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»Wenn Ihr, Lady Bothwell,« erwiderte Sir Philipp, »den Major Falconer für so einfältig haltet, daß er mich in meiner Häuslichkeit mit seinen Ratschlägen belästigt, so habt Ihr allerdings Ursache anzunehmen, daß ich mir seine Einmischung nicht gefallen lassen und ihn ersuchen würde, seinen Rat solange für sich zu behalten, bis er danach gefragt würde.«

»Und trotzdem Ihr so mit ihm steht, wollt Ihr doch in demselben Heere, wo er steht, Kriegsdienste nehmen?«

»Niemand weiß besser als Major Falconer, wie der Ehre Genüge zu tun ist,« sagte Sir Philipp. »Ein Mann, der wie ich sich erst Ruhm erwerben will, kann keinen bessern Führer finden, als wenn er genau in seine Fußstapfen tritt.«

Lady Bothwell erhob sich und ging zum Fenster, Tränen traten ihr in die Augen.

»Mit so herzlosen Scherzen,« sagte sie, »fertigt Ihr uns ab und uns preßt es fast das Herz ab, daß dieser Zwist so verhängnisvolle Folgen haben kann. Guter Gott, aus was muß das Herz eines Mannes sein, der so mit dem Schmerze andrer spielen kann?«

Sir Philipp Forester war ergriffen, er gab den ironischen Ton auf, in dem er bisher geredet hatte.

»Werte Lady Bothwell,« sagte er und ergriff trotz ihres Sträubens ihre Hand, »wir haben beide unrecht; Ihr nehmt es zu ernst und ich vielleicht zu wenig. Der Zwist, den ich mit Major Falconer hatte, war völlig belanglos. Wäre etwas Ernstes zwischen uns vorgefallen, so sind wir beide nicht die Männer danach, die Genugtuung lange zu verschieben. Ich weiß, daß Ihr gesunden Menschenverstand habt, Lady Bothwell, Ihr werdet es also begreifen, wenn ich Euch sage, meine Verhältnisse erfordern es, daß ich auf einige Monate außer Landes gehe. Jemima kann das nicht verstehen, von ihr höre ich nur immer wieder die Fragen: warum ginge das nicht so oder so oder noch anders? Und wenn ich ihr auseinandergesetzt habe, daß alle ihre Vorschläge nichts helfen können, so fängt sie doch dieselbe Leier immer noch einmal von vorne an. Nun aber sagt ihr, werte Lady Bothwell, daß ich Euch beruhigt habe. Bringt mir nur ein wenig Vertrauen entgegen, und Ihr sollt sehen, daß ich es reichlich vergelte.«

»Wie schwer ist es,« antwortete Lady Bothwell kopfschüttelnd, »Vertrauen zu schenken, wenn die Grundlage, worauf es beruhen sollte, so sehr erschüttert ist. Ich will aber tun, was in meinen Kräften steht, um Jemmy zu beruhigen. Indessen kann ich aber nur sagen, ich mache Euch vor Gott und den Menschen dafür verantwortlich, daß Ihr von Euerm Vorhaben nicht laßt.«

»Seid unbesorgt, ich schenke Euch reinen Wein ein,« versetzte Sir Philipp. »Briefe erreichen mich am besten durch das Generalpostamt in Helvoetsluys; dort werde ich Sorge tragen, daß mir die Briefe nachgeschickt werden. Was Falconer anbetrifft, so macht Euch keine Sorge, wir werden bei einer Flasche Burgunder Wiedersehen feiern.«

Ich kann leider nicht genau das Jahr angeben, in welchem Sir Philipp nach Flandern reiste, es war aber gerade damals der Feldzug in seiner blutigsten Phase, und viele mörderische Schlachten waren zwischen den Franzosen und den Alliierten geschlagen worden, ohne daß eine Entscheidung herbeigeführt worden wäre.

Unter allen Fortschritten der Neuzeit ist vielleicht der der bedeutendste, daß jetzt Nachrichten mit Sicherheit und Schnelligkeit befördert werden können, so daß die Angehörigen der Offiziere und Soldaten sofort nach einem Gefecht über ihr Befinden Mitteilung erhalten. Zur Zeit der Feldzüge Marlboroughs jedoch hatten die vielen Menschen, die Verwandte beim Heere hatten, am allerschlimmsten unter der Ungewißheit zu leiden, in der sie wochenlang schwebten, wenn eine Schlacht stattgefunden hatte, in der die, um die ihr Herz sich bangte, aller Wahrscheinlichkeit nach mitgekämpft hatten.

Zu denen, die unter dem Schmerz der Ungewißheit litten, zählte auch die verlassene Gattin des leichtfertigen Sir Philipp Forester. Ein einziger Brief hatte ihr mitgeteilt, daß er glücklich auf dem Festlande angekommen sei, sonst erhielt sie keine Nachricht.

