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»O Gott, Herr Franz! – lieber Himmel! daß ich je diesen Tag erleben mußte! – Und ein so junger Herr! Ums Himmels willen, seht auf beide Seiten der Rechnung. Bedenkt, was Ihr aufs Spiel setzt – ein stattliches Vermögen – eines der besten Häuser in der Altstadt, Mitinhaber der alten Firma Tresham und Trent, jetzt Osbaldistone und Tresham. Ihr könnt Euch in Gold wälzen, Herr Franz! – Und, lieber, junger Herr Franz, ist irgend etwas in dem Geschäft des Hauses, was Euch nicht gefällt, ich will es (mit leiserer Stimme fortfahrend) für Euch in Ordnung bringen, vierteljährig, wöchentlich, täglich, wenn Ihr wollt. Bester Herr Franz, ehret Euern Vater, damit Ihr lange lebet im Lande!«

»Ich bin Euch sehr verbunden, Herr Owen,« sprach ich – »gewiß recht sehr verbunden; allein mein Vater weiß am besten, wie er sein Geld anzuwenden hat. Er spricht von einem meiner Vettern – laßt ihm mit seinem Vermögen machen, was ihm gefällt, ich werde nie meine Freiheit für Gold verkaufen.«

»Gold, Herr! Ich wollte, Ihr hättet die Bilanz des Gewinns beim letzten Abschlusse gesehen. Es waren fünf Ziffern, – fünf Ziffern für jedes Teilnehmers Hauptsumme. Und dies alles sollte an einen Papisten kommen, einen Tölpel aus einer nördlichen Provinz? Es wird mir das Herz brechen, Herr Franz, und ich habe mehr gearbeitet wie ein Hund als wie ein Mensch, und alles aus Liebe zur Firma.«

In diesem Augenblick trat mein Vater wieder ins Zimmer.

»Ihr hattet recht, Owen,« sprach er, »und ich, hatte unrecht. Wir wollen uns mehr Zeit nehmen, über die Sache nachzudenken. Junger Mann, Du magst Dich vorbereiten, mir über diesen wichtigen Gegenstand heut in vier Wochen eine Antwort zu geben.«

Ich verbeugte mich schweigend, genugsam erfreut über einen Aufschub, der mir einige Milderung der väterlichen Entschließung anzudeuten schien.

Die Zeit der Prüfung ging langsam, unbezeichnet durch irgend einen Vorfall, vorüber. Ich ging und kam und wendete meine Zeit an, wie mirs gefiel, ohne Frage oder Tadel von seiten meines Vaters. Wirklich sah ich ihn selten außer bei Tische, wo er sorgfältig eine Erörterung vermied, die ich, wie sich denken läßt, nicht herbeizuführen suchte. Wir sprachen über Tagesneuigkeiten oder andre allgemeine Gegenstände, wie Fremde sich unter einander besprechen, und niemand hätte daraus schließen können, daß eine Streitsache von solcher Wichtigkeit noch unentschieden zwischen uns sei.

Dennoch verfolgte es mich wie ein Nachtgespenst. Sollte er wirklich sein Wort halten, und seinen einzigen Sohn zum Vorteil eines Neffen enterben wollen, von dessen Dasein er nicht einmal völlige Gewißheit hatte? Ich suchte mir einzureden, daß ich nur eine vorübergehende Erkaltung seiner Zuneigung zu befürchten hätte, vielleicht eine Verbannung aufs Land von wenigen Wochen, was ich sogar angenehm finden konnte, weil es mir Gelegenheit geben würde, eine unvollendete Übersetzung des Rasenden Roland wieder vorzunehmen, den ich in englischen Versen nachbilden wollte. Ich war schließlich auch von dieser Meinung so erfüllt, daß ich meine beschriebnen Blätter wieder zur Hand genommen und mich abermals in die Reimschwierigkeiten der Spenser-Stanze vertieft hatte, als ich ein leises, behutsames Klopfen an der Tür meines Zimmers vernahm.

Herein! rief ich, und Owen trat ins Gemach. Die Bewegungen und Gewohnheiten dieses würdigen Mannes waren so geregelt, daß es aller Wahrscheinlichkeit nach das erste Mal war, wo er in den zweiten Stock des Hauses kam, so bekannt er auch im ersten war, und ich kann noch immer nicht begreifen, wie er mein Zimmer entdeckt haben mag.

