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Das Licht fiel herein durch lange, lanzettförmige Fenster in gotischem Stil. Die Scheiben zeigten Glasmalereien, und die Sonnenstrahlen brachen sich hier in Eberköpfen, Schiffsbildern, Schwertern und Wappen des hohen Hauses.

Am obern Ende des Prunkzimmers stand der Marquis selber – der Mittelpunkt eines glänzenden Cercle von reichgekleideten Herren des Hoch- und Flachlandes, unter denen sich auch einige geistliche Würdenträger befanden.

Der Marquis hatte die Tracht jener Zeit, wie sie Van Dyk so oft gemalt hat. Sein Anzug war dunkel und monoton, eher kostbar als prunkvoll.

Die dunkle Gesichtsfarbe, die hochgewölbte Stirn und der gesenkte Blick ließen in ihm einen Mann erkennen, der sich oft mit wichtigen Fragen befaßt und dem ein geheimnisvoller Ernst zur Manier geworden ist, die er auch bei Anlässen, wo gar nichts zu verheimlichen ist, nicht mehr ablegen kann.

Er schielte, und daher rührte der Spitzname Gillespie Grumach, wie er im Hochland allgemein genannt wurde – doch fiel dies weniger auf, wenn er den Blick niederschlug. Daher kam es vielleicht, daß er es sich angewöhnt hatte, stets die Augen zu senken.

Seine Gestalt war lang und hager, doch fehlte seinem Äußern nicht die Würde, die sein hoher Rang verlangte. Bisweilen hatte seine Redeweise etwas kaltes und sein Blick etwas unheimliches, wenngleich er im übrigen ebenso gefällig sprechen und sich ebenso graziös benehmen konnte, wie es gewöhnlich Männern von hohem Stande zu eigen ist.

Seine Sippschaft vergötterte ihn, da es stets sein Bestreben war, seinen Clan in die Höhe zu bringen. Ebenso bitter wurde er von den Hochländern anderer Clans gehaßt; da er mehrere schon um ihre Besitzungen gebracht hatte und andre sich durch seine Zukunftspläne für gefährdet hielten. Alle aber waren von Besorgnis erfüllt, daß er sich auf eine so hohe Stufe der Machtvollkommenheit geschwungen hatte.

Wie schon erwähnt, hatte Marquis von Argyle dem Kapitän Dalgetty vielleicht damit imponieren wollen, daß er sich vor ihm im vollen Gefolge seiner Räte, Vasallen, Untertanen und dienstbaren Geister zeigte.

Dieser wackere Herr aber hatte schon mehrfach in einem Lager sich mit dem Schwert einen Weg gebahnt, im dreißigjährigen Krieg in Deutschland, zu einer Zeit also, wo ein Soldat, der tapfer war und Glück hatte, im beständigen Umgang mit fürstlichen Personen lebte. Kapitän Dalgetty konnte sich rühmen, mit Fürsten an einem Tische gezecht zu haben, an Banketten teilgenommen zu haben, die zu Ehren von Königen veranstaltet worden waren.

Er war nicht der Mann, sich durch den Pomp imponieren oder gar einschüchtern zu lassen, mit dem Mac Cullum More sich geflissentlich umgeben hatte. Er war von Charakter keineswegs bescheiden und hatte eine so hohe Meinung von sich, daß jede Gesellschaft, in die der Zufall ihn geraten ließ, umsomehr seinen eignen Dünkel steigerte, je vornehmer sie war. In der höchsten Gesellschaft fühlte er sich ebenso zu Hause wie unter seinesgleichen.

Daß er vom Soldatenhandwerk, das, nach seiner eignen Ausdrucksweise, jeden tapfern Kavalier zum Kameraden eines Kaisers machte, einen so hohen Begriff hatte, war nur dazu angetan, den Stolz auf seinen Rang noch beträchtlich zu erhöhen.

Neunzehntes Kapitel

Als Kapitän Dalgetty in das Audienzzimmer eingelassen wurde, schritt er weniger mit Anstand als voll Selbstbewußtsein geradeswegs durch alle Anwesenden hindurch und wäre ohne Umstände direkt bis zu dem Marquis hingegangen, wenn dieser ihm nicht durch eine Handbewegung bedeutet hätte, stehen zu bleiben.

Kapitän Dalgetty hielt daher inne, grüßte militärisch und voller Ungezwungenheit und redete den Marquis mit folgenden Worten an:

»Wünsche Euch, Mylord, einen guten Morgen, oder vielmehr, sollte ich sagen, einen guten Abend und beso a usted los manos, wie der Spanier sagt, das heißt, küß die Hand Euer Gnaden.«

»Wer seid Ihr, Herr, und was wollt Ihr?« unterbrach ihn der Marquis in einem Tone, der den Soldaten wegen seiner dreisten Vertraulichkeit zurechtweisen zu sollen schien.

