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Aber es kam ihm so vor, als läge im Benehmen des Kapitäns M'Intyre eine scharf ausgesprochene Zuvorkommenheit, die wohl einen Liebhaber eifersüchtig machen konnte. Auch nahm Fräulein Wardour seine Aufmerksamkeiten entgegen, und wenn er sich auch freimütig eingestand, daß sie nicht gut abgelehnt werden konnten, ohne unliebsames Aufsehen zu machen, so war es doch Wermut für seine Seele, es mitanzusehen.

Sie befanden sich nun auf dem Rückweg nach dem Platze, wo sie die Wagen zurückgelassen hatten. Fräulein Wardour und ihr Kavalier waren den andern auf einem engen Wege ein Stück voraus, aber anscheinend wünschte die junge Dame sich der übrigen Gesellschaft wieder anzuschließen und dem Alleinsein mit dem jungen Offizier ein Ende zu machen. Sie blieb daher stehen und wartete, bis Herr Oldbuck herangekommen war.

»Ich möchte Sie gern einmal fragen, Herr Oldbuck,« sagte sie, »wie alt Wohl diese interessanten Ruinen sein mögen.«

Es hieße der Lebensart Fräulein Wardours nicht gerecht werden, wollte man meinen, sie hätte nicht von vornherein gewußt, daß diese Frage zu einer allenfalls langatmigen Antwort führen müsse. Der Altertümler stürzte sich denn auch – wie ein Streitroß sich bäumt bei der Drommete Klang – Hals über Kopf in allerlei Ausführungen für und gegen das Jahr 1273, das von einer neueren Schrift über Altertümer der schottischen Baukunst als Gründungsjahr von St. Ruth bezeichnet worden war. Er zählte die Namen aller Äbte her, die der Stiftung vorgestanden hatten, aller Edelherren, die ihr Ländereien vermacht hatten, und aller Herrscher, die hier ihren letzten Schlaf getan hatten.

Wie eine Zündschnur, die Feuer gefangen hat, leicht eine andere ansteckt, wenn Brennstoff in der Nähe ist, so schnappte der Baron den Namen eines seiner Ahnen auf, der in Oldbucks Statistik vorkam, und begann nun zu erzählen, was dieser Mann für Kriege geführt, was er für Siege erfochten und was er für Trophäen erbeutet habe. So rannten nun die Redner wie Rennpferde auf ihr Ziel los, einer den andern überbietend, und es machte ihnen nichts aus, wenn sie einander in die Quere kamen oder sich gar anrannten.

So uninteressant dieses Gewäsch auch sein mochte, es war offenkundig, daß Fräulein Wardour entschlossen war, lieber aufmerksam zuzuhören, als Kapitän M'Intyre Gelegenheit zu geben, ihr Gespräch unter vier Augen zu erneuern, Der junge Krieger wartete denn auch eine Weile mit schlecht verhehltem Mißfallen in den hochnäsigen Zügen und überließ sie dann ihrem schlechten Geschmack, indem er den Arm seiner Schwester nahm und sie ein wenig hinter der Gesellschaft zurückhielt.

»Ich merke schon, Mariechen, ihr seid hierherum nicht eben flotter und auch nicht gebildeter geworden.«

»Es hat uns deine Geduld und deine Weisheit zum Unterricht gefehlt, Hektor.«

»Sehr nett, Schwesterchen. Aber ihr habt an deines Bruders Stelle einen weisern, wenn auch nicht ganz so flotten Zuwachs zu eurer Gesellschaft bekommen. Bitte, sag' mal, wer ist denn dieser Herr Lovel, den unser guter alter Oheim mit einem Male so hoch in Gnaden aufgenommen hat? – er läßt sich doch sonst nicht so leicht mit fremden Leuten ein.«

»Herr Lovel, Hektor, ist ein sehr netter junger Mann.«

»Pah! das heißt weiter nichts, als er macht 'ne Verbeugung, wenn er ins Zimmer kommt und hat einen Rock an, der an den Ellenbogen ganz ist.«

»Nein, Bruder, das besagt weit mehr. Ich will damit sagen, seine Manieren und seine Redeweise deuten auf den Charakter und die Bildung eines Mannes von höherem Stande.«

»Ich aber verlange genau zu wissen, von welcher Herkunft er ist und was für einen Rang er in der Gesellschaft einnimmt. Und vor allem welches Recht er hat, in dem Kreise zu verkehren, in dem ich ihn schon so hübsch heimisch finde.«

