe.«

Er stieg eine Holztreppe hinauf und klopfte an eine Tür.

»Euer Vater,« sagte er, als sie sich öffnete, »will mit Euch sprechen, Herr Augustin.«

»Entschuldigt, bitte, Herr Wirt«, versetzte der also Angeredete; »weil die Stube gerade über Eurer Eßstube liegt und der Fußboden wohl nicht im sichersten Stande ist, habe ich wohl oder übel horchen müssen, was unten gesprochen wurde.«

»Wie gefällt Euch denn die Aussicht, drüben im Kloster zu weilen?« fragte der Wirt. »Recht gut,« erwiderte die als Augustin eingeführte Dame, »sofern der Abt, wie es seinem Berufe ziemt, ein freundlicher Herr ist.«

»Der ist um so freundlicher,« meinte Tom Dickson lachend, »je tiefer Ihr mit der Hand in die Geldkatze greift.«

»Das muh ich schon meinem Vater überlassen,« erwiderte Augustin, »der ihm wohl billige Forderungen nicht abschlagen wird.«

»Gut, mein Sohn,« sagte Bertram, »und damit du morgen beizeiten bereit bist, soll dir der Wirt Speise und Trank heraufbringen. Lege dich dann zeitig schlafen. Der morgige Tag wird neue Arbeit bringen.«

Unten wurde Stampfen von Hufen laut. Die Soldaten salutierten vor einem Reitersmann. Bertram merkte bald aus dem Gespräch heraus, das nun unten anhub, daß der Berittene der Ritter war, zu dessen »Lanze«– nach dem damaligen Kriegsausdruck – die beiden Armbrustschützen gehörten, und Aymer de Valente hieß, seinem Range nach Adjutant des Gouverneurs vom Schlosse Douglas.

Uni jedem Verdacht die Spitze abzubrechen, meldete sich Bertram auf der Stelle bei dem Ritter, den er mit seinen Untergebenen zusammen beim Abendtische traf. Die Befragung Bertrams durch den Ritter war bei weitem genauer und umständlicher als vordem durch den Bogenschützen, vollzog sich aber unter Wahrung höflichster Formen. Sehr zufrieden war Bertram, daß Aymer de Valence nicht darauf bestand, den Sohn zu sehen, und daß der Ritter gern darein willigte, für denselben die Abtei als passenden ruhigen Wohnsitz zu wählen, bis der Gouverneur über seinen weiteren Verbleib Entscheidung getroffen habe.

Mit Tagesanbruch begab sich der Sänger unter dem Geleit des Ritters mit seinem jungen Sohne nach der Abtei und traf mit dem Abte Hieronymus die Abrede, daß sein Sohn mit Genehmigung des Ritters Aymer de Valence in der Abtei Herberge und Verköstigung gegen eine entsprechende Vergütung in Form eines Almosens für solange erhalten solle, bis die Bedingungen über seine Weiterreise nach dem Schlosse Douglas in zustimmendem oder verneinendem Sinne Entscheidung gefunden hätten.

»So lebe jetzt wohl, Augustin,« sprach Bertram, als er sich verabschiedete, »ich werde keinen Tag länger im Schlosse Douglas verweilen, als mein Geschäft verlangt. Du weißt, daß ich in alten Büchern nachzuschlagen habe. Ist diese Aufgabe erledigt, komme ich in die Abtei mit dem Entscheide Sir de Waltons.«

Hierauf trennten sie sich. Der Sänger begab sich mit dem englischen Ritter und dessen Gefolge nach dem Schlosse. Der Jüngling blieb zurück bei dem Abte, der zu seiner Freude feststellte, daß sich der Sinn seines jugendlichen Gastes mehr auf geistliche Dinge als auf das Frühmahl richtete, das ihm selbst aber erwünschter zu sein schien.

Drittes Kapitel

Um schneller zum Schlosse Douglas hinaufzukommen, lud der Ritter den Sänger ein, hinter ihm aufzusitzen, wozu sich derselbe gern bereit erklärte.

Zwei Armbrustschützen, ein Stallknecht und ein Knappe, welcher die Ritterschafts-Ehre in Aussicht hatte, bildeten das Geleit, ebensowohl geeignet, den Sänger an der Flucht zu verhindern als vor feindlicher Gewalttat zu schützen.

