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»So fragt Ihr mich in seinem Namen?« fragte der Verbrecher.

Der Bediente des Marquis bejahte.

»Und Ihr wollt dem Mädchen kein Leid zufügen?«

»Kein Leid, beim Worte eines Christen.«

»Und zum Lohn schenkt Ihr mir Leben und Freiheit?«

»Das ist ausgemacht.«

»So wisse,« sagte der Sohn des Nebels, »das Kind, das ich selber aus Erbarmen rettete, als wir seines Vaters Feste zerstörten, ist als Adoptivtochter unseres Stammes aufgezogen worden, bis wir am Paß von Ballenduthil von dem Teufel in Menschengestalt und unserm Todfeinde, Allan Mac Aulay mit der blutigen Hand, und den Reitern aus Lennox unter Menteiths Erben niedergemetzelt wurden.«

»Fiel sie in die Gewalt Allans mit der blutigen Hand, der sie für eine Tochter Euers Stammes hielt? So hat ihr Blut seinen Dolch gefärbt!« rief Murdoch.

»Sie lebt,« entgegnete Ranald Mac Eagh. »Im Schlosse von Darlinvarach lebt sie unter dem Namen Annot Lyle. Es ist noch nicht lange her, daß meine alten Augen sie gesehen haben.«

»Ihr!« rief Murdoch erstaunt. »Ihr, ein Häuptling der Kinder des Nebels habt Euch so nahe zu Euerm Todfeinde gewagt?«

»Noch mehr habe ich getan, Sohn von Diarmid,« antwortete der Räuber. »Als Harfner war ich in dem Schlosse; und mit meinem Dolch wollt ich ihn erstechen, den Allan mit der blutigen Hand, vor dem unser Geschlecht bebt. Doch als meine Hand eben nach dem Messer griff, sah ich Annot Lyle, und sie sang zur Harfe ein Lied der Kinder des Nebels, das sie bei uns gelernt hatte. Da ließ meine Hand den Dolch fahren, die Augen gingen mir über, und dahin war die Stunde der Rache. Und nun, Sohn von Diarmid, habe ich das Lösegeld für mein Haupt gezahlt?«

»Ja,« erwiderte Murdoch, »wenn es wahr ist, was Ihr sagt. Was für Beweise habt Ihr dafür?«

».Himmel und Erde seien meine Zeugen,« rief der Räuber, »schon sucht er nach einem Vorwand, daß er sein Wort nicht zu halten braucht!«

»Das Versprechen soll Euch gehalten werden,« fuhr Murdoch fort, »wenn ich mich von der Wahrheit Eurer Worte überzeugt habe. Jetzt aber muß ich ein paar Worte mit Euerm Gefährten wechseln.«

»Schöne Worte und lauter Falschheit!« rief der Gefangene und warf sich wieder auf den Boden seines Kerkers.

Zweiundzwanzigstes Kapitel

Kein Wort dieses Gespräches war dem Kapitän entgangen, der seine eigenen Bemerkungen daran knüpfte.

»Mag er nur kommen,« schloß er bei sich selber; »er wird lange manöverieren können, ehe er einen alten Soldaten in die Flanke faßt.«

»Ihr seid ein Weltbürger, Kapitän Dalgetty,« redete Murdoch Campbell ihn an. »Sicherlich kennt Ihr das Sprichwort: Wie du mir, so ich dir, das bei allen Nationen und Armeen gilt. Ein Mann von Euerm vorurteilsfreien Geist wird mich verstehen, wenn ich meine Meinung dahin äußere, daß Eure Freiheit davon abhängt, ob Ihr der Wahrheit gemäß und in möglichster Ausführlichkeit Antwort geben wollt auf ein paar unbedeutende Fragen betreffs der Herren, von denen Ihr kommt, nämlich wie sie gerüstet haben, wie viele sie sind und was sie für Entschlüsse gefaßt haben.«

»Wohl nur um Eure Neugierde zu stillen, zu keinem andern Zweck,« sagte Dalgetty.

»Zu keinem andern Zweck«, entgegnete Murdoch. »Wie sollte ein armer Teufel wie ich sich für die Maßnahmen dieser Leute interessieren?«

»So stellt nur Eure Fragen,« sagte der Kapitän, »ich will sie peremtorie beantworten.«

»Wie viel Irländer sind unterwegs, um zu dem Verräter James Graham zu stoßen?«

»Wohl gegen 10 000,« antwortete Dalgetty.

»Zehntausend!« rief Murdoch erzürnt; »wir wissen, daß kaum 2000 in Ardnamurchan gelandet sind.«

»So wißt Ihrs besser,« versetzte Dalgetty mit größter Seelenruhe.

»Wie viel Mann aus den hochländischen Clans erwartet man?«

»So viel man irgend auftreiben kann,« antwortete der Kapitän.

»Ihr gebt keine Antwort, wie sie auf die Frage gehört,« sagte Murdoch. »Sprecht deutlich! Wird man 5000 Mann aufbringen?«

»Ungefähr so und so viel,« erwiderte der Kapitän.

