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»Dann laßt mich klar und deutlich hören, über welchen Fall Ihr meine Meinung zu wissen begehrt!« entgegnete de Valence; »ich werde sie dann bestimmt und deutlich äußern und ohne Zaudern vertreten, auch wenn mich das Unglück treffen sollte – ein für einen jungen, untergeordneten Ritter unverzeihliches Vergehen – verschiedener Ansicht mit Sir John de Walton zu sein.«

»Ich frage Euch also, Herr Ritter,« sagte hierauf der Schloßhauptmann, »was Eure Meinung über den Sänger Bertram ist und ob gegen ihn und seinen Sohn nicht Verdacht genug vorliegt, um beide in scharfes Verhör mit gewöhnlicher und außerordentlicher Befragung zu nehmen, wie solches in solchen Fällen gehandhabt wird, und ob nicht Anlaß genug vorliegt, sie unter Strafe der Geißelung aus Schloß und Gebiet von Douglasdale zu vertreiben, sofern sie sich in der Gegend hier wieder betreffen lassen.«

»Herr Ritter de Walton,« antwortete Sir Aymer, »ich will Euch meine Antwort so frei und offen geben, als stünden wir noch auf dem freundschaftlichen Fuße früherer Tage. Daß die meisten der heute die Sangeskunst ausübenden fahrenden Leute den höheren Ansprüchen dieses edlen Standes nicht mehr genügen, ist meine Meinung gleich Euch. Die lockeren Sitten der Zeit haben diese sogenannten Sänger quantitativ verringert und qualitativ verschlechtert. Indessen glaube ich, diesen Bertram als einen Sänger ansehen zu müssen, auf welchen diese Charakterisierung nicht zutrifft. Nach meiner Auffassung ist er ein Mann, der das Knie nicht vor dem Mammon beugt. Es bleibt Euch überlassen, Sir Walton, darüber zu entscheiden, ob solch eine Person von moralisch strengem Sinne dem Schlosse irgendwie gefährlich werden könne. Da ich ihn aber auf Grund der mit ihm gewechselten Reden für unfähig halte, Verräterrollen zu spielen, muß ich entschieden Einspruch dagegen erheben, daß er innerhalb der Mauern einer englischen Garnison als Verräter der Folter unterworfen oder in Strafe genommen wird. Ich würde erröten ob meines Vaterlandes, wenn es uns das Ansinnen stellen sollte, solches Unglück und Elend über Wanderer zu verhängen, deren einziger Fehler in ihrer Armut besteht. Euer ritterlicher Sinn wird Euch das eindringlicher zeigen, als es mir in meiner untergeordneten Stellung erlaubt sein kann, Euch gegenüber zu schildern.«

Sir Waltons finstere Stirn überflog jähe Röte, als er die von ihm ausgesprochene Ansicht als unritterlich verwerfen hörte. Es fiel ihm schwer, den Gleichmut zu wahren, indes er hierauf die Antwort gab: »Sir Aymer, ich danke Euch, daß Ihr mir Eure Meinung rücksichtslos bekannt gabt, trotzdem sie sich in so scharfem Gegensatz zur meinigen bewegt. Indes muß ich dabei beharren, daß die mir vom König erteilten Befehle sich mit den Anschauungen, die Ihr vertretet, nicht decken, sondern mir ein anderes Verhalten vorzeichnen, und zwar dasjenige, welches ich vordem in Worte kleidete.«

Die beiden Ritter verneigten sich mit steifer Förmlichkeit. Dann fragte der Jüngere, ob ihm der Schloßhauptmann noch besondere Befehle für den Dienst zu erteilen habe und verabschiedete sich auf den verneinenden Bescheid des anderen hin.

Der Schloßhauptmann ging eine Weile lang in lebhaftem Verdrusse über den Ausgang dieses Gespräches in dem Gemach auf und nieder und überdachte, welches Verfahren unter solchen Umständen am besten einzuschlagen sei. »Ich mag nicht um anderer Launen willen,« schloß er, »aufs Spiel setzen, wonach ich in zwölfmonatlichem Dienste beschwerlichster und widerwärtigster Art gerungen habe. Direkt auf mein Ziel will ich lieber vorgehen und die gleichen Vorsichtsmaßregeln in Anwendung bringen wie seinerzeit in der Gaskogne und in der Normandie – holla, Pape! bestelle mir Gilbert Greenleaf, den Armbrustschützen!«

Nach wenigen Minuten trat der Gerufene ein.

»Welche Kunde bringst du mir, Gilbert?«

»Ich war in Ayr, Sir Walton. Des Grafen Pembroke Lager ist versessen auf echte spanische Bogenstäbe aus Coruna. Zwei Schiffe sind mit solcher Fracht, wie es heißt, für das königliche Heer in Ayr gelandet. Ich glaube aber nicht, daß auch nur die Hälfte der Fracht an diese Adresse gelangt ist.«

»Wer soll die übrigen bekommen haben?« fragte der Schloßhauptmann.

