Выбрать главу

Der Zusammenprall der beiden Ritter, deren Mut und Stärke berühmt waren in beiden Ländern, war furchtbar; die Streiche fielen, wie wenn Kriegsmaschinen sie schleuderten, und nach viertelstündiger Dauer war von Entscheidung oder Sieg noch keine Wahrscheinlichkeit vorhanden. Lady Augusta, Zeugin und Ursache des Zweikampfes, mehr durch den Wunsch, über das Schicksal des englischen Ritters Gewißheit zu erhalten, auf dem Platze gehalten, als aus anderen Rücksichten, versuchte endlich dem Kampf dadurch Einhalt zu tun, daß sie auf das Glockengeläut hinwies, das zur Palmsonntagsfeier in die Kirche lud.

»Um Eurer selbst und edler Frauenliebe willen bitte ich, haltet Eure Hände bloß eine Stunde lang still, bis die gottesdienstliche Feier beendigt ist. Wollt ihr als Christen das allerchristlichste Fest mit eurem Blute beflecken? Unterbrecht eure Fehde so lange, bis ihr Palmzweige zur nächsten Kirche getragen habt als fromme Diener des Herrn und getreu den Regeln und Einrichtungen unserer heiligen Religion!«

»Zu diesem Zweck, schöne Dame, war ich unterwegs nach der alten Kirche von Douglas,« versetzte der Engländer, »als ich so glücklich war, Euch hier zu treffen. Auch habe ich wahrlich nichts gegen einstündigen Waffenstillstand, um zum Gottesdienste zu gehen. Es werden auch, wie ich nicht zweifle, Freunde genug dort zugegen sein, denen ich Euch anvertrauen kann, falls ich in dem Kampfe, der nach dem Gottesdienst wieder beginnen soll, unglücklich sein sollte.«

»Auch ich gehe solchen Waffenstillstand gern ein,« pflichtete Douglas bei, sein Schwert senkend, »um so lieber, als auch ich nicht zweifle, daß fromme Christen genug dort versammelt sein werden, die ihren Herrn im Kampfe nicht überwältigen lassen. Begeben wir uns dorthin und nehme jeder das Schicksal auf sich, das ihm der Himmel sendet.«

Hieraus mußte Sir John de Walton entnehmen, daß sein Gegner dort Anhänger zu finden sicher war; indessen glaubte auch er soviel Leute seiner Garnison dort zu treffen, um, jeden Versuch zu einem Aufstande im Keime zu ersticken. Zudem hielt er das Wagnis um deswillen eines Versuches wert, weil sich dadurch vielleicht Gelegenheit bot, Lady Augusta de Berkeley in Sicherheit zu bringen.

Sechzehntes Kapitel

An demselben Palmsonntag, an welchem de Walton und Douglas ihre Schwerter kreuzten, saß Bertram der Sänger wieder über dem alten Buche von Thomas dem Reimer. Das Schicksal seiner Gebieterin und die Ereignisse, die sich in seiner Umgebung vorbereiteten, erfüllte ihn aber mit schwerer Sorge, und beständig war zwischen ihm und Gilbert Greenleaf, dem Armbrustschützen, den Sir John de Walton zu ihm befohlen hatte, hiervon die Rede. Die beiden Männer saßen bei einer Flasche Gaskognerwein und einer Kanne englischen Ales.

Gilbert Greenleaf, der von seinem Vorgesetzten Auftrag hatte, den Sänger nicht bloß gut zu unterhalten, sondern auch in dem Schlosse herumzuführen, überhaupt ihm in allem zu willen zu sein und alles zu tun, was ihm die erlittene Haft in Vergessenheit bringen könne, machte seinem Kameraden, nachdem sie tüchtig gezecht hatten, den Vorschlag, sich die vom Wein heißen Köpfe durch einen Gang zur Kirche von Douglas zu ernüchtern. Solchem Vorschlage mußte der Sänger, seinem Beruf nach guter Christ, wohl oder übel beipflichten, und in Gemeinschaft mit einem Trupp Armbrust- und Bogenschützen machten sie sich auf den Weg.

Nachdem sich ihre Unterhaltung, wie wohl begreiflich, lange um die gegenwärtige Kriegslage zwischen den beiden Reichen, vornehmlich um die Personen gedreht hatte, die zurzeit die wichtigste Rolle dabei spielten, dem schottischen Fürsten Robert Bruce, der, wiederholt geschlagen und rings von Feinden umstellt, seine Ansprüche auf Schottlands Krone, dem Usurpator Eduard von England zum Trotz, aufrecht erhielt, und seinen wichtigsten Parteigänger, den in die Acht erklärten Grafen James Douglas, dessen Besitztümer sämtlich mit Beschlag belegt worden waren, wie noch viele andere Männer von hohem Ansehen und Range und mit langer Ahnenreihe, kam die Rede auf den Zweck der Wanderung des Sängers zum Schlosse Douglas und auf die Beschäftigung, der er während seines Aufenthaltes daselbst obgelegen hatte.

