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Bertram eilte inzwischen seinem Führer nach, und ihm folgte Dinmont. Das Geschrei, der Hufschlag, die Schüsse wurden schwächer und schwächer; aber sie machten nicht eher Halt als am Ende der Gasse, wo sie einen Wagen mit vier Pferden fanden .. »Seid Ihr zur Stelle? Sprecht im Namen Gottes!« rief der Führer den Kutscher an.

»Ja, da bin ich, wollte aber, ich wäre sonstwo.«

»Den Verschlag geöffnet! Flott in den Wagen herein, ihr Herren! Noch eine Weile, dann sind Sie geborgen!« So rief ihnen ihr unbekannter Führer zu, der gleich darauf sich zu Bertram wandte und ihm leise sagte: »Vergeßt das Versprechen nicht, das Ihr der alten Zigeunerin gabt!«

Bertram, keine Sekunde im Zweifel, dem Unbekannten, der ihm solch außerordentlichen Dienst geleistet, blinden Gehorsam schuldig zu sein, stieg auf der Stelle ein; Dinmont folgte seinem Beispiel; der treue Silvan, der sich ihnen dicht auf den Fersen gehalten, sprang gleichzeitig mit Dinmont herein, und schnell flog der Wagen davon ... »Gebt acht,« sagte Dinmont, »nun kommt das Aergste! Potz Pulver und Kanonen! sie werden uns doch nicht umwerfen? Was bloß aus meinem Rappen geworden? Lieber wär's mir schon, ich säße auf seinem Rücken, als in solcher Kutsche, mag sie gleich einem Herzoge gehören!«

Bertram erwiderte, ohne die Pferde zu wechseln, könnten sie unmöglich lange in solchem Tempo fahren; darum sei es kaum zu umgehen, daß in dem ersten Wirtshause, das sie träfen, Rast gemacht und der Tag abgewartet würde; dort würde sich Auskunft über Grund und Ziel der Fahrt einholen lassen, dort würde Dinmont nach seinem Pferde schicken können ... »Gott geb es!« meinte Dinmont; »wären wir nur erst wieder aus diesem Lärmkästen, dann sollte es ihnen schwer fallen, uns anderswohin zu schaffen, als in unserm Willen liegt.«

Da machte der Wagen eine jähe Wendung. Den beiden Insassen zeigte sich das Städtchen noch immer im hellen Feuerschein, Ein Speicher, in welchem Branntwein lag, war von den Flammen ergriffen worden, eine Flackersäule von weißglühendem Scheine! Aber das grausig-schöne Schauspiel zu bewundern blieb ihnen nicht lange Zeit, denn bald machte der Wagen eine abermalige Wendung und bog in einen dichten Wald hinein, wo die Fahrt auf schmalem Pfade in tiefer Finsternis weiter ging.

Fünfzehntes Kapitel

Wir verließen Woodbourne in dem Augenblick, als Oberst Mannering seinen vertrauten Diener mit Aufträgen entließ, worauf er in Gedanken sich wieder in das Wohnzimmer begab. Die beiden Mädchen waren über sein Aussehen fast erschrocken, wußten aber, daß er selbst von Personen, die er herzlich liebte, neugierige oder teilnehmende Fragen nicht leiden mochte. Man setzte sich zum Tee, und die Stille wurde nicht unterbrochen, bis plötzlich ein Wagen vorfuhr und die Glocke Besuch ankündigte .. »Doch sicher noch einige Stunden zu früh,« sagte Mannering halblaut.

