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So lange sie zu Mittag speisten, hatte Herr Oldbuck, getrieben von der gleichen Neugierde, die sein Reisegefährte in Bezug auf seine Person gehegt hatte, in wenig umständlicher Weise, wie er bei seinem Alter und seiner Stellung es sich auch ruhig erlauben durfte, einige Fragen gestellt, um sich über Namen, Reiseziel und Persönlichkeit seines jungen Gefährten zu erkundigen.

Sein Name, sagte der junge Herr, sei Lovel.

Was! Ob er wohl gar ein Abkömmling von Richards Günstling sei?

Er habe keinen Anspruch, erwiderte er, sich dieser Abstammung zu rühmen. Sein Vater sei ein Edelmann vom Norden Englands. Er reise zur Zeit nach Fairport (der Stadt, in deren Nähe Monkbarns lag), und wenn es ihm in dieser Stadt gefalle, würde er vielleicht ein paar Wochen dort bleiben.

Ob Herr Lovel lediglich zu seinem Vergnügen reise?

Nicht ausschließlich.

Vielleicht ein Geschäft mit einem der Kaufleute von Fairport im Gange?

Ein Geschäft sei auch dabei im Spiele, aber keines mit Handelsmännern.

Hier hielt er inne. Herr Oldbuck hatte seine Fragerei so weit getrieben, wie es mit dem guten Ton noch vereinbar war, und mußte nun das Thema wechseln. Der Altertümler war zwar kein Feind gemütlicher Lustbarkeit, aber er haßte alle Unnötigen Ausgaben auf einer Reise, und als sein Reisegefährte eine Andeutung auf eine Flasche Portwein machte, entwarf er ein grauenhaftes Gemälde von der Mischung, die gewöhnlich unter dieser Spitzmarke verkauft würde. Ein kleiner Punsch, meinte er, sei unverfälschter und auch der Jahreszeit besser angemessen, und er legte die Hand an die Klingel, um zu bestellen, was dazu gebraucht wurde.

Aber Mackitchinson hatte in seinem eigenen Sinne schon ganz anders bestimmt, was sie trinken sollten, und erschien mit einer riesigen Doppelquartflasche in der Hand – einem Magnum, wie man in Schottland sagt. Sie war mit Sägespänen und Spinnweben – untrüglichen Zeichen ihres Alters – über und über bedeckt. »Punsch!« sagte er, im Eintreten das Wort aufschnappend. Den Teufel hat sichs was mit Punsch! Davon gibt's nichts!«

»Was wollen Sie damit sagen, Sie unverschämter Schuft?« »Nein, nein, davon ist keine Rede! Erinnern Sie sich noch, was Sie mir für einen Streich gespielt haben, wie Sie das letzte Mal hier waren?«

»Ich hätte Ihnen einen Streich gespielt?«

»Jawohl, Sie selber, Monkbarns! Der Laird von Tamlowrie und Sir Gilbert Grizzlecleugh und der alte Roßballoh und der Amtmann saßen hier an einem Nachmittag fidel beieinander, und da kommen Sie und machen ihnen mit einer von Ihren Geschichten aus der alten Welt, denen keine Menschenseele widerstehen kann, den Kopf dick, daß sie aufstehen und weglaufen, um sich das alte Römerlager anzuschauen. – »Ach, Herr,« sagte er, zu Lovel gewendet, »die Vögel könnt er meinetwegen vom Ast herunterlocken mit seinen Geschichten, die er von längst verschollenem Volk zu erzählen weiß, wenn ich nicht dabei um eine Zeche von sechs Rössel guten Rotweins gekommen wäre, denn kein Teufel von den Herren hätte sich eher von dem Platze gerührt, als bis nicht dieses Quantum bis auf die Neige ausgetrunken worden wäre.«

»Hören Sie den unverschämten Schuft,« sagte Monkbarns, aber unter Lachen. Denn der Wirt, wie er sich selber rühmte, verstand jeden Gast bei seiner schwachen Seite zu nehmen. »Schon gut, schon gut, Sie können uns eine Flasche Portwein hereinschicken.«

»Portwein? Nicht doch! Portwein und Punsch können Sie unsereinem überlassen, für Sie Herren Lairds geziemt sich Bordeaux.«

Der Wirt war immer gleich bei der Hand und hatte denn den Korken rasch ausgezogen, leerte den Wein in ein Gefäß, das genug faßte, erklärte, die Blume erfülle das ganze Zimmer mit Wohlgeruch, und überließ es dann seinen Gästen, ihn sich gut schmecken zu lassen.

Mackitchinsons Wein war wirklich gut und tat seine Wirkung auf die Stimmung des älteren Gastes, der ein paar hübsche Geschichten erzählte, ein paar nette Witze riß und schließlich eine gelehrte Erörterung über die Dramatiker der Antike begann – ein Thema, auf dem sich sein neuer Bekannter von einer so bedeutenden Stärke zeigte, daß er zuguterletzt zu der Annahme gelangte, es sei das berufsmäßige Studium des jungen Herrn.

