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»Recht so, Schwester! und hoffentlich gelingt es mit Hilfe unserer wackern Freunde und unter gütigen Beistand des Himmels nach so harten Kämpfen dieses glückliche Ziel zu erreichen.«

»Hier sah er sich durch Dinmont unterbrochen, der eilig, aber bis er zur Stelle war, ungesehen von den übrigen, die Straße heraufkam ... »Rittmeister! Rittmeister! es sucht Euch jemand – die Alte, die Alte, die Ihr schon kennt.«

Im andern Augenblick stieg Meg Merrilies wie aus dem Schoße der Erde aus dem Hohlwege herauf und stand vor ihnen.. »Ich habe Euch schon im Hause gesucht, aber bloß den, »sagte sie auf Dinmont deutend, – »drin gefunden – Ihr habt recht, und ich hab unrecht; hier sollten wir uns finden, hier auf dieser Stelle! Gedenket an Euer Wort und – folget mir!«

Julie und Lucy fuhren entsetzt zurück, als sie die Zigeunerin erblickten ... »Um Gottes willen!« rief Julie, ihre Börse aus der Tasche ziehend: »geben Sie dem Weibe etwas, und sagen Sie ihr, daß sie gehe.«

»Das kann ich nicht,« erwiderte Bertram; »beleidigen oder kränken darf ich sie nicht.«

»Was hält Euch hier?« fragte Meg Merrilies, ihre rauhe Stimme verschärfend; »warum folgt Ihr mir nicht? Muß Eure Stunde Euch zweimal rufen? Gedenkt Eures Schwures – es sei in der Kirche oder auf dem Markte, bei der Hochzeit oder beim Leichenbegängnis –« und drohend hob sie den dürren Zeigefinger empor.

Bertram wandte sich zu den von Angst erfüllten Mädchen .. »Ich muß mich auf eine Weile entfernen; ein Gelübde bindet mich, der Frau zu folgen.«

»Jesus! einem mit Narrheit geschlagenen Weibe!« rief Julie.

»Einem Zigeunerweib, das mit ihrer Bande im Walde haust und Dir nach dem Leben trachten wird!« setzte Lucy hinzu.

»So soll niemand sprechen vom Hause Ellangowan!« rief Meg Merrilies, einen finstern Blick auf Lucy richtend – »Böses tut, wer Böses fürchtet.«

»Es geht nicht anders – ich muß gehen,« nahm Bertram wieder das Wort ... »es muß sein, Lucy, ich bleibe nicht lange – fünf Minuten – dann bin ich wieder da.«

»Fünf Minuten?« wiederholte die Zigeunerin – »nicht in fünf Stunden seid Ihr wieder hier!«

»Hören Sie, was Sie spricht?« rief Julie ängstlich – »um Gottes willen! gehen Sie nicht!«

»Ich muß gehen,« versetzte Bertram, »Dinmont wird Sie und die Schwester heimbegleiten.«

»Nein,« fiel Meg Merrilies ein, »der Mann muß mitgehen; zu diesem Zwecke ist er hier, und daß er's tut, ist nicht mehr als recht und billig, denn Ihnen hätte seine Rettung weit teurer zu stehen kommen können.«

»Meiner Treu, das stimmt!« rief Dinmont, »und ich will's ihm zeigen, daß ich's noch nicht vergessen habe.«

»Jawohl,« riefen beide Mädchen wie aus einem Munde, »müssen Sie dem Weibe folgen, dann soll er Ihnen folgen!«

Bertram drückte der Schwester die Hand und nahm von Julien mit einem zärtlichen Blick Abschied. Fast betäubt von Erstaunen und Furcht folgten die Mädchen mit ihren Blicken dem Wege, den Bertram mit seinem Gefährten und der seltsamen Führerin nahm. Die hohe Gestalt der letztern durchmaß die winterliche Heide mit so schnellen, weiten Schritten, daß sie weniger zu gehen als zu schweben schien; und durch ihr langes, fliegendes Gewand und die hohe Kopftracht wurde der Eindruck geweckt, als reichten Bertram und Dinmont kaum an sie heran. Sie ging geraden Weges über das Gemeinland, ohne die Seitenpfade einzuschlagen, auf denen Wanderer sonst den Unebenheiten und Wasserläufen auszuweichen suchten. Bald entschwanden die drei Gestalten den Blicken der nachblickenden Mädchen, bald zeigten sie sich wieder, je nachdem sie durch Gräben schritten oder aus Hohlwegen heraufstiegen, bis sie endlich im Dickicht verschwanden, das sich nach der Trümmerstätte von Derncleugh zu erstreckte.

