»Ergebt Euch, Sir Duncan,« rief Major Dalgetty, seinen Wirt erkennend, und ritt mit erhobenem Schwerte auf ihn zu.
Sir Duncan antwortete mit einem Pistolenschüsse, der zwar nicht den Reiter, aber sein edles Schlachtroß Gustavus traf, das ins Herz getroffen zu Boden stürzte. Ranald Mac Eagh, der gleichfalls Sir Duncan angegriffen hatte, benutzte die Gelegenheit, als dieser sich, um die Pistole abzufeuern, von ihm wegwandte, und schlug ihn mit einem Schwertstreich nieder.
In diesem Augenblick kam Allan Mac Aulay herzu.
»Schurken!« rief er. »Wer hat dies getan? Gab ich nicht ausdrücklich Befehl, den Ritter von Ardenvohr lebendig zu fangen?«
Ein halb Dutzend Kerle, die damit beschäftigt waren, den gefallenen Ritter zu plündern, ließen von ihrem Treiben ab und bezeichneten Ranald als den Täter.
»Hund von einem Inselbewohner!« rief Allan aus. »Folgt den andern und laßt ab von dem Gefangenen, wenn Ihr nicht von meiner Hand sterben wollt!«
Sie waren jetzt beide allein, denn Allans Drohungen hatten Ranalds Genossen verscheucht. Der günstige Augenblick ließ Mac Eaghs Rachsucht auflodern.
»So gut Ihr mir droht, ich solle von Eurer Hand fallen, die freilich schon rot ist vom Blute meiner Anverwandten,« rief Ranald herausfordernd, »so gut könnt Ihr durch meine Hand fallen!«
Mit diesen Worten hieb er auf Allan ein, daß dieser kaum Zeit hatte zu parieren.
»Schurke!« rief Allan erstaunt, »was soll das?«
»Ich bin Ranald, ein Sohn des Nebels!« war die Antwort, und ein zweiter Schwertstreich folgte.
Nun entspann sich zwischen beiden ein wilder Zweikampf.
Das Schicksal schien es so bestimmt zu haben, daß Allan Mac Aulay seine Mutter an dem wilden Stamme vollgiltig rächen solle. Nach wenigen gewechselten Klingen erhielt Ranald eine tiefe Kopfwunde und stürzte.
Allan Mac Aulay setzte ihm den Fuß auf die Brust und wollte ihm eben das Schwert in den Leib stoßen, als die Spitze seiner Waffe von einem Dritten weggestoßen wurde, der in diesem Augenblick herzutrat.
Dies war niemand anders als Major Dalgetty, der, erst vom Sturze seines Pferdes betäubt, inzwischen seine Besinnung wieder erlangt hatte.
»Hebt Euer Schwert auf!« sagte er zu Allan Mac Aulay, »und fügt diesem Manne kein Leid weiter zu! Er steht unter meinem Geleit und unter dem Schutze und im Dienst Sr. Exzellenz!«
»Narr!« rief Allan, »geht und wagt Euch nicht zwischen den Tiger und seine Beute!«
Dalgetty ließ sich nicht abschrecken, schritt über Mac Eagh hinweg und gab Allan zu verstehen, wenn er sich einen Tiger nenne, so könne er leicht einem Löwen begegnen. Eine Handbewegung und diese herausfordernden Worte genügten, die Kampfeswut Allans auf ihn zu richten.
Dreiunddreißigstes Kapitel
Der Kampf zwischen Allan und Mac Eagh war nicht aufgefallen, denn den letztern kannten nur wenige; der Kampf zwischen Allan und Dalgetty jedoch, die jedermann genau kannte, erregte sofort Aufsehen.
Glücklicherweise kam auch Montrose herbei, und als er Mac Eagh auf dem Boden liegen und Dalgetty mit Allan fechten sah, sprengte er herbei, um dem Zwist ein Ende zu machen.
»Schämt Euch, Ihr Herren!« riet er aus. »Auf einem so glorreichen Felde des Sieges Händel zu treiben! Seid Ihr von Sinnen? oder seid Ihr berauscht von dem Ruhme dieses Tages?«
»Es ist nicht meine Schuld,« sagte Dalgetty; ich bin als bueno camerado in allen Heeren Europas bekannt; wenn aber jemand den Mann antastet, der unter meinem sichern Geleit steht –«
»Und wenn einer,« fiel Allan ihm ins Wort, »mich an einer gerechten Rache zu hindern wagt –«
»Schämt Euch, Ihr Herren!« wiederholte Montrose. »Ich habe wichtigeres für Euch beide zu tun. Ihr, Major Dalgetty kniet nieder –«
»Was! Ich soll knien?« rief Major Dalgetty.
»Im Namen des Königs und seines Stellvertreters!« rief Montrose.
