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Als man sich der Pflichten gegen Earnscliff durch freundlichen Willkommen entledigt und Weisung gegeben hatte zur Herrichtung des Abendtischs, kam Hobbie an die Reihe, gegen den von der Urahn sowohl wie von den Schwestern ein spöttisches Kleingewehrfeuer wegen seines mäßigen Jagdglückes eröffnet wurde.

»Für das bißchen Wildpret, das Hobbie mit heim gebracht hat, brauchte Jenny wahrlich das Küchenfeuer nicht in Glut zu halten!« sagte die eine der Schwestern.

»Die glimmende Torfasche hätte, ein bißchen derb angeblasen, wohl ausgereicht, um Hobbies Wildpret gar zu rösten,« meinte eine andre.

»Ein Lichtstumpf, in den der Wind sich gesetzt hatte, möchte es wohl auch getan haben!« bemerkte eine dritte; »ich an seiner Stelle hätte mich doch noch mit einer Krähe oder Dohle dick getan, statt mich dreimal ohne Hirschgeweih nach Hause zu trollen!«

Hobbie blickte von der einen zur andern, die Stirne runzelnd und schelmisch dabei lächelnd. Er suchte sogar dadurch, daß er des Geschenks Erwähnung tat, das ihm sein Kamerad machen wollte, bei den Frauen eine günstigere Meinung von sich zu wecken.

»Als ich jung war,« mischte die alte Dame sich in das Gespräch, »hätte sich jeder Mann geschämt, der nicht, einem Krämer gleich, der mit Kalbfellen handelt, mit einem Rehbock auf jeder Pferdseite nach Haus gekommen wäre.«

»Wenn uns die Jäger früherer Jahre bloß noch Wild übrig gelassen hätten,« versetzte Hobbie; »aber Eure Altersgenossen haben, wie mir scheint, ratzekahl damit aufgeräumt!«

»Du siehst aber doch, Hobbie,« meinte die älteste Schwester mit einem Seitenblick auf Earnscliff, »daß andre Leute Wild finden! So unmöglich, wie Ihr es darstellen wollt, ist's doch wohl nicht!«

»Schon gut, Mädel! Schon gut!« rief Hobbie lachend, »hat denn nicht jeder Hund seinen guten Tag? ... Mag mir Earnscliff nicht übel nehmen, daß ich das alte Sprichwort zitiere! ... Kann ich nicht ein andermal sein Glück und er mein Pech haben? Den ganzen Tag auf den Beinen und auf dem Heimwege von Kobolden heimgesucht zu werden, ist kein Spaß, auch für einen Mann nicht; über sich dann abends noch von Weibsvolk aufziehen und ausschelten zu lassen, das den ganzen Tag nichts weiter zu tun hat als die Spindel zu drehen oder ein paar Lumpen zu flicken, das kann einem erst recht nicht passen!«

»Von Kobolden heimgesucht!« riefen wie aus einem Munde Urahn, Mädchen und Mägde; denn damals spielten in Schottlands Tälern und Schluchten Gespenster eine gar wichtige Rolle, wie schließlich wohl auch heute noch!

»Nun, ein Kobold war es wohl nicht grade, was uns an der granitnen Säule in den Weg kam! Ihr habt's ja auch gesehen, Earnscliff, so gut wie ich!«

Und nun erzählte er, ohne zu übertreiben, wie er zu erzählen gewohnt war, die Begegnung mit dem geheimnisvollen Wesen im Mucklestane-Moor, und als er auserzählt hatte, da setzte er noch bei, was es hätte sein können, das er gesehen, wisse er nicht zu sagen, außer daß er vermute, wenn es der böse Feind nicht selbst gewesen, so könne es wohl bloß einer von den alten Pikten gewesen sein, die vor langer, langer Zeit des Landes Herren waren.

