»Es hat gar keinen Zweck, das so laut zu sagen. Die Weber von Glasgow werden sie reichlich mit Tuch versorgen, und die gottseligen Damen sollen ihre patriotischen Gaben auch in diesem Fall herausrücken und die spißohrigen Schufte, ihre Ehemänner, den Geldbeutel ziehen.«
»Und was die Waffen anbelangt,« sagte Kapitän Dalgetty, »so wäre, wenn ein alter Kavalier seine Ansicht äußern darf, mir das liebste, ein Drittel würde mit Musketen und der Rest mit Piken ausgerüstet. So kann man einer Reiterattacke stand halten und auch Infanterie durchbrechen. Piken kann aber jeder Grobschmied 106 am Tag, machen, für die Schäfte ist Holz genug da. Ferner, möchte ich behaupten–«
Des Kapitäns taktische Erörterungen wurden in diesem Augenblick durch Allan Mac Aulay unterbrochen, der ihm ungestüm ins Wort fiel und ausrief: »Platz für einen unerwarteten und unliebsamen Gast.«
Elftes Kapitel
Die Tür öffnete sich, und ein grauhaariger hochgewachsener Mann trat ein. Sein Wesen hatte das Gepräge hoher Würde und starken Machtbewußtseins. Seine Gestalt überstieg das gewöhnliche Größenverhältnis, und seinen Blicken sah mans an, daß er gewohnt war, zu befehlen.
Er warf einen strengen fast finstern Blick über die Versammlung, den die Häuptlinge höheren Ranges mit geringschätziger Gleichgiltigkeit erwiderten, während einige Herren aus dem Westen ein Gesicht schnitten, als wären sie lieber weit weg.
»An welchen Herrn aus dieser Versammlung,« fragte der Fremde, »habe ich mich zu wenden, wenn ich mit dem Anführer sprechen will? Oder ist es noch nicht bestimmt, wem dieses ebenso gefährliche wie ehrenvolle Amt übertragen werden soll.«
Montrose trat vor.
»Wendet Euch an mich, Sir Duncan Campbell!« sagte er.
»An Euch!« rief Sir Duncan Campbell und maß ihn mit verächtlichem Blick.
»Ja, an mich,« war die Antwort, »den Grafen Montrose, wenn Ihr ihn noch nicht vergessen habt.«
»In der Verkleidung eines Stallknechts hätte ich ihn nicht erkannt«, entgegnete Sir Duncan Campbell. »Doch hätte ich mir gleich denken können, daß nur ein so unheilvoller Einfluß wie der Eurer Lordschaft eine so voreilige Versammlung mißleiteter Männer zusammenrufen kann.«
»Laßt jeden Streit beiseite, der nur uns beide angeht,« versetzte Montrose, »und entledigt Euch der Botschaft, die Euer Stammensoberhaupt Argyle durch Euch überbringen läßt, denn in seinem Namen, vermute ich, seid Ihr hier.«
»Im Namen des Marquis von Argyle,« antwortete Sir Duncan, »im Namen der Konvention der schottischen Stände verlange ich zu wissen, was für einen Zweck diese merkwürdige Versammlung hat. Wenn Ihr die Absicht hegt, den Frieden des Landes zu zerstören, so habt Ihr als Nachbarn und Ehrenmänner die Pflicht, uns vorher wissen zu lassen, daß wir auf der Hut sein müssen.«
»Seltsam hat sich alles in Schottland verändert,« sagte Montrose, sich von Duncan ab an die Versammlung wendend. »Schon dürfen schottische Männer von Rang nicht mehr im Hause eines gemeinsamen Freundes zusammenkommen, ohne daß die Herren, die uns regieren, einen hersenden, der untersuchen muß, was wir beginnen. Unsere Vorfahren hielten Jagden ab und versammelten sich auch zu andern Zwecken, ohne daß sie von Spionen belästigt wurden.«
»So war es einst,« setzte einer der Häuptlinge aus dem Westen hinzu, »so wird es wieder sein, sobald erst die, die sich in unsern Grund und Boden eingedrängt haben, wieder zu Gutsherrn von Lochow herabgesetzt sind und sich nicht mehr über uns ausbreiten wie ein Schwarm gefräßiger Heuschrecken.«
»Soll ich das so verstehen,« fragte Sir Duncan, »daß diese Rüstungen nur gegen meinen Namen gerichtet sind oder soll zugleich mit dem Haus der Diarmid die ganze Menge der friedfertigen Bewohner Schottlands leiden.«
»Eine Frage,« rief ein Häuptling, der plötzlich mit wildem Blick auffuhr, »an den Ritter von Ardenvohr, ehe er in seinem tollkühnen Katechismus fortfährt: hat er mehr als ein Leben mit ins Schloß gebracht, daß er sich in dieser Weise unter uns drängt, um uns zu beleidigen?«