Bald öffnete ein Diener die Tür und meldete Herrn Pleydell aus Edinburg. Mannering hieß ihn mit herzlichem Händedruck willkommen ... »Sie kommen mir gerade recht, Freund,« sagte er, – »ich habe Ihnen doch gesagt, daß ich die erste Gelegenheit zu einem Besuche wahrnehmen würde; und wenn ich mich in dem Augenblicke von Edinburg losmache, da der Gerichtshof seine Sitzungen eröffnet, so ist das gewiß kein kleines Opfer; aber ich war der Meinung, meine Anwesenheit möchte hier von Nutzen sein; obendrein habe ich hier einem Zeugenverhöre anzuwohnen. Aber möchten Sie mich nicht den Damen vorstellen? .. Die eine kenne ich ja bereits – wenigstens lassen mich die bekannten Familienzüge nicht über ihre Abkunft im Zweifel ... Fräulein Bertram – Fräulein Lucy! – sehr erfreut, Sie wieder einmal zu sehen!« – Und also sprechend, legte er den Arm um ihre Taille und gab ihr einen herzhaften Kuß auf beide Wangen; Lucy errötete wohl, störte aber den lustigen alten Herrn nicht, der mit den Worten: »On n'arrête pas dans un si beau chemin,« sich bei der Tochter des Obersten, als sie ihm vorgestellt wurde, die gleiche Freiheit herausnahm, Julie machte sich, herzlich lachend, aber nicht minder tief errötend, los. »Bitte tausendmal um Verzeihung,« sagte Pleydell mit einer Verbeugung, die nichts weniger als linkisch war. »Alter und alte Sitten geben Vorrechte, und ich weiß wirklich nicht, ob ich's lebhafter bedaure, schon Anrecht darauf zu haben, als ich mich glücklich fühle, Gelegenheit zu so angenehmer Wahrung solchen Anrechts zu finden.«

»Wer es versteht,« versetzte Julie lachend, »Missetaten durch so schmeichelhafte Worte gut zu machen, versetzt doch in Zweifel, ob ihm gestattet werden darf, sich unter den Schutz der genannten Eigenschaften zu flüchten!«

»Du hast mehr denn recht, Julie, zu solcher Rede,« meinte der Oberst, »denn mein lieber Freund Pleydell ist ein sehr schlimmer Herr. – Als ich zum letztenmal das Vergnügen hatte, ihn zu sehen, saß er schon um acht Uhr früh im Tête-á-Tête mit einer reizenden Dame.«

»Allerdings, lieber Oberst, aber Sie sollten doch nicht unerwähnt lassen, daß ich diese Gunst mehr meiner Schokolade als meiner Persönlichkeit zu verdanken hatte, denn solch einsichtsvolle Jungfrau wie die Rebekka, läßt sich nun einmal kein X für ein U machen.«

»Was mich daran erinnert, Herr Pleydell,« fiel Julie ein, »Ihnen noch die Aufforderung zum Tee schuldig zu sein – wobei ich freilich voraussetze, daß Sie bereits zu Mittag gespeist haben.«

»So gut, verehrtes Fräulein, wie sich in einem schottischen Wirtshause speisen läßt.«

»Sagen wir statt gut, lieber schlecht, Freund Pleydell,« versetzte der Oberst, nach der Klingelschnur greifend; »da müssen wir schon für Besseres sorgen,«

»Bitte, lassen Sie lieber,« antwortete Pleydell; »ich habe, als ich mich unten ein Weilchen aufhielt, um die Reisegamaschen abzustreifen, die mir doch ein bißchen zu weit waren –« hierbei warf er einen selbstgefälligen Blick auf sein für seine Jahre noch immer recht stattliches Bein, – »ein Wörtlein mit Ihrem Barnes und mit einer recht verständigen Person, die ich für Ihre Wirtschafterin angesehen – gesprochen, und dabei ist ausgemacht worden, daß dem Abendtische ein paar Wildenten beigefügt werden sollen – wir haben uns auch ein bißchen über die dazu notwendige Sauce unterhalten, und da ich bei genannter Dame hierüber die gleichen Ansichten fand, wie ich sie habe, so gestatten Sie mir wohl, mit der Magenfüllung so lange zu warten, bis die gute Dame mit ihrem lukullischen Werke erscheint,«

»Aber wir essen heute früher als gewöhnlich,« sagte der Oberst,

»Damit bin ich von Herzen einverstanden,« erwiderte Pleydell, »doch mache ich mir aus, daß die Gesellschaft der beiden jungen Damen mir bis dahin nicht verloren geht. Ich liebe die coena, das Mahl der Alten, und das gesellige Glas, das die Spinngewebe, mit denen uns Geschäfte und Sorgen tagtäglich das Gehirn umziehen, aus der Seele spült.«

Den beiden Mädchen machte das lebhafte Wesen des alten Herrn und die ruhige Unbefangenheit, womit er die Bedürfnisse seiner epikuräischen Gemächlichkeit kund gab, viel Vergnügen; vor allem aber fand Julie Gefallen an ihm und widmete ihm eine so schmeichelhafte Aufmerksamkeit, daß die Artigkeiten auf beiden Seiten gar kein Ende nehmen wollten.