»Es ist zwar im allgemeinen für Wanderer hierzulande von Gefahr so gut wie keine Rede. Aber es wird Euch zu Ohren gekommen sein, daß im vergangenen Jahr Unruhen ausgebrochen sind, die uns bestimmen mußten, Schloß Douglas schärfer zu bewachen. Reiten wir aber weiter, denn der Charakter des Landes entspricht seinem Urnamen und der Schilderung der Häuptlinge, deren Besitztum es bildete. Dunkelgrau hießen sie, denn das bedeutete der Name »Sholto dhu Glas«, und ins Dunkelgraue hinein geht unser Ritt, wenn er auch zum Glück nicht lange dauern wird.«

Der Morgen war allerdings dem eben genannten gälischen Namen entsprechend. Es war ein feuchtes, finsteres, neblichtes Wetter. Über den Höhen lagerte Nebel, über Bächen, Hutweiden, Morästen wallte Nebel, an Bäumen und Sträuchern hing Nebeclass="underline" Nebel so dicht, daß man ihn mit dem Schwert durchhauen konnte; Nebel so zäh, daß der Frühlingswind nicht stark genug war, seine Schleier zu lüften. Der Weg für die Reiter war bedingt durch den Stromlauf im Tale. Die Ufer des Douglas zeigten im allgemeinen die dunkelgraue Färbung, die Sir Aymer de Valence als vorherrschende Färbung des Landes bezeichnet hatte. Einförmig war der Anblick und wirkte beängstigend. Ritter Ahmer fand offenbar Vergnügen an dem Gespräch mit Bertram, der viel Kenntnisse besaß und sehr gewandt in der Unterhaltung war, wie es die Regel zu sein pflegt bei Leuten seines Standes. Der Sänger hinwiederum zog gern Kunde ein über den dermaligen Zustand im Lande und ließ keine Gelegenheit außer Acht, die Unterhaltung im Flusse zu halten.

»Du fragtest nach meinem Geschlechte, Sänger«, äußerte nach einer kurzen Pause der Ritter; »wir entstammen normannischem Blute und gehören dermalen zum edlen Hause von Pembroke. Wenn ich zurzeit auch auf den spärlichen Sold angewiesen bin, mit dem meine Charge in diesem schottischen Kleinkriege bezahlt wird, so werden mir doch dereinst durch die Gnade der Heiligen Jungfrau Schloß und Ländereien zufallen, mit Platz übergenug für einen Sänger und Spielmann wie dich! Und gern will ich dann dich bei mir aufnehmen, falls dir deine Talente nicht inzwischen einen besseren Beschützer gegeben haben sollten.«

»Vielen Dank, edler Ritter,« sprach der Sänger, »für Eure löbliche Absicht; ich darf indessen wohl sagen, daß ich nicht, wie viele meiner Brüder vom Handwerk, bloß nach Geld und irdischem Gute trachte.«

»Wer den Durst nach Ruhm im Herzen trägt,« antwortete der Ritter, »der kann für Liebe zum Golde dort nicht viel Raum freihaben. Aber noch hast du mir nicht gesagt, Freund Sänger, welcher Art die besonderen Gründe find, die dich zur Wanderung nach solcher unwirtlichen Stätte bestimmten.«

»Das sagen Euch wenige Worte, Herr Ritter«, sagte der Sänger; »Schloß Douglas und die tapferen Taten, die dasselbe gesehen, sind weit nach England hinein erklungen. Auch gibt es keinen tapferen Ritter oder frommen Sänger, dem das Herz nicht höher schlüge, wenn ihm der Name der hehren Feste in die Ohren klingt, die ehedem niemals der Fuß eines Engländers betreten hat, außer als Gast des gefeierten Schloßherrn. Es liegt ein seltener Zauber in den beiden Namen Sir John de Walton und Sir Aymer de Valence, den Namen der kühnen und tapferen Verteidiger der alten Feste, die von ihren alten Herren so häufig und mit solch grausamer Kriegführung zurückerobert wurde, daß man sie in England unter keinem anderen Namen nennt als dem des gefährlichen Schlosses oder der Feste am Blutsumpf.«