»Edle Herren,« sagte Montrose, »ich bitte Euch, mäßigt Euch. Da Sir Duncan Campbell darauf besteht, so kann ich ihm, damit er sich danach richten kann, ja ruhig mitteilen, daß er eine Versammlung königstreuer Untertanen vor sich sieht. Diese Versammlung habe ich einberufen als Bevollmächtigter Sr. Majestät, auf Grund des mir von Allerhöchst demselben erteilten Patent.«
»So haben wir den Bürgerkrieg in aller Form,« antwortete Sir Duncan Campbell;, »ich bin lange genug Soldat gewesen und sehe ihm mit Fassung entgegen. In Rücksicht auf die Ehre des Grafen Montrose hätte ich jedoch gewünscht, er hätte weniger sich von seinem eignen Ehrgeiz als von der Sorge für den Frieden des Landes leiten lassen. Es tut mir leid, einen solchen Bericht dem Marquis von Argyle bringen zu müssen. Ich habe ferner nun noch zu melden, daß der Marquis die blutigen Fehden vermeiden möchte, die ein Krieg in den Hochlanden stets mit sich bringt, und daß er einen Waffenstillstand für das Land nördlich von der Hochlandsgrenze anbietet.«
»Ein Vorschlag zur Güte!« lächelte Montrose. »Wenn die Bedingungen zu einem solchen Waffenstillstand sich in
einer beide Teile zufriedenstellenden Weise festsetzen ließen und wenn wir die feste Gewißheit hätten – denn das, Sir Duncan, ist vor allem erforderlich – daß Euer Marquis die Bedingungen auch hält, dann wäre es mir für mein Teil lieb, den Frieden in meinem Rücken zu lassen, da ich den Krieg vor mir hertragen muß. Ihr aber, Sir Duncan, seid für uns ein zu gewiegter Kriegsmann, als daß wir Euch gestatten können, längere Zeit in unserm Lager zu verweilen und mit anzusehen, wie es bei uns zugeht. Wir legen Euch daher nahe, wenn Ihr Euch erfrischt habt, auf schnellstem Wege nach Inverary zurückzukehren, und werden Euch von unsrer Seite einen Herrn mitgeben, der über die Bedingungen eines Waffenstillstandes im Hochland verhandeln soll, sofern es der Marquis mit diesem Vorschlag ernst meint.«
Sir Duncan Campbell verneigte sich zum Zeichen seines Einverständnisses.
»Mylord von Menteith,« fuhr Montrose fort, »habt die Güte, einstweilen Sir Duncan Campbell von Ardenvohr Gesellschaft zu leisten. Wer ihn auf der Rückkehr begleiten soll, werden wir sogleich bestimmen. Mac Aulay wird uns die Bitte nicht verübeln, die Herren gastfreundlich zu bewirten.«
»Ich werde sofort das nötige veranlassen,« sagte Allan Mac Aulay, vortretend. »Ich liebe Sir Duncan, denn wir waren Gefährten.«
»Mylord von Menteith,« sagte Sir Duncan Campbell, »Ihr seid noch jung und es tut mir leid, Euch an einer so hoffnungslosen Verschwörung teilnehmen zu sehen.«
»Jung bin ich freilich,« antwortete Lord Menteith, »aber doch auch alt genug, um zwischen Recht und Unrecht, um zwischen Gesetzmäßigkeit und Verschwörung unterscheiden zu können.«
»Und auch wir, mein Freund Allan Mac Aulay,« sagte Sir Duncan, ihm die Hand reichend, »müssen wir uns nun Feinde nennen, die wir oft selbander gegen einen gemeinsamen Feind gefochten haben?«
Dann wandte er sich zu der Versammlung.
»Lebt wohl, edle Herren,« sagte er, »es sind viele unter Euch, denen ich alles gute wünsche. Zwischen den Beweggründen, die uns leiten,« schloß er, mit einem Blick nach oben, »und den Beweggründen derer, die diesen Bürgerkrieg anstiften, möge der Himmel entscheiden!«
»Amen!« rief Montrose. »Dem Gericht Gottes unterwerfen wir uns alle.«
Zwölftes Kapitel
Von Allan Mac Aulay und Lord Menteith geleitet, verließ Sir Duncan Campbell die Halle.
»Dort geht ein Campbell, ders ehrlich meint,« sagte Montrose, als der Abgesandte hinaus war, »die andern sind alle falsch.«
Und sich an Angus Mac Aulay wendend, setzte er leise hinzu: »Jetzt aber ist er das Werkzeug des Marquis und des falschesten Mannes, der je geatmet hat. Sendet ihnen Musik ins Zimmer, daß Sir Duncan nicht auf Menteith, der doch noch unerfahren ist, und auf Euern Bruder, der ein Sonderling ist, einzuwirken versucht. Wenn Musik spielt, kann er sich nicht so eingehend mit ihnen unterhalten.«