Nur eins laß sie in den Zeitungen: es wurde von dem Freiwilligen Sir Philipp Forester erzählt, er habe einen ihm aufgetragenen, gefahrvollen Patrouillengang mit Todesverachtung und Klugheit und Geschicklichkeit ausgeführt und habe die öffentliche Anerkennung des kommandierenden Generals erhalten.

Vorübergehend färbte sich die blasse Wange seiner Gemahlin, als sie so die bestimmte Nachricht bekam, daß er sich rühmlich hervorgetan hatte, aber gleich darauf dachte sie an die Gefahr, und die Röte wich einer fahlen Blässe.

Hiernach trafen weder von Sir Philipp noch von seinem Schwager Falconer Nachrichten ein. Die Ungewißheit war für Lady Forester, ein einsam lebendes, empfindsames, mutloses und jeglicher Seelenstärke entratendes Weib, die bitterste der Martern.

Drittes Kapitel

Als Lady Forester von Sir Philipp nichts mehr erfuhr, weder durch Boten noch durch Briefe, begann sie sogar einen Trost zu suchen in der Leichtfertigkeit, die ihr früher so zur Pein geworden war.

»Er ist so gedankenlos,« sagte sie immer wieder zu ihrer Schwester, »daß er überhaupt nicht ans Schreiben denkt, sobald es ihm gut geht. Das ist so seine Manier. Wäre ihm etwas zugestoßen, bekämen wirs gleich zu erfahren.«

Lady Bothwell hörte ihre Schwester an und versuchte nicht, sie zu trösten. Vielleicht meinte sie, selbst die schlimmste Nachricht, die aus Flandern hätte kommen können, hätte tröstend wirken müssen. Lady Forester als Witwe – sofern ihr dieses Unglück bestimmt war – hätte eine Quelle des Glückes finden können, die sie als Gattin des leichtsinnigsten und schönsten Mannes in Schottland nie kennen gelernt hatte.

Diese Überzeugung bestärkte sich, als auf im Hauptquartier eingezogene Erkundigungen der Bescheid kam, Sir Philipp sei nicht mehr beim Heere. Aber keiner seiner Landsleute im Lager der Alliierten konnte angeben – sei es auch nur als Vermutung – ob er in einem der beständig stattfindenden Scharmützelgefechte, worin er sich mit Vorliebe auszuzeichnen pflegte, gefallen sei oder ob er aus einem unbekannten Grunde oder infolge launenhafter Abänderung seiner Pläne den Kriegsdienst aufgegeben habe.

Inzwischen drängten seine Gläubiger immer ungeduldiger, setzten sich in den Besitz seines Eigentums und drohten sogar, ihn in den Schuldturm werfen zu lassen, sofern er so unvorsichtig sein sollte, nach Schottland zurückzukehren.

Dieses neue Ungemach steigerte noch Lady Bothwells Erbitterung gegen den flüchtigen Ehegatten. Ihre Schwester wurde nur noch trauriger und trostloser; denn ihre Phantasie stellte ihr den abwesenden Gemahl wie vor der Ehe als tapfer, lustig und liebevoll dar.

Um diese Zeit kam ein Mann nach Edinburgh, – eine eigenartige, sonderbare Erscheinung. Sie hießen ihn gewöhnlich den Doktor von Padua, weil er in dieser berühmten Universität der Republik Venedig seine Erziehung genossen hatte. Es ging die Rede von ihm, er sei im Besitz seltener Rezepte, mit denen ihm sehr merkwürdige Kuren geglückt seien.

Die Ärzte von Edinburgh schalten ihn zwar einen Kurpfuscher, aber es gab auch viele und darunter vor allem Geistliche, die zwar an der Tatsächlichkeit seiner Heilungen und der Heilkraft seiner Mittel nicht zweifelten, zugleich aber behaupteten, Doktor Baptista Damiotti treibe Zaubereien und verbotene Künste, um in seiner ärztlichen Praxis Glück zu haben. Es wurde sogar von der Kanzel herab feierlich gegen ihn agitiert.

Doch mehrere hochstehende, einflußreiche Gönner gewährten ihm Schutz und so konnte er diesen Bezichtigungen die Stirn bieten. Er konnte sogar in der Stadt Edinburgh – obgleich sie wegen ihres Hasses gegen Hexen und Zauberer bekannt und gefürchtet war – den gefahrvollen Charakter eines Weissagers und Zukunftsdeuters annehmen. Schließlich lief auch noch das Gerücht um, Doktor Baptista Damiotti sei imstande – allerdings gegen ein nicht unbeträchtliches Honorar – das Schicksal fernweilender Personen zu verkünden, ja er vermöchte sogar die Erscheinung des Abwesenden zu berufen und zu zeigen, was die Person im Augenblick gerade beginne.