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»Ich, Herr?« erwiderte Morris, der sich kaum wieder gesammelt hatte. »Ich beschuldige niemand – ich sagte nichts gegen diesen Herrn.«

»Dann weisen wir Eure Klage ab, und damit ists gut, und wir sinds los. – Laßt die Flasche herumgehen. Herr Osbaldistone, bedient Euch selbst.«

Jobson wollte indessen Morris nicht so leichten Kaufes loslassen. »Was fällt Euch ein, Herr Morris? Hier ist Eure eigne Erklärung – die Tinte ist kaum trocken – und Ihr wollt sie so schmählich widerrufen?«

»Was weiß ich,« flüsterte der andre zitternd, »wie viele Schelme hier im Hause sind, um ihm beizustehen. – Ich habe von solchen Fällen in Johnsons Lebensbeschreibungen von Straßenräubern gelesen. – Wahrhaftig, die Türe geht auf.« –

Ja, sie ging auf, und Diana Vernon trat herein. »Ihr haltet schöne Ordnung hier, Richter – kein Diener zu sehen oder zu hören.«

»Ah!« rief der Richter. »Ha! Diana Vernon! Das Heideglöckchen der Cheviot-Hügel und die Blüte der Grenze kommt, um zu sehen, wie der alte Junggesell haushält. Bist willkommen, Mädchen, wie die Blumen im Mai.«

»Ein feines, offnes, gastfreies Haus haltet Ihr, Richter, das muß man zugeben – keine Seele, um einen Besuch zu empfangen.«

»O, die Schurken! Sie halten sich auf ein paar Stunden für sicher. Aber warum kommt Ihr nicht früher? Euer Vetter Rashleigh war zu Tisch bei mir und ist weggerannt wie eine Memme, als die erste Flasche leer war. Aber Ihr habt noch nicht zu Mittag gegessen. Wir werden etwas Zartes bereiten lassen, ganz Ihr selbst – gleich ists fertig.«

»Ich kann mich nicht aufhalten, Richter. – Ich bin mit meinem Vetter, Franz Osbaldistone, hierher gekommen und muß ihm wieder den Rückzug zeigen, sonst wird er sich in der Ebene verirren.«

»So! Kommt der Wind aus der Ecke?« erwiderte der Richter. – »Also kein Glück für alte Gesellen, mein süßes Knöspchen der Wildnis?«

»Ganz und gar keines, Junker Inglewood; wenn Ihr aber ein guter, freundlicher Richter sein wollt, und des jungen Franz Sache schnell abfertigt, und uns wieder heimreiten laßt, so bring ich nächste Woche meinen Oheim zu Tische zu Euch, und wir versprechen uns viel Vergnügen.«

»Und sollt es finden, meine Perle des Tyne! Meiner fixen, Mädchen! Aber ich darf Euch wohl jetzt nicht aufhalten? Ich bin völlig zufrieden mit der Erklärung des Herrn Franz Osbaldistone – es ist hier ein Mißverständnis gewesen, das bei gelegner Zeit aufgeklärt werden kann.«

»Um Vergebung, Herr,« sprach ich, »aber ich weiß noch nicht, wessen ich beschuldigt bin.«

Auf diese Weise gedrängt, gab mir der Richter endlich einige Worte zur Erläuterung.

Wie es schien, hatten die Scherze, die ich mir mit diesem Morris gemacht hatte, einen starken Eindruck auf seine Einbildungskraft gemacht; denn es stellte sich heraus, daß er sie, mit aller Uebertreibung einer geängstigten und erhitzten Phantasie, als Beweise gegen mich angeführt hatte. Auch zeigte sich, daß er an dem Tage, wo wir uns trennten, auf einer einsamen Straße von zwei wohlberittnen und bewaffneten Männern, die Masken getragen, angefallen und seines geliebten Reisegefährten, des Felleisens, beraubt worden war. Einer der Männer hatte, wie es ihm vorkam, viel von meiner Gestalt, und in einem Gespräch zwischen Straßenräubern hörte er, wie der eine Osbaldistone genannt wurde. Als er sich nach den Grundsätzen benannter Familie, wie die Erklärung weiter lautete, erkundigt hatte, war ihm von einem protestantischen Geistlichen, in dessen Hause er nach jenem Unfall sich aufgehalten hatte, die Mitteilung gemacht worden, diese Familie sei ein ganzes Nest von schlimmsten Bösewichtern, und alle Mitglieder derselben, seit den Tagen Wilhelm des Eroberers, seien Papisten und Jakobiten gewesen.«

Aus allen diesen wichtigen Gründen klagte mich Morris als Mitschuldigen des an ihm verübten Raubes an; er reiste damals im besondern Auftrag der Regierung und hatte gewisse wichtige Papiere nebst einer bedeutenden Summe bei sich, die er an gewisse angesehene Personen in Schottland liefern sollte.

