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Nun wurde Dirk Hatteraick gefesselt in das Verhandlungszimmer geführt. Auf alle an ihn gestellten Fragen nach Namen, Herkunft, Stand, und so weiter, verweigerte er die Antwort, Pleydell putzte sich die Brille, flüsterte Mannering zu, daß er noch kaum solch hartgesottenen Sünder in der Schere gehabt habe, ihm aber die Hölle heiß machen wolle – und ließ den Schuhmacher zitieren, der bei der ersten Feststellung des Tatbestandes die Fußstapfen im Walde gemessen hatte; nun ergab sich, daß das eine der notierten Maße mit den Schuhen des Schmugglers Brown, die im Derncleugher Turme damals gesunden worden waren, das andere aber mit dem Fuße des Delinquenten haarscharf übereinstimmte. Dieses unvermutete Beweismoment brachte Hatteraick um alle Besonnenheit ... »Alle Hagel!« rief er, »wie hat man denn Fußstapfen sehen wollen? Der Boden war doch an dem Tage hart gefroren wie Stein!«

»Am Abend wohl, Hatteraick,« bemerkte Pleydell, »nicht aber Vormittags – und wo wart Ihr denn an dem Tage, auf dessen Wetter Ihr Euch so genau besinnt?«

Hatteraick merkte sofort, wie sehr er sich durch seine Unbedachtsamkeit geschadet hatte, und verlegte sich wieder auf hartnäckiges Schweigen. Da ging plötzlich die Tür auf und zu aller Ueberraschung und Staunen trat Glossin über die Schwelle, Durch ein Paar gute Freunde, deren er noch immer hatte, war ihm berichtet worden, daß Meg Merrilies in der vor ihrem Verscheiden gemachten Aussage von ihm mit keiner Silbe gesprochen habe, und so glaubte er außer Hatteraicks Zeugnis keines befürchten zu müssen – um aber dieses zu verhindern dadurch, daß er seinem Mitschuldigen Mut einflößte, hatte er sich entschlossen, der Verhandlung beizuwohnen, zumal er meinte, hierdurch von seinem guten Gewissen einen besonderen Beweis zu erstatten.

Alle, Sir Robert Hazlewood nicht ausgeschlossen – dem inzwischen der Argwohn aufgestiegen war, von ihm irregeführt worden zu sein, – erwiderten seine Begrüßung kalt und förmlich.

»Vielleicht komme ich nicht gelegen, meine Herren,« fragte Glossin. »Die Verhandlung ist doch öffentlich?«

»Was mich angeht,« vernetzte Pleydell, »so bin ich noch nie in meinem Leben über unerwarteten Besuch so erfreut gewesen, wie heut über den Ihrigen – ganz »abgesehen davon, daß sich vielleicht noch Ursache gefunden hätte, Sie um denselben zu bitten.« »Nun denn, meine Herren,« nahm Glossin wieder das Wort, indem er sich zu den andern Herren setzte und mit der Hand nach den auf dem Tische liegenden Akten griff – »wie weit sind wir? Bei welchem Punkt der Verhandlung stehen wir?«

»Geben Sie mir alle meine Papiere her,« befahl Pleydell seinem Schreiber, »ich habe eine eigne Weise, meine Alten zu ordnen, Herr Glossin, und sehe es nicht gern, wenn andere dazwischen geraten. Aber es wird sich, denke ich, schon Veranlassung bieten, Sie um Ihre Gegenwart zu bitten.«

Glossin schielte nach Hatteraick hinüber, konnte aber in dem finstern Auge des Gefangenen nur Bosheit und Haß lesen. »Aber, meine Herren,« bemerkte er wieder, »ich finde es doch nicht in Ordnung, den armen Menschen in Eisen zu schließen; zunächst handelt es sich doch nur um sein Verhör?«

Er beabsichtigte mit der Rede nur, sich bei Hatteraick in günstiges Licht zu setzen – Mac Morlan aber beschied ihn mit der trockenen Antwort: »Der Mann ist schon einmal entsprungen,« und Glossin mußte schweigen.