»Das ist eine runde Frage, Mylord,« erwiderte Dalgetty, »die ich a tempo beantworten werde und zwar peremtorie, wie wir auf dem Marschall-Gymnasium zu sagen pflegten.«

»Neal, wandte der Marquis sich finster an einen der neben ihm stehenden Herren, »seht nach, wer und was er ist.«

»Ich will dem ehrenwerten Herrn die Mühe des Nachsehens sparen,« fuhr der Kapitän fort; »ich bin Kapitän Dugald Dalgetty von Drumthwacket – das heißt, von rechtswegen gehört dieses Gut mir zu – bin seit kurzem Rittmeister unter mehreren Feldherrn gewesen und jetzt Major, ich weiß nicht, in welchem irischen Regiment oder unter welchem Oberst. Ich bin als Bevollmächtigter wegen eines Waffenstillstandes abgesandt von einem hohen und mächtigen Herrn, nämlich dem Grafen James von Montrose, der eine Schar von edlen Männern für Seine Majestät versammelt hat. Und somit: Gott schütze König Karl!«

»Wißt Ihr, wo Ihr seid, Herr, und wie gefährlich es ist, uns herauszufordern?« herrschte der Marquis ihn an. »Ihr gabt mir eine Antwort, als sei ich ein Kind oder ein Narr. Der Graf von Montrose ist bei der Partei der Mißvergnügten und Ränkestifter, und in Euch vermute ich einen jener irischen Renegaten, die zu uns gekommen sind, um zu brennen und zu morden, wie einst unter Sir Phelim O'Neale.«

»Mylord,« versetzte Kapitän Dalgetty, »ich bin kein irischer Renegat, wenn ich auch Major in einem irischen Regiment bin. Eure Beschuldigung weise ich von mir und berufe mich auf den unbesieglichen Gustav Adolf, den Löwen des Nordens, auf Baner und Oxenstierna, auf den kriegerischen Herzog von Sachsen-Weimar, auf Tilly, Wallenstein, Piccolomini und andre große Feldherren, lebende und tote. Was den edlen Grafen von Montrose betrifft, so ersuche ich Euer Lordschaft, dieses Dokument zu lesen, das mich bevollmächtigt, im Namen dieses hohen Befehlshabers mit Euch Unterhandlung zu führen.« Der Marquis warf einen verächtlichen Blick auf das unterfertigte und gesiegelte Pergament, das Kapitän Dalgetty ihm reichte, warf es mit geringschätziger Gebärde auf einen Tisch und fragte die Umstehenden, was ein Mann verdiene, der sich selbst zum Abgesandten eines Verräters am Staate, eines Empörers, bekenne.

»Einen langen Galgen und eine kurze Beichte!« antwortete sogleich einer der Anwesenden.

»Dem ehrenwerten Herrn, der eben gesprochen hat,« sagte Dalgetty, »lege ich es nahe, weniger vorschnell Entschlüsse zu fassen. Was die Frage anbetrifft, ob dieser Vorschlag anzunehmen sei, so rate ich Eurer Lordschaft zur größten Vorsicht; denn solche Drohungen darf man nur gegen gemeines Gesindel aussprechen, nicht aber gegen Männer von Mut und Tatkraft, die, ob sie nun zum Dienst des Unterhändlers herangezogen werden, oder bei Angriffen, Belagerungen und Schlachten mitfechten, in gleich unbedenklicher Weise ihr Leben aufs Spiel setzen müssen. Ich habe freilich keinen Trompeter mit weißer Fahne bei mir, aber die ehrenwerten Kavaliere und Eure Lordschaft müssen mir doch zugeben, daß die Unantastbarkeit eines Parlamentärs nicht in einem Trompetenstoß, der doch ein bloßer Schall ist, und auch nicht in einer weißen Fahne liegt, die doch weiter nichts als ein alter Lappen ist, sondern daß sie beruht auf der Zuversicht der Absendenden und des Abgesandten in die Ehre derer, denen die Sendung gilt, und in dem festen Vertrauen, daß das Jus gentium oder Völkerrecht in der Person des Beauftragten heilig gehalten werde.«

»Ihr seid nicht hierher gekommen,« versetzte der Marquis, »uns eine Vorlesung zu halten über das Gesetz des Krieges, das auf Rebellen und Aufständische überhaupt keine Anwendung findet, sondern Ihr seid hierher gekommen, um die Strafe zu erleiden für die Unverschämtheit und Torheit, mit einer verräterischen Botschaft vor den höchsten Würdenträger Schottlands zu treten, dessen Würde es ihm zur Pflicht macht, eine solche Beleidigung mit dem Tode zu strafen.«