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»Sicherlich werdet Ihr doch Eurem Schloßhauptmann Bericht erstatten über all die Umstände, die mir hier verdächtig erscheinen,« meinte Bertram, »über diese Menschenflut, die hierher strömt, und über das finstere Wesen, das diese Schotten zeigen. Solltet Ihr es unterlassen, so sage ich Euch schon hier, daß ich es für meine Pflicht halte, Sir John darüber zu berichten.«

»Still, Kamerad,« versetzte der Angeredete, ärgerlich über dessen Einmischung in Kriegssachen, »glaubt mir, es ist schon manches Kommando von den Rapporten abhängig gewesen, die ich zu erstatten hatte. Mein Rapport war nie anders als klar und bestimmt und den Kriegsregeln gemäß. Euch gehen doch ganz andere Dinge an, friedlicher Natur, in die wiederum ich mich nicht mischen möchte oder derentwegen ich in einen Wettstreit mit Euch mich nicht einlassen möchte. Es dürfte meines Erachtens wohl am besten sein, wir kämen einander nicht so ins Gehege.«

»Dazu habe ich auch nicht im geringsten Lust,« antwortete der Sänger, »hier liegen die Dinge aber insofern anders, als nicht bloß Eure Garnison beteiligt ist, sondern auch die Situation und Freiheit meiner Gebieterin. Aus diesen doppelten Gründen möchte ich wünschen, daß wir so schnell wie möglich den Weg zum Schlosse zurücknehmen, um Sir John de Walton über alles Gesehene Mitteilung zu machen. Für seine Entschlüsse wird es zweifellos von nicht geringer Tragweite sein, wenn er dies alles schnell erfährt.«

»Dagegen läßt sich nichts sagen,« erwiderte Greenleaf, »bloß meine ich, daß Ihr den Schloßhauptmann zu dieser Zeit am sichersten in der Kirche von Douglas antreffen werdet; denn dorthin pflegt er sich bei solchen Anlässen wie dem heutigen mit seinen obersten Offizieren regelmäßig zu begeben, um durch seine Anwesenheit Streit zwischen Engländern und Schotten, der immer schnell da ist, zu verhüten. Bleiben wir also bei unserer ersten Absicht, an der gottesdienstlichen Handlung teilzunehmen, so werden wir unserem Ziele am schnellsten nahe kommen und können dann, falls wir den Hauptmann nicht treffen sollten – was ich aber für ausgeschlossen halte – den kürzesten Weg zum Schlosse zurück einschlagen.«

»Tun wir das schon zur Kirche hin,« rief Bertram, »und wenn auch quer durch den Wald! Denn mir scheint, Greenleaf, als seien Dinge im Gange, die sich mit dem christlichen Frieden, den man dem heutigen Tage schuldig ist, nicht recht vertragen. Seht doch her!« rief er plötzlich, »was bedeutet dies Blut hier? Was bedeuten diese Eindrücke tiefer Fußtapfen hier? Sie stammen doch von bewaffneten Rittern her, die einen schlimmen Strauß bestanden haben!«

»Bei unserer Frau!« rief Greenleaf; »Bertram, das muß man sagen, einen klaren Blick habt Ihr! Wo sind denn bloß meine Augen gewesen, daß sie Euch hierbei den Vorrang ließen? Seht doch! Hier liegen blaue Federn! Doch sicher aus meines Herrn Federbusch, dem ich sie heut morgen zum Zeichen wiederkehrender Hoffnung anstecken mußte. Ei! Dort liegt ja der ganze Busch, vom Kopfe heruntergeschlagen, und sicherlich durch keine Freundeshand! Kommt, Freund, kommt hin zur Kirche! daß ich Euch zeigen kann, wie wir Mannen gewohnt sind, einen Ritter in Gefahr zu unterstützen, der ein so wackerer Hauptmann ist wie unser Sir John de Walton!«

Sie hatten die Stadt erreicht vom südlichen Tore aus und stiegen nun auf demselben schmalen Pfade herauf, auf welchem Sir Aymer dem gespenstischen Ritter begegnet war. Bald hatten sie nun auch die Kirche erreicht.

Ursprünglich ein stattlicher gotischer Bau, dessen Türme in stattlicher Höhe über die Mauern der Stadt aufragten und auch jetzt noch, wo sie zum Teil in Trümmern lag, Zeugnis von ihrer früheren Größe gaben. Der für die gottesdienstlichen Handlungen vorbehaltene, verhältnismäßig stark beschränkte Raum lag in dem Chorgange, unter dessen Wölbungen die verstorbenen Lords vom Geschlechte der Douglas von ihren Kriegskämpfen ausruhten. Auf dem freien Platze vor dem Portale eröffnete sich ein schöner Ausblick auf einen beträchtlichen Teil des Flusses Douglas, der sich von Südwesten her an die Stadt heranzieht und durch eine von dichtem Wald bedeckte Hügelreihe mit phantastischem Wechsel der Umrißformen begrenzt wird.

