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»Alles ganz gut und schön,« fiel ihm Glossin ins Wort, besorgt, daß Bertrams letzte Antwort nicht ohne Eindruck auf Hazlewood bleiben dürfte, war es doch keine Kleinigkeit, einen Offizier – wenn Bertram wirklich diesen Rang bekleidete – in Arrest zu setzen .. »alles ganz gut und schön, aber es fehlt doch an jeglichem Zeugnis für Ihre Behauptungen!«

»Zwei Personen, denen ich bekannt bin, lassen sich namhaft machen: ein Landmann im Liddestale, mit Namen Dinmont, der indessen über mich nicht mehr aussagen könnte, als ich selbst gesagt und eben wiederholt habe ...«

»Und der andere?« fragte Hazlewood

»Aus besonderen Gründen persönlicher Natur nenne ich ihn nicht gern; ich habe in Indien unter ihm gedient – aber er ist im Grunde solch ein Ehrenmann, daß er mir sein Zeugnis nicht verweigern wird.«

»Und wer ist's? dieser wackere Bürge? Wohl ein verabschiedeter Wachtmeister oder Feldwebel?« meinte Glossin,

»Herr Oberst Mannering.«

»Mannering!« rief Glossin, »wer wäre Schwerenot! wohl darauf gekommen?«

»Oberst Mannering,« wiederholte jetzt auch Hazlewood und gewann auf einmal die Meinung, daß er doch vielleicht zu weit gegangen sei. »Lieber Glossin,« wandte er sich leise an seinen Kollegen, »der junge Mann hat, von seinem gewöhnlichen Namen und etwas unfeinem Benehmen abgesehen, doch etwas von einem Manne von Stande an sich, scheint wenigstens in halbwegs guter Gesellschaft sich bewegt zu haben – ein Offizierspatent in Indien zu erlangen, soll ja nicht schwierig sein. Ich hielte es doch für am besten, die Rückkehr des zurzeit in Edinburg befindlichen Obersten abzuwarten.«

»Ganz, wie Sie meinen, Sir Robert,« antwortete Glossin, »ganz, wie Sie meinen – aber ich stelle es Ihrem Ermessen anheim, ob wir befugt sein möchten, den Arrestanten auf Aussagen hin aus der Haft zu entlassen, die durch Zeugen nicht erwiesen sind.« Er sah recht gut, daß sein Kollege sich unsicher fühlte, und setzte, um die Sache zum Schlusse zu bringen, devot hinzu: »Ich darf wohl die gehorsamste Frage stellen, ob es sich nicht mehr empfehle, den jungen Mann, statt ins Stadtgefängnis, nach dem Stockhaus von Portanferry zu bringen, wo er in sicheren Verwahrsam genommen werden kann, ohne den Blicken von all und jedem ausgesetzt zu sein – ich meine, dieser Umstand verdiente für den Fall, daß seine Angaben nicht aller Wahrheit entbehren, einige Berücksichtigung.«

»Der Gedanke läßt sich hören,« erwiderte der Baronet, »wir haben in Portanferry zur Beschützung des Zollgebäudes eine Militärwache – die uns Bürgschaft genug sein kann für die Sicherheit unseres Arrestanten. – Sie haben recht, Glossin, lassen wir ihn dorthin abführen – oder vielmehr, autorisieren wir ihn zum Aufenthalte daselbst!«

Glossin verabschiedete sich mit unzähligen Bücklingen. Die beiden Amtsbrüder wechselten noch ein paar höfliche Worte; und auf dem Heimweg führte Glossin das folgende Selbstgespräch: »So! und nun zu Hatteraick! die Wache eskamotiert, und dann den Wurf gewagt! Aber hurtig, hurtig! Ist das ein Glücksfall, daß Mannering in Edinburg ist! Die Bekanntschaft zwischen ihm und diesem Brown setzt mich in neue Gefahr. Aber wie wäre es, wenn ich mich mit dem Erben verständigte?« meinte er, sein Pferd anhaltend, »schließlich fände er sich bereit, eine schickliche Summe als Abstandsgeld an mich zu zahlen – und dann würde ich den Hatteraick los? Aber nein, nein! es sind der Augen zuviel auf mich gerichtet – lassen wir's lieber beim ersten Entschlusse!« . ... Und seinem Pferde die Sporen in die Seiten jagend, ritt er im Galopp davon, getrieben von dem Gedanken, seinen Plan so schnell wie möglich in Ausführung zu setzen.