»Sonderbar,« sprach Lucy nach längerer Pause zu ihrer Freundin: »was kann ihn mit dem alten Weibe verknüpfen?«

»Mich schaudert's,« erwiderte Julie,« und unwillkürlich muß ich an die Märchen von Zauberern und bösen Geistern denken, die mir in Indien erzählt worden sind. Was kann Ihren Bruder so an diese Hexe ketten, das er uns, offenbar widerwillig, verläßt und sich den Befehlen des schrecklichen alten Weibes fügt?«

»Wir können wenigstens sicher sein, daß ihm nichts Böses begegnen wird,« erwiderte Lucy, »sonst würde das Weib doch den brauen Dinmont nicht zur Begleitung aufgefordert haben, von dessen Mut und Treue mein Bruder uns soviel erzählt. Begeben wir uns schnell nach Hause und erwarten wir dort Ihren Herrn Vater, der ja am besten wissen wird, was nun mehr getan werden muß.«

Arm in Arm gewannen die beiden jungen Mädchen bald die Baumreihe wieder, die bis zum Landhause führte, als sie plötzlich lauten Hufschlag hinter sich vernahmen. Erschrocken wandten sie sich um, waren aber nicht wenig froh, als sie Charles Hazlewood erblickten .. »Der Herr Oberst wird gleich hier sein,« rief er; »ich bin vorausgeritten, um Fräulein Bertram zu der frohen Wiederkunft ihres Bruders zu gratulieren. Stellen Sie mich nur recht bald dem Rittmeister vor, damit ich ihm für die wohlverdiente Lehre danke, die er mir für meine Uebereilung und Unbesonnenheit gegeben hat.«

»Mein Bruder hat uns eben verlassen,« antwortete Lucy, »aber auf eine Art, die uns recht sehr erschreckt hat.«

Da fuhr auch schon der Wagen heran, in welchem Oberst Mannering mit seinem Freunde sah. Sobald sie der beiden Mädchen ansichtig wurden, stiegen sie aus, und traten zu ihnen.

»Schon wieder diese Meg Merrilies!« rief Mannering, als er über den neuen Vorfall unterrichtet worden war ... »Führwahr, ein geheimnisvolles, unergründliches Wesen. Sie wird wohl Bertram etwas mitzuteilen haben, das wir nicht wissen sollen!«

»Hole der Henker den alten Besen!« rief Pleydell; »warum läßt sie der Sache nicht ihren Gang? Immer muß sie die Hand im Spiele haben; immer will sie es nach ihrem Sinne leiten. Ich fürchte fast, daß sie nach Ellangowan unterwegs sind! Der schurkische Glossin hat uns ja schon gezeigt, über was für schlimme Subjekte er verfügt – wenn nur der ehrliche Dinmont ihm Schutz genug bietet!«

»Wenn Sie meinen, daß er Hilfe brauchen könne,« rief Hazlewood, so will ich gern hinterher reiten. Daß ihm jemand in meiner Gegenwart ein Haar krümmen möchte, will mir nicht als möglich erscheinen. Dazu bin ich doch im Lande zu gut bekannt. Ich will mich vorsichtig in einigem Abstände halten, damit es nicht so aussieht, als ob ich die Zigeunerin ausspionieren möchte – und die Mitteilungen zu hindern, die sie ihm doch vielleicht machen will, wäre doch auch nicht klug.«

»Das muß ich sagen, dieser junge Herr hat alles Zeug, ein tüchtiger Mann zu werden,« meinte Pleydell zu dem Obersten, aber so, daß ihn Hazlewood nicht hörte – »ich fürchte eher einen neuen Versuch, unserm jungen Freund auf gesetzlichem Wege zu schaden, als durch offene Gewalt, denn von solcher würde Hazlewoods Gegenwart Glossin und seine Halunken schon abhalten ... Also frisch voran, mein junger Freund!« rief er dem Reiter zu; »nach Dernoleugh hinüber, dort werden sie wohl stecken, wenn nicht im Warroch-Walde.«

Hazlewood gab seinem Pferde die Sporen und sprengte davon.

»Zu Mittag sehen wir uns wieder!« rief der Oberst ihm nach, und Hazlewood nickte.

Neunzehntes Kapitel

Bertram und Dinmont folgten ihrer seltsamen Führerin, durch Wälder und über Täler zwischen der offenen Heide und den verfallenen Hütten von Derncleugh. Bloß als sie sie zu rascherem Laufe anspornen wollte, wandte sie den Blick rückwärts und kehrte sich wenig oder gar nicht daran, daß ihnen der Schweiß in dicken Tropfen von der Stirn rann. Zuweilen sprach sie auch mit sich selbst, und dann immer in abgebrochenen Sätzen ... »Das alte Haus soll wieder aufgebaut – der Grundstein soll gelegt werden – ha! habe ich ihn denn nicht gewarnt? Hab ich ihm nicht gesagt, daß ich geboren sei, es zu vollbringen, und ginge der Weg auch über meines Vaters Leiche? Verurteilt, in Kerker und Verließ geworfen hat man mich – und doch bin ich meinem Vorsatze treu geblieben – verbannt aus dem Lande hat man mich, und mitgenommen habe ich ihn in ein freundlicheres Land – ausgepeitscht hat man mich und gebrandmarkt, aber was ich im Sinne hatte, ließ sich nicht erschüttern – denn bis dorthin reichten weder Geißel noch glühendes Eisen – nun aber – nun ist die Stunde gekommen –«