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»Ich hätte nicht geglaubt, Kapitän Dalgetty,« sagte der junge Edelmann, »daß ein alter Soldat, der so oft den Dienst gewechselt, hieran noch Anstoß nehmen könne.«

»Das macht mir auch nichts weiter aus, Mylord,« erwiderte der Kapitän, »ich halte es für die Pflicht des Regimentskaplans, diese Angelegenheit für mich und jeden andern braven Kavalier ins reine zu bringen, um so mehr, als er ja für seinen Sold und all seine Vergünstigungen nichts weiter zu verrichten hat. Das aber war ein besonderer Fall, denn man verlangte von mir, daß ich die Messe besuchen sollte, wenn wir in der Garnison lagen, und davon wollte ich nichts wissen.«

»So habt Ihr also abermals den Dienst gewechselt?« fragte Lord Menteith.

»Allerdings, Mylord. Nachdem ich es eine Zeitlang bei einigen andern Mächten probiert hatte, trat ich in den Dienst Ihrer Hochmögenden der Generalstaaten der sieben vereinigten Provinzen.«

»Und hat Euch der Dienst dort zugesagt?«

»O Mylord,« entgegnete der Soldat im Tone der Begeisterung, »ganz Europa sollte sich ihr Benehmen am Löhnungstage zum Muster nehmen. Da gab es keine Abschlagszahlungen, keine Kürzungen, keine Rückstände – es wurde prompt und voll bezahlt, wie beim Bankier. Auch die Quartiere waren ausgezeichnet und die Verpflegung vorzüglich; aber, Herr, die Holländer sind genau und penibel. Wenn sich ein Bauer beklagt, daß man ihm den Kopf zerschlagen habe, oder wenn sich ein Bierwirt beschwert, daß ihm die Krüge zerbrochen worden wären, oder wenn ein fideles Weibsbild ein bischen laut kreischt, dann wird ein Ehrenmann nicht vor ein Kriegsgericht gestellt, das doch seinen Fehltritt am besten beurteilen kann, sondern er kommt vor einen schäbigen Handwerker von Bürgermeister, der ihm Zuchthaus oder den Galgen androht, als gehörte man zu den gemeinen, froschigen, pluderhosigen Holländern. Bei dem undankbaren Pöbel konnte ich nicht bleiben, und ich verließ den Dienst der Mynheers, und da ich nun hörte, daß in meiner Heimat in meinem Handwerk etwas zu machen sei, so bin ich hierher gekommen, um meinen lieben Landsleuten die Erfahrungen zugute kommen zu lassen, die ich in fremden Ländern gesammelt habe. Eurer Lordschaft habe ich nun einen kurzen Umriß meines Lebenslaufes entworfen, bis auf meine Aufführung in Schlachten und Kriegstaten. Darauf einzugehen, würde aber ermüden, auch dürfte es eher einer andern Zunge als der meinen geziemen, hiervon zu erzählen.«

Drittes Kapitel

Der Weg war jetzt so eng und beschwerlich, daß die Reiter ihr Gespräch abbrechen mußten. Lord Menteith hielt einen Augenblick, bis seine Diener herangekommen, und sprach ein paar Worte mit ihnen.

Der Kapitän ritt unterdessen voran, und nachdem er ein beschwerliches, steil ansteigendes Stück zurückgelegt hatte, gelangte er in ein Hochlandstal, das von einem Bergstrom durchzogen war. Die Rasenfläche am Ufer war breit genug, daß die Reisenden in bequemer Weise ihren Weg fortsetzen konnten.

Nach kurzem Ritt lag ein Hügel vor den Reisenden, der mit einem Walde alter schottischer Föhren bestanden war. In der Mitte dieses Waldes ragten die Türme oder vielmehr Kamine des Hauses oder Schlosses – wie man es nannte – das das Ziel der Reiter war.

Wie es zur damaligen Zeit üblich war, bestand das Wohnhaus aus zwei schmalen und hohen Bauten, die einander kreuzten; den wundervollen Titel eines Schlosses verdankte das Gebäude von Darlinvarach zwei vorspringenden mit kleinen Ecktürmen gezierten Zinnen. Umschlossen war es von einer niedrigen Hofmauer, innerhalb deren die Wirtschaftsgebäude lagen.

Als die Reisenden näher kamen, erkannten sie, daß die Verteidigungswerke vervollständigt worden waren, ohne Zweifel in Rücksicht auf die gefahrvolle Gegenwart. An verschiedenen Stellen des Hauses und der Mauer waren Schießscharten angebracht. Die Fenster waren durch eiserne Stangen versichert, die in der Länge und Breite wie die Gitter eines Gefängnisses übereinander liefen. Das Hoftor war verschlossen und erst nach Austausch von Losungsworten wurde von zwei Bedienten geöffnet.

