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»Was hat Namen und Stand mit den Fragen zu tun, die ich Euch vorlege?«

»Am Ende wenig oder gar nichts! aber auf meine Lust zu antworten, könnte es von merklichem Einflüsse sein.«

»Nun, dann wißt, daß Ihr in mir Sir Robert Hazlewood, Friedensrichter, und einen Amtskollegen aus derselben Grafschaft vor Euch habt. Daran laßt Euch genügen!«

Diese Mitteilung hatte aber die erwartete Wirkung ganz und gar nicht, und so war es nicht zu verwundern, daß bei Sir Robert in dem Verhör, das er führte, eine ständig wachsende Abneigung gegen den Gefangenen sich bemerkbar machte, »Ihr heißt Vanbeest Brown?«

»Ja.«

»Stand, Gewerbe?«

»Rittmeister im königlich britischen Dragonerregiment Nr. 7.«

Der Baronet hörte die Antwort mit Verwunderung, fand aber seine Zuversicht schnell wieder, als er Glossins spöttisches Lächeln sah. »Wir dürften wohl, mein Lieber, bevor wir auseinandergehen, eine bescheidenere Rangordnung für Euch finden .. Kennt Ihr den jungen Hazlewood von Hazlewood?«

»Zuvörderst verlange ich diejenige Behandlung, die meinem Stande gebührt, und dulde keinen Zweifel an meinen Angaben,« versetzte Bertram; »ich habe den Herrn, der meines Wissens sich so nennt, ein einziges Mal gesehen, und leider unter höchst leidigen Umständen.«

»Ihr räumt also ein, dem jungen Manne durch einen Schuß nach dem Leben getrachtet zu haben? ihm bei diesem Versuche das Schlüsselbein der rechten Schulter gefährlich verletzt zu haben?«

»Ich kann bloß sagen, Herr, daß ich nicht weiß, ob der junge Mann schwer oder leicht verwundet worden – versichre Ihnen aber, daß mir der Unfall aus tiefstem Herzen leid tut. Er geriet mir auf einem schmalen Pfade in den Weg, den er mit zwei Damen und einem Diener ging, und ehe ich vorbei war, oder sie ansprechen konnte, riß der junge Mann dem Diener die Flinte aus der Hand, legte auf mich an und befahl mir hochmütig, meiner Wege zu gehen. Ich fühlte mich nicht geneigt, mich seiner herrischen Weisung zu fügen, aber auch nicht in der Lage, ihn im Besitz seiner Waffe zu lassen, von der er in so unbesonnener Weise Gebrauch machen wollte. Deshalb suchte ich ihm die Waffe aus der Hand zu winden; dabei aber entlud sich die Flinte, und auf diese Weise bekam der junge Mann zu meinem tiefsten Bedauern, eine empfindlichere Züchtigung, als ich ihm wünschte; nichtsdestoweniger erfüllt es mich mit Befriedigung, daß er mit einem blauen Auge davonkommen wird.«

»Ihr bekennt also,« nahm der Baronet, sein Gesicht im Gefühl der gekränkten Amtswürde in tiefe Falten legend, »daß Ihr dem jungen Herrn Hazlewood vorsätzlich auf offener Straße sein Gewehr abgenommen, das heißt aus der Hand gerissen habt? .. Darauf, mein lieber Nachbar, wollen wir fußen,« wandte er sich an Glossin, »das wird die Haftnahme begründen.«

»Sie werden das Richtige schon anordnen, Sir Robert, aber eine Bemerkung gestatten Sie mir wohclass="underline" es kam doch auch einiges, was die Schleichhändler betraf, in Betracht,.«

»Ganz recht, mein lieber Glossin ... Vanbeest Brown, Ihr nennt Euch Rittmeister in königlichen Diensten? Dabei seid Ihr doch bloß Steuermann eines Schmugglerschiffes und Genosse und Helfershelfer von Schmugglern!«

»Hätte ich nicht einen alten Herrn in Ihnen vor Augen,« erwiderte Bertram, »und müßte ich Sie nicht in grobem Irrtum befangen halten, so sollte Ihnen diese Rede nicht so leicht hingehen.« »Alter Herr ... grober Irrtum,« wiederholte Hazlewood, »ich frage hierauf, Vanbeest Brown! können Sie sich durch Legitimationspapiere ausweisen?«

»Momentan nicht; aber nach Eingang der nächsten oder übernächsten Post.«

»Wie kommt Ihr als britischer Rittmeister dazu, Euch ohne Legitimation und ohne Gepäck, ja ohne Eurem Rang und Stande zukömmliche Attribute in Schottland auf Reisen zu befinden?«

»Mich hat das Unglück betroffen, in die Hände von Räubern zu geraten –«

»Oho! dann seid Ihr also der Mann, der mit der Post nach Kippletringan fuhr, den Postillon auf offener Straße halten und ihn durch zwei Spießgesellen durchprügeln ließ, weil er ihm das Gepäck nicht mitnehmen lassen wollte?«

