»So, so!« sagte Oldbuck in jenem Tone, den man anschlägt, wenn man das Ende einer Geschichte hören will, ehe man sich dazu äußert.
»Ja, wahrhaftig,« fuhr Sir Arthur fort, »ich versichere Ihnen, ich habe scharf aufgepaßt – wir haben sehr sonderbare Geräusche gehört, die aus den Ruinen hervorklangen, das steht fest.«
»Tatsächlich?« sagte Oldbuck. »Wahrscheinlich war ein Helfershelfer darin versteckt.«
»Keine Spur,« sagte der Baron; »die Laute, obwohl greulicher und übernatürlicher Art, glichen eher dem heftigen Niesen eines Menschen – auch ein tiefes Stöhnen habe ich außerdem vernommen – und Dusterschieler versichert mir, er hat den Geist Peolphan, den gewaltigen Jäger des Nordens, gesehen.«
»Und trotz des Entsetzens, das Ihnen dieser schnupfende Kobold eingejagt hat, haben Sie die Sache durchgeführt?«
»Na, ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß ein Mann von minderwertigerem Charakter oder geringerer Ausdauer es aufgegeben hätte, aber ich dachte, es wäre alles Schwindel, und zwang Dusterschieler durch heftige Drohungen, fortzufahren in seinem Beginnen, und, Herr, der Beweis seiner Fähigkeit und seiner Ehrlichkeit ist dieser Haufen Gold- und Silbermünzen, unter denen Sie sich, wenn ich bitten darf, diejenigen Stücke aussuchen wollen, die am besten in Ihre Sammlung hineinpassen,«
»Nun, Sir Arthur, wenn Sie so gut sein wollen, so will ich nach Pinkertons Katalog den Wert feststellen, und unter der Bedingung, daß wir die einzelnen Beträge von der Rechnung in dem roten Buch abschreiben, will ich mir mit Vergnügen aussuchen...«
»Nein,« sagte Sir Arthur Wardour, »ich meine nicht, daß Sie sie als etwas anderes ansehen möchten denn als eine Gabe der Freundschaft.«
»Bitte, darf ich fragen, was diese Entdeckung Ihnen gekostet hat?«
»Etwa zehn Guineen.«
»Und dabei haben Sie etwas gewonnen, das etwa zwanzig Guineen an Geld wert ist und für solche Narren wie wir, die für Raritäten was bezahlen, noch einmal so viel wert sein mag. Das muß ich zugeben, da ist Ihnen beim ersten Versuch ein ganz verlockender Profit unter die Nase gerieben worden. Und was sollen Sie beim nächsten Mal riskieren?«
»Hundertundfünfzig Pfund. Ein Drittel der Summe habe ich ihm schon gegeben, und das übrige glaubt ich bestimmt von Ihnen geliehen zu bekommen.«
»Ich kann nicht glauben, daß dies schon der letzte Streich sein soll – dazu ist er nicht schwer genug und die Summe zu unbedeutend. Er wird uns wahrscheinlich auch diesmal noch gewinnen lassen, wie es die Bauernfänger beim Spiel machen. Sir Arthur, ich hoffe. Sie sind überzeugt, daß ich Ihnen gern einen Gefallen tue?«
»Gewiß, Herr Oldbuck, ich denke, mein Vertrauen zu Ihnen bei solchen Anlässen gestattet hierüber keinen Zweifel.«
»Na, dann lassen Sie mich mal mit Dusterschieler sprechen. Wenn das Geld zu Ihrem Nutzen und Vorteil vorgeschossen werden kann, dann sollen Sie es haben, jawohl, um der alten Nachbarschaft willen. Aber wenn ich, wie ich denke, den Schatz entdecken kann, ohne Ihnen einen solchen Vorschuß zu leisten, dann werden Sie vermutlich auch nichts dagegen haben.«
»Nicht das geringste.«
»Wo ist Dusterschieler?« fuhr der Altertümler fort.
»Daß ich Ihnen die Wahrheit sage, er ist in meinem Wagen unten, da er aber weiß, was Sie für ein Vorurteil gegen ihn hegen ...«
»Gott sei Dank, ich habe gegen keinen Menschen ein Vorurteil, Sir Arthur; gegen Systeme, nicht gegen Individuen richtet sich mein Widerwille.«
Er schellte.
»Hanne, Sir Arthur und ich lassen uns Herrn Dusterschieler empfehlen, dem Herrn in Sir Arthurs Wagen, und ersuchen um das Vergnügen, ihn hier zu sprechen.«
Es war nicht Dusterschielers Absicht gewesen, daß Herr Oldbuck in sein vermeintliches Geheimnis eingeweiht würde. Er hatte sich darauf verlassen, daß Sir Arthur den erforderlichen Geldbetrag erhalten würde, ohne daß er sich über den Zweck und die Art der Verwendung zu äußern brauchte, und wartete nun unten, um sich so bald als möglich des Geldes zu versichern, denn er sah voraus, daß er hier sein Spiel bald zu Ende gespielt haben dürfte. Aber als er vor Sir Arthur und Herrn Oldbuck gerufen wurde, faßte er sich ein Herz im Vertrauen auf seine Frechheit, von welcher Gabe ihm, wie der Leser ja schon gesehen hat, Mutter Natur eine reichliche Portion auf den Weg gegeben hatte.