Mehrere Diener kamen nun zugleich auch aus dem Hause herausgeeilt, die einen nahmen den Fremden die Pferde ab, die andern geleiteten sie in das Haus. Kapitän Dalgetty wies jedoch den ihm angebotenen Beistand zurück und brachte sein Pferd selber in den Stall, um es sorglichst mit allem nötigen zu versehen.

Währenddes gingen Lord Menteith und seine Begleiter in das Haus, wo auf einem dunkeln, geräumigen Korridor unter anderem auch ein Faß Bier lag. Holzkrüge standen dabei, und Lord Menteith trat ohne Umstände an den Zapfen, trank und reichte seinem Diener Anderson den Becher, der dem Beispiel seines Herrn folgte, vorher aber die Neige ausschüttete und das Gefäß ausschwenkte.

»Zum Teufel, Mann!« rief ein alter hochländischer Diener, der zum Hause gehörte, »könnt Ihr nicht nach Euerm Herrn trinken, ohne den Krug auszuspülen und das Bier wegzugießen? Hol Euch der Satan!«

»Ich bin in Frankreich erzogen,« antwortete Anderson, »dort trinkt niemand nach einem andern aus demselben Becher, höchstens wenn eine Dame getrunken hat.«

»Wer Teufel über solche Albernheit!« rief Donald. »Was schadets, wenn eines andern Mannes Bart im Kruge war, wenn nur das Bier gut ist!«

Andersons Gefährte trank ohne die Umstände, über die Donald sich erbost hatte. Dann folgten die beiden Diener ihrem Herrn in die niedrig gewölbte steinerne Halle.

Ein großes Torffeuer erhellte den Raum spärlich. Zwanzig bis dreißig runde Schilde, ebensoviel lange, hochländische Degen, Dolche und Mäntel, Flinten mit Lunten und Feuerschlössern, Bogen, Armbrüste, Streitäxte, stählerne Panzer, Helme, Pickelhauben und Kettenhemden mit Kapuzen und Ärmeln hingen in buntem Wirrwarr an den Wänden. In der Halle stand ein großer grober Tisch aus Eichenholz, auf dem der Diener Donald sogleich in Eile Milch, Butter, Ziegenkäse, eine Flasche Bier und eine kleine Flasche Branntwein zur Erfrischung für Lord Menteith auftrug, während ein anderer untergeordneter Diener am untern Ende der Tafel für die Bedienten Mylords auftrug.

Die Gäste standen inzwischen am Feuer – der junge Edelmann am Kamin – die Diener in einiger Entfernung. »Anderson,« fragte der Lord, »was haltet Ihr von unserm Reisegefährten?«

»Ein derber Kerl«, entgegnete Anderson. »Ich wollte, wir hätten zwanzig solche Gesellen, um unsre Irländer ein bißchen zu drillen.«

»Ich denke anders,« sagte Lord Menteith, »ich glaube, dieser Talgetty ist einer jener Blutegel, die von dem Blut, das sie in fremden Ländern gesogen haben, nur noch hungriger geworden sind und nun zurückkehren, um sich am Blute ihres Vaterlandes zu mästen. Schande über dieses Gesindel, das seine Haut für Geld zu Markte trägt! Fast hätte ich die Geduld verloren über diesen verdingten Kriegsmann, und doch konnt ich mich kaum des Lachens enthalten über seine tolle Unverschämtheit!«

»Eure Lordschaft werden entschuldigen,« sagte Anderson, »wenn ich den Rat gebe, unter den gegenwärtigen Umständen Euch nichts merken zu lassen. Leider können wir ohne den Beistand solcher Leute, obgleich sie sich von so erbärmlichen Beweggründen leiten lassen, nichts ausrichten.«

»Ich muß mich also so gut wie möglich verstellen,« sagte Lord Menteith, »wie ich es ja auf Euern Wink hin bisher schon getan habe; aber ich wünsche den Kerl von ganzem Herzen zum Teufel!«

In diesem Augenblick trat aus einer Seitentür ein Hochländer ein. Die hohe Gestalt und vollkommene Ausrüstung, die Adlerfeder auf der Mütze und die Selbstbewußtheit seines Benehmens ließen sogleich in ihm einen Mann von hohem Rang erkennen.

Er trat langsam an den Tisch, gab aber Lord Menteith keine Antwort, als dieser ihn mit Allan anredete und nach seinem Befinden fragte.