»Wenn du meinst, wie er dazu käme, daß er uns in Monkbarns besucht, da mußt du Onkel fragen, und der wird dir voraussichtlich sagen, daß er sich einladet, wen er will. Und wenn du Sir Arthur fragen willst, so mußt du wissen, daß er Fräulein Wardour und ihm einen hervorragenden Dienst geleistet hat.«

»Was? Diese romantische Geschichte ist also wahr? Und bitte, sag' mal, rechnet der tapfere Ritter etwa auf die Hand der Baroneß, die er aus der Gefahr errettet hat? Das wäre vorschriftsmäßig, wie es in einem hübschen Roman sein müßte. Und mir kommt's auch so vor, als wäre sie zu mir ungewöhnlich kurz gewesen. Manchmal schien sie auch sich zu überzeugen, ob sie auch ja nicht bei ihrem galanten Kavalier Anstoß errege.«

»Lieber Hektor,« sagte seine Schwester, »wenn du wirklich noch immer Fräulein Bardour liebst...«

»Wenn? Mariechen, da ist keine Rede von wenn!«

»Nun, ich will dir's nur gestehn, ich halte deine hartnäckige Werbung für aussichtslos.«

»Und warum hoffnungslos, Meine weise Schwester?« fragte Kapitän M'Intyre. »So wie es mit ihrem Vater steht, kann Fräulein Wardour auf großes Vermögen keinen Anspruch machen – und was die Familie anbetrifft – na, ich denke doch, die M'Intyres stehen ihnen nicht nach.«

»Aber Hektor, Sir Arthur hat uns immer für Mitglieder des Hauses Monkbarns angesehen.«

»Darüber mag Sir Arthur denken, was er will,« antwortete der Hochländer zornig. »Aber jeder, der seine fünf Sinne beisammen hat, wird so denken, daß das Weib den Rang vom Manne erhält und daß meines Vaters Stammbaum von fünfzehn untadelhaften Ahnen meine Mutter veredelt haben muß, und wenn Druckerschwärze selbst in ihren Adern geflossen wäre!«

»Um Gotteswillen, Hektor,« versetzte seine ängstliche Schwester, »sieh dich vor – wenn ein indiskreter oder hinterlistiger Lauscher einmal eine einzige derartige Äußerung dem Onkel hinterbrächte, so hättest du sein Wohlwollen für immer verloren, und all deine Aussicht, einmal sein Vermögen und seine Besitzung zu erben, wäre dahin.«

»Meinetwegen!« erwiderte der achtlose junge Mann, »ich gehöre zu einem Berufe, den die Welt bisher noch nie hat entbehren können und auch noch ein halbes Jahrhundert lang mindestens nicht wird entbehren können, und mein guter alter Onkel mag sein gutes Besitztum und seinen plebejischen Namen an dein Schürzenband hängen, wenn er will, Mariechen, und du magst diesen seinen neugebackenen Günstling heiraten, wenn du willst, und ihr mögt beide still, friedlich und hübsch ordentlich leben miteinander, wenn der Himmel will. Mein Entschluß steht fest – ich tu keinem Menschen schön wegen eines Erbes, das durch Geburt überhaupt mein sein sollte.«

Fräulein M'Intyre legte ihrem Bruder die Hand auf den Arm und bat ihn sich in seinem Ungestüm zu mäßigen.

»Wer tritt dir denn zu nahe oder trachtet auch nur danach, als du dir selber in deinem Jähzorn? Was für Gefahren trotzest, du denn, als bloß denen, die du selber heraufbeschworen hast? – Unser Oheim ist doch bisher zu uns immer freundlich und väterlich gewesen, und warum wolltest du denn denken, es würde anders werden, als es bisher immer gewesen ist, seit wir als Waisen unter seiner Obhut stehen?«

»Er ist ein ausgezeichneter alter Herr, – muß ich zugeben,« erwiderte M'Intyre, – »und ich bin selber fuchsteufelswild auf mich, wenn ich ihm mal zufällig weh tue. Aber seine ewigen Salbadereien über Gegenstände, die keinen Schuß Pulver mehr wert sind – seine Untersuchungen über angebrochene Töpfe und Pfannen und ausgediente Pfeifenstopfer – all diese Sachen sind mir unerträglich – dabei reiht mir die Geduld – hab' etwas vom Heißsporn an mir, Schwesterchen – muß ich gestehn.«