Nachdem ich diese seltsame Anklage vernommen hatte, erwiderte ich darauf: daß die Umstände, worauf sie gegründet, von einer Art wären, die keine Obrigkeit berechtigen könne, meine persönliche Freiheit anzugreifen. Ich gab zu, ein wenig auf Morris Furchtsamkeit hingewirkt zu haben, allein in solchen unbedeutenden Neckereien, die nur einem so furchtsamen und mißtrauischen Mann, wie er, hätten Argwohn einflößen können. Seit unsrer Trennung, fügte ich hinzu, habe ich ihn nicht wieder gesehen, und wenn ich ihm wirklich begegnete, was er gefürchtet, so sei ich keineswegs bei einer, meiner Gesinnung und meines Standes so unwürdigen Tat behilflich gewesen. Daß einer der Mörder Osbaldistone genannt worden sei, oder daß dieser Name in diesem Gespräch vorgekommen sei, sei ein unbedeutender Umstand, der nichts zu sagen habe.

Der Richter bewegte sich hin und her, nahm Tabak und schien ziemlich verlegen, während Schreiber Jobson mit aller Geläufigkeit seines Standes die Parlamentsakte Eduards III. durchlas, nach welcher Friedensrichter ermächtigt sind, alle diejenigen, welche angeklagt oder verdächtig gefunden werden, zu verhaften und gefangen zu setzen.

Ich bemerkte, ich würde nötigenfalls die Bürgschaft meiner Verwandten beibringen, die man nicht verwerfen könne.

»Um Vergebung, mein Herr, um Vergebung,« sagte der Schreiber, »dies ist ein Fall, wo keine Bürgschaft angenommen werden kann. Der Dieb, gegen den wegen Verdachts eines Verbrechens ein Haftbefehl vorliegt, kann nach dem dritten Statut König Eduards nicht auf Bürgschaft freigelassen werden, da sich in dieser Verordnung eine besondere Ausnahme derjenigen findet, welche angeklagt sind, an einem vorgefallenen Raube beteiligt gewesen zu sein.«

Hier wurde die Unterhaltung durch den Eintritt eines Dieners unterbrochen, der Jobson einen Brief überreichte. Sobald er ihn schnell durchgelesen hatte, rief er mit dem Ausdruck eines Mannes, der sehr ärgerlich über die Unterbrechung zu scheinen wünscht und seine Wichtigkeit wegen mannigfacher Geschäfte fühlt: »Guter Gott! auf diese Art hab ich weder Zeit für die öffentlichen Geschäfte, noch für meine eignen. – Keine Ruhe, keine Rast! Wollte der Himmel, ein andrer Mann unseres Standes machte das Geschäft hier ab!«

»Gott bewahre!« sprach der Friedensrichter halb laut; »man hat genug an einem von der Zunft.«

»Dies ist eine Sache, die Leben und Tod betrifft, Euer Gestrengen.«

»In Gottes Namen! hoffentlich kein richterliches Geschäft?« fragte der beunruhigte Richter.

»Nein, nein,« erwiderte der Schreiber sehr wichtig. »Der alte Gaffer Rutledge von Grime'shill erhielt eine Vorladung in die andre Welt; er sandte einen Boten an Doktor Garaus, um Bürgschaft zu leisten – einen andern an mich, um seine zeitlichen Angelegenheiten zu ordnen.«

»Also fort mit Euch!« rief der Richter schnell; »der Herr Richter Tod nimmt am Ende die Bürgschaft des Doktors nicht an.«

»Und dennoch,« sprach Jobson zögernd, indem er nach der Türe ging, »sollte meine Gegenwart hier nötig sein – ich kann den Verhaftsbefehl im Augenblick ausfertigen, und der Gerichtsdiener ist unten. Auch habt Ihr gehört, was Herr Rashleigh meinte« – das übrige verlor sich im Geflüster.

»Nein, sag ich Dir, Mann, nein!« erwiderte der Richter laut. »Es soll nichts geschehen, bis Du zurückgekehrt bist; es ist nur ein Ritt von wenigen