Unter dem Harnisch trug er ein Büffelwams. Er trug ferner ein paar Fechthandschuhe, deren Stulpen ihm bis an die Ellenbogen reichten und die wie seine Rüstung aus blankem Stahl waren. Vorm Sattel hing ein Pistolenfutteral; die Pistolen waren viel größer, als man sie sonst hatte, beinah zwei Fuß lang und von großem Kaliber.
In einem Riemen von Büffelleder mit breiter Silberschnalle steckte ein langer zweischneidiger Degen mit wuchtigem Korbe und einer für Hieb und Stich gearbeiteten Klinge. Rechts hing ein Dolch, auf dem Rücken eine Stutzbüchse in einem Bandelier, das sich mit einem zweiten, welches Patronen enthielt, kreuzte. Stählerne Beinschienen, die bis an die Spitzen seiner hohen Stiefel reichten, vervollständigten die Ausrüstung, wie sie damals für gut bewaffnete Reiter üblich war.
Das Äußere des Reiters paßte vorzüglich zu dieser militärischen Ausrüstung, an die er schon lange gewöhnt zu sein schien. Seine Gestalt war groß und kraftvoll. Er mochte etwas über 40 Jahre alt sein, und seine Züge verrieten den verwitterten Veteranen, der schon mehr als ein Schlachtfeld gesehen und mehr als eine Narbe davongetragen hatte.
In einer Entfernung von etwa 30 Ellen machte er Halt und richtete sich in den Steigbügeln auf, wie um zu rekognoszieren, was die Leute ihm gegenüber im Schilde führten. Dabei nahm er die Büchse in den rechten Arm. Als sie sich ein Weilchen angeschaut hatten, stellte der junge Herr die Frage, die damals unter Freunden bei Begegnungen allgemein üblich war:
»Zu welcher Partei gehört Ihr?«
»Sagt mir zuerst,« entgegnete der Soldat, »zu welcher Ihr gehört. Ihr seid hier die stärkere Partei und müßt zuerst reden.«
»Wir sind für Gott und König Karl«, sagte der junge Herr. »Nun nennt uns Eure.«
»Ich bin für Gott und meine Fahne«, antwortete der eiserne Reiter.
»Und für welche Fahne?« fragte der junge Herr weiter. »Für den König oder fürs Parlament?«
»Meiner Treu, Herr,« erwiderte der Soldat, »ich will Euch keine Unwahrheit sagen, das wäre eines Glücksritters und Soldaten nicht würdig. Eure Frage aber kann ich nicht eher mit geziemender Wahrhaftigkeit beantworten, als bis ich mit mir selber darüber einig bin, zu welcher Partei ich treten will, und das ist vorläufig noch gar nicht entschieden.«
Nachdem der junge Herr ein paar Worte mit seinen Bedienten gewechselt hatte, sagte er zu dem Fremden:
»Ich hätte gern mit Euch über eine so interessante Frage gesprochen und wäre stolz, wenn es mir gelänge, Euch für die Partei zu gewinnen, der ich selber angehöre. Ich reite heute abend zur Wohnung eines Freundes, die nicht ganz drei Meilen von hier entfernt ist. Wenn Ihr mir dorthin folgen wollt, so sollt Ihr für die Nacht gut aufgehoben sein, und am Morgen soll es Euch freistehen, Eures Weges zu gehen, sofern Ihr keine Lust haben solltet, bei mir zu bleiben.«
»Wer gibt mir sein Wort dafür?« fragte der vorsichtige Soldat. »Ein Mann muß wissen, wer ihm bürgt – sonst kann er in einen Hinterhalt fallen.«
»Mein Name ist,« erwiderte der junge Fremde, »Graf von Menteith, und ich hoffe, meine Ehre ist Euch genügende Bürgschaft.«
»Ein braver Edelherr,« antwortete der Soldat, »sein Wort ist gültig.«
Und er warf den Stutzen wieder auf den Rücken, grüßte den jungen Adligen militärisch und ritt heran.
