Выбрать главу

Auf Grund dieser Betrachtungen erklärte Sir Duncan sich einverstanden, daß die Trauung durch Montroses Kaplan in der Kapelle des Schlosses insgeheim vollzogen werden sollte.

In wenigen Tagen war der Befehl zu erwarten, daß Montrose von Inverlochy aufbrechen solle; dann sollte die junge Gräfin sich mit ihrem Vater in ihr Elternhaus begeben und dort bleiben, bis eine günstigere Lage des Staates ihrem Gatten einen ehrenvollen Rücktritt aus dem Kriegsdienst ermöglichte. Nach einmal gefaßtem Entschluß wollte Sir Duncan nichts hören von den mädchenhaften Einwendungen seiner Tochter, die einen Aufschub der Hochzeit wünschte, und es wurde beschlossen, das Fest am nächsten Abend, dem zweiten nach der Schlacht, zu feiern.

Vierzigstes Kapitel

Alle Vorbereitungen waren getroffen, und Braut und Bräutigam sollten der Sitte des Landes gemäß erst vor dem Altare zusammenkommen.

Schon stand die Stunde bevor – der Bräutigam wartete in einer kleinen Sakristei neben der Kapelle auf den Marquis, der der Brautführer sein sollte.

Begreiflicherweise erwartete Menteith ihn mit Ungeduld – und als die Tür sich öffnete, rief er lachend:

»Ihr laßt lange auf Euch warten!«

»Vielleicht komme ich Euch noch zu früh!,« rief Allan Mac Aulay – denn er war es, der ins Gemach stürzte. »Zieht, Menteith, und verteidigt Euch wie ein Mann, oder sterbt wie ein Hund!« »Ihr seid von Sinnen, Allan,« erwiderte Menteith, verblüfft über sein plötzliches Auftreten und die furchtbare Wut, in der er sich gebürdete.

Allans Wangen waren totenblaß – die Augen traten ihm fast aus den Höhlen – vor den Lippen stand ihm Schaum – seine Gebärden waren die eines Irrsinnigen.

»Ihr lügt, Betrüger!« war die Antwort, »Ihr lügt hierin wie in allem, was Ihr mir sagt. Euer ganzes Dasein ist eine Lüge!«

»Hätte ich nicht schon gesagt, was ich denke, indem ich, Euch verrückt nannte?« entgegnete Menteith zornig, »so könnte Euer eignes Leben jetzt ein rasches Ende nehmen. Was berechtigt Euch zu dem Vorwurf, ich hätte Euch betrogen?«

»Habt Ihr mir nicht gesagt, Ihr würdet Annot Lyle nicht heiraten?« entgegnete Allan – »und jetzt, falscher Verräter, erwartet sie Euch vor dem Altare!«

Menteith wies die Beschuldigung von sich.

»Ihr sagt die Unwahrheit! Ich habe nur gesagt, ihre niedrige Herkunft sei das einzige Hindernis, weshalb ich sie, nicht zur Frau nehmen könnte. Dies Hindernis ist jetzt aufgehoben. Für wen haltet Ihr Euch denn, daß ich Euretwegen zurücktreten sollte?«

»Zieht!« rief Allan. »Wir verstehen einander.«

»Nicht jetzt,« antwortete Menteith, »und nicht hier, Allan!« Ihr kennt Mich – wartet bis morgen, und ich will Euch harte Arbeit machen!«

»In dieser Stunde – in diesem Augenblicke – oder nie!« entgegnete Allan. »Nicht länger als bis zu dieser Stunde soll Euer Triumph über mich währen! Menteith! bei unserer Verwandtschaft, bei den Kämpfen und Mühsalen, die wir zusammen bestanden haben, fordre ich Euch, auf – zieht das Schwert und verteidigt Euer Leben!«

Mit diesen Worten ergriff er Menteiths Hand und preßte sie so heftig, daß das Blut aus den Nägeln hervortrat. Ungestüm stieß ihn Menteith von sich mit dem Rufe: »Hinweg, Verrückter!«

»So erfülle sich denn mein Schicksal!« rief Allan.

Und er zog den Dolch und stieß ihn mit seiner ganzen riesenhaften Kraft dem Grafen gegen die Brust.

Die Waffe glitt an dem stählernen Harnisch hinan, aber dennoch wurde der Graf zwischen Hals und Achsel schwer verletzt, und die Kraft des Stoßes streckte ihn nieder.

Im selben Augenblick trat Montrose in die Sakristei.

Über den Lärm erschrocken, war die Hochzeitsgesellschaft in Angst und Bestürzung. Ehe jedoch Montrose flüchtig übersehen konnte, was sich ereignet hatte, war Allan wie der Blitz an ihm vorbeigesprungen und die Treppe hinuntergeeilt.

