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Ihr sehr ergebner und untertäniger Diener Gilbert Grünhorn.«

»Schön gesagt, Herr Grünhorn,« sagte Monkbarns. Ich sehe jetzt, es ist ganz vorteilhaft, wenn zwei Anwälte eine Firma haben. Ihr Verhalten gleicht dann dem des Männchens und des Weibchens in einem deutschen Wetterhäuschen. Wenn der Klient schönes Wetter hat, kommt der Herr heraus und wedelt mit dem Schweif wie ein Wachtelhündchen; wenn es schlechtes Wetter ist, kommt der andre Partner heraus und bellt wie ein Bullenbeißer. »Na, da dank' ich doch Gott, daß mein Geschäftsführer noch immer seinen Dreispitz trägt, ein Haus in der Altstadt hat, sich vor einem Pferde ebenso grault wie ich, Sonnabends mal Golf spielt, Sonntags mal in die Kirche geht und, weil er keinen Partner hat, nur für sich um Entschuldigung zu bitten hat, wenn er mal 'ne Dummheit macht.«

Rasch war ein Tisch gedeckt, und die Gesellschaft nahm zu fröhlichem Mahle Platz, selbst Ochiltree bekam einen Seitenplatz in einem großen ledernen Armstuhl.

»Was liest du so eifrig in der Zeitung, Hektor?« fragte im Laufe der Mahlzeit der Altertümler seinen Neffen. »Steht was Wichtiges drin?«

»Nichts Besonderes.« erwiderte dieser. »Aber mein Arm ist nun wieder so gut wie heil, und ich werde dich nun bald von meiner Gesellschaft befreien und in wenigen Tagen nach Edinburgh gehen. Ich lese, daß Major Neville dort angelangt ist. Ich möchte ihn gern sehen.«

»Was für ein Major?« fragte sein Oheim.

»Major Neville, Onkel,« antwortete der junge Soldat.

»Und wer ist dieser Major Neville?« fragte der Altertümler.

»O, Herr Oldbuck,« sagte Sir Arthur, »Sie müssen doch oft in der Zeitung von ihm gelesen haben – ein ausgezeichneter junger Offizier. Aber ich sehe zu meiner Freude, daß Kapitän M'Intyre nicht von Monkbarns weg muß, um ihn zu sehen, denn wie mir mein Sohn schreibt, kommt er mit dem Major nach Knockwinnock, und ich brauche nicht zu sagen, wie glücklich ich mich schätzen werde, die jungen Herren miteinander bekannt zu machen – sofern sie allerdings nicht schon miteinander bekannt sind.«

»Nein, nicht persönlich,« antwortete Hektor, »aber ich habe schon viel von ihm gehört.«

»Haben Sie denn,« warf Edie ein, »noch nicht gehört, daß die Franzosen kommen sollen?«

»Die Franzosen, du Schafskopf?« versetzte Oldbuck. »Bah!«

Dies gab dem Gespräch eine neue Wendung und brachte sie auf die Vaterlandsverteidigung und auf die Pflicht, für das Land, in dem man lebt, zu kämpfen. Dann aber war es Zeit, auseinanderzugehen. Der Altertümler und sein Neffe schieden von Knockwinnock mit den wärmsten Ausdrücken gegenseitiger Wertschätzung und traten den Heimweg an.

Dreiundzwanzigstes Kapitel

Am folgenden Morgen stand der Altertümler zeitig auf, und da der alte Caxon sich noch nicht eingestellt hatte, seit er anläßlich der befürchteten französischen Invasion als Leuchtturmwärter in Fairport bestellt worden war, so begann er, das Geschwätz und die kleinen Klatschereien, die der Friseur ihm sonst immer hinterbrachte, allmählich zu vermissen. Indessen machte das Erscheinen Edie Ochiltrees ihm diese Entbehrung weniger schmerzlich. Mit dem Gebaren eines Mannes, der sich ganz zu Hause fühlt, kam der Bettler an den zugestutzten Taxushecken herangeschlendert. Er war in der letzten Zeit so oft gekommen, und alles hatte sich so sehr daran gewöhnt, ihn fast wie zur Familie gehörig anzusehen, daß selbst Juno ihn nicht anbellte, sondern sich damit begnügte, ihn mit scharfen, wachsamen Blicken zu verfolgen. Der Altertümler trat im Schlafrock hinaus und empfing und erwiderte den Gruß des Alten.