»Ihr spielt mit Euerm Leben, Herr, so Ihr meiner spottet!« rief Murdoch Campbell. »Ein Pfiff von mir, und in ein paar Minuten hängt Euer Kopf an der Zugbrücke! Wenn Ihr aber aufrichtige Antworten auf meine Fragen gebt, so will ich Euch aufnehmen in meinen Dienst – in den Dienst Mac Cullum Mores.«

»Gibts guten Sold?« fragte der Kapitän.

»Der Eure soll verdoppelt werden, wenn Ihr zu Montrose zurückkehrt und dort im Interesse des Marquis tätig seid.«

»Und ist der Marquis von Argyle – positus, ich wäre, willens, bei ihm in Dienst zu treten – ist er ein gütiges Herr?« fragte Dalgetty.

»Es hat noch keinen gütigeren Herrn gegeben,« war die Antwort.

»Und ist er spendabel gegen seine Offiziere?«

»Er hat die offenste Hand in ganz Schottland.«

»Hält er, was er verspricht?«

»So gewissenhaft, wie je ein Edelmann.«

»So viel Gutes habe ich noch nie von ihm gehört,« sagte Dalgetty, »Ihr müßt den Marquis sehr genau kennen – oder vielmehr! Ihr müßt der Marquis selber sein! Lord von Argyle« – und er warf sich plötzlich auf den verkleideten Edelmann – »im Namen des Königs Karl, Ihr seid mein Gefangener! So bald Ihr Hilfe schreit, dreh' ich Euch den Hals um.«

Er warf den Marquis zu Boden und hielt ihn fest, während er mit der Rechten ihn am Halse packte, bereit, ihn auf der Stelle zu erdrosseln.

»Jetzt bin ich es, der die Kapitulationsbedingungen festsetzt,«, rief er, »wenn Ihr mir den geheimen Gang zeigt, auf dem Ihr hergekommen seid, so will ich Euch das Leben schenken, und Ihr könnt hier bleiben, bis Euer Gefangenenwärter kommt. Wo nicht, so erdroßle ich Euch erst und suche mir dann selber meinen Weg.«

»Schont mein Leben, und ich will tun, was Ihr verlangt,« murmelte Argyle.

Dalgetty behielt die Faust an der Kehle des Marquis; wenn er eine Frage stellte, drückte er ein wenig fester zu, und wenn der Marquis antworten sollte, ließ er ein wenig locker.

»Wo ist die geheime Tür, die hierher führt?«

»Haltet die Laterne an die Ecke rechts neben Euch, so seht Ihr das Eisen, unter dem die Feder versteckt ist.«

»Das stimmt. Wohin führt der Gang?«

»Nach meinem Kabinett.«

»Wie kann ich von dort zum Tor kommen?«

»Durch die Halle, die Vorsäle, die Wachtstube –«

»Alle voll von Soldaten, Posten und Dienern? Das paßt mir nicht, Mylord. Habt Ihr keinen geheimen Gang nach dem Tore? – in Deutschland habe ich so etwas gesehen.«

»Ein geheimer Gang führt nach der Kapelle.«

»Was ist die Parole, nach der am Tor gefragt wird?«

»Das Schwert Levis,« antwortete der Marquis. »Wenn Ihr aber Euch auf mein Ehrenwort verlassen wollt, so will ich Euch sicher durch die Wachen geleiten und Euch einen Paß mitgeben, der Euch volle Freiheit gibt.«

»Gern würde ich Euch trauen, Mylord, wenn nicht Euer Hals schon vom Druck meiner Finger schwarz wäre. Einen Paß könnt Ihr mir aber trotzdem geben – Ihr habt doch Schreibzeug in Euerm Bureau?«

»Gewiß, auch fertige Pässe, in die nur der Name einzuschreiben und die Unterschrift einzufügen ist. Ich gehe gleich mit Euch dorthin.«

»Zuviel Ehre für mich,« antwortete Dalgetty. »Euere Lordschaft wird hier bleiben, und mein ehrlicher Freund Ranald Mac Eagh wird Euch bewachen. Ihr seht, Ranald, wie die Sachen stehen. Es wird mir sicher gelingen, Euch in Freiheit zu setzen, nur tut, was Ihr mich tun seht. Haltet die Hand unter der Halskrause fest auf der Gurgel dieses hohen und mächtigen Fürsten, und sobald er sich losreißen oder schreien will, so drückt stark zu. Wenn er dabei ohnmächtig wird, so schadet das gar nichts, er hat Eurer Kehle eine noch weit niederträchtigere Behandlung zugedacht.«

Nachdem Dalgetty den edlen Herrn in der Hand seines neuen Spießgesellen zurückgelassen hatte, drückte er auf die Feder, und die geheime Tür tat sich auf ohne das geringste Geräusch. An der Außenseite waren starke Riegel und Eisenstangen angebracht, daneben hingen ein paar Schlüssel, mit denen jedenfalls die Fesseln gelöst wurden.