Bertram wurde hereingeführt. Glossin war nicht wenig betroffen, als er wahrnahm, daß ihn sogar der Baronet ganz freundlich grüßte, Bertram erzählte, was ihm aus seiner Kinderzeit noch erinnerlich, schlicht und ruhig, so daß niemand ein Zweifel an seiner Wahrhaftigkeit kam ... »Meine Herren,« nahm Glossin das Wort, von seinem Platze aufstehend, »dies sieht allem andern ähnlicher als einer Kriminal-Untersuchung; Sie wissen aber, von welchem Belang es für mich sein kann, wenn sich die Reden dieses jungen Menschen von seinen vermeintlichen Verwandtschaftsverhältnissen vertiefen, und werden mir darum wohl nicht verübeln, wenn ich vorziehe, mich zu entfernen.«

»Nicht doch,« erwiderte Pleydell, »davon kann keine Rede sein, denn wir können Sie jetzt nicht missen. Weshalb betonen Sie das Vermeintliche der Ansprüche dieses jungen Mannes? Es sei mir ferne, Ihre Einreden gegen denselben erforschen zu wollen, wenn Sie zu solchen Veranlassung haben, aber –«

»Die Sache ist mit wenig Worten erklärt,« antwortete Glossin; »dieser junge Mensch, nach meinem Glauben und Wissen ein natürlicher Sohn des verstorbenen Ellangowan, hat sich ein paar Wochen in unserer Gegend unter allerhand Namen umhergetrieben, hat mit einem verrufenen irrsinnigen Weibe sein Techtelmechtel gehabt und unser Landvolk durch Kesselflicker, Zigeuner und ähnliches Gesindel gegen uns Gutsherren aufgewiegelt.« »Ich muß Ihnen abermals ins Wort fallen,« bemerkte Pleydell, »wer ist der junge Mann nach Ihrem Glauben und Wissen, wie Sie sagen?«

»Ein unehelicher Sohn des verstorbenen Ellangowan, – was wohl auch der Mann dort,« – dabei wies Glossin auf Hatteraick – »wissen dürfte – seine Mutter war eine Dirne vom Lande, Janet Lightoheel mit Namen, die später einen Schiffbauer Hewit in der Allaner-Gegend geheiratet hat. Er heißt mit seinem rechten Namen Godfreh Bertram Hewit und ist unter diesem Namen auf den königlichen Zollkutter Carolina gebracht worden.«

»So, so,« meinte Pleydell, »gar nicht so unwahrscheinlich, was Sie uns da zum besten geben – bloß stimmt's nicht ganz mit dem Aussehen – Augen, Gesichtsfarbe und so weiter variieren – tretet 'mal näher, junger Freund! ... Na, da ist unser Seemann, besagter Hewit, Godfrey Bertram Hewit, Steuermann auf einem Westindienfahrer, und gestern abends via Liverpool von Antigua gekommen, im übrigen auf dem besten Wege, gut durch die Welt zu kommen, wenn auch sein Debüt nicht so ganz der allgemeinen Regel entsprochen hat.«

Während die übrigen Gerichtsbeisitzer sich mit dem jungen Steuermann in ein Gespräch einließen, zog Pleydell zwischen seinen Akten Hatteraicks Brieftasche hervor. Da fing er einen Blick des Schmugglers auf, der ihn auf den Gedanken brachte, daß es mit der Brieftasche eine besondere Bewandtnis haben möchte, und er untersuchte sie, fand aber erst nach geraumer Zeit zwischen Pappe und Leder einen Schlitz, in welchem sich drei schmale Papiere befanden. Nachdem er sie angesehen, stellte er Glossin die Frage, ob er sich bei der Suche nach der Leiche Kennedys und nach dem Verbleib des kleinen Bertram befunden habe.

»Nein,« versetzte Glossin, dem aber im Nu das Gewissen schlug – »das heißt – ich –«

»Als ein so guter Bekannter der Familie Ellangowan hätten Sie doch vernommen werden müssen,« sagte Pleydell, – »meines Wissens ist das nicht der Fall gewesen – wie erklären Sie das? Gemeldet haben Sie sich nicht – das weiß ich bestimmt, denn ich habe ja die Untersuchung geführt!«

»Ich mußte am Tage nach dem unglücklichen Ereignis in Geschäften nach London reisen.«

»Wohl um die drei Wechsel hier an den Mann zu bringen?« fragte Pleydell, »die Sie auf Vanbeest und Vanbrüggen gezogen hatten, und die den Annahmevermerk eines gewissen Dirk Hatteraick trugen, zudem am Tage des Mordes ausgestellt worden waren?« ...

Glossin war nahe daran, die Fassung zu verlieren ... »Viel Aussicht, daß Ihnen das Geschäft glücken werde, war freilich nicht vorhanden; daß die Wechsel aber eingelöst wurden, geht aus diesen Papieren hervor, in denen uns ein gewisser Gabriel Faa meldet, wie Sie sich in diesem besonder« Falle benommen oder zu benehmen für geraten erachtet haben – können Sie uns darüber naher unterrichten?«