»Nun kommen sie aber in allem Ernst, Monkbarns. Eben komm' ich von Fairport, um Ihnen die Nachricht zu überbringen. Gleich will ich wieder weg. Die ›Suche‹ ist in die Bai gekommen – und wie es heißt, ist sie von einer französischen Flotte verfolgt worden.«

»Die ›Suche‹?« sagte Oldbuck und sann einen Augenblick nach. »Oho!«

»Ja doch, die ›Suche‹ – Kapitän Taffrils Brigg.«

»Was! Eine Verwandte wohl mit ›Suche No. I‹ – wohl gar ›Suche No. II‹, was?« fragte Oldbuck, und der Name des Schiffes schien in den geheimnisvollen Schatzfund Licht zu bringen.

Der Bettler hielt, wie einer, der über einem launigen Streich ertappt wird, den Hut vors Gesicht und lachte aus vollem Halse.

»Der Teufel steckt in Ihnen, Monkbarns. – Sie kommen doch auch hinter alle Schliche. Wer hätte auch meinen mögen, daß nun dieser Name Sie auf die Spur brächte? – Na ja, nun bin ich entdeckt und entlarvt.«

»Jetzt ist mir alles klar,« sagte Oldbuck, »so klar, wie die Inschrift auf einer gut erhaltenen Münze. Die Kiste, in der das Metall gefunden wurde, gehörte zu dem Kanonenboot, und der Schatz gehörte meinem Phoenix.« (Edie nickte zustimmend.) – »Und ist dort vergraben worden, damit Sir Arthur in seiner bedrängten Lage Hilfe finden sollte?«

»Von mir und zweien von der Mannschaft der Brigg ist sie vergraben worden. Aber die Leute haben nicht gewußt, was drin war,« sagte Edie, »und dachten, es wäre so ein bißchen was Gepaschtes von ihrem Kapitän. Ich habe Tag und Nacht aufgepaßt, bis ich sie in den richtigen Händen sah; und als dieser deutsche Satan den Deckel der Kiste so anstarrte, da hat mir's, glaub ich, ein schottischer Teufel eingegeben, ihm diesen Streich zu spielen. – Na nun sehen Sie, daß ich dem Amtmann Kleinhans nicht mehr habe sagen können, denn Herr Lovel wäre sehr böse gewesen, wenn ich sein Geheimnis ans Licht gebracht hätte. – Da dachte ich denn, lieber läßt du das Schlimmste über dich ergehen!«

»Ich muß sagen, er hat sich seinen Vertrauensmann gut zu wählen gewußt,« sagte Oldbuck.

»Wenn es sich darum handelt, Monkbarns,« antwortete der Bettler, »jemand Silber anzuvertrauen, so bin ich freilich, das kann ich wohl selber sagen, der geeignetste Mann im ganzen Lande. Denn ich kann Silber nicht brauchen, trage kein Verlangen danach und wüßte auch nichts damit anzufangen, wenn ich's hätte. Aber dem guten Jungen blieb auch keine große Wahl übrig, denn er dachte damals, er müßte für immer aus dem Lande. Darin hat er sich ja nun allerdings geirrt. Es war bereits Nacht geworden, als wir durch einen seltsamen Zufall von Sir Arthurs schwerer Notlage Kenntnis erhielten, und Lovel mußte bei Tagesgrauen an Bord der Brigg gehen. Aber fünf Nächte später ging die Brigg wieder in der Bucht vor Anker, und es war verabredet worden, daß ich dort auf das Boot warten sollte. Und da haben wir dann den Schatz dort vergraben, wo er gefunden worden ist.«

»Das war ein recht romantisches, fast törichtes Unternehmen,« sagte Oldbuck. »Warum habt Ihr Euch nicht mir oder einem andern Freunde anvertraut?«

»Das Blut vom Sohne Ihrer Schwester,« versetzte Edie, »war an seinen Händen, vielleicht konnte Ihr Neffe gar tödlich getroffen sein – wie hätte er da Zeit haben sollen, jemand um Rat zu fragen? – und wie hätte er sich gar an Sie wenden sollen?«