»Aber Dusterschieler,« sagte der einfältige Baron, »sieht das nicht aus wie Magie? – Ich bin ein gläubiger, wenn auch unwürdiger Sohn der Kirche, und ich will mit dem bösen Feinde nichts zu tun haben.«
»Bah! Lah! nicht ein bißchen Magie ist dabei – nicht ein bißchen. Die gantsche Sache beruht auf dem planetarischen Einfluß und der Sympathie und Macht von Tschahlen – ich werd Ihnen noch viel was Meiners tsch eigen als das – denn es ist auch ein Geist mit dabei – von wegen dem Räucherwerk – aber wenn Sie sich nicht fürchten, bloß dann wird er nicht in Unsichtbarkeit verharren.«
»Ich bin nicht im mindesten neugierig, ihn zu sehen,« sagte der Baron.
»Das ist sehr schade,« sagte Dusterschieler, »gern hätte ich Ihnen getscheigt den Geischt, der diesen Schatsch behütet wie ein grimmiger Kettenhund – aber ich weiß, wie mit ihm umgegangen werden muß – liegt Ihnen nichts dran, ihn tschu sehen?«
»Nicht das geringste,« antwortete der Baron in einem Tone erkünstelter Gleichgültigkeit. »Ich meine, wir haben nicht viel Zeit.«
»Sie werden mir vertscheihen, mein Herr Gönner, es ist noch nicht tschwölf, und Punkt tschwölf erst ist die planetarische Stunde, und ich könnte Ihnen den Geischt sehr gut zeigen, nur so tschum Tscheitvertreib. Sehen Sie, ich würde nur ein Fünfeck – ein Pentagon – in einem Kreise tscheichnen – macht gar keine Mühe – und würde meine Räucherung darin vornehmen – und darin würden wir sein wie in einem festen Schlosse, und Sie würden das Schwert halten, während ich die nötigen Worte reden würde. Dann würden Sie die starke Mauer sich auftun sehen wie das Tor einer Stadt und dann – warten Sie – dann würden Sie sehen – tschuerscht – jawohl – tschuerscht würden Sie sehen einen Hirsch, verfolgt von drei schwartschen Windhunden, und die würden ihn tschu Boden jagen, wie es geschieht auf der großen Jagd des Kurfürschten – und dann würde ein kleiner häßlicher pechschwaitscher Neger erscheinen und ihnen den Hirsch wegnehmen – und paff! mit einem Male wären die alle weg und verschwunden – dann würden Sie krumme Hörner hören, daß die gantschen Ruinen davon widerhallen würden – mein Wort drauf, Sie würden ein seines Jägerstückchen spielen – sehr gut, ja – dann – na, dann kommt ein Herold, der heißt Ehrenhold – auch mit einem Hörn – und dann kommt der große Peolphan, genannt der mächtige Jäger des Nordens, auf seinem schwartschen Roß – aber es liegt Ihnen ja doch nichts dran, das alles tschu sehen?«
»Jenun, ich fürchte mich nicht,« antwortete der arme Baron, – »das heißt – geschieht nicht – nicht leicht ein großes Unglück – bei solchen Gelegenheiten?«
»Bah! Unglück? nein! – manchmal, wenn der Kreis nicht gantsch fest geschlossen ist oder der Tschuschauer ist ein furchtsamer Mensch und hält sein Schwert nicht fest und dem Geist gerade entgegen – dann rutscht der wilde Jäger seinen Vorteil aus und er reißt ihn aus dem Kreis heraus und erwürgt ihn. Das passiert wohl manchmal.«
»Nun denn, Dusterschieler, wir wollen bei allem Vertrauen in meinen Mut und Ihre Geschicklichkeit uns diese Erscheinung schenken und uns an unser nächtliches Geschäft machen.«
»Von gantschem Hertschen! – das ist mir gantsch egal – und nun ist auch die richtige Tscheit – halten Sie das Schwert, dieweil ich hier das bißchen sogenannte Spanholtsch antschünde.«
Dusterschieler setzte demgemäß ein kleines Häuflein Reisig in Brand, das mit einer harzigen Masse bestrichen war, damit es tüchtig brennen sollte, und als die Flamme hoch aufloderte und mit ihrem kurzlebigen Schein die ganze Ruine ringsum beleuchtete, warf der Deutsche eine Handvoll Räucherwerk hinein, das einen starken beißenden Geruch verbreitete. Der Beschwörer und sein Jünger mußten denn auch heftig niesen und husten, und als der Dunst um die Säulen des Gebäudes herumzog und in jede Spalte gedrungen war, ging es dem Bettler und Lovel bald ebenso.