»Er reist, teils in Geschäften, teils zum Vergnügen?« – Nun, die Bühne bringt beides mit sich, es ist eine Arbeit für die Darsteller und ein Vergnügen – oder soll wenigstens ein Vergnügen sein – für die Zuschauer. An Benehmen und Stand scheint er über der Klasse von jungen Leuten zu stehen, die sich sonst diesem Fache widmen, aber wenn ich mich recht erinnere, habe ich davon gehört, das kleine Theater van Fairport soll mit dem Debüt eines jungen Herrn eröffnet werden.« – »Wenn du das sein solltest, Lovel?« – »Lovel? Ja, ja – Lovel oder Belleville, das sind gerade so Namen, wie sie die jungen Leute bei solchen Anlässen gern annehmen. – Bei meinem Leben, es tut mir leid um den Burschen!«

Herr Oldbuck war von Gewohnheit sparsam, aber keineswegs knauserig. Sein erster Gedanke war, seinem Gefährten jeden Anteil an dem kostspieligen Abendgetränk zu ersparen, das, wie er glaubte, ihm in seiner Lage eine mehr oder minder unliebsame Ausgabe sein müsse. Er benutzte daher eine Gelegenheit, mit Herrn Mackitchinson insgeheim die Zeche zu begleichen. Der junge Mann erhob Einspruch dagegen, sich frei halten zu lassen, und willigte nur in Rücksicht auf die Jahre und Achtbarkeit des alten Herrn darein.

Da sie beide so trefflich miteinander auskamen, so schlug Herr Oldbuck vor und Lovel nahm es gern an, die Reise bis zum Ziel auch gemeinschaftlich zu machen. Herr Oldbuck äußerte den Wunsch, zwei Drittel des Fahrpreises zu bezahlen, mit der Begründung, daß er ja auch einen entsprechenden Raum zu seiner Bequemlichkeit benötige, das aber lehnte Herr Lovel sehr entschieden ab.

Sie teilten sich also nun in die Kosten, nur ab und zu ließ Herr Lovel über seinen Anteil noch einen Schilling in die Hand, eines brummigen Postillons gleiten, denn Herr Oldbuck war ein hartnäckiger Anhänger vorsintflutlicher Gebräuche und gab nie mehr als achtzehn Pence Trinkgeld für jede Teilstrecke. In dieser Weise reisten sie weiter und trafen am folgenden Tage um zwei Uhr in Fairport ein.

Lovel erwartete wahrscheinlich, sein Gefährte würde ihn bei seiner Ankunft zu Tische laden. Aber Oldbuck wußte, daß man in seinem Hause auf unvermutete Gäste nicht hinreichend eingerichtet war, und vielleicht hinderten ihn auch noch andere Gründe, diese Aufmerksamkeit zu erweisen.

Er bat ihn nur, ihn einmal, sobald er es möglich machen könne, an einem Vormittage zu besuchen, und empfahl ihn einer Witwe, die Zimmer zu vermieten hatte, und einer andern Frau, die einen guten Mittagstisch hatte. Beiden aber gab er gleichzeitig der Vorsicht halber insgeheim zu verstehen, daß er Herrn Lovel nur als angenehmen Reisegefährten von der Postkutsche her kenne und er nicht etwa daran dächte, für irgendwelche Schulden, die er während seines Aufenthaltes in Fairport machen könnte, aufzukommen.

Gesicht und Wesen des jungen Mannes – ganz zu schweigen von einem wohlgefüllten Koffer, der bald darauf mit dem Schiff an seine Adresse in Fairport ankam, sprachen wahrscheinlich ebenso sehr zu seinen Gunsten, wie die mit Vorbehalt gegebene Empfehlung seines Reisekameraden.

Drittes Kapitel,

Als Herr Lovel sich in seiner neuen Wohnung in Fairport häuslich eingerichtet hatte, dachte er daran, seinem Reisegefährten den erbetenen Besuch abzustatten. Er tat es nicht früher, weil bei aller Gutmütigkeit und Gelehrsamkeit der alte Herr doch in seiner Sprache und seinem Benehmen zu ihm bisweilen einen Zug der Ueberlegenheit hatte durchblicken lassen, der nach dem Erachten des Jüngern bei weitem das überstieg, was sich bei dem Altersunterschied entschuldigen ließ.

Er wartete daher, bis sein Gepäck aus Edinburgh eingetroffen war, damit er der Mode des Tages entsprechend Toilette machen und sein Äußeres, dem gesellschaftlichen Range anpassen konnte, den einzunehmen er sich berechtigt glaubte oder wußte.