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Draußen vorm Schloß bot sich ein merkwürdiges Bild. Die Hochländer, die von verschiedenen Inseln, aus größern und kleinern Tälern stammten, maßen einander mit Neugierde oder offenkundiger Mißgunst. Am meisten aber mußte, wenigstens jedem Flachländer, der Wetteifer der Dudelsack-Pfeifer auffallen. Diese Kriegsmusikanten, die alle von der Überlegenheit ihres eigenen Stammes die höchste Meinung und von dem Vorzug ihrer Stellung den dünkelhaftesten Begriff hatten, spielten zuerst die Schlachtlieder ihrer eigenen Sippe.

Allmählich aber kamen sie näher zusammen, indem sie sich in ihren gewürfelten Mänteln und Röcken triumphierend aufblähten. Sie gingen auf einander zu, warfen sich dünkelhafte, herausfordernde Blicke zu und schwellten und quetschten ihre kreischenden Instrumente. Dabei spielte jeder seine eigne Lieblingsmelodie mit so ohrenzerreißendem Getöse, daß ein italienischer Musiker – wenn einer im Umkreis von zehn Meilen hier unter der Erde gelegen hätte – von den Toten auferstanden wäre, um dieser gräulichen Musik zu entrinnen.

Inzwischen hatten die Häuptlinge sich im großen Saale zur Beratung versammelt.

Darunter waren mehrere hochbedeutende Personen; viele waren auch gekommen lediglich aus Eifer für die Sache des Königs, viele auch aus Groll über das harte Joch, das der Marquis von Argyle, seit er im Staate das Ruder in der Hand hatte, seinen hochländischen Nachbarn auferlegte.

Dieser Staatsmann besaß zwar große Fähigkeiten und viel Vermögen – hatte aber doch einige Charakterfehler, die ihn bei den schottischen Häuptlingen sehr unbeliebt machten. Im Punkte der Religion war er unduldsam und fanatisch. Sein Ehrgeiz war unersättlich. Überdies schrieb man ihm oder dem Gillespie Grumach, d. i. dem schielenden Mißgestalteten – unter diesem Spitznamen, der vom Schielen seiner Augen herrührte, sprach man allgemein von ihm im Hochland, wo man niemand nach Titel und Würden nennt – mehr staatsmännische Fähigkeit als Feldherrntalent zu.

Er und sein Clan waren vor allem den Mac Donalds und den Mac Leans verhaßt, zwei großen Stämmen, die schon von altersher zwar einander befehdet hatten, aber stets in einem alteingesessenen Haß gegen die Campbells oder die Söhne von Diarmid, wie man sie nannte, einig waren.

Die versammelten Häuptlinge verharrten eine zeitlang in Schweigen und warteten, ob einer von ihnen die Beratung eröffnen werde.

Endlich ergriff der Mächtigste unter ihnen das Wort:

»Wir sind hier hergeladen worden, Mac Aulay, um über wichtige Fragen des Königtums und des Staates Rat zu pflegen. Wir möchten nun wissen, wer uns über diese Fragen zunächst Bericht erstatten will.«

Mac Aulay, der kein sehr gewandter Redner war, forderte Lord Menteith auf, die Eröffnungsworte zu sprechen.

Der junge Lord begann in bescheidener, doch energischer Sprache. Gern hätte er es gesehen, äußerte er, wenn ein bekannterer Mann, der sich schon einen ruhmvollen Namen erworben habe, die Vorschläge dargelegt hätte, die er jetzt der Versammlung unterbreiten wolle. Da man ihn jedoch gebeten habe, das Wort zu ergreifen, so müsse er zuvörderst den versammelten Häuptlingen sagen, daß alle, die danach trachteten, sich von dem schmachvollen Joch zu befreien, das der Fanatismus ihnen aufzubürden suche, keinen Augenblick zu versäumen hätten.

»Für alle königstreuen Schotten,« fuhr er fort, »ist der günstige Zeitpunkt gekommen zu beweisen, daß der Vorwurf, der gegen ihr Vaterland ausgesprochen worden ist, nur durch den selbstsüchtigen Ehrgeiz von ein paar ränkesüchtigen aufrührerischen Menschen verschuldet ist. Dazu kommt noch der Fanatismus, der von fünfhundert Kanzeln herunter wie eine Hochflut über die Niederlande von Schottland ausgegossen worden ist. Ich habe Briefe von Marquis von Huntyle aus dem Norden in Händen, die ich den einzelnen Häuptlingen zeigen werde. Dieser königstreue und mächtige Edelmann ist fest entschlossen, sich aufs energischste der allgemeinen Sache zu widmen, und ebenso ist der mächtige Graf von Seaforth dazu bereit. De gleichen festen Zusicherungen habe ich vom Grafen Airly und den Olgivies in Angusshire. Wenn diese mitsamt den Hays, Leiths, Burnets und anderen königstreuen Herren rüsten, so sind wir sicher stark genug, den Covenanters im Norden die Spitze zu bieten.

