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»In Anbetracht, daß zahlreiche edle Ritter zurzeit in der Kirche von Douglas versammelt sind und daß unter ihnen der Anlaß zum Austrag durch Kampf und Streit vorhanden ist, stellen die Ritter Schottlands sich bereit, den Kampf mit den Englischen aufzunehmen. Wer besiegt wird im gegenwärtigen Streit, hat auf Fortsetzung desselben zu verzichten und darf in keinem späteren Kriege wieder die Waffen führen. Gleicherweise hat er sich den weiteren Bedingnissen, die durch einen Rat der zurzeit hier anwesenden Ritterschaft bestimmt werden sollen, zu unterwerfen. Bloß die freiwillige Übergabe von Schloß und Stadt Douglas und die Räumung alles schottischen Landes bis zur Grenze und die Entfernung sämtlicher englischen Garnisonen an der Grenze und jenseits der Grenze soll imstande sein, den Kampf zu hindern.«

Diese Herausforderung der schottischen an die englische Ritterschaft war kaum erfolgt, als die Trompeten zum drittenmale schmetterten, diesmal heller noch als zuvor, und die Antwort der englischen Ritterschaft verlesen wurde:

»Gott verhüte, daß Englands Rechte und Vorrechte von seinen Ritter nicht vertreten würden. Die hier versammelten Englischen sind vielmehr bereit, auf die angekündigten Bedingungen so lange zu kämpfen, als Schwert und Lanze aushalten. Von Übergabe von Schloß und Stadt Douglas und Räumung englischer Garnisonen auf schottischem Grund und Boden kann niemals die Rede sein. Dagegen fordern Englands Ritter von James Douglas die bedingungslose Freigabe der widerrechtlich in seine Gefangenschaft gebrachten Lady Augusta de Berkeley. Wird dieselbe verweigert, so soll dies gelten als Ursache zur Eröffnung der Feindseligkeiten.«

Schnell sammelten nun die Führer ihre Mannen um sich. Eine Pause folgte noch, die von keiner Partei gebrochen werden durfte. Dann trat James Douglas einen Schritt vor und rief mit lauter Stimme:

»Ich warte hier, um zu hören, ob Ritter de Walton vom Ritter Douglas die Erlaubnis nachsucht, des letzteren Ahnenschloß zu räumen, bevor der Tag verstreicht, und ob er den Ritter Douglas zu diesem Zweck um Schutz angeht.«

De Walton zog sein Schwert.

»Trotz aller Drohung und allen Einspruchs halte ich das Schloß Douglas als rechtlichen Besitz König Eduards von England und Schottland und werde niemals jemand um den Schutz ersuchen, den mir mein eigenes Schwert verbürgt.«

»Ich stehe Euch als treuer Gefährte zur Seite gegen jedermann der das Schwert gegen Euch erhebt«, rief Sir Aymer de Valence.

»Bogen und Partisanen!« rief Gilbert Greenleaf mit seiner hellsten Stimme; »Mut, edle Engländer, und greift in Gottes Namen zu den Waffen! Soeben bringt ein Bote Kunde, daß Graf Pembroke sich von Ayrshire her in vollem Marsch auf Schloß Douglas befindet und in knapp einer Stunde bei uns sein wird. Engländer, kämpft tapfer! Pembroke naht zum Entsatz! Lange lebe der tapfere Graf Valence von Pembroke!«

Was von Engländern innerhalb und außerhalb der Kirche zugegen war, griff nun zu den Waffen.

Sir John de Walton hatte sich binnen wenigen Sekunden bis zum Portal der Kirche durchgeschlagen. Die Schotten konnten einer Empfindung von Schrecken nicht widerstehen, die sie beim Anblick dieses berühmten, von seinem ebenbürtigen Waffenbruder sekundierten Ritters überkam. War doch Sir John de Walton mit Sir Aymer de Valence lange genug die Geißel der Gegend gewesen!

Wäre ihm im letzten Augenblick nicht der jugendliche Sohn Tom Dicksons von Hazelside entgegengetreten, so würde er sich den Weg auch zum Portale hinaus ins Freie gebahnt haben. Aber Schlag auf Schlag führte der Jüngling, mit allem Mut und Eifer der Jugend bemüht, den Preis der Tapferkeit zu erlangen, der dem Sieger über solchen berühmten Kriegsmann anheimfallen mußte.