»Bei den Schotten heißt es,« entgegnete Greenleaf, indem er die Achsel zuckte und beiseite sah, »ihr Robert Bruce mit seinen Vettern beabsichtige einen neuen Maientanz, und der geächtete König wolle zu Sommers Anfang mit einer stattlichen Schar derben Landvolkes aus Irland bei Turnberry landen. Zweifelsohne stehen die Leute seiner Grafschaft Carwick in Bereitschaft, bei solchem hoffnungsreichen Unternehmen mit Bogen und Speer mitzutun. Mehr als ein Bündel Pfeile wird es uns, wie ich rechne, schwerlich kosten, dort Ordnung zu schaffen.«

»Ihr sprecht von Verschwörungen hierzulande, Greenleaf?« fragte de Walton; »ich kenne Euch doch als tüchtig und tapfer, als einen Schützen, der Bogen und Sehne zu spannen weiß und nicht gestatten wird, daß solches Treiben unter seiner Nase vorgeht –«

»Weiß der Himmel, alt genug bin ich,« erwiderte Greenleaf, »und Erfahrung in diesen schottischen Kriegen besitze ich nachgerade mehr denn genug, und niemand braucht mir zu sagen, ob diese Schotten ein Volk sind, dem König und Kriegsleute trauen dürfen oder nicht. Wer von den Schotten sagt, sie seien falsches Gesindel, der redet keine Lüge – bei Gott nicht! Euer Gnaden wissen, wie mit ihnen umgegangen werden muß: Ihr reitet sie mit scharfen Sporen und zieht die Zügel straff an! Wie sich einfältige Neulinge denken können, mit solchem Volk durch Artigkeit und Großmut fertig zu werden, dem solche Dinge unbekannte Begriffe sind, ist mir altem Kerl ein Rätsel.«

»Gilbert, ich befehle dir, klar und aufrichtig gegen mich zu sein und alles, was auf Anspielungen hinausläuft, zu lassen. Du wirst wissen, daß es niemand zum Schaden gereicht, Vertrauen in mich zu setzen.«

»Das will ich gewiß nicht bezweifeln oder gar bestreiten, Herr,« erwiderte der alte Haudegen, »nichtsdestoweniger käme es auf Unvorsichtigkeit hinaus, alles bekannt geben zu wollen, was solch altem Kerl wie mir in einer so wichtigen Garnison wie Schloß Douglas in den Kopf schießt. Den Ruf als Zwischenträger und Unheilstifter hat man unter Kameraden schnell weg, und ich, Herr Hauptmann, reiße mich auf meine alten Tage nach solcher Auszeichnung ganz gewiß nicht!«

»Rede offen mit mir,« versetzte Sir de Walton, »und scheue dich nicht vor übler Deutung, gleichviel welcher Stoff deinen Mitteilungen zugrunde liegen mag!«

»Wenn ich die Wahrheit sagen soll,« antwortete Gilbert, »so fürchte ich mich nicht der Vornehmheit des jungen Ritters, denn ich bin der älteste Soldat der Garnison und habe die Armbrust gespannt schon lange, ehe er der Muttermilch entwöhnt war.«

»Euer Verdacht richtet sich also auf de Valence?« fragte Sir Walton.

»Auf nichts, was des jungen Ritters Ehre angeht, denn er ist so tapfer wie jeder andere und nimmt in Anbetracht seiner Jugend einen hohen Rang in der englischen Ritterschaft ein; allein er ist jung, wie Euer Gnaden weiß, und die Wahl, die er für seine Gesellschaft trifft, macht mir mancherlei Sorge.«

»Ihr meint den Sänger – wie?«

»Ich meine, es ziemt sich wenig für einen englischen Ritter gleich ihm,« erklärte Gilbert Greenleaf, »sich Tag für Tag mit dem fahrenden Sänger einzuschließen, von dem sich kaum sagen läßt, ob er dem Herzen nach Schotte ist oder Engländer, geschweige denn ob er von Engländern stammt oder von Schotten; denn Bertram kann sich schließlich jeder nennen. Auch weiß ja kein Mensch im Grunde genommen, weshalb er sich hier oben im Schlosse aufhält und wie er zu den Mönchen drüben in Saint Bride steht, die doch auch bloß zu denen gehören, die auf der Zunge das Segenswort für König Eduard, im Herzen aber das für Robert Bruce haben! Durch seinen Sohn läßt sich ja der Verkehr mit den Mönchen leicht unterhalten, und bloß aus diesem Grunde hat er ihn doch unter dem Vorwand einer Krankheit im Kloster untergebracht.«