Drittes Kapitel
»Wie geht es Ihnen, mein guter Herr Oldenbuck? und ich hoffe, Ihr junger Herr, der Kapitän M'Intyre, befindet sich besser? – Ach! es ist eine schlimme Geschichte, wenn junge Herren sich gegenseitig Bleikugeln in den Leib jagen.«
»Geschichten, wo es sich um Blei handelt, sind immer sehr gefährlich, Herr Dusterschieler, aber ich schätze mich glücklich, von meinem Freunde Sir Arthur zu erfahren, daß Sie sich einem besseren Gewerbe gewidmet haben und ein Goldsucher geworden sind.«
»Ach, Herr Oldenbuck, mein guter und sehr geehrter Herr Gönner hätte über die kleine Geschichte nicht ein Wort ertschählen sollen – denn wenn ich auch feste Tschuversicht hege – ja sicherlich – tschu der Klugheit, Vorsicht und Verschwiegenheit des guten Herrn Oldenbuck und tschu seiner großen Freundschaft tschum guten Sir Arthur Wardour, so ist es doch, mein Himmel! ein schwerwiegendes Geheimnis.«
»Und wiegt sogar noch schwerer als alles Metall zusammen, das wir mit seiner Hilfe finden können, fürchte ich,« antwortete Oldbuck.
»Das kommt gantsch darauf an, wieviel Glauben und Geduld Sie dem großartigen Ekschperiment entgegenbringen. Wenn Sie sich mit Sir Arthur tschusammentun wollen, der selber hundertundfunftschig Pfund hineinstecken will – sehen Sie, hier ist eine von Ihren schmutschigen Fairporter Banknoten – stecken Sie auch hundertundfunftschig Pfund in diesen schmutschigen Noten hinein, und Sie werden das pure lautre blanke Gold und Silber dafür herausbekommen, wer weiß wie viel!«
»Nicht eine Guinea für Sie,« sagte der Altertümler. »Aber hören Sie, Herr Dusterschieler, wenn wir nun, ohne noch einmal den niesenden Kobold mit irgendwelchem Räucherwerk zu belästigen, uns insgesamt auf den Weg machten und bei hellem Tageslicht und mit gutem Gewissen ans Werk gingen und weiter kein Veschwörungswerkzeug mitnähmen als ein paar derbe gute Hacken und Spaten und den Boden der Kapelle von St. Ruth ordentlich durchsuchten, von einem Ende zum andern, und so uns über das Vorhandensein dieses vermeintlichen Schatzes vergewisserten, ohne vor allen Dingen uns weitere Ausgaben zu machen – die Ruinen gehören ja Sir Arthur selber, also kann nichts dagegen eingewendet werden – meinen Sie, wir würden Erfolg haben, wenn wir die Sache in dieser Weise bewerkstelligten?«
»Bah! Nicht ein wintschiges Stücklein Kupfer werden Sie finden – aber Sir Arthur wird tun, was ihm beliebt – ich habe ihm getscheigt, wie es sich machen läßt – wie es mit Sicherheit tschu machen ist – und wie er die große Summe Geldes finden kann, die er zu seinen Unternehmungen braucht – ich habe ihm das Ekschperiment getscheigt – wenn er nicht daran tschu glauben geruht, guter Herr Oldenbuck, so ist es nichts für Hermann Dusterschieler – er büßt nur das Gold ein und das Silber – das is alles.«
Sir Arthur Wardour warf einen eingeschüchterten Blick auf Oldbuck, der besonders, wenn er anwesend war, trotz ihrer häufigen Meinungsverschiedenheit einen großen Einfluß auf das Urteil des Barons hatte. Sir Arthur fühlte, was er freilich nicht gern eingestanden hätte, daß sein Geist dem des Altertümlers überlegen war. Er achtete ihn als einen klugen, scharfsinnigen, sarkastischen Mann, fürchtete sich vor seiner satirischen Ader und hatte Zutrauen zu der allgemeinen Vernünftigkeit seiner Ansichten.
Er sah ihn daher an, als wollte er ihn vorher um Nachsicht bitten, ehe er sich seiner Leichtgläubigkeit überließe. Dusterschieler erkannte, daß ihm sein auf den Leim gegangener Gimpel entgehen würde, wenn er nicht auf den Ratgeber des Barons einen günstigen Eindruck machen könne.