»War das ein Echo?« sagte der Baron, verblüfft über das Niesen, das von oben herabschallte. »Oder,« – und er drängte sich dicht an den Adepten, – »kann es der Geist sein, von dem Sie sprachen, und lacht er über unseren Versuch, zu seinen verborgenen Schätzen zu gelangen?«
»N–n–nein,« stammelte der Deutsche, den sein Jünger mit seinem Schrecken anzustecken schien, »das hoff ich nicht«.
Jetzt erscholl ein lautes Niesen, das der Bettler nicht länger unterdrücken konnte und das auch auf keinen Fall für den hinsterbenden Nachklang eines Echos gehalten werden konnte, ein halbunterdrücktes grunzendes Husten folgte, und die beiden Schatzgräber standen starr vor Entsetzen.
»Der Herr erbarme sich unser!« sagte der Baron.
»Alle guten Geister loben den Herrn!« rief der erschrockene Schwarzkünstler. »Ich denke doch wohl, die gantsche Sache wird besser bei Tageslicht gemacht – es ist doch wohl das beste, wir machen jetscht, daß wir wegkommen!«
»Du Schuft von einem Gaukelspieler!« sagte der Baron, – ein Verdacht ward durch diese Worte in ihm wachgerufen, der den Schreck überwand – ein Verdacht, der durch das Bewußtsein der Verzweiflung über den ihm drohenden Ruin verstärkt wurde. »Du schwindelhafter Quacksalber! – Das ist bloß so ein Hokuspokus-Trick von dir, um von dem gegebenen Versprechen entbunden zu werden, wie du es schon oftmals getan hast. Aber beim Himmel, in dieser Nacht will ich wissen, wem ich mein Vertrauen geschenkt habe, indem ich mich von Ihnen an der Nase herumführen ließ, bis Sie mich nun glücklich an den Rand des Ruins gebracht haben! – Weiter im Text, sage ich Ihnen, und mag eine gute Fee kommen oder ein böser Feind, Sie sollen mir den Schatz zeigen oder sich als Schurke und Schwindler bekennen. Sonst bei dem Worte eines verzweifelten und ruinierten Mannes, ich schicke Sie dorthin, wo Sie Geister genug sehen werden!«
Zitternd in dem Grausen vor den übernatürlichen Wesen, von denen er sich umringt wähnte, und zitternd für sein Leben, das der Gnade eines Verzweifelten anheimgegeben zu sein schien, konnte der Schatzsucher nur die Worte stammeln:
»Mein Herr Gönner, das ist nicht gerade allerbest von Ihnen gehandelt. Tschiehen Sie doch in Betracht, mein sehr geehrter Herr Gönner, daß die Geischter ...«
Edie, dem nachgerade der Auftritt Spaß machte, ließ hier ein tolles Geheul hören, bei dessen Klang Dusterschieler auf die Knie niederstürzte.
»Teurer Sir Arthur, lassen Sie uns gehen – oder wenigstens mich!«
»Nein, du schuftiger Gauner,« sagte der Ritter und zog das Schwert, das er zur Beschwörung mitgebracht hatte, »so sollen Sie mir nicht entkommen – Monkbarns hat mich längst vor Ihren Gaunereien gewarnt – ich will diesen Schatz sehen, eher kommen Sie nicht hier weg, oder Sie sollen gestehen, daß Sie ein Schwindler sind – sonst, beim Himmel, renn ich Ihnen das Schwert durch den Leib, sollten auch alle Geister der Toten um uns her aufsteigen!«
»Um der Liebe des Himmels willen, haben Sie Geduld, mein geehrter Herr Gönner, und Sie sollen haben alle Schätsche, die mir bekannt sind – ja – ja – das sollen Sie wahrhaftig – bloß sprechen nicht Sie von den Geischtern, die werden böse darüber!«
Edie Ochiltree schickte sich an, noch einmal durch ein lautes Stöhnen das Gespräch zu unterbrechen, aber Lovel gebot ihm Schweigen. Dusterschieler, in seinem Grausen vor dem bösen Feinde und vor der Wut Sir Arthurs, spielte seine Veschwörerrolle herzlich schlecht, denn er hatte nicht den Mut, jene Vertrautheit und Zuversicht an den Tag zu legen, durch die allein er Sir Arthur hätte hintergehen können, weil er fürchtete, den unsichtbaren Geist, vor dem ihm grauste, zu beleidigen. Er rollte aber doch mit den Augen, murmelte und stotterte deutsche Veschwörungssprüche, verzerrte das Gesicht und verrenkte seine Gestalt – ein Gebaren, das eher aus Furcht als wohlüberlegter Betrügerei entsprang – und näherte sich endlich einer Ecke des Gebäudes, wo ein flacher Stein auf dem Boden lag, der auf der Oberfläche das Bildnis eines bewaffneten Kriegers in liegender Stellung, in Bas-Relief geschnitzt, zeigte.