Elftes Kapitel

In dem gleichen Wagen, worin er hergebracht worden, wurde Bertram nach Portanferry transportiert, in das neben dem Zollhause, dicht am Seestrande, befindliche Stockhaus. Die beiden Gebäude wurden durch ein starkes Bollwerk, das sich jäh zum Ufer hinsenkte, gegen den Anprall der Wogen geschützt. Die Vorderfront schloß eine hohe Mauer ein, die einen kleinen Hof bildete, in welchem die Insassen sich ergehen durften. Gendarm Mac Guffog, der Bertram arretiert hatte, war Aufseher des Hauses. Er ließ den Wagen vor das Tor fahren und rief die Wächter herbei. Ein Schwarm zerlumpter Jungen, die sich die Zeit damit vertrieben, auf den Lachen, die die Flut zurückgelassen, Papierfregatten treiben zu lassen, rannten herbei, neugierig, wer in Glossins neuem Wagen säße. Riegel wurden zurückgeschoben, Ketten rasselten, und Frau Mac Guffog, eine derbe Hünin, die, wenn ihr Mann abkommandiert war, die »Kommandeuse« spielte, riß das Tor auf; vor ihr hatten die Jungen einen Heidenrespekt und retirierten in gemessener Entfernung.

Bertram wurde von ihrem Manne ziemlich unsanft aus dem Wagen befördert und in den Hof gezerrt, und als er nun den Blick warf auf die hier auf und niedergehenden Verbrecher, denen Verzweiflung und Liederlichkeit ihr Brandmal aufgedrückt hatten, fühlte er sich unsäglich gedrückt durch den Gedanken, in solcher Gemeinschaft auch nur Augenblicke zu verweilen ... »Sie weisen mir hoffentlich eine besondere Zelle an?« fragte er Mac Guffog.

»Und was hätte ich davon?« antwortete dieser.

»Mein Aufenthalt hier wird höchstens zwei Tage dauern. Ich will mich gern für solche Gefälligkeit bei Ihnen abfinden.«

»Ja, aber wann und wie?«

»Sobald ich frei bin und mein Geld aus England erhalte.«

Mac Guffog schüttelte ungläubig mit dem Kopfe.

»Sie halten mich doch nicht für einen gemeinen Verbrecher?« fragte Bertram wieder.

»Kann ich's wissen, oder nicht? aber soviel ist klar, daß Ihr nicht zu den geriebenen gehört, wenn Ihr dazu gehört!«

»Wie habe ich das zu verstehen?«

»Nun, was Ihr in Kippletringan gelassen habt, läßt sich doch nur ein Tropf nehmen. Mir hätte es nicht passieren sollen – keinen roten Stüber hätten sie bekommen! Ihnen das Geld abzunehmen, war nicht in Ordnung; und Sie ins Loch zu stecken, ohne alle Mittel, was hier für sich zu haben und auf sich wenden zu können, erst recht nicht. Alles andere hätten sie ja als Beweismaterial behalten können. Warum haben Sie dann aber Ihre Guineen nicht zurückverlangt? Ich habe Ihnen doch beim Verhöre immer zugewinkt und zugenickt; aber Sie hatten ja weder Auge noch Ohr für mich.«

»Ich danke Ihnen, Mann, und wenn ich mein Geld fordern darf, so werde ich es auch sicher tun, und um Ihnen davon zu zahlen, was Ihre Forderung beträgt, dazu reicht's allemal,«

»Wie es um Ihre Geldverhältnisse steht, weiß ich nicht, mein lieber Herr,« versetzte Mac Guffog, »aber auch nicht, wie lange Sie hier vielleicht werden brummen müssen. Und Borgen ist an sich ein dummes Ding, das dümmste aber in Verhältnissen, wie zwischen uns. Und wer borgen soll, der rechnet auch alles höher. Aber immerhin – meine Frau sagt zwar, ich käme durch meine Gutmütigkeit immer ins Schlamassel; ich will aber noch 'mal ein Auge zudrücken und mich mit einem Gutschein auf Ihr Geld hin begnügen. Mit dem Glossin werde ich schon fertig werden; weiß ich doch einiges über einen gewissen Arrestanten, der jüngst aus Ellangowan ausgebrochen ist; mir wird der Glossin schon zum Rechte verhelfen.«

Bertram versprach ihm, den Gutschein zu geben, falls er nicht binnen der nächsten beiden Tage auf andere Weise aus der Verlegenheit kommen sollte ... »Na, dann abgemacht,« sagte Mac Guffog, »dann soll's Euch an nichts fehlen.« Um jede Differenz zu vermeiden, erklärte er rund heraus, was er für eine besondere Zelle, für Benutzung von Gerät und Bett forderte, und versprach, für Essen und Trinken sich mit zwanzig Prozent über den Einkaufspreis zu begnügen. »Außer diesen Hauptsachen,« setzte er hinzu, »dürften wohl nur ein paar kleine Nebenkosten noch in Betracht kommen, so z.B. für das Recht, frei im Hofe zu spazieren, jedesmal sechs Pence.«