Выбрать главу

»Da habt Ihr allerdings recht. – Wenn aber Dusterschieler euch beiden zuvorgekommen wäre?«

»Wir brauchten wohl kaum zu befürchten, daß er ohne Sir Arthur dorthin gekommen wäre. Er wußte recht gut, daß er den ersten Fund selber dort angelegt hatte. Wie hätte er da auf einen zweiten rechnen sollen? Er machte nur so viel Geseires davon, damit er Sir Arthur nur desto besser rupfen konnte.«

»Wie hätte aber Sir Arthur dorthin kommen sollen,« sagte Oldbuck, »wenn der Deutsche ihn nicht hingeführt hätte?«

»Hm!« machte Edie trocken. »Ich hatte mir schon so eine Geschichte von Schwarzrock zurecht gelegt, da wären sie beide sofort drauf reingefallen. Außerdem war bestimmt anzunehmen, daß er nochmal dorthin gehen würde, wo er das erste Silber gefunden hatte – das Geheimnis kannte er ja nicht. Kurz, das Silber war gefunden wurden – Sir Arthur befand sich in größter Bedrängnis, und Lovel war entschlossen, ihn nie wissen zu lassen, wer ihm geholfen habe. – Das war seine allergrößte Sorge – und obwohl wir lange hin und her überlegten, konnten wir kein besseres Mittel finden, ihm den Schatz in die Hände zu spielen. Wenn durch einen queren Zufall Dusterwühler seine Klauen draufgelegt hätte – dann hätte ich sofort Sie oder den Sheriff in die ganze Geschichte eingeweiht.«

»Trotz all dieser weisen Vorsichtsmaßregeln habt ihr mit euerm Komplott doch mehr Glück gehabt, als es in seiner Plumpheit verdient hätte, Edie. Aber wie zum Kuckuck ist Lovel zu einer solchen Masse von Silberbarren gekommen?«

»Das kann ich Ihnen nun allerdings nicht sagen, aber das Metall ist mit seinen Sachen aus Fairport an Bord gebracht worden, und wir haben es in einer der Munitionskisten von der Brigg verstaut, damit es versteckt sein und sich besser transportieren lassen sollte.«

»Liebe Güte!« sagte Oldbuck und dachte zurück an den Anfang seiner Bekanntschaft mit Lovel; »und für diesen jungen Mann, der Hunderte bei einem so schnurrigen Versteckspiel riskiert, habe ich die Fähre bezahlt! – Es soll aber auch das erste und letztemal gewesen sein, daß ich für irgendwen die Fähre bezahle. – Und so habt Ihr wohl in ständigem Verkehr mit Lovel gestanden?«

»Ein paar Zeilen bekam ich von ihm mit der Mitteilung, daß – als wie gestern – ein Paket in Tannonburgh sein würde mit Briefen, die für die Leute von Knockwinnock von größter Wichtigkeit wären. Denn über Fairport wollten sie die Sendung nicht gehen lassen, weil sie fürchteten, der Brief könnte dort auf dem Postamt aufgemacht werden. Und das ist wahr, denn es steht fest, daß der Frau Briefbeutel die Postagentur weggenommen wird, weil sie sich um andrer Leute Sachen gekümmert hat und nicht um ihre eignen. Aber froh war ich doch, wie ich aus dem Gefängnis herauskam. Denn ich dachte, wenn nun der Brief ankommt, und ich sitze nun hier eingeschlossen wie eine Auster, und alles sollte deswegen schief gehen? Und schon dachte ich, ich sollte alles bekennen und Ihnen alles verraten – aber auch das konnt' ich nicht gut, weil ich da doch Herrn Lovels direkten Weisungen zuwider gehandelt hätte. Ich vermute, er hat in Edinburgh erst noch mit irgendwem zusammentreffen müssen, ehe er für Sir Arthur hat tun können, was er sich vorgenommen hatte.«

»Na, und Eure Neuigkeiten aus der großen Welt? Also kommen sie wirklich, Edie?«

»So sagen die Leute, Herr, und es sind auch. Befehle angekommen, daß die Bürgerwehr sich bereit halten soll – ein kluger junger Mann käme, um unsere Verteidigungsmittel zu besichtigen. – Aber wie wird's denn nun mit meiner Gerichtssache werden?«

»Ich habe heute früh einen Brief bekommen, aus dem hervorgeht, daß der Schuft die gegen Euch erhobenen Beschuldigungen zurücknimmt, und er erklärt sich bereit, Enthüllungen zu machen, auf Grund deren sich die Angelegenheiten Sir Arthurs leichter glatt machen ließen, als wir fürchteten – so schreibt der Sheriff. Er hat, setzt er hinzu, der Regierung wichtige Eröffnungen gemacht, auf welche hin der Schurke in seine Heimat geschickt werden soll, um dort abgeurteilt zu werden.«

»Und die guten Maschinen alle und die Räder und Gruben und Schachten unten in Glen-Withershin – was soll, daraus werden?« fragte Edie.

