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»Das erste laß ich gelten,« versetzte ein anderer Häuptling, »den Schluß aber nicht. Wenn Vich Alister More für den Vertreter des Herrn der Inseln gelten will, so mag er zuerst beweisen, daß sein Blut röter ist als meins.«

»Das kann leicht geschehen,« rief Vich Alister More, die Hand am Degenknauf.

Lord Menteith trat zwischen beide und ermahnte sie, die höheren Interessen Schottlands, die Freiheit des Vaterlandes und die Sache des Königs im Auge zu behalten, und mehrere Häuptlinge legten sich gleichfalls ins Mittel, am nachdrücklichsten der berühmte Evan Dhu.

»Ich bin von meinen Seen hergekommen,« rief er, »wie ein Strom sich ins Tal ergießt, nicht um wieder umzukehren, sondern um meinen Lauf zu vollenden. Wie können wir Schottland oder dem König Karl dienen, wenn wir um unsre eignen Interessen hadern? Ich gebe meine Stimme dem General, den der König ernennt und der sicher der rechte Mann für uns und die Unsern sein wird. Von hoher Geburt muß er sein, sonst schänden wir uns, indem wir ihm gehorchen – weise und tüchtig muß er sein, sonst bringen wir unser Volk in Gefahr – der Tapferste muß er sein unter den Tapfern, sonst könnten wir die Ehre einbüßen – nur solch ein Mann kann über uns befehlen. Könnt Ihr, Thane von Menteith, uns sagen, wo ein solcher Mann wäre?«

»Es gibt nur einen, und der steht hier,« rief in diesem Augenblick Allan Mac Aulay, die Hand auf Andersons Schultern legend, der hinter Lord Menteith stand.

Das allgemeine Erstaunen äußerte sich in zornigem Murren – Anderson aber warf den Mantel zurück, der sein Gesicht verhüllte, trat vor und rief:

»Ich hatte nicht die Absicht, als stummer Zuschauer diesem Schauspiel beizuwohnen, allerdings zwingt mein vorschneller Freund mich, mich etwas früher zu offenbaren, als ich eigentlich beabsichtigt hatte. Ob ich der Ehre würdig bin, die mir dieses Pergament erteilt, werde ich erst im Dienste des Königs beweisen können. Hier ist das Patent mit dem Staatssiegel, und laut ihm bin ich, James Graham Graf von Montrose, zum Befehlshaber der Armee ernannt, die in diesem Königreich für den Dienst Sr. Majestät gebildet wird.«

Lauter Beifall ertönte. Er war der einzige, dem die stolzen Bergbewohner sich bereitwilligst unterordneten. Seine tödliche, durch Erbschaft überkommene Feindschaft mit dem Marquis von Argyle war Bürgschaft, daß er mit vollster Energie sich der Sache widmen werde, und seine Feldherrngaben, die allbekannt waren, und die oft erprobte Tapferkeit ließen von vornherein die Hoffnung zu auf ein glückliches Ende des Unternehmens.

Zehntes Kapitel

Nachdem der allgemeine Jubel sich gelegt hatte, verlangten alle dringend nach Ruhe, damit das königliche Patent verlesen werden könne. Die Häuptlinge hatten bisher die Mützen aufbehalten, wahrscheinlich weil keiner als erster von allen das Haupt hatte entblößen wollen; jetzt aber nahmen sie sie alle ab, um dem königlichen Handschreiben Ehre zu erweisen.

Der königliche Erlaß war in klarer bestimmter Form abgefaßt und verlieh dem Grafen von Montrose die weitgehendste Vollmacht, die bewaffneten Untertanen zu sammeln zum Widerstand gegen die herrschende Rebellion, die von mehreren Verrätern am König angezettelt worden sei, um den Frieden zwischen beiden Königreichen zu zerstören.

Alle dem Befehlshaber untergeordneten Personen wurden strengstens angewiesen, dem Grafen Montrose zu gehorchen und ihn zu unterstützen; er erhielt Befugnis, Befehle auszugeben, Aufrufe zu erlassen, Vergehen zu bestrafen, Verbrecher zu begnadigen, Statthalter und Unterbefehlshaber zu ernennen und abzusetzen.

Als der Erlaß verlesen worden war, tat allgemeiner Zuruf die Bereitwilligkeit kund, mit der die Häuptlinge sich ihrem Oberbefehlshaber unterwarfen.

Montrose begnügte sich nicht damit, ihnen im allgemeinen für so herzliche Aufnahme zu danken, er wendete sich auch an die einzelnen. Die bedeutenderen unter den Häuptlingen waren ihm schon lange persönlich bekannt – er machte sich nun auch mit den weniger bedeutenden unter ihnen bekannt, und bei diesem Geschäft der Höflichkeit prägte sich scharf der Kontrast aus zwischen seinem anmutigen Wesen, seinem ausdrucksvollen Gesicht, seinem würdevollen Benehmen und der groben unansehnlichen Kleidung, die er trug.