Als Dalgetty sich mit Widerstreben fügte, berührte ihm Montrose die Schulter mit der flachen Degenklinge und sprach:
»Im Namen und in Vollmacht unsers Königs und zur Belohnung für Eure Tapferkeit in dieser Schlacht gebe ich Euch den Ritterschlag! Seid tapfer, treu und glücklich! Und nun, Sir Dugald Dalgetty, verseht Euern Dienst! Sammelt Eure Reiter und verfolgt den Feind, wagt Euch aber nicht zu weit! Aufs Pferd, Sir Dugald!«
»Was für ein Pferd soll ich besteigen?« rief der neugebackne Ritter. »Mein Gustavus liegt auf dem Felde der Ehre.«
Montrose stieg ab.
»Mein eigenes Pferd schenke ich Euch,« sagte er. »Führt nur die Aufträge aus, deren Ihr Euch in so vorzüglicher Geschicklichkeit entledigt.«
Unter Danksagungen bestieg Sir Dugald das ihm so freigiebig überlassene Pferd und ritt davon.
»Und Ihr, Allan Mac Aulay,« wandte sich Montrose an den Hochländer, der mit zur Erde gesenktem Schwert der Feierlichkeit des Ritterschlags mit Hohn zugesehen hatte – »Euch, der Ihr den gewöhnlichen Menschen weit überlegen seid – der Ihr bei Eurer tiefen Wissenschaft mir ein wertvoller Ratgeber seid – Euch finde ich im Kampfe mit einem Manne wie Dalgetty. – Dieser Sieg soll ausgenutzt werden, um Seaforth für unsere Partei zu gewinnen. Er ist nicht aus Untreue, sondern weil er an der guten Sache verzweifelt, zu den Gegnern übergegangen. Jetzt ist er vielleicht zu bestimmen, sich mit uns zu vereinigen. Ich will meinen tapferen Freund, den Oberst Hay, zu ihm entsenden; aber ein Edelmann aus den Hochlanden von hohem Range muß mit ihm gehen. Dieser Mann muß Fähigkeit und Einfluß besitzen, um Eindruck auf ihn zu machen. Ihr seid die geeignetste Person, Ihr kennt jeden Paß und jedes Tal im Hochland und auch die Sitten jedes Stammes. Geht daher zu Hay, er hat seine Unterweisung und harret Eurer. Seid sein Führer, Dolmetsch und Gefährte.«
Allan Mac Aulay sah den Grafen finster und durchdringend an, wie um zu erforschen, ob er aus geheimen, nicht angegebenen Gründen zu dieser Sendung bestimmt wurde. Montrose, der es wohl verstand, andre Beweggründe zu durchschauen, war ebenso ein Meister darin, seine eignen Absichten zu verbergen.
In diesem Moment der entflammten Leidenschaft mußte Allan auf jeden Fall auf eine zeitlang aus dem Lager entfernt werden, damit Montrose, wie seine Ehre es gebot, die Männer in Sicherheit bringen konnte, die ihm zu Führern gedient hatten. Den Zwist Dalgettys mit Allan hoffte er dann leicht ausgleichen zu können.
Allan empfahl nur noch Sir Duncan Campbell der Sorge Montroses. Dieser ließ den Verwundeten in Sicherheit bringen und sorgte auch dafür, daß Mac Eagh unter die Obhut einer Abteilung Irländer kam.
Dann bestieg er ein neues Pferd und ritt fort, um sich am Anblick seines Sieges zu weiden, der entscheidender war, als seine kühnsten Hoffnungen es erwartet hatten.
Argyles Heer von 3000 tapfern Kriegern war in der Schlacht und auf der Flucht auf die Hälfte reduziert worden. Die Flüchtlinge waren auf jenen Teil der Ebene gedrängt worden, wo zwischen dem See und dem Fluß jeder weitere Rückzug versperrt war. Hunderte wurden in den See getrieben und ertranken.
Von denen, die mit dem Leben davon gekommen waren, hatte ein Teil sich schwimmend über den Fluß gerettet, ein andrer Teil hatte sich in das alte Schloß Inverlochie geflüchtet. Da sie aber keine Vorräte hatten, mußten sie sich ergeben auf die Zusicherung freien Abzuges. Waffen, Munition, Fahnen und Bagage fielen den Siegern zur Beute.
Dies war der schwerste Schlag, von dem der Stamm von Diarmid – wie die Campbells in den Hochlanden genannt wurden – je betroffen wurde. Aber der schwere Verlust war nach Ansicht vieler Häuptlinge nichts gegen die Schande, die in dem schimpflichen Benehmen ihres Oberhauptes gelegen habe. Als die Schlacht verloren war, lichtete die Galeere die Anker und fuhr, so schnell Ruder und Segel sie zu bewegen vermochten, den See hinab.
Vierunddreißigstes Kapitel
Montrose selber hatte seinen glänzenden Sieg über seinen Rivalen gleichfalls mit Verlusten bezahlen müssen, wenn sie auch nicht den zehnten Teil der gegnerischen betrugen. Manchem tapfern Manne hatte die zähe Tapferkeit der Campbells das Leben gekostet. Mehr noch waren verwundet, darunter Lord Menteith, wenn auch nicht schwer.