»Törichter Knabe!« rief dieser zuletzt, nachdem er dem Jüngling eine Zeitlang ausgewichen war, »da du den Tod dem Frieden und einem langen Leben vorziehst, so nimm ihn hin von edler Hand!«

»Der Tod kümmert mich nicht,« sprach der schottische Jüngling mit seinen letzten Atemzügen, »denn ich lebte lange genug, da ich Euch so lange an dem Orte hielt, wo Ihr jetzt steht!«

Der Jüngling sprach diese Worte mit vollem Recht, denn als er zu Boden sank, um nicht wieder aufzustehen, trat hinter ihm James Douglas auf den Plan und setzte, ohne ein Wort gesprochen zu haben, den schrecklichen Einzelkampf gegen den Ritter de Walton fort, den er mit ihm schon vor dem Gottesdienst gefochten hatte, doch mit hundertfältig gesteigertem Grimm. Sir Aymer stellte sich dem Freunde zur Linken, eines Gegners aus der Schar des Douglas gewärtig, um teil an dem Kampfe zu nehmen. Endlich stellte sich auch ihm ein Schotte, Malcolm Fleming, der edelsten einer. Sir Aymer, von Kampfeslust entbrennend, rief:

»Treuloser Ritter von Boghall, tretet heran und verteidigt Euch! Schon lange seid Ihr als Meineidiger eine Schande der Ritterschaft!«

»Meine Antwort,« rief Malcolm Fleming, »auch auf gröbere Schmähung, hängt an meiner Seite!«

Im nächsten Augenblick sausten die Schwerter durch die Luft, und selbst die kriegsgewohnten Zuschauer waren kaum imstande, dem Fortgang des Kampfes mit den Augen zu folgen, der eher einem Gewitter im Gebirgslande glich. Mit furchtbarer Geschwindigkeit folgten die Schläge aufeinander, und wenn auch dies zweite Ritterpaar dem anderen älteren nicht gleichkam, so ersetzte es, was ihm an kunstgerechter Führung des Schwertes gebrach, durch einen Grad von Wut, der dem Zufall einen gleichen Teil des Ausgangs anheimgab.

Das Gefolge der Ritter verhielt sich, als es seine Häuptlinge in so furchtbarem Kampfe sah, nach damaliger Sitte in ehrfürchtiger Ruhe. Zum Beistand für diejenigen, die den Zufällen des Krieges bereits erlegen waren, hatten sich Frauen eingefunden. Tom Dickson, der zu den Füßen der Kämpfenden sein Leben aushauchte, wurde von Lady Berkeley aus dem Getümmel getragen, die durch ihr Pilgerkleid die Aufmerksamkeit weniger in Anspruch nahm als die in ihrer Nähe weilende Margaret de Hautlieu durch ihr Nonnengewand, das sie als Schwester Ursula noch immer trug.

Dem alten Tom Dickson von Hazelside aber, dem vor Ausbruch des Kampfes durch James Douglas die Obhut über die in der Kirche anwesenden Frauen überantwortet worden war, entging der seinem Sohne von der edlen englischen Dame erwiesene Liebesdienst nicht.

»Müht Euch nicht mit derlei nutzlosen Verrichtungen,« rief er der Lady zu, »sondern richtet all Euer Augenmerk nach wie vor auf Eure persönliche Sicherheit! Sir James Douglas wünscht Eure Rettung, und ich betrachte Euch, bei der heiligen Braut unserer Abtei, als meiner besonderen Fürsorge durch den Häuptling überantwortet. Glaubt mir, edle Dame, der Tod dieses Jünglings ist nichts weniger denn vergessen, wenn es sich auch zurzeit nicht ziemen möchte, seiner zu gedenken. Indessen wird die Zeit für die Trauer um ihn so wenig ausbleiben wie die Stunde, da sein früher Tod gerochen werden wird!«

Also sprach der finstere Greis. Dann wandte er die Augen von der blutigen Leiche, die zu seinen Füßen lag, ein Muster von männlicher Kraft und Schönheit, und suchte eine Stellung, in der er die Dame am meisten und besten zu schützen vermochte.

Dreiviertel Stunden hatte der Kampf gewährt. Allmählich gaben die Kämpfenden zu erkennen, daß sie die Wirkung der furchtbaren Anstrengung an ihrem Körper zu spüren begannen. Die Streiche fielen langsamer und wurden mit verminderter Geschicklichkeit pariert.

Als Douglas sah, daß der Kampf sich zu Ende neigte, winkte er dem Gegner, einen Augenblick lang zu ruhen.

»Sir Walton,« sprach er, »zwischen uns besteht meines Wissens keine Todfeindschaft, und daß Douglas sich in diesem Waffengange, obgleich er nichts als Schwert und Mantel besitzt, entscheidenden Vorteils enthalten hat, als sich Waffenglück ihm mehrfach bot, könnt Ihr nicht leugnen. Ich biete Euch nochmals Tausch zwischen Haus und Gut meines Vaters, für einen Ritter genügender Kampfeslohn, und der edlen Lady de Berkeley in ebensolcher Ehre und Sicherheit, als überkämt Ihr sie unmittelbar aus Eures Königs Eduard Händen. Ich gebe Euch mein Wort, daß Euch die höchste Ehre, die sich einem Gefangenen irgend erzeigen läßt, unter peinlichster Vermeidung alles dessen, was einer Kränkung oder Beschimpfung auch nur im entferntesten gleichen könnte, zuteil werden soll, sofern Ihr Schloß und Schwert an James Douglas verabfolgt.«