Das Antlitz und die Gestalt des Grafen von Montrose waren von jener Art, an der man auf den ersten Blick gar nichts besonderes findet, die aber, je länger man sie ansieht, um so stärker fesselt. Er war ein wenig über Mittelgröße, sein Körper war aber schön und regelmäßig geformt und man sah ihm an, daß ihm große Kraft und zähe Ausdauer innewohnte.

In der Tat besaß er eine eiserne Natur, sonst hätte er nicht die Strapazen der zahlreichen schweren Feldzüge überstehen können, in denen er dieselben Entbehrungen auf sich nahm, wie sie dem gemeinen Soldaten zufielen.

Er war ein Meister in allen Leibesübungen des Friedens und des Krieges. Daher war ihm auch jene graziöse Anmut der Haltung zu eigen, an denen man alle erkennt, die ihren Leib gewohnheitsmäßig schulen und üben.

Nach dem Brauch, der unter den Adligen der königstreuen Partei bestand, war sein langes braunes Haar gescheitelt und fiel in langen Locken herab. Eine Adlernase, ein großes graues Auge, das beherzt, offen und flink dreinschaute, und eine frische Farbe hoben einen Zug der Rauheit und ein wenig Unregelmäßigkeit in den unteren Partien des Gesichts wieder auf, und man hätte das Gesicht des Grafen eher hübsch als rauh nennen können.

Montrose berichtete nun, wie vielen Gefahren er ausgesetzt gewesen war, ehe er sein Ziel erreicht hatte. Zuguterletzt hätte er sich gezwungen gesehen, sich zu verkleiden, um sicher durch das Flachland zu kommen, und hierbei hätte sein Verwandter Menteith ihm geholfen. Wie Allan Mac Aulay ihn erkannt habe, könne er sich nicht erklären.

Wer Allans prophetische Veranlagung kannte, lächelte geheimnisvoll. Allan selber aber sagte, Graf Montrose dürfe sich nicht wundern, wenn Tausende, deren er sich nicht erinnern könne, ihn sehr wohl kannten.

»Bei der Ehre eines Kavaliers,« sagte Kapitän Dalgetty, als er endlich auch einmal zu Worte kommen konnte, »ich schätze mich glücklich und bin stolz darauf, unter dem Befehl Eurer Lordschaft das Schwert zu schwingen. Ich vergesse alles Grolls und Ärgers über Herrn Mac Aulay, daß er mich gestern an den untersten Platz an der Tafel geführt hat. Heute hat er gesprochen wie einer, der seine fünf Sinne vollkommen beisammen hat, und ich bin mir klar darüber, daß er das Privilegium der Verrücktheit nicht für sich geltend machen kann. Ich habe aber nur hinter meinem zukünftigen Oberbefehlshaber zurückstehen müssen, und das War völlig gerecht. Ich begrüße daher Allan von Herzen und werde ihm ein bueno camerado sein.«

Nach dieser Rede, die wenig Beachtung fand, ergriff er Allans Hand, ohne seinen Fechthandschuh auszuziehen, und schüttelte sie, Allan aber erwiderte den Gruß mit einem Druck der wie ein Schraubstock die eisernen Schuppen des Handschuhs dem Kapitän tief ins Fleisch preßte.

Fast hätte er dies als eine neue Beleidigung aufgenommen, und stand noch wutschnaubend da, die zerquetschte Hand schüttelnd, als Montrose sich plötzlich an ihn wandte. »Kapitän Dalgetty,« sagte er, »die Irländer, denen Eure militärischen Erfahrungen zu gute kommen sollen, müssen in wenigen Stunden hier sein.«

»Unsere Jägerburschen,« sagte Angus Mac Aulay, »die wir nach Wild ausgesandt hatten, haben von einer Schar Fremden gehört, die unter der Führung von Alister Mac Donald, den man gewöhnlich den jungen Kolkitto nennt, hierhermarschieren.«

Das sind die Unsrigen,« sagte Montrose, »es müssen ihnen Boten entgegen gesandt werden, die sie führen und mit allem Nötigen versehen müssen.«

»Das wird seine Schwierigkeiten haben,« versetzte Angus Mac Aulay, »wie ich höre, haben sie nur ein paar Musketen und ein wenig Munition, sonst fehlt ihnen schlechtweg alles, was Soldaten haben müssen, und vor allein Geld, Schuhwerk und Kleidung.«