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»Guten Abend, guten Abend!« antwortete der Mann, ohne aufzublicken, und mit einem Tone, der sogleich seinen nördlichen Ursprung anzeigte.

»Schönes Wetter zu Eurer Arbeit, mein Freund!«

»Darüber hat man sich eben nicht zu beklagen,« antwortete er, wie Gärtner und Landleute gewöhnlich auch das beste Wetter nur sparsam zu loben pflegen. Er richtete alsdann den Kopf empor, um zu sehen, wer mit ihm spreche, und griff mit ehrerbietiger Miene an seine schottische Mütze, indem er sprach: »Ei, Gott behüt' uns! Das ist ein seltner Anblick, eine mit Gold besetzte Weste so spät hier im Garten zu sehen. – Die Herren haben doch jetzt andre Dinge zu tun, da müssen Sie sich aufknöpfen, daß Raum wird für Rindfleisch und Pudding und roten Wein. – Das ist das gewöhnliche Abendgebet an dieser Seite der Grenze – selbst die Fastenzeit – sie nennens Fasten, wenn sie die besten Fische von Hartpool und Sunderland auf der Achse herbeigeschafft haben, und Forellen, Lachse, Welse obendrein, und so machen sie selbst die Fasten zu einer Art von Ueppigkeit und Greuel. Und dann die Messen und Metten der armen betrognen Seelen – doch ich sollte nicht davon sprechen, denn Euer Gnaden wird ein Römischer sein, glaub ich, wie die andern!«

»Nein, mein Freund, ich bin ein englischer Presbyterianer.«

»Die rechte Hand der Brüderschaft dann, Euer Gnaden!« rief der Gärtner mit so viel Fröhlichkeit, als seine rauhen Züge auszudrücken vermochten; und als ob er zeigen wollte, daß sein guter Wille nicht bloß in Worten bestehe, zog er eine ungeheure hörnerne Dose hervor und bot mir mit dem brüderlichsten Grinsen eine Prise an.

Nach Annahme seiner Höflichkeit fragte ich ihn, ob er lange im Schlosse diene?

»Ich habe mit den wilden Tieren von Ephesus gekämpft,« sprach er, auf das Gebäude blickend, »beinahe vierundzwanzig Jahre, so gewiß ich Andreas Gutdienst heiße.«

»Aber mein vortrefflicher Freund, Andreas Gutdienst, wenn Eure Religion und Eure Mäßigkeit so großes Aergernis an den katholischen Gebräuchen und der südlichen Gastfreiheit nehmen, so scheint Ihr Euch in dieser ganzen Zeit eine unnötige Buße auferlegt zu haben, und Ihr hättet gewiß einen Dienst gefunden, wo man weniger ißt und richtiger glaubt. Mangel an Geschicklichkeit kann nicht der Grund sein, weshalb Ihr Euch nicht eine Stellung verschafft habt, die mehr nach Eurem Gefallen ist.«

»Es kommt mir nicht zu, von meiner Geschicklichkeit zu sprechen,« sagte Andreas und blickte mit großer Selbstgefälligkeit umher; »aber ohne Zweifel versteh ich mein Gewerbe der Gärtnerei. Und die Wahrheit zu sagen, ich habe in diesen vierundzwanzig Jahren mit jedem Termin abgehen wollen; aber wenn die Zeit kommt, dann gibts immer etwas zu säen, was ich gern säen möchte, oder etwas zu machen, was ich gern mähen möchte, und so bin ich bei der Familie geblieben, von einem Jahr zum andern, und so befinde ich mich noch immer hier und grabe nach Maulwürfen. Aber wenn Ihr einen Dienst für mich wüßtet, wo ich die reine Lehre hören könnte, und Gras für eine Kuh hätte und eine Hütte und einen Hof, und mehr als zehn Pfund jährlich, und wo keine Frau wäre, die mir die Aepfel zählte, so würd' ich Euch sehr verbunden sein.«

