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Bei dem Gedanken, auf solche Art und mit so geringen Umständen dem Ritter zugeführt zu werden, um dessenwillen sie sich in einer Weise bloßgestellt hatte, deren Kühnheit selbst zu jener minder nüchternen Zeit so ziemlich ohne Beispiel dastand, schoß der jungen Dame das Blut schneller durch die Adern. Im ersten Augenblick, als Turnbull in sein Horn stieß zur Antwort auf das eben vernommene Signal, bestürmten sie Schreck und Scham so sehr, daß sie sich unwillkürlich zur Flucht wandte. Aber ihr Begleiter merkte sofort ihre Absicht und hielt sie mit ziemlich unsanftem Griffe fest.

»Meine Dame,« sprach er, »es geht nicht an, daß Ihr aus der Rolle fallt, die Euch in diesem Drama zuerteilt worden, wenn es nicht schlimmen Ausgang nehmen soll für uns alle, zunächst mit einem Kampf auf Leben und Tod zwischen Eurem Ritter und mir – wobei es sich dann wird zeigen müssen, wer von uns Eurer Gunst sich am würdigsten erweist.«

»Ich will mich in Geduld fassen«, versetzte die Dame.

Im nächsten Augenblick wurde der Hufschlag eines Pferdes vernehmlich und nicht lange darauf drängte sich Sir John de Walton zwischen den Bäumen hindurch. Im Nu erkannte er die Dame seines Herzens. Die Freude über ihren Anblick, die sich auf seinem Antlitz malte, machte wildem Grimm Platz, als er im anderen Augenblick sah, daß sie als Gefangene eines in die Acht erklärten schottischen Kriegsmannes ihm gegenüber trat, der sich ihm während des von ihm veranstalteten Jagdzuges in beispielloser Verwegenheit genähert hatte.

»Elender!« fuhr er den Schotten an und legte die schwere Lanze zum Angriff ein, »gib deine Beute frei oder stirb über dem ruchlosen Beginnen, einer Dame Englands Zwang anzutun, der selbst die Sonne mit Stolz gehorsam sein würde.«

Im freien Gebrauch der Lanze durch die Bäume behindert, sprang er vom Rosse und drang mit gezücktem Schwert auf Turnbull ein. Der Schotte aber, mit der Linken den Mantel der Dame haltend, erhob mit der Rechten die Streitaxt, den Schlag des Gegners zu parieren, indes die Dame rief:

»Sir John de Walton, stellt um des Himmels willen alle Gewalttat ein, bis Ihr vernehmt, zu welch friedlichem Zweck ich hierher gebracht wurde, und durch welche friedlichen Mittel sich dieser Kampf endigen läßt. Dieser Mann ist wohl Euer Feind, war mir aber ein höflicher Führer! Schont seiner, bitte, während er Euch sagen wird, zu welchem Zweck und in wessen Auftrag er mich hierher gebracht hat.«

»Von Zwang und Lady Berkeley im gleichen Atem zu sprechen, wäre schon ausreichender Grund zu schwerer Ahndung,« sprach der Schloßhauptmann von Douglas, »allein Ihr befehlt, meine Dame, und ich schone sein unbedeutendes Leben.« Zu Michael Turnbull, dem Jäger, gewandt, fuhr der Ritter fort: »So finde denn Waffenstillstand zwischen uns statt; verkünde mir, was du mir hinsichtlich der edlen Dame zu sagen hast.«

»Dazu reichen wenige Worte,« versetzte Turnbull, »Lady de Berkeley ist, während sie in Schottland umherirrte, in die Gefangenschaft des edlen Lord Douglas, rechtlichen Erben von Schloß und Gut Douglas, gefallen. Sie soll in aller Ehre und Sicherheit an Sir John de Walton oder jeden, den er bevollmächtigt, sie in Empfang zu nehmen, ausgeliefert werden, wogegen Sir John de Walton sich verpflichtet, Schloß Douglas mit allen Garnisonen und Vorposten, Vorräten und Kriegsmaschinen, die sich dermalen dort vorfinden, an Lord James Douglas zu übergeben. Zur Erfüllung der beiderseits eingegangenen Verpflichtungen wird ein Waffenstillstand von vierzehntägiger Dauer geschlossen.«

Sir John de Waltons Erstaunen über den Vorschlag solches Abkommens war beispiellos und mit jener verzweifelten Miene, die ein Verbrecher zeigen mag, wenn er seinen Schutzengel im Begriffe sieht, ihn auf ewig zu verlassen, starrte er auf die Lady. Auch in ihrem Gemüt stiegen ähnliche Gedanken auf, als seien solche Bedingungen ein unübersteigliches Hindernis selbst dann, wenn es sich um den höchsten Gipfel ihrer Wünsche handelte.

