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»Da habt Ihr hoffentlich Leute, Waffen und Geld mitgebracht«, sagte Lord Menteith lächelnd.

»Nur ein paar Dutzend Bewaffneter, die wir im letzten Dorf des Flachlandes gelassen haben,« entgegnete Musgrave, »und es hat Mühe gekostet, sie so weit zu bringen.«

»Was das Geld betrifft,« setzte sein Gefährte hinzu, »so denken wir, unser Herr Wirt wird uns eine kleine Summe auszahlen.«

Der Gutsherr errötete, nahm Menteith beiseite und sagte ihm, wie sehr leid es ihm täte, einen so albernen Fehler gemacht zu haben. »Donald hat mir's schon erzählt,« sagte Lord Menteith, nur mit Mühe ein Lächeln unterdrückend.

»Hol der Teufel den Alten!« sagte Mac Aulay, »er schwatzt alles aus, und sollte es ihm das Leben kosten. Allein, Mylord, die Sache geht auch Euch ernstlich an, denn ich baue auf Euer freundschaftliches Entgegenkommen als naher Verwandter unseres Hauses. Ihr müßt mir das Geld leihen, das ich diesen Puddingschlemmern schulde. Ich komme freilich schlecht genug weg; denn ich habe den Schaden und den Spott obendrein.«

»Ihr könnt Euch denken, Vetter,« antwortete Lord Menteith, »daß ich selber nicht gerade in besten Verhältnissen bin, aber um unserer alten Verwandtschaft willen und weil wir Nachbarn sind und stets gut miteinander ausgekommen sind, werde ich bemüht sein, Euch beizustehen, soweit es mir möglich ist.«

»Ich danke Euch – ich danke Euch,« antwortete Mac Aulay, »und da das Geld ja doch im Dienste des Königs gebraucht wird, so ist es ja schließlich einerlei, wer von uns es bezahlt – wir sind ja, hoffe ich, sozusagen eine Familie.«

Während sie noch miteinander sprachen, trat Donald herein, und sein Gesicht strahlte in einer Freudigkeit, die wundernehmen mußte, wenn man des Mißgeschicks gedachte, von dem die Börse und der Kredit seines Herrn bedroht waren.

»Edle Herren, das Mittagsmahl ist fertig, und auch die Kerzen brennen schon,« sagte er, die letzten Worte stark betonend.

»Was zum Kuckuck will er damit sagen?« fragte Musgrave seinen Landsmann.

Lord Menteith sah gleichfalls den Gutsherrn fragend an; Mac Aulay hatte nur ein Kopfschütteln zur Antwort.

Ehe sie hinauskamen, stritten sie ein Weilchen, wer den Vortritt haben solle. Lord Menteith ließ es sich nicht nehmen, von seinem Anrecht auf den Vortritt zurückzustehen, in Anbetracht seiner nahen Beziehungen zu dem Hause und weil er hier in seinem Vaterlande war, und so wurden die beiden fremden Gäste als erste in die Halle geführt.

Ein unerwartetes Bild bot sich ihnen.

Der große eichene Tisch war überladen mit umfänglichen Fleischstücken, und die Sessel für die Gäste waren der Reihe nach gestellt. Hinter jedem Sessel stand ein riesiger Hochländer in der vollen Tracht und kriegerischen Ausrüstung seines Landes.

Ein jeder hatte das gezogene Schwert in der Rechten, die Spitze zur Erde gesenkt, und in der Linken eine brennende Fackel von einem Span der Sumpffichte. Dieses Holz, das in den Morasten wächst, hat einen so starken Terpentingehalt, daß es im Hochland in kleinen getrockneten Scheiten häufig statt der Lichter verwandt wird.

Beim roten Schein der Fackeln, der die wilden Züge, die absonderliche Tracht und die blitzenden Waffen malerisch beleuchtete, und in dem wallenden Rauche, der zur Decke emporwirbelte und die Gestalten in Dunstmassen hüllte, nahm sich das Ganze im höchsten Grade verwunderlich und imposant aus.

Die Fremden hatten sich noch nicht von ihrem Erstaunen erholt, da trat Allan vor, wies mit seinem Schwert, das er nicht aus der Scheide gezogen hatte, auf die Fackelträger und sagte in tiefem, ernstem Tone:

»Schaut her, Ihr Herren Ritter, dies sind die Leuchter in meines Bruders Haus, wie der Brauch unsers alten Geschlechts es erheischt. Keiner dieser Mannen kennt ein ander Gesetz als seines Häuptlings Geheiß – wagt Ihrs, ihren Wert mit dem kostbarsten Erz zu vergleichen, das je aus einem Bergwerk geschürft worden ist? Was sagt Ihr nun, Kavaliere, habt Ihr Eure Wette gewonnen oder verloren?«