»Auch meine eigene Versicherung,« fuhr er fort, »daß ich, solange wir beieinander sind, Eurer Lordschaft in Frieden und Gefahren ein bueno camerado sein werde, wird hoffentlich, in diesen Zeiten des Mißtrauens, wo, wie man sagt, der Kopf eines Mannes in einem eisernen Helme besser aufgehoben ist als in einem Marmorpalaste, doch einigen Glauben finden.«
»Ist es mir erlaubt zu fragen,« sagte Lord Menteith, »welchem Herrn ich als Quartiermacher zu dienen das Glück habe?«
»Gewiß, Mylord,« antwortete der Soldat, »mein Name ist Dalgetty – Dugald Dalgetty von Drumthwacket, zu Diensten. Es ist ein Name, den Ihr vielleicht im Gallo-Belgicus oder im schwedischen Intelligencer oder im fliegenden Merkur zu Leipzig, falls Ihr hochdeutsch könnt, gelesen habt. Nachdem mein Vater, Mylord, ein schönes Erbe verwirtschaftet hatte, blieb mir im Alter von 18 Jahren nichts anderes übrig, als meine im Marschall-Gymnasium zu Aberdeen erworbene Gelahrtheit, mein edles Blut und meine vereitelte Zukunft als Gutsherr von Drumthwacket mitsamt ein paar kräftigen Armen und dementsprechenden Beinen in die deutschen Kriege zu verpflanzen und die Laufbahn des Glücksritters einzuschlagen. Mylord, meine Arme und Beine haben mir mehr genutzt als meine adlige Herkunft und meine Büchergelehrsamkeit; und ich habe unter dem alten Ludewick Leslie das Kriegshandwerk gründlich gelernt. Es ziemt mir freilich nicht, Mylord, davon zu reden; aber wer die Schlachten bei Leipzig und bei Lützen mitgemacht hat, und wer bei Frankfurt an der Oder, bei Würzburg und bei Nürnberg mitgekämpft hat, der darf sagen, daß er etwas kennen gelernt hat vom Leben und Treiben des Krieges.«
»Euerm Verdienst und Euern Erfahrungen gemäß habt Ihrs wohl auch weit gebracht?«
»Sechs Jahre lang, Herr, war ich als Freiwilliger gemeiner Soldat und drei Jahre lang Gefreiter, weil ich als Adliger von Geburt es ausschlug, die Hellebarde eines Unteroffiziers anzunehmen, nachher wurde ich Fähnrich in des Königs Leibregiment der Schwarzen Reiter, dann Leutnant und zuletzt Rittmeister unter dem unüberwindlichen Herrscher, dem Bollwerk des Protestantismus, dem Löwen des Nordens, dem Schrecken Österreichs, Gustavus dem Siegreichen.«
»Wenn ich Euch recht verstanden habe, Kapitän Dalgetty,« fragte Lord Menteith, »so seid Ihr aber doch außerdem Dienste dieses großen Fürsten ausgeschieden?«
»Erst nach seinem Tode,« entgegnete Dalgetty; »als ich nicht mehr zu weiterer Anhänglichkeit verpflichtet war. Auch wäre ich nicht einmal solange geblieben, wenn nicht dieser große Feldherr und König in ganz hervorragender Weise Schlachten gewonnen, Städte erobert, ganze Länder eingenommen hätte, so daß der Dienst bei ihm einen ganz besonderen Reiz hatte. Aber als der große Herr und Meister auf dem Schlachtfeld von Lützen durch drei Kugeln niedergestreckt worden war, ging es mit dieser Herrlichkeit zu Ende, und ich nahm Dienst bei Wallenstein in Butlers irischem Regiment.«
»Und darf ich Euch fragen, wie es Euch unter Euerm neuen Herrn gefiel?«
»Recht gut«, antwortete der Kapitän. »Der Kaiser bezahlte zwar auch nicht besser als der große Gustav; aber ein Kavalier der Fortuna kann es dennoch im kaiserlichen Dienst ganz gut aushalten, denn es wird da nicht so genau wie bei den Schweden auf seine Nebeneinnahmen gesehen. Wenn ein Offizier im Felde seinen Mann stand, so fragte weder Wallenstein, noch Pappenheim, noch der alte Tilly danach, ob die Bürger und Bauern über ihn schimpften, weil er ihnen gar zu sehr das Fell über die Ohren gezogen hätte. Ein erfahrener Kavalier, der, wie das schottische Sprichwort sagt, den Schweinskopf zum Ferkelschwanz zu legen versteht, kann sich im kaiserlichen Dienst daher seinen Sold aus dem Lande holen, denn vom Kaiser kriegt er ihn ja doch nicht.«
»Weshalb habt Ihr denn einen so einträglichen Dienst quittiert?« fragte Lord Menteith weiter.
»Ein irischer Kavalier, namens Quilligan, ein Major in unserem Regiment,« antwortete der Soldat, »geriet eines Abends in Streit mit mir, und es kam zum Duell; da es' nun unserm Oberst Butler, der den Vorfall untersuchte, gefiel, seinem Landsmann eine leichte, mir aber eine schwere Strafe aufzuerlegen, so habe ich aus Ärger über solche Ungerechtigkeit mir einen Offiziersposten bei den Spaniern gesucht.«
»Ich hoffe, es hat Euch dort auch gut gefallen?« bemerkte Lord Menteith.
»Allerdings hätte ich wenig Ursache zur Klage«, antwortete der Rittmeister. »Der Sold wurde regelmäßig bezahlt, die Quartiere waren vorzüglich; das feine Weizenbrot in Flandern war besser als das Kommißbrot bei den Schweden, und Rheinwein bekamen wir mehr und reichlicher als jemals das schwarze Rostockerbier im Lager des Schwedenkönigs. Aber der Spanier ist ein eingebildeter Affe, und er erweist den fremden Kavalieren, denen es gefällt, bei ihm in Dienst zu treten, nicht die gebührende Ehrerbietung. Außerdem empfand ich Gewissensbisse wegen meiner Konfession.«