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»Ein schöner »Schön Dank«, Earnscliff, den wir dafür erhalten, daß wir dem Teufel ein Tabernakel aufrichten halfen und unsre eignen Seelen dadurch in Gefahr setzten! Denn wissen wir, was hier im Schwange ist?«

»Unsere Gegenwart steigert, scheint mir, seine Raserei,« versetzte Earnsliff; »es wird richtiger sein, wir lassen ihn allein und schicken jemand her mit Speise und Trank und was ihm sonst vonnöten!« So taten sie. Der Dienstbursch, den sie sandten, fand wohl den Zwerg, der noch immer an seinem Steindamm arbeitete, aber es gelang ihm nicht, dem seltsamen Wesen das geringste Wort zu entwinden. Im Aberglauben des Landes befangen, gab sich der Bursch keine Mühe weiter, dem Zwerg Rat oder Hilfe aufzudrängen, sondern legte, was er hergetragen, in einiger Entfernung auf einen Stein nieder, dem Menschenhasser zur Verfügung.

Tag für Tag setzte der Zwerg sein Werk fort mit einer Emsigkeit, die fast übermenschlich erschien. An einem Tage vollbrachte er oft die Arbeit von zwei Männern. Bald gewann sein Bau die Umrisse einer Steinhütte, von zwar kleinem Umfange, aber zufolge des verwandten Materials ungewöhnlicher Festigkeit, trotzdem die Fugen, statt mit Mörtel, bloß mit Rasen verstopft waren. Earnscliff, der das Treiben des Zwerges aufmerksam verfolgte, hatte den Zweck, den derselbe verfolgte, kaum erkannt, als er ihm Balken, zum Dache geeignet, ins Moor hinaussandte. Aber seiner Absicht, ihm an andern Tage Zimmerleute zu senden, die ihm helfen sollten, das Dach aufzurichten, kam der Zwerg zuvor, indem er die ganze Nacht hindurch bis zum frühen Morgen mit solcher Anspannung aller Kräfte und so raffinierter Ausnützung aller verfügbaren Mittel arbeitete, daß die Dachsparren fast sämtlich gelegt waren, als Earnscliff am Morgen sich einfand.

Nun schnitt er Binsen im Moor als Füllmaterial für die Zwischenräume zwischen den Sparren, eine Aufgabe, die er mit großer Gewandtheit vollbrachte. Da er von fremder Hilfe nichts wissen mochte, den gelegentlichen Beistand von Leuten, die der Weg vorbeiführte, ausgenommen, beschränkte sich Earnscliff darauf, ihm geeignetes Material zu besorgen, das er im Moore nicht finden konnte, und Werkzeug, in dessen Gebrauch er sich äußerst geschickt zeigte. So zimmerte er sich Tür und Fenster und eine Bettstatt, auch Gesimse an den Wänden. Mit der Mehrung seiner Bequemlichkeit schien seine Bitternis zu schwinden.

Nun zog er einen Zaun um die Steinhütte, trug Dammerde herbei und fing an das eingezäunte Stück Land zu bebauen. Selbstverständlich muß bei dem allen die Voraussetzung gelten, daß, wie schon bemerkt wurde, dieser einsiedlerische Zwerg gelegentlich Beistand erhielt von Leuten, die ihr Weg über das Moor führte oder Neugierde herbeilockte. Wer eine menschliche Gestalt, beim ersten Anblick so wenig geeignet für solch schwere Arbeit, mit solch unverdrossenem Eifer bei solch seltsamem, aber tüchtigem Werke sah, konnte nicht anders als stehen bleiben und zusehen und Beihilfe anbieten oder versuchen. Da aber anderseits niemand von solcher Beihilfe anderer etwas sah oder hörte, ging dem schnell fortschreitenden Werke an Wunderbarkeit nichts verloren. Aber nicht bloß das Werk selber, sondern auch die überlegene Geschicklichkeit, die der Zwerg in allen mechanischen Fertigkeiten an den Tag legte, weckte bei den anwohnenden Nachbarn Argwohn, daß es bei all diesem Treiben nicht mit rechten Dingen zugehe. Allgemein hieß es, wenn der Zwerg kein Kobold sei – denn seit man wußte, daß er ein Wesen von Fleisch und Bein sei, fiel solche Meinung von selber – so könne es doch nicht anders sein, als daß er in enger Beziehung zur unsichtbaren Welt stände und sich solch abgelegenen Platz ausgesucht habe, um den Verkehr mit Geistern ungestört pflegen zu können. Weiter hieß es, wenn auch in anderm Sinne als Philosophen den Satz anwenden: daß der Zwerg niemals weniger allein sei als wenn er allein sei; denn von den Höhen um das Moor herum hätten Vorübergehende zuweilen mit diesem Bewohner der Einöde eine Gestalt arbeiten sehen, die stets verschwinde, sobald sich jemand der Hütte nähere. Man hätte die Gestalt auch mit ihm zusammen an der Tür sitzen, im Moore wandern, auch ihm beim Quell Wasser tragen helfen sehen. Earnscliff war der Meinung, was solche Leute gesehen haben wollten, sei bloß der Schatten des Zwerges gewesen. Aber Hobbie Elliot war der Meinung nicht.