»Verloren«, rief Musgrave fröhlich. »Meine eigenen silbernen Leuchter habe ich eingeschmolzen, sie sitzen jetzt zu Roß. Wären diese Kerle nur halb so zuverlässig wie die hier! – Hier, Herr, habt Ihr das Geld,« setzte er hinzu, indem er sich an das Oberhaupt des Stammes wendete, »Halls und meine Kasse wird dadurch freilich etwas knapp, aber Ehrenschulden müssen bezahlt werden.«

»Meines Vaters Fluch falle auf meines Vaters Sohn,« fiel ihm Allan ins Wort, »wenn er einen Heller von Euch nimmt. Es ist genug, wenn Ihr keine Forderungen geltend macht.«

Damit waren alle einverstanden, und nach kurzem Widerstand aus Höflichkeit ließen sich die Engländer bestimmen, die ganze Sache als einen Scherz anzusehen und für abgetan zu betrachten.

»Und nun, Allan,« sagte der Gutsherr, »schafft Eure Leuchter weg, denn die Herren haben sie nun gesehen und werden die Mahlzeit ebenso behaglich beim Licht der alten zinnernen Wandleuchter einnehmen – die machen nicht soviel Qualm.«

Auf einen Wink Allans hoben die lebenden Leuchter die Schwerter und gingen hinaus.

Fünftes Kapitel

Die Liebhaberei der Engländer für gute Speisen ist sprichwörtlich – dennoch spielten an dieser Tafel die englischen Gäste eine untergeordnete Rolle gegenüber der erstaunlichen Gefräßigkeit des Kapitäns Dalgetty, der, solange das Essen auf den Tisch stand, mit niemand ein Wort redete und erst, als abgetragen wurde, seinen Tischgefährten die Gründe darzulegen begann, weshalb er so hastig und so ausdauernd esse.

»Das schnelle Essen,« sagte er, »habe ich mir in Aberdeen angewöhnt, wo ich auf dem Marschall-Gymnasium in Freikost war. Wenn man da nicht die Kinnbacken so schnell wie ein paar Kastagnetten bewegte, bekam man nichts. Und warum ich soviel esse?« fuhr er fort, »Ihr müßt wissen, ehrenwerte Herren, jeder Kommandant einer Festung hat die Pflicht, an Munition und Proviant in Sicherheit zu bringen, was die Magazine nur irgend aufnehmen können, denn er kann nie wissen, ob er nicht eine Belagerung zu überstehen hat. Diesem Grundsatz getreu, tut ein Kavalier nur weise daran, wenn er sich gleich für drei Tage satt isst, sobald er was Gutes reichlich vor sich hat, denn er kann nie wissen, wann wieder einmal der Tisch für ihn gedeckt ist.«

Der Gutsherr billigte diesen Grundsatz und empfahl dem Kriegsmann, auf die derben Speisen noch eine Tasse Branntwein und eine Flasche Rotwein draufzusetzen – ein Vorschlag, den der Kapitän mit Vergnügen annahm.

Als die Gerichte abgeräumt waren und nur noch ein Knappe in der Halle zurückgeblieben war, um für den Dienst der Gesellschaft bereit zu sein und alles, was verlangt wurde, zu holen oder bringen zu lassen, kam das Gespräch auf die politischen Zustände des Landes.

Lord Menleith erkundigte sich besonders angelegentlich nach der Zahl der Clans, auf die man bei der geplanten Musterung der Königstreuen rechnen könne.

»Das hängt hauptsächlich davon ab,« antwortete der Gutsherr, »wer das Banner erheben wird. Ihr wißt ja, wir Hochländer ordnen uns nicht gern dem Befehl eines unserer Häuptlinge oder irgend eines andern unter. Es geht das Gerücht, daß der junge Colkitto oder Alaster Mac Donald von Irland mit einem Heer von den Leuten des Grafen von Antrim unterwegs sei und Ardnamurchan erreicht habe.«

»So möchtet Ihr Colkitto zum Anführer haben?« fragte Menteith.

»Colkitto!« erwiderte Mac Aulay wegwerfend. »Wer spricht von Colkitto! Es lebt nur ein Mann, dem wir uns unterordnen – das ist Montrose.«

»Aber seit wir vergebens versucht haben, den Norden Englands zum Aufstand zu bewegen,« bemerkte Christopher Hall, »hat man nichts mehr von Montrose gehört. Es heißt, er sei zum König nach Oxford zurückgekehrt.«

»Zurückgekehrt!« unterbrach ihn Allan mit verächtlichem Lachen. »Ich könnt Euch etwas andres sagen, doch verlohnt's nicht der Mühe, denn Ihr erfahrt es sowieso bald.«

»Bei meiner Ehre, Allan,« sagte Lord Menteith, »meine Freunde werden die Geduld mit Euch verlieren, so eigensinnig und mürrisch, seid Ihr. Ich weiß aber auch weshalb,« setzte er lachend hinzu, »Ihr habt heute Annot Lyle nicht gesehen.«