»Mit der Post, Herr, bin ich allerdings gefahren, habe mich aber auf dem Wege nach Kippletringan verlaufen. Die Wirtin dort wird mir gern bestätigen, daß ich gleich nach meiner Ankunft nach dem Postillon fragte.«

»Und wo habt Ihr genächtigt, – he? Im Schnee doch gewiß nicht?«

Bertram gedachte des der Zigeunerin gegebenen Versprechens und suchte seine Gedanken zu sammeln – dann erwiderte er: »Ich kann momentan keine Antwort hierauf geben.«

»Kann ich mir denken, mein Lieber! Im verfallenen Turm von Derncleugh seid Ihr gewesen – he?«

»Ich wiederhole, daß ich auf diese Frage zunächst die Antwort verweigere.«

»Nun, dann wandert Ihr wieder ins Loch, mein Vanbeest Brown – was anders gibt's nicht! Seht Euch dieses Papier hier an! Ihr seid doch der darin genannte Vanbeest-Brown?«

Glossin hatte unter die Papiere ein Paar Bertram gehörige geschoben, die von den Fronen in dem Gewölbe, worin die Räuber das Felleisen geplündert hatten, gefunden wurden waren.

»Ein Paar von den Papieren gehören mir,« versetzte Bertram, »und befanden sich, als mein Gepäck gestohlen wurde, in meiner Reisetasche. Aber ich sehe, daß man gerade diejenigen davon herausgesucht hat, die mir für Rang und Stand keinerlei Ausweis bieten, was in andern recht wohl der Fall gewesen wäre; sie sind auch mit Schiffspapieren und andern Schriftstücken zusammengesteckt, die mich nichts angehen, sondern einem Manne gleichen Namens gehören mögen.«

»Und Ihr wollt mir einreden, Freund, daß zwei Menschen in der Welt herumlaufen, die einen so absonderlichen Namen, obendrein von so üblem Klange führen?«

»Warum sollte das nicht der Fall sein? gibt es doch einen alten und einen jungen Hazlewood – und es sollte keinen alten und keinen jungen Vanbeest Brown geben können? Aber lieber ein Paar Worte im Ernste! Ich bin in Holland erzogen worden und weiß, daß der Name Brown, so unangenehm er britischen Ohren auch klingen mag –«

Glossin, der recht gut merkte, daß der Arrestant sich auf einen ihm gefahrvollen Boden zu begeben anschickte, warf hier freilich unnötigerweise, ein Wort dazwischen, das Hazlewood ablenken sollte – denn der Aerger über den vermessenen Vergleich, den Bertram zwischen ihm und sich gezogen, hatte ihn ganz sprachlos gemacht. Die Stirn runzelnd, zog er langsam den Atem ein.

»Sir Robert,« fiel ihm Glossin ins Wort, »sofern ich meine Meinung äußern darf, könnten wir den Fall doch jetzt auf sich beruhen lassen. Von den Beweisen abgesehen, die wir schon in Händen haben, erklärt einer der Frone sich zu der eidlichen Aussage bereit, daß sich der Gefangene, als ihm heute morgen der Säbel abgenommen wurde, widersetzt hat. Vielleicht kann uns der junge Mann sagen, wie er zu der Waffe gekommen ist. Der Fron behauptet, sie schon bei dem Ueberfall auf Woodbourne bei den Schleichhändlern gesehen zu haben.«

»Auf diese Frage werde ich keine Antwort geben,« erwiderte Bertram.

»Es verdient noch eins Berücksichtigung,« nahm Glossin wieder das Wort. »Arrestant hat der Wirtin in Kippletringan ein Päckchen mit Goldmünzen und andern Wertsachen übergeben; vielleicht wäre die Frage am Platze, Sir Robert, wie er zu solchem doch keinesfalls alltäglichen Besitztum gekommen sei.«

»Vanbeest Brown, Ihr hört die Frage des Herrn – was habt Ihr darauf zu antworten?«

»Besondere Gründe legen mir die Pflicht auf, auch hierauf die Antwort zu verweigern.«

»Dann wird unsere Pflicht uns nötigen, Euch in Haft zu behalten.«

»Was man nicht hindern kann, das muß man geschehen lassen, ich gebe aber anheim, den Schritt reiflich zu überdenken. Ich wiederhole, daß ich Rittmeister in der königlich britischen Armee bin, daß ich eben aus Indien zurückkomme, also unmöglich mit Schleichhändlern zu tun haben oder gehabt haben kann. Mein Oberstleutnant befindet sich momentan in Nottingham, der Major und die andern Offiziere liegen in Kingston an der Themse in Quartier, und ich erkläre, mich jeder Strafe willig zu unterwerfen, sofern sich mit der nächsten oder übernächsten Nottinghamer oder Kingstoner Post meine Aussagen nicht bestätigen sollten.«