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»Ich möchte gern aus deinem Munde,« versetzte der Ritter, »die Geschichten und Sagen hören, die dich zur Wanderung nach solch unruhigem und gefährlichen Lande bestimmten, bloß um späteren Zeiten interessante Kunde von ihm zu geben.«

»Sofern Ihr über dem Bericht eines Sängers nicht die Geduld verliert,« sagte Bertram, »so will ich Euch gern erzählen, was ich vom alten Douglas und seinen Nachkommen weiß, denn mir schafft die Übung meines Berufes immerdar Freude und Genuß.«

»Du sollst einen aufmerksamen Zuhörer an mir finden«, sprach der junge Ritter; »und ist auch der Lohn nicht groß, den ich dem Sänger zahlen kann, so wird dich mein gespanntes Ohr doch allezeit freuen.«

»Ein elender Fiedler,« versetzte der Sänger, »der sich dadurch nicht besser gelohnt findet als durch Gold und Silber, und wären es gleich englische Rosenobles. Um diesen Preis beginne ich, eine lange Erzählung, die vielleicht in mancherlei Details einen besseren Dichter heischt als mich, und hunderten solcher Kriegsmänner wie Ihr zur Ohrenweide dienen kann,«

Viertes Kapitel

»Es ist wohl, glaube ich, nicht vonnöten, Euer Gnaden zu bemerken, daß die Lairds von Douglas, die dieses Schloß erbauten, an Alter ihres Stammbaumes keinem Geschlecht in Schottland nachstehen. Rühmen sie sich doch selber, daß ihr Haus nicht gleich anderen langsam bekannt wurde und sich hervortat, sondern daß es urplötzlich auftaucht und sogleich mit dem Ruhme hoher Auszeichnung vor die Welt tritt. »Im Baume könnt ihr uns heißen,« sprechen die Douglas, »aber nicht als schwächliches Reis; auch im Strome könnt ihr uns sehen, aber nicht bis zur Quelle uns folgen.« Kurzum, sie stellen in Abrede, daß Geschichtsschreiber oder Genealogen imstande sind, einen ersten niedrigeren Mann nachzuweisen des Namens Douglas, welcher seinem Geschlechte als Ursprung gelebt hätte, und wahr ist ja auch, daß das Geschlecht der Douglas, soweit es bekannt ist, stets Ruhm genoß durch Tapferkeit und Kühnheit, und zugleich auch die Macht besaß, durch Kühnheit zum Erfolg und zum Sieg zu gelangen.«

»Genug«, sagte der Ritter; »von dem Stolz und der Macht dieses Hauses habe ich viel gehört und nicht im geringsten die Absicht, die kühnen Ansprüche desselben auf Achtung und Ansehen zu leugnen oder herabzusetzen.«

»Ihr habt doch sicher auch, edler Herr,« bemerkte der Sänger, »von James Douglas, dem derzeitigen Erben des Hauses, gehört?«

»Mehr denn genug,« antwortete der englische Ritter: »daß er ein standhafter Anhänger des in die Acht erklärten Verräters William Wallace war; daß er, als jener Robert Bruce, der König von Schottland zu sein vorgibt, sein Banner erhob, alsbald als Rebell aufstand; daß er seinem Oheim, dem Erzbischof von St. Andrews, Geld über Geld raubte, um die magere Schatzkammer des schottischen Thronräubers zu füllen; daß er Diener seines Verwandten verführt, die Waffen ergriffen hat, nach wie vor Prahlhans bleibt, obgleich er schon wiederholt derbe Züchtigung erfahren hat, und nach wie vor all denen mit Unheil und Schaden droht, die im Namen von Recht und Gesetz und im Auftrag des rechtmäßigen Herrschers das Schluß Douglasdale verteidigen.«

»So beliebt es Euch zu sprechen«, versetzte Bertram; »ich bin aber überzeugt, Ihr würdet mich, wäret Ihr Schotte, mit Geduld anhören, wenn ich erzählte, was von dem jungen Douglas von Leuten gesprochen wird, die ihn gekannt haben. Aus deren Reden geht hervor, daß er gar wohl der Mann sei, den Ruhm seines Namens zu wahren und zu mehren; daß er vor keiner Gefahr, um der Sache von Robert Bruce zu dienen, zurückscheue; daß er gelobt habe, mit der kleinen Streitmacht, die er stellen könne, sich an jenen Männern aus dem Süden zu rächen, die sich seit Jahren, seiner Auffassung nach zu Unrecht, in den Besitz des Schlosses seiner Väter gesetzt haben.«

»O, von seinen Unternehmungen und Drohungen gegen unseren Schloßhauptmann und uns ist übergenug verlautbart. Indes halten wir es nicht eben für wahrscheinlich, daß Sir John de Walton ohne Befehl seines Königs Douglasdale räumen werde, wenngleich sich das Küchlein Douglas herausnimmt, lauter zu krähen als ein ausgewachsener Kampfhahn.«