»Den Teufel von Schatten hat er,« meinte dieser ungläubige Thomas, der ganz auf seiten der allgemein herrschenden Spukansicht stand, »viel zu tief hat er sich eingelassen mit dem Gottseibeiuns, daß er noch einen Schatten haben könnte. Hat denn übrigens,« folgerte er zutreffend, »jemals jemand von einem Schatten gehört, der zwischen Körper und Sonne tritt? Mag es sein was es wilclass="underline" soviel steht fest, daß es dünner war und länger als der Körper selber und daß es mehr denn einmal zwischen dem Körper und der Sonne gesehen worden ist.«

Solcher Argwohn, der zu damaliger Zeit in anderm Landesteile Ursache zu Verfolgung und Prozeß von bedenklichem Ausgang hätte werden können, weckte hier bloß ehrfürchtige Scheu. Zeichen hierfür bei Leuten, die ihr Weg zufällig vorbeiführte, ängstliche Blicke, auf seine Person und Hütte geheftet, eilige Schritte, um rasch aus der Nähe solcher Örtlichkeit zu gelangen, schienen dem zwerghaften Wesen nicht unangenehm zu sein. Nur wer Mut im Leibe hatte, wagte es, seine Neugier durch einen hastigen Blick über den Gartenzaun zu stillen, und wenn er merkte, daß ihn der Zwerg gesehen, einen bescheidenen Gruß zu sprechen, den dieser dann, wenn er nicht grade zu knurrig war, durch ein Nicken oder ein Wort erwiderte. Aber in ein Gespräch mit ihm zu kommen, erwies sich als unmöglich, über seine Verhältnisse sowohl wie über irgendwelchen Gegenstand sonst, trotzdem sein Menschenhaß an Wildheit nachgelassen zu haben schien, auch die Wahnsinnsanfälle, aus seinem Menschenhaß entspringend, minder häufig aufzutreten pflegten. Nie konnte ihn Earnscliff, der selten über das Moor ging, ohne sich nach dem einsamen Bewohner desselben zu erkundigen, überreden zur Annahme anderer als solcher Dinge, die für die einfachsten Bedürfnisse reichten. Und nicht bloß von Earnscliff, sondern auch anderen Nachbarn – von Earnscliff aus Barmherzigkeit und Mitleid, von den andern aus abergläubischer Furcht – wurden ihm Gaben weit über seine Bedürfnisse geboten. Für die Gaben der Nachbarn dankte er durch ärztlichen Rat, wenn solcher, für Mensch und Vieh, bei ihm eingeholt wurde: und den Zwerg als nützlichen Arzt in Anspruch zu nehmen, bürgerte sich mit der Zeit in der ganzen Gegend ein. Zumeist half er den Leuten selber durch Arzneien aus, er schien nicht allein Arzneien zu haben, aus Kräutern des Landes destilliert, sondern auch solche fremdländischen Ursprungs. Leuten, die zu solchem Zweck in seiner Hütte vorsprachen, bedeutete er, daß er Elshender der Klausner heiße; im Volksmunde aber hieß er der kluge Elshie oder der Weise vom Mucklestane-Moor.

Manche baten ihn auch um Auskunft in andern als ärztlichen Dingen und auch hierin bewies er sich als scharfsinniger Berater, eine Eigenschaft, die die Meinung von seinen übernatürlichen Fähigkeiten verstärken mußte. Als Lohn für solchen Rat wurde gemeinhin auf einen Stein ein Stück weit von der Hütte eine Gabe niedergelegt. Bestand sie in Geld oder Dingen, die er nicht mochte, so warf er sie weg oder ließ sie, ohne sie zu benützen, einfach liegen. Er war und blieb der grobe, ungesellige Patron, wie er Earnscliff und Hobbie das erste Mal gegenüber getreten war. Kein Wort weiter nahm den Weg über seine Lippen, als notwendig war, seine Meinung auszudrücken. Jede Silbe zuviel war ihm ein Greuel. War der Winter vorbei, so beschränkte er sich auf die Kräuter und Gemüse als Nahrung, die ihm sein Garten brachte. Ein paar Ziegen, die er auf dem Moore weiden ließ und die ihn mit Milch versorgten, nahm er aber von Earnscliff an.