»Wie ich merke, seid Ihr auf Frauen nicht gut zu sprechen.«

»Nein, meiner Treu nicht! Es ist ein schlimmer Handel mit ihnen. – Sie schreien nach Aprikosen, Birnen, Pflaumen und Aepfeln, Sommer und Winter, ohne Unterschied der Jahreszeit. Doch wir haben hier kein Stückchen von Adams Rippe, Gott sei Dank!«

»Ihr vergeßt Eure junge Herrin.«

»Was für eine Herrin vergeß ich?«

»Eure junge Herrin, Fräulein Vernon.«

»Wie! Das Mägdlein Vernon? – Das ist nicht meine Herrin. Ich wollte, die Dirne wäre ihre eigne Herrin, und ich wünsche, sie mag keines andern Herrin sein. – Das ist eine wilde Hummel!«

»In der Tat!« sprach ich mit mehr Anteil, als ich mir selbst gestehen oder diesem Menschen verraten wollte. – »Nun, Andreas, Ihr kennt alle Geheimnisse der Familie?«

»Wenn ich sie kenne, weiß ich sie zu bewahren,« versetzte der Gärtner; »sie werden nicht unruhig in mir, wie Hefen im Fasse. Fräulein Diana ist – doch was gehts mich an!« – Und er begann wieder mit großer Emsigkeit zu graben.

»Was ist Fräulein Vernon? Ich bin ein Freund der Familie und wünsche es zu wissen.«

»Etwas anderes als gut, fürcht' ich,« sprach Andreas, indem er das eine Auge fest zudrückte und mit ernstem, geheimnisvollen Aussehen den Kopf schüttelte – »so ein wenig – Euer Gnaden verstehen mich schon.«

»Das kann ich nicht sagen; aber es würde mir lieb sein, wenn Ihr deutlicher sprächt.« Mit diesen Worten ließ ich ein Kronenstück in des Gärtners harte Hand gleiten. Die Berührung des Silbers erregte ein grinsendes Lächeln auf seinem Gesichte, indem er langsam nickte und das Geld in die Tasche steckte. Er legte hierauf die Arme auf das Grabscheit und nahm die feierlichste Miene an, wie zu einer ernsten Mitteilung. »Ihr müßt also wissen, junger Herr, da Euch daran liegt, es zu erfahren, Fräulein Vernon ist –«

Hier brach er ab, zog beide Wangen ein, daß seine dürren Kinnbacken und sein langes Kinn wie ein Nußknacker aussahen; winkte noch einmal, zog die Stirn, schüttelte den Kopf und schien zu glauben, daß, sein Gesicht vollkommen die Mitteilung ausgedrückt habe, welche seine Zunge nicht ausgesprochen hatte.

»Guter Gott! rief ich;, »so jung, so schön und so früh verloren!«

»Meiner Treu! Ihr habt recht – sie ist gewissermaßen verloren mit Leib und Seele; überdem ist sie eine Papistin, und ich halte sie für –« Seine schottische Behutsamkeit erhielt die Oberhand, und er schwieg von neuem.

»Für was, Herr?« fragte ich ernst. »Ich will durchaus Wissen, wie dies alles zu verstehen ist.«

»Nun, für die ärgste Jakobitin [Anhänger des schottischen Königshauses der Stuarts] in der Grafschaft.«

»Pah! Eine Jakobitin? Ist das alles?«

Andreas sah mich etwas erstaunt an, als er hörte, daß seine Mitteilung so gering geachtet ward. »Es ist dennoch das Schlimmste, was ich von dem Mädchen zu sagen weiß,« murmelte er und griff wieder nach seinem Spaten.

Siebentes Kapitel

Mit einiger Schwierigkeit fand ich das mir bestimmte Zimmer und schloß mich für den Rest des Abends ein.

Warum hatte mein Vater mich in diese seltsame Familie gesandt? war meine erste und natürlichste Frage. Offenbar empfing mich mein Oheim, als wenn ich einige Zeit bei ihm verweilen sollte. Aber es war klar, daß ihm gar nichts daran gelegen war, ob ich da war oder nicht da war.