»Ich glaube nicht, edle Dame, daß Ihr Euch wundern könnt, wenn solche Worte Zu meinen Ohren dringen, ohne bis zu meinem Geiste zu gelangen. In so tiefer Schuld ich auch bei Ihnen stehe, so muß ich mir ob solcher Bedingung für Eure Freilassung Überlegungszeit ausbitten.«

»Meine Vollmacht,« fiel Michael Turnbull ein, »reicht nur auf eine halbstündige Bedenkzeit. Wie kann Euch die Erfüllung solcher Bedingung schwer fallen? Was legt Euch meine Botschaft anderes auf, als was Euch Ritterpflicht ist? Ihr habt Euch dem Tyrannen Eduard verpflichtet, zum Nachteil von Schottland und seinem Volke, zum größeren Nachteil für das edle Geschlecht der Douglas das Ahnenschloß desselben zu besetzen und zu verteidigen – ist das ein Tun, eines edlen Ritters würdig? Haben Euch Schottland und das Geschlecht der Douglas jemals persönlichen Schaden gestiftet? Muß Euch Freiheit und Sicherheit Eurer Herzensdame nicht unendlich höher stehen? Kann Euch daran liegen, sie den Händen von Männern wieder überantwortet zu sehen, die Ihr zur Verzweiflung getrieben habt und in Verzweiflung antreffen werdet?«

»Von dir habe ich jedenfalls keine Erklärung darüber entgegenzunehmen, wie Douglas die Kriegsgesetze erklären wird oder de Walton sich dazu verhalten will«, rief der Ritter.

»Ihr empfangt mich also nicht als einen Boten aus Freundschaft? Lebt wohl und bleibt dieser Dame eingedenk als in Händen befindlich, die vor Euch sicher sind – kommt, Lady, wir müssen fort!«

Außerstande, ein Glied zu rühren, außer Fassung und fast ohne Bewußtsein stand Lady Augusta da, und als der schottische Jägersmann sie packte und hinwegreißen wollte, entrang sich ihrer Kehle der angstvolle Ruf:

»Hilfe! Sir de Walton, Hilfe!«

Von Zorn und Grimm übermannt, überfiel der Ritter den Jäger und verwundete ihn durch Schwerthiebe, daß er ins Dickicht sank.

»De Walton!« rief die Dame, »der Mann war ein Gesandter von Douglas! Was habt Ihr getan? Erschlugt Ihr ihn, so wird es blutige Rache fordern!«

Die Stimme der Dame schien den Jäger aus der Betäubung zu wecken, in die ihn des Ritters Schwerthiebe versetzt hatten. Er sprang auf mit den Worten:

»Seid meinetwegen nicht in Sorge, Dame! Ich will das Mittel nicht sein, Unheil zu stiften. Der Ritter war im Vorteil gegen mich, weil er mich ohne Forderung überfiel. Ich will den Kampf auf gleiche Bedingungen erneuern oder einen anderen Kämpfer senden.«

Mit diesen Worten verschwand er im Dickicht.

»Ihr tatet schwerlich recht, Sir John, Euer und mein Leben solcherweise in Gefahr zu setzen,« rief jetzt die Dame, »denn ich kann Euch, sofern Ihr es noch nicht wißt, sagen, daß Schotten in Menge hier in der Nähe unter Waffen stehen, ja daß selbst die Erde sich geöffnet hat, um feindliche Krieger vor Euch und Eurem Heer zu schützen.«

»Und wenn sie sich öffnet und alle Teufel aus ihrem Höllengefängnis entweichen läßt zur Stärkung unserer Feinde,« rief Sir John, »so will ich mir die Sporen vom niedrigsten Küchenjungen abhauen lassen, wenn ich den Kopf meines Rosses vor ihnen rückwärts wende! In Eurem Namen, Lady Berkeley, trotze ich diesem räuberischen Gesindel zu augenblicklichem Kampfe!«

Kaum hatte Sir John zu Ende gesprochen, als ein Ritter von hoher Figur in schwarzer Rüstung aus dem Dickicht hervorbrach, in welchem der Jäger verschwunden war.

»Eure Forderung wird angenommen, Ritter de Walton, und zwar von James Douglas selbst. Ich als der Geforderte bestimme die Waffen in unserer jetzt von uns getragenen Wehr und bestimme weiterhin als Ort für den Kampf dies Feld hier, wo wir stehen, und als Zeit für den Kampf die Minute, in der wir sprechen!«

»So sei es! Im Namen Gottes!« versetzte Sir de Walton, obgleich durch das plötzliche Renkontre mit einem so grimmigen Krieger wie Douglas in gewissem Grade verblüfft, so doch zu stolz, eine Ablehnung des Kampfes in Erwägung zu ziehen.