»Einer von den alten Pikten!« widerholte die Urahn; »nicht doch, nicht doch! Gott halte seine Hand über dich, mein Kind! Ein Pikte war das nicht, das war das braune Moormännchen! Daß Unglück komme über die böse Zeit! Wie kann es geschehen, daß böse Wesen erscheinen zur Qual unsers armen Landes, wo sich ja jetzt alles in Ruhe und Frieden befindet und in Liebe lebt unter dem Schutze des Rechts? O daß Unglück über ihn komme! Nimmer brachte er Gutes dem Land und seinen Bewohnern. Mein Vater hat mir oft erzählt, daß das Moorgespenst gesehen wurde im Jahre der blutigen Schlacht von Marston-Moor, und dann wieder bei den Unruhen des Marquis von Montrose, und vor der schweren Niederlage von Dunbar, und meiner Lebtage, als die Schlacht an der Bothwellbrücke geschlagen wurde. Auch sagt man, daß der Laird von Benarbuck mit der Prophetengabe, kurz vor der Landung des Herzogs von Argyle, eine Zeitlang mit ihm Unterredungen gepflogen hätte. Allein darüber kann ich nichts Genaues sagen; denn es ist geschehen im fernen Westen. Ach, Kinder, das graue Moormännchen darf nie erscheinen außer in schlimmer Zeit. Drum bete ein jedes von euch zu Ihm, dem Allmächtigen, der allein helfen kann zur Zeit der Wirrsal und Bedrängnis!«

Jetzt mischte Earnscliff sich ein, um seiner festen Überzeugung Ausdruck zu geben, daß die Person, die er gesehen habe, ein armer, mit Wahnsinn geschlagener Mensch gewesen sei, der keinen Auftrag aus der unsichtbaren Welt besessen habe, Krieg oder Unheil zu künden. Aber seine Meinung fand keine willigen Ohren; es vereinigten sich vielmehr alle in der inständigen Bitte, er möge seine Absicht, am folgenden Tage zu dem Platze zurückzukehren, fallen lassen.

»O, mein liebes Kind,« nahm die Urahn wieder das Wort, die in ihrer Herzensgüte das Elternwort für alle brauchte, zu denen sie Liebe fühlte, »Ihr solltet Euch mehr schonen als andere! Denn Euer Haus hat schwerer Verlust betroffen durch Eures Vaters vergossenes Blut und durch Prozesse, auch sonst mancherlei Schaden gelitten! Ihr seid die Blume der Herde, das junge Reis, das den alten Stamm wieder aufrichten soll, und eine Feste für alle die Euren! Ihr vor allem habt Ursache, Euch zu hüten vor Abenteuern; war doch Euer Geschlecht immer verwegen und kühn und ist doch deshalb viel Unglück über Euch gekommen!«

»Aber, meine liebe Urahn und Freundin! Daß ich mich fürchten soll am hellen Tage ins offene Moor zu gehen, das wollt doch auch Ihr nicht!«

»Ich weiß nicht,« lautete die Antwort der wackern alten Frau, »ich würde nimmer einem Sohn von mir oder einem Freunde von mir raten, die Hand von einer guten Sache zu ziehen, gleichviel ob es die eigene sei oder die eines Freundes. Zu dergleichen würde ich niemals auffordern, so wenig wie sonst wer aus edlem Geschlecht! Aber ein graues Haupt wie das meine kann sich des Gedankens nicht erwehren, daß es wider das Gesetz sei und wider die Heilige Schrift, wenn jemand ausgeht, Böses zu suchen, mit dem er nichts zu schaffen hat!«

Earnscliff sah, daß ihm keine Hoffnung winke, der Ansicht, die er von dem Vorfall hatte, andere teilhaftig zu machen. Drum verzichtete er auf weitere Erörterung hierüber. Zudem machte das Herrichten des Abendtisches der Unterhaltung ein Ende. Inzwischen war auch Grace in die Stube getreten. Hobbie führte sie zum Tische hin und setzte sich neben sie, nicht ohne einen bezeichnenden Blick auf seinen Kameraden zu werfen. Auf die Wangen der jungen Dirnen führte die Lustigkeit, die wieder einkehrte, und die muntere Unterhaltung, an der die Urahn mit jenem Frohsinn sich beteiligte, der dem Greisenalter so wohl ansteht, die Rosen wieder, die des Bruders Spukgeschichte verscheucht hatte; und eine ganze Stunde lang nach dem Essen wurde von dem jungen Volk in der großen Hausstube getanzt und gesungen, als ob es Kobolde in der ganzen großen Welt nicht gebe.

Viertes Kapitel

Am andern Morgen nach dem Frühstück verabschiedete sich Earnscliff von seinen gastfreundlichen Bekannten, mit dem Versprechen, sich zu dem Wildpretschmause, zu dem er seine Jagdbeute gespendet, pünktlich einzufinden.