Der Wald reichte bis in das Tal hinunter und schloß sich an den düsteren Urforst, der die Stadt umschloß. Um den westlichen Teil der Stadt, von dort aus nach Norden zu eilend, schlängelte sich der Fluß, der den um das Schloß herumlaufenden Graben mit seiner teichähnlichen Ausbuchtung speiste.

Zahlreiche Leute, durchweg vom schottischen Landvolk, trugen als Ersatz für das Sinnbild des Tages Weiden- oder Eibenzweige herbei, fast durchweg die Richtung zum Kirchhofe hin innehaltend, als erwarteten sie dort die Ankunft einer Person von besonderer Heiligkeit oder einer Prozession von Mönchen und Nonnen, zur Erhöhung der Weihe des Tages.

Fast im selben Augenblick, als Bertram mit seinem Kameraden den Kirchhof betrat, wurde Lady Augusta, die Sir John de Walton zur Kirche gefolgt war, nachdem sie Zeugin seines Kampfes mit dem Ritter James Douglas gewesen war, des Sängers ansichtig. Sie bemerkte, daß er sie suchte, aber sie nahm die erste Gelegenheit wahr, ihm durch einen Blick verständlich zu machen, daß er ihr fern bleiben möge. Er beschränkte sich deshalb darauf, sie im Auge zu behalten. Inzwischen war Gilbert Greenleaf dichter an ihn herangetreten.

»Fällt Euch nicht noch mehr auf als draußen, wie viel Menschen mit seltsamen Mienen und in den absonderlichsten Verkleidungen sich um die alten, sonst einsamen Trümmer drängen? Seht doch nur dorthin! Eine richtige Prozession mit Banner und Kreuz; doch ganz gewiß ein Geistlicher von hohem Range, der sie führt? Wartet, ich will mich befragen, wer es ist; vielleicht gibt uns sein Name Bürgschaft für die friedliche Gesinnung der hier in der Kirche von Douglas versammelten Menschheit?«

Er verließ den Sänger, um sich zwischen die Menschen zu drängen. Bald wußte er, daß der heilige Herr an der Spitze der Prozession kein geringerer war als der Diözesanbischof von Glasgow, der nach Douglas herübergekommen sei, um die Feierlichkeit des Gottesdienstes an diesem Tage in einer der ältesten Kirchen des Landes zu erhöhen.

Der Prälat betrat den Friedhof, voran schritten die vier Kreuzträger, eine gewaltige Menge Volks mit Eibischzweigen und Weiden und anderem grünen Schmuck folgte ihm. Ihnen allen erteilte der fromme Vater seinen Segen, und die Schar der Gläubigen neigte andächtig ihr Haupt.

Gilbert Greenleaf schämte sich halb und halb, als er den frommen Eifer der Leute, die auf dem Kirchhofe versammelt waren und aus der Kirche herausdrängten, den Bischof zu begrüßen, des Argwohns, den er gegen sie gehegt hatte. Bertram benutzte die bei dem alten Kriegsmanne wahrscheinlich nicht allzu häufige Anwandlung von Frömmigkeit, die ihn trieb, sich der von dem Prälaten erteilten Segnungen teilhaftig zu machen und eilte zu seiner Herrin hinüber, um mit ihr einen Händedruck zum Zeichen beiderseitiger Freude über dieses Wiederfinden zu tauschen.

Auf einen Wink des Sängers begaben sie sich zusammen in das Innere der Kirche, wo sie bei dem herrschenden Gedränge, unter dem Schutz der in manchen Teilen derselben lagernden tiefen Schatten, leichter unbemerkt bleiben konnten.

Wenn auch das Innere der Kirche in Trümmern lag, so hatte man doch die Waffentrophäen der letzten Lords von Douglas dort aufgehängt, so am unteren Ende das große Wappenschild des vor kurzem in englischer Gefangenschaft verstorbenen William von Douglas, um das die kleineren Schilde der sechzehn Ahnen gruppiert waren. In herrlichem Glanze schimmerten die Kronen über den schwarzen Feldern der Wappen.

Da der Raum, in welchem sich diese Szenen abspielten, der gleiche ist, wo Sir Aymer de Valence jene Zusammenkunft mit dem Küster gehabt, ist es nicht notwendig, seinen ruinenhaften Charakter weiter zu schildern.