»Herr Ritter,« sagte hierauf Bertram, »unsere Bekanntschaft ist nur kurz, und doch sagt mir mein Gefühl, sie sei mir Bürgschaft dafür, daß meine Hoffnung, Ihr und James Douglas möchten einander nicht früher treffen, als bis der Zustand beider Länder eine friedliche Zusammenkunft ermöglicht, bei Euch keinen Anstoß erregen werde.«

»Sehr verbunden, lieber Freund«, erwiderte Sir Aymer; »du scheinst übrigens von der Achtung, die dem jungen Douglas gebührt, wenn man in diesem Tal, der Stätte seiner Geburt, von ihm redet, ein richtiges Gefühl zu haben. Nur darum möchte ich für meine Person bitten, lieber Sänger, bleibe streng bei der Wahrheit, deiner Gewohnheit gemäß, wenn du der Nachwelt von mir erzählst, melde also nicht, dein Bekannter vom heutigen Frühlingsmorgen, mag er noch am Leben oder schon tot sein, habe zu den Lorbeeren des James Douglas einen neuen Kranz geflochten, den ausgenommen, den der Tod demjenigen flicht, dessen Los es ist, durch einen stärkeren Arm oder durch das größere Glück des Gegners zu erliegen.«

»Für Euch, Herr Ritter, fürchte ich nicht,« sagte der Sänger, »denn Ihr besitzt den glücklichen Charakter, der kühn in der Jugend und in vorgerückterem Alter für weisen Rat eine ergiebige Quelle ist. Ich möchte nicht, daß mein Vaterland durch frühen Tod solchen Ritters Verlust litte.«

»Du bist also aufrichtig genug, England den Vorteil guten Rates zu wünschen,« sprach Sir Aymer, »obgleich du dich in der Kriegsfrage auf Schottlands Seite neigst.«

»Gewiß, Herr Ritter,« erwiderte der Sänger, »denn da ich wünsche, daß Schottland und England ihr wahres Interesse erkennen, bin ich auch verpflichtet, beiden das gleiche Glück zu wünschen. Nach meiner Meinung sollten sich beide Länder bemühen, in Freundschaft und Frieden zu leben. Dann könnten beide furchtlos der Feindschaft der ganzen Welt trotzen.«

»Hegst du solch freisinnige Meinung, Sänger, dann müßtest du, meine ich, auch für den Sieg der englischen Waffen in diesem Kriege beten; gleichen die Aufstände dieses hartnäckigen Landes doch völlig dem Kampf des auf den Tod verwundeten Hirsches, der mit jedem Aufflackern seiner Kräfte schwächer wird, bis die Hand des Todes seinen Widerstand völlig zähmt.«

»Nicht also, Herr Ritter«, sagte der Sänger; »wohl dürfen wir Sterblichen in unserem Gebet, ohne uns eines Vergehens schuldig zu machen, dem Zweck, den wir ersehnen, Ausdruck geben; aber es ziemt uns nicht, einer allwissenden Vorsehung die Art und Weise namhaft zu machen, wie unsere Gebete erfüllt werden sollen, oder einem Lande den Untergang, wie einem Hirsche den Gnadenstoß zu wünschen. Ob ich mich auf mein Herz oder auf meinen Verstand berufe, immer muß ich den Himmel bitten, Recht und Billigkeit in dem vorliegenden Falle walten zu lassen; und sollte ich Besorgnis um Euretwillen hegen bei einer Begegnung zwischen Euch und Douglas, geschähe es doch nur, weil er meinem Dafürhalten nach die bessere Sache vertritt. Zudem haben ihm überirdische Gewalten den Sieg verheißen.«

»Das sagt Ihr mir, Herr Sänger,« rief in drohendem Tone Ritter Aymer, »und doch wißt Ihr, wer ich bin und welches Amt ich bekleide.«

»Eure Gewalt und Würde kann Recht nicht in Unrecht wandeln und keinen Beschluß der Vorsehung abwenden«, erwiderte Bertram; »bekannt ist Euch ja, daß sich James Douglas schon dreimal wieder in den Besitz des Schlosses seiner Ahnen gesetzt hat, und daß es der jetzige Schloßhauptmann mit dreifach überlegener Streitmacht und auf Grund feierlicher Zusage behauptet: der Zusage, daß ihm die Baronie Douglas mit allem Zubehör als freies Besitztum anheimfallen solle, wenn er das Schloß auf Jahr und Tag gegen die schottische Streitmacht hält. Aber ebenso bekannt wird Euch auch sein, daß dieser Zusage die Bedrohung gegenübersteht, als Ritter entehrt und als Verräter erklärt zu werden, wenn er sich während solches Zeitraums die Feste durch List oder Gewalt entwinden läßt, und daß allen Häuptlingen, die unter ihm kommandieren, die gleiche Belohnung, aber auch die gleiche Strafe winkt.«