»Ich hoffe, die Arbeiter werden, ehe sie auseinandergehen, ein ordentliches Freudenfeuer anstecken, wie eine Armee ihre Artillerie vernichtet, wenn sie eine Belagerung aufzugeben gezwungen ist. Und die Gruben, Edie, die können als Rattenlöcher dienen, denn sobald wird wohl niemand wieder auf solchen Humbug hereinfallen.«

»Du liebe Güte, Herr, die Maschinen verbrennen! Das ist doch jammerschade und heißt doch das Geld mit Fäusten wegwerfen. Wär's nicht besser, wenn Sie versuchten, die Dinger zu versteigern und Ihre hundert Pfund auf diese Weise wieder herauszuholen?« fuhr er fort im Tone geheuchelten Beileids.

»Nicht einen Heller!« sagte der Altertümler verdrossen, wandte sich von ihm und tat ein paar Schritte. »Geht ins Haus, Edie, und beherzigt, was ich Euch rate: sprecht mir nie wieder von Bergwerken.«

»Ich muß nach Fairport zurück,« sagte der Landstreicher. »Ich muß hören, was die Leute über die Invasion sagen. Aber ich will dran denken, was Eure Ehren mir gesagt haben. Hätte doch nicht gedacht,« setzte er mit erkünsteltem Erstaunen hinzu, »daß Sie so empfindlich wären – meinte immer, Sie hätten bloß zwei schwache Stellen: das Praetorium da drüben und den alten Dreier, den Sie sich für 'ne antike Münze haben andrehen lassen.«

»Ach was! Ach was!« machte der Altertümler, wandte sich rasch von ihm ab und ging ins Haus.

Vierundzwanzigstes Kapitel

Der Leuchtturmwärter – niemand anders als der alte Caxon – hatte sich den Gedanken an die nahe bevorstehende Hochzeit seiner Tochter hingegeben und freute sich schon auf seine Würde als Schwiegervater des Leutnant Taffril. Dabei lugte er ab und zu nach dem Signalposten aus, mit dem er Verbindung halten sollte. Er rieb sich die Augen, sah wieder hin und sah nun ein Licht, das näher und näher kam. –

»Der Herr behüte uns!« rief Caxon. »Was ist nun zu tun? Aber die Frage mögen weisere Leute entscheiden – ich will nur das Feuer anstecken.«

Und er tat es, und die lange, flackernde Lohe stieg zum Himmel, schreckte die Seevögel aus ihren Nestern und warf einen Glutschein weithin über die wogende See. Die Kameraden Caxons waren ebenso wachsam auf ihren Posten, sahen das Signal und gaben es weiter. Auf Vorgebirgen, Klippen und Hügeln flammten die Feuer auf, und der ganze Distrikt wurde alarmiert und mobil gemacht.

Wer je eine solche Szene mitangesehen hat, kann allein sich vorstellen, was für ein Leben und Treiben in Fairport herrschte. Die Fenster erstrahlten von hundert Lichtern, die rasch erschienen und verschwanden und die Verwirrung im Innern der Häuser erkennen ließen. Die Weiber der geringern Klasse versammelten sich lärmend auf dem Marktplatz. Die Yeomen kamen aus ihren verschiedenen Tälern und galoppierten durch die Straßen, einige einzeln, andere truppweis zu fünfen bis sechsen, wie sie sich unterwegs zusammengefunden hatten.

Die Trommeln und Pfeifen der Freiwilligen riefen zu den Waffen, übertönt von den Stimmen der Offiziere, dem Schall der Hörner und dem Läuten der Glocken, die im ganzen Sprengel erklangen. Die Schiffe im Hafen waren erleuchtet, und von den Schiffen stießen Boote ab, die Mannschaften und Kanonen an Land brachten zur Unterstützung und Verteidigung der Stadt. Das Gewirr und Getöse wurde größer und größer. Diesen Teil der Rüstungen leitete Leutnant Taffril mit großer Umsicht und Emsigkeit. Zwei bis drei leichte Schiffe hatten bereits die Anker gelichtet und gingen in See, um den erwarteten Feind zu suchen und zu signalisieren.

So allgemein war die Verwirrung, als Sir Arthur Wardour, Oldbuck und Hektor unter mancherlei Schwierigkeiten in dasjenige Viertel der Stadt den Weg sich bahnten, in welchem das Gemeindeamt lag. Es war ganz erleuchtet, und die Obrigkeit mit vielen Adelsherren der Umgegend war bereits versammelt.