»Wachen!« rief Montrose, »schließt die Tore! – ergreift ihn! stecht ihn nieder, wenn er Widerstand leistet – er ist, des Todes, und wäre er mein eigner Bruder!« Allein Allan stach mit einem zweiten Dolchstoß eine Schildwache nieder, durchflog das Lager wie ein Hirsch, sprang in den Strom, schwamm ans andre Ufer und war bald in den Wäldern verschwunden.

Es geht von ihm das Gerücht, in wunderbar kurzer Zeit nach der Untat sei er in ein Gemach des Schlosses Inverary getreten, wo Argyle zu Rate saß, und habe den blutbefleckten Dolch auf den Tisch geworfen.

»Ist das James Grahams Blut?« fragte Argyle – und ein abscheulicher Ausdruck der Hoffnung paarte sich mit der Miene des Entsetzens über den unvermuteten Anblick.

»Das Blut seines Lieblings ists!« entgegnete Mac Aulay. »Es war mein Schicksal, es zu vergießen – obgleich ich lieber mein eigenes vergossen hätte!«

Mit diesen Worten verließ er das Schloß, und von diesem Augenblick an weiß man nicht mehr mit Bestimmtheit, was aus ihm geworden ist.

Da man bald darauf den Knaben Kenneth über den Lochfine setzen sah, so vermutet man, sie wären seinen Spuren gefolgt und er wäre in unbekannter Wildnis von ihrer Hand gefallen.

Einem andern Gerücht zufolge hat Allan das Land verlassen und ist als Kartäuser gestorben. Für beide Ansichten ist ein Beweis nicht erbracht worden.

Seine Rache war nicht so vollgiltig, wie er selbst wohl gedacht hatte. Menteith war zwar schwer verletzt worden und schwebte lange zwischen Leben und Tod.

Für Montroses Dienst war er verloren. Man hielt es für das beste, daß er mit seiner künftigen Gattin, die jetzt eine trauernde Braut war, und mit seinem gleichfalls verwundeten Schwiegervater nach Schloß Ardenvohr gebracht würde.

Nach einigen Wochen war Menteith so weit wiederhergestellt, daß er sich mit Annot im Schlosse ihres Vaters trauen lassen konnte.

Der Vater überlebte die Verlobung nur um wenige Wochen.

Menteith war noch zu schwach, als daß er sich Montrose auf dessen kurzer und ruhmreicher Laufbahn ferner hätte anschließen können. Als dieser heldenmütige Feldherr sein Heer entließ und selber Schottland verließ, lebte Menteith bis zur Wiedereinsetzung des Königtums völlig für sich. Nach diesem glücklichen Ereignis erhielt er eine seinem Range angemessene Stellung im Lande und lebte lange, beglückt durch Ansehen im öffentlichen Leben und durch häusliche Liebe – bis er hochbetagt starb.

Der handelnden Personen in unsrer Erzählung sind so wenige, daß wir – abgesehen von Montrose, dessen Leben und Taten der Geschichte angehören – nur des Ritters Dugald Dalgetty zu erwähnen haben.

Dieser Herr empfing auch fernerhin mit größter Pünktlichkeit seinen Sold und verrichtete seinen Dienst – bis er auf dem Schlachtfelde von Philipphaugh in Gefangenschaft geriet. Er wurde wie seine Mitgefangenen zum Tode verurteilt.

Mehrere Offiziere des Flachlandes legten nun für Dalgetty Fürsprache ein, indem sie ihn als einen Mann bezeichneten, der bei seiner Gewandtheit dem Heere von Nutzen sein könne und der leicht zu bestimmen wäre, in andre Dienste zu treten. Aber Ritter Dugald Dalgetty zeigte sich hier unerwarteterweise sehr hartnäckig: er habe sich auf eine bestimmte Zeit für den Dienst des Königs anwerben lassen und seine Grundsätze erlaubten ihm nicht, an eine Änderung zu denken, ehe dieser Termin vorüber sei.

Mit einiger Schwierigkeit erlangten seine Freunde einen Aufschub für den Zeitraum von vierzehn Tagen, um den es sich hier handelte. Nach dieser Frist fanden sie Sir Dugald ohne weiteres bereit, auf ihre Bedingungen einzugehen.

Er trat nunmehr in den Dienst der Stände und brachte es bis zum Major in Gilbert Kers Korps, welches man gemeinhin das Leibregiment der Kirche nannte.

Wie es ihm weiter ergangen ist, wissen wir nicht. Nur das ist uns bekannt, daß er in den Besitz seines väterlichen Gutes Drumthwacket gelangte – freilich nicht durchs Schwert – sondern indem er Hannah Strachan heiratete, eine schon etwas bejahrte Dame und die Witwe des Covenanters aus Aberdeenshire.