»Ich möchte wissen, Sänger,« fragte Gilbert Greenleaf, »ob Ihr in der alten Schwarte von diesem Reimschmiede Thomas irgendwas aufgefunden habt, was auf die Sicherheit des jetzt in unserem Besitz befindlichen Schlosses Douglas irgendwelchen Bezug nimmt? Ich habe nämlich zuweilen die Beobachtung gemacht, daß dergleichen verwitterte Pergamente, gleichviel wann und von wem sie verfaßt sind, sehr oft dadurch in Ruf und Ansehen gelangen, weil die in ihnen enthaltenen Prophezeiungen, wenn sie im Lande in Umlauf kommen, erst Anlaß dazu werden, daß Komplotte und aus ihnen wieder Kriege entstehen.«

»Es wäre wohl ziemlich unvorsichtig von mir,« entgegnete der Sänger, »wollte ich mich auf irgend eine Prophezeiung stützen, die von einem Angriff auf Eure Garnison spricht; denn ich würde mich dann leicht dem Verdacht aussetzen, Dinge fördern zu helfen, die gerade ich am lebhaftesten zu beklagen hätte.«

»Mein Wort darauf, Freund, daß dies bei mir nicht der Fall sein würde«, rief Gilbert Greenleaf; »ich will weder übles von dir meinen, noch übles über dich an Sir John de Walton berichten, der übrigens auch keinem sein Ohr schenken würde, der ihm mit solchen Dingen nahen wollte; dazu hegt er eine viel zu hohe und ganz ohne Zweifel auch begründete Meinung von deiner Treue gegen deine Dame.«

»Wenn ich das Geheimnis derselben hütete, so tat ich wohl nicht mehr, als jedem treuen Diener die Pflicht vorschreibt. Davon also wollen wir nicht weiter sprechen. Was sodann die von Euch gestellte Frage weiter betrifft, so kann ich Eure Wißbegierde durch die Kunde stillen, daß sich in diesen alten Prophezeiungen allerhand Stellen finden über Kriege im Douglas-Tale zwischen einem Falken oder Häher – dem Feldzeichen, meines Wissens, von Sir John de Walton – und den drei güldenen Sternen oder Knaufen der Douglas. Mehr ließe sich vielleicht noch über diese Gefechte mitteilen, wenn mir bekannt wäre, wo ein als »Blutsumpf« bezeichnetes Kampffeld in diesen Wäldern hier zu suchen sein mag. Soweit ich aus den Worten der alten Schrift ersehen kann, handelt es sich um den Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen den Parteigängern der drei Sterne und denen der Sachsen oder des englischen Königs.«

»Den Namen habe ich oft von Eingeborenen dieser Gegend gehört«, antwortete Gilbert; »es ist aber vergebliche Mühe, die Stelle ausfindig machen zu wollen, denn diese verschlagenen Schotten verbergen alles, was auf die Landesgeographie, wie sich die Gelehrten wohl für das, was ich meine, auszudrücken pflegen – Bezug hat, mit größter Sorgfalt vor uns; indessen stehen alle diese unheimlichen Bezeichnungen, deren es nicht wenige in den Grenzstrichen zwischen Schottland und England gibt, ausnahmslos mit schottischen Vorgängen in diesen Grenzbezirken, die nun schon Jahrhunderte dauern, im engsten Zusammenhange. Sofern es Euch genehm ist, Herr Sänger, können wir die von Euch als »Blutsumpf« bezeichnete Örtlichkeit auf unserem Wege zur Kirche festzustellen suchen; was uns jedenfalls früher möglich sein wird, als dieses verräterische Gesindel, das zweifellos einen Angriff gegen uns plant, ausreichende Streitkräfte hierfür zusammengebracht hat.« Sie nahmen den Weg durch den dichten Wald, der zwischen Schloß und Stadt lag, und der sich nach allen Seiten hin weit ins Land hinein erstreckte.

Siebzehntes Kapitel

Je näher sie durch die grünen Gefilde der Kirche im Flecken Douglas kamen, desto auffälliger wurde dem Sänger die Menge von Kirchgängern schottischer Nationalität. Aber so viele von ihnen auch Gilbert Greenleaf fragte, wo man den »Blutsumpf« zu suchen habe, so wenig erhielt er Bescheid; entweder kannte man die Örtlichkeit nicht, wie hin und wieder gesagt wurde, oder man wich der Antwort überhaupt aus. Als aber dann und wann auch ein trotziger Bescheid fiel, man habe am ersten Sonntag der heiligen Osterwoche doch wohl an andere Dinge zu denken als Landesfeinden gefällig zu sein auf Fragen, die von eitler Neugier herrührten, wurde die Lage dem Sänger bedenklich, denn er hatte noch immer die Beobachtung gemacht, daß Unheil im Werke sei, wenn Landvolk für vornehmere Leute keine höfliche Antwort mehr bereit habe, und nun wollte es ihm scheinen, als kämen der Kirchgänger für einen Palmsonntags-Gottesdienst doch gar zu viel, um in der Kirche Platz zu finden.