»Auch im Süden des Forth und Tay hat der König viele Freunde, die, durch schwere Steuern und harte Tyrannei erbittert, nur auf den Augenblick warten, daß das Banner des Königs erhoben wird, um auf der Stelle zu den Waffen zu greifen.

»Douglas, Traquair, Roxburgh und Hume, die alle der Sache des Königs ergeben sind, werden im Süden die Covenanters im Schach zu halten vermögen. Zwei Herren von hohem Namen und Rang, die aus dem Norden Englands zugegen sind, bürgen für den Eifer von Cumberland, Westmoreland und Northumberland.

»Was können die Covenanters so vielen tapferen Herren entgegenstellen? Nur rohes Soldatenvolk, Hirten aus den Grafschaften des Westens, Bauern und Handwerker des Flachlandes. Im Westen des Hochlandes haben die Covenanters keinen Anhänger bis auf einen Mann, den wir alle kennen und hassen.

»Ich brauche nur noch hinzuzusetzen, daß bedeutender Vorrat an Geld und Munition für das Heer zusammengebracht worden ist, daß Offiziere, die in fremden Kriegen Erfahrung und Befähigung sich angeeignet haben, geworben sind – daß ein umfangreiches Korps irischer Hilfstruppen, das uns Graf Antrim aus Ulster gesandt hat, glücklich gelandet und hierher im Anmarsch ist.

»Es bleibt nun weiter nichts zu tun übrig, als daß die edlen hier versammelten Häuptlinge unter Hintansetzung aller kleinlichen Rücksichten sich mit Herz und Hand für die gute Sache zusammentun. Sie müssen das feurige Kreuz in ihren Clans kreisen lassen und soviel Anhänger als möglich zusammenscharen. Die Streitkräfte müssen so schnell vereint werden, daß der Feind keine Zeit hat, sich von dem Schrecken zu erholen und Gegenmaßregeln zu treffen.

»Ich selbst zähle zwar nicht zu den reichsten und mächtigsten Edelleuten Schottlands, aber ich bin mir doch der Pflicht bewußt, die Würde eines alten ehrwürdigen Hauses zu vertreten und für die Freiheit eines alten ehrwürdigen Volkes einzustehen, und ich bin fest entschlossen, Gut und Blut für diese Sache hinzugeben.

Wenn die mächtigeren unter uns hierzu gleich freudig bereit sind, wird die Dankbarkeit des Königs und der Nachwelt Ihnen gewiß sein.«

Diese Rede lohnte lauter Beifall, aus dem deutlich zu ersehen war, daß alle Versammelten mit den hier ausgesprochenen Gedanken vollkommen einverstanden waren.

Als der Lärm sich gelegt hatte, sahen die Häuptlinge einander an, als ob noch eine Angelegenheit zu erledigen wäre. Nachdem sie ein Weilchen sich leise untereinander besprochen hatten, ergriff ein alter Mann, der zwar nicht zu den höchsten unter den Häuptlingen zählte, aber um seines grauen Haares willen hohe Achtung genoß, das Wort zur Erwiderung auf die Rede des jungen Lords.

»Thane von Menteith,« sprach er, »alle, die wir hier sind, hegen wir die gleichen Gefühle im Busen, heiß wie Feuer; doch nicht die Kraft allein erringt den Sieg in der Schlacht; der Kopf des Befehlshabers ist ebenso unentbehrlich wie der Arm des Soldaten. Ich frage Euch, wer ist der, der das Banner aufrichten und tragen soll, unter dem wir uns zusammenscharen sollen? Wo ist das königliche Patent, laut welchem die Stämme zu den Waffen gerufen werden? Wenn wir auch schlichte Hochländer sind, so sind uns doch die bestehenden Kriegsbestimmungen und die Gesetze unseres Vaterlandes nicht ganz unbekannt. Wir wollen nicht den allgemeinen Frieden Schottlands stören, außer auf ausdrücklichen Befehl unseres Königs, und nur unter der Führung eines Mannes, der sich zum Befehlshaber solcher Herren wie der hier versammelten eignet.«

»Wo wäre solch ein Führer zu finden,« fiel ein anderer Häuptling ein, »er sei denn unter den Vertretern des Herrn der Inseln, bei dem durch Geburt und Abstammung das Recht wohnt, alle Clans der Hochlande unter einer Fahne zu vereinen? Und wo wäre eine solche Würde zu finden, wenn nicht unter den Mitgliedern der Familie Vich Alister More?«