»Herr Franz,« sprach er, den Ausdruck meiner Freude und Überraschung unterbrechend, »ich weiß nicht, ob es wohlgetan ist, was ich sagen will – es ist nicht recht von dem zu sprechen, was in der Schreibstube vorgeht. Aber der junge Twineall ist über vierzehn Tage weg gewesen und erst seit zwei Tagen wieder hier.« – »Recht gut, lieber Herr Owen! und was bekümmert das uns?« – »Gemach, Herr Franz! Euer Vater gab ihm einen geheimen Auftrag. Geschäftssache kanns nicht gewesen sein, denn das hätte durch meine Bücher gehen müssen; kurz, ich glaube bestimmt, Twineall ist in Nord-England gewesen.« – »Meint Ihr das wirklich?« fragte ich etwas besorgt. – »Er sprach, seitdem er zurück ist, von nichts, als von seinen neuen Stiefeln, seinen Ripponer Sporen und einem Hahnengefechte in York – es ist so gewiß, wie das Einmaleins. Der Himmel segne Euch, lieber Sohn! ändert Eure Gesinnung und trachtet danach, Eurem Vater zu gefallen! seid ein Mann und ein Kaufmann zugleich.«

Ich fühlte in diesem Augenblick mich stark versucht nachzugeben und Owen durch den Auftrag an meinen Vater zu beglücken, daß ich bereit sei, mich seiner Verfügung zu unterwerfen. Allein Stolz – Stolz, die Quelle von so manchem Guten und Bösen in unserm Lebenslauf, hielt mich ab. Das beipflichtende Wort saß mir in der Kehle fest, und indem ich hustete, es herauszubringen, rief meines Vaters Stimme: Owen! Schnell verließ er das Zimmer, und die Gelegenheit war verloren.

Mein Vater verfuhr in allen Dingen methodisch. Um dieselbe Tageszeit, in demselben Zimmer, und mit derselben Art und Weise, als vier Wochen früher, wiederholte er den Vorschlag, mich ins Geschäft aufzunehmen und mir einen Platz in der Schreibstube anzuweisen, und verlangte meinen endlichen Entschluß. Ich fand zu jener Zeit etwas Unfreundliches hierin, und halte noch immer meines Vaters Betragen für unrecht. Nach aller Wahrscheinlichkeit würde eine vermittelnde Behandlung seinen Zweck erreicht haben. Unter diesen Umständen blieb ich fest und lehnte, so ehrerbietig wie möglich, seinen Vorschlag ab. Vielleicht – denn wer kann über sein eignes Herz urteilen – hielt ich es für unmännlich, dem ersten Aufrufe nachzugeben, und erwartete, daß, mein Vater mir gut zureden oder mir wenigstens einen Vorwand zu einer Aenderung meines Entschlusses geben würde. Mein Vater aber wendete sich kalt gegen Owen und sagte bloß: »Ihr seht, es ist, wie ich gesagt habe. – Gut, Franz, Du bist beinah mündig und im stande, zu urteilen, was Dein Glück machen kann. Daher kein Wort mehr davon. Weil ich aber ebenso wenig verbunden bin, in Deine Plane einzugehen, als Du genötigt bist, Dich den meinigen zu unterwerfen, so kann ich fragen, ob Du irgend etwas beschlossen hast, wobei Du auf meinen Beistand rechnest?«

Nicht wenig beschämt antwortete ich: Da ich zu keinem Gewerbe erzogen sei und kein eignes Vermögen besäße, wäre es mir freilich unmöglich, ohne einige Unterstützung von meinem Vater zu bestehen; allein meine Wünsche wären sehr mäßig, und ich hoffte, meine Abneigung gegen den Stand, dem er mich bestimmt habe, werde ihn nicht veranlassen, mir gänzlich seinen väterlichen Schutz und Beistand zu entziehen.

»Das heißt, Du möchtest Dich gern auf meinen Arm lehnen, und doch Deinen eignen Weg gehen? Dies kann schwerlich geschehen, Franz. Dennoch meine ich, Du wirst meinen Vorschriften gehorchen wollen, insofern sie nicht Deinen eignen Launen entgegen sind.«

Ich wollte sprechen. »Schweig, bitte!« fuhr mein Vater fort. »Vorausgesetzt, daß dies der Fall ist, wirst Du sogleich nach Nord-England reisen, um Deinen Oheim zu besuchen und dessen Familie zu sehen. Ich habe unter seinen Söhnen – er hat deren sieben, glaub ich – einen erwählt, der, wie ich vernehme, am würdigsten ist, den Platz auszufüllen, den ich Dir in der Schreibstube zugedacht hatte. Aber es sind vielleicht noch einige Anordnungen erforderlich, und dazu ist Deine Anwesenheit vonnöten. Weitere Vorschriften wirst Du im Schloß Osbaldistone erhalten, wo Dirs gefallen wird, zu bleiben, bis Du von mir hörst. Morgen früh findest Du alles zu Deiner Abreise bereit.«

Mit diesen Worten verließ mein Vater das Zimmer.

»Was soll dies alles bedeuten, Herr Owen?« fragte ich meinen teilnehmenden Freund, dessen Gesicht die tiefste Niedergeschlagenheit ausdrückte.