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»Ihr dürft jetzt nicht mit ihm reden«, flüsterte der alte Diener.

Der große Hochländer ließ sich in den leeren Sessel fallen, der beim Feuer stand, starrte in die glühenden Kohlen und schien völlig abwesend zu sein. Seine dunkeln Augen und wilden leidenschaftlichen Züge hatten jenen Ausdruck, den ein gänzlich in eigenes Sinnen versunkener und von der Außenwelt angewandter Mensch zeigt.

»Halten zu Gnaden,« wiederholte der hochländische Diener, indem er dicht neben Lord Menteith trat und sehr leise sprach, »Euer Lordschaft darf jetzt nicht mit Allan reden; denn die Wolke lastet auf seiner Seele.«

Lord Menteith nickte und bekümmerte sich nicht mehr um den finstern Schotten.

»Sagte ich nicht,« fragte dieser plötzlich, indem er seine imposante Gestalt aufrichtete und den Diener ansah, »es würden vier kommen, und hier in der Halle sind nur drei!«

»So sagtet Ihr in der Tat, Allan,« antwortete der alte Diener, »und eben kommt der vierte klirrend aus dem Stall, denn er ist wie ein Krebs mit einer Schale von Eisen auf dem Rücken, auf der Brust und auf Hüften und Schenkeln.«

Viertes Kapitel

Kapitän Dalgetty war in die Halle getreten und hatte sich an den Stuhl, neben Lord Menteith gestellt, die Arme auf die Lehne stützend.

Anderson und sein Gefährte warteten unten an der Tafel in ehrerbietiger Haltung, bis ihnen erlaubt wurde, sich zu setzen. Ein Paar Hochländer liefen nach den Weisungen des alten Donald hin und wieder, um noch mehr Speise und Trank herbeizuschaffen, oder sie hielten sich zur Bedienung der Gäste bereit.

Plötzlich fuhr Allan auf, riß einem der Diener die Lampe aus der Hand und leuchtete damit Dalgetty ins Gesicht, das er mit sorgsamer und ernster Aufmerksamkeit musterte.

»Meiner Treu,« sagte Dalgetty verdrossen, als Allan mit einem geheimnisvollen Kopfschütteln seine Untersuchung einstellte, »ich stehe dafür, wir kennen uns wieder, wenn wir uns noch einmal treffen.«

Inzwischen schritt Allan nach dem untern Ende der Tafel und betrachtete in derselben Weise Anderson und dessen Gefährten. Dann stand er einen Augenblick wie in tiefem Sinnen, faßte sich an die Stirn, packte Anderson am Arm und zog ihn, ehe er noch sich hätte wehren können halb mit Gewalt nach dem leeren Sitz am obern Ende. Er winkte ihm, daß er sich hier hinsetzen solle, und schleppte in derselben zufahrenden Manier den Soldaten an das untere Ende der Tafel.

Der Kapitän geriet über diese Dreistigkeit in Wut und wollte Allan von sich abschütteln. Aber soviel Kräfte er auch besah, gegen den riesigen Hochländer war er zu schwach. Der riß ihn mit solcher Gewalt hinweg, daß er strauchelte und der Länge nach zu Boden stürzte. Laut erdröhnte die Halle von dem Geklirr der Rüstung.

Als der Soldat sich wieder aufgerafft hatte, zog er gleich sein Schwert und stürzte auf Allan los, der mit gekreuzten Armen dastand und dem Angriff mit verächtlicher Seelenruhe entgegenzusehen schien.

Lord Menteith und seine Diener legten sich ins Mittel, während die Hochländer Waffen von den Wanden rissen und ohne weiteres bereit schienen dreinzuschlagen.

»Er ist verrückt,« flüsterte Lord Menteith, »er ist ganz und gar von Sinnen. Es hat keinen Zweck, mit ihm Streit anzufangen.«

»Wenn Eure Lordschaft weiß, daß er non compos mentis ist,« sagte Kapitän Dalgetty, »so mag die Sache hiermit ihr Bewenden haben. Aber bei meiner Seele, wenn ich meine tägliche Ration und eine Flasche Rheinwein im Leibe hätte, so wäre ich ihm anders entgegengetreten. Es ist aber schade, daß er so schwach von Verstand ist, denn er hat gewaltige Körperkräfte und wäre wie geschaffen, die Pike oder sonstwelche militärische Waffe zu führen.«

Der Friede war somit wieder hergestellt, und Allan war zu seinem Sitze am Feuer zurückgekehrt, von neuem in tiefes Sinnen versunken.

Lord Menteith wandte sich an Donald und knüpfte ein Gespräch mit ihm an.

»Der Gutsherr ist, wie ich höre, Donald,« fragte er, »auf dem Berge mit einigen englischen Freunden?«

»Er ist auf den Bergen, und zwei sächsische Caballeros, Sir Miles Musgrave und Christopher Hall sind bei ihm.«

»Hall und Musgrave?« sagte Lord Menteith, seine Diener ansehend, »dieselben, die wir hier zu treffen wünschten.«

»Es handelt sich um eine Wette«, sagte Donald. »Da Eure Lordschaft ein Freund und Verwandter des Hauses ist, so kann ich es Euch erzählen. Als unser Gutsherr das letztemal in England war, war er bei Sir Miles Musgrave zu Gaste; da wurden nun sechs Leuchter auf den Tisch gebracht, die doppelt so groß gewesen sein sollen wie die Leuchter in der Dunblane-Kirche, und sie waren von eitel Silber. Da fingen sie nun an, unsern Gutsherrn zu necken und sagten, so etwas Prächtiges hätte er nicht in seinem armen Lande, und der Herr wollte es nicht dulden, daß man sein Vaterland verunglimpfe. Da schwor er denn, wie ein guter Schotte, er habe mehr Leuchter und bessere Leuchter in seinem Hause, als je welche in einer Halle zu Cumberland Kerzen getragen hätten. Nun waren sie gleich mit einer Wette bei der Hand, und unserm Herrn blieb nichts weiter übrig als entweder sein Wort zurückzunehmen oder um 200 Mark zu wetten. Ehe er sich aber gegenüber solchen Leuten eine Blöße geben wollte, hat er lieber die Wette angenommen und nun wird er bezahlen müssen. Ich glaube, deshalb hat er geschworen, heute abend nach Hause zu kommen.«

»Ich glaube allerdings, Donald,« sagte Lord Menteith, »soweit ich das Silbergeschirr Eures Hauses kenne, daß der Herr die Wette verlieren wird.«

»Ich habe ihm schon geraten, die beiden sächsischen Herren mitsamt ihren Bedienten in den Turm zu werfen, bis sie freiwillig auf die Wette Verzicht leisten würden, aber der Gutsherr hört ja auf kein vernünftiges Wort.«

Allan fuhr bei diesen Worten auf, trat herzu und unterbrach das Gespräch, indem er mit donnernder Stimme den Diener anschrie:

»Wie könnt Ihr es wagen, meinem Bruder einen so schmählichen Rat zu geben, oder wie dürft Ihr nur sagen, er werde eine Wette verlieren, die zu schließen ihm beliebt hat!«

»Meiner Treu, Allan Mac Aulay,« antwortete der alte Mann, »es geziemt nicht dem Sohne meines Vaters, dem Sohne Euers Vaters zu widersprechen, und so mag denn der Gutsherr die Wette getrost gewinnen. Bloß läßt sich dagegen anführen, daß nicht ein einziger Leuchter oder so etwas Ähnliches im ganzen Hause ist, ausgenommen die alten eisernen Armleuchter, die seit Laird Kenneths Zeiten hier sind, und die alten Wandleuchter, die Euer Vater von dem alten Klempner Willie Winkie hat machen lassen; und an Silbergeschirr ist nicht ein Stückchen im ganzen Hause, ausgenommen die alte Milchkanne der alten Gnädigen, und die hat keinen Deckel und keinen Henkel mehr.«

»Schweig, Alter!« rief Allan unmutig. »Und Ihr Herren geht, wenn Ihr Euch erquickt habt, ich muß die Halle herrichten zum Empfang für die Gäste aus dem Süden.«

»Geht nun,« sagte Donald, Lord Menteith am Arm zupfend, »er hat jetzt seine böse Stunde« – mit einem Blick auf Allan – »und es ist nichts mit ihm anzufangen.«

Die Gäste verließen die Halle. Lord Menteith und der Kapitän wurden von dem alten Donald nach einem Gemach geführt.

Ehe sie dort anlangten, begegneten sie dem Herrn des Gutes, Angus Mac Aulay, und seinen englischen Gästen. Alle waren über diese Begegnung sehr erfreut; denn Lord Menteith und die Engländer kannten einander schon. Nachdem aber die erste gastfreundliche Begrüßung vorüber war, fiel es Lord Menteith sogleich auf, daß ein Zug der Besorgnis auf der Stirn seines hochländischen Freundes ruhte.

»Ihr habt jedenfalls gehört,« sagte Sir Christopher Hall, »daß aus der Sache in Cumberland nichts geworden ist. Da ich nun erfuhr, daß es hier flott zu tun gibt, so bin ich mit Musgrave hierhergekommen und wir wollen mit Euern Schurzfellen und bunten Mänteln einen Feldzug versuchen, damit wir nicht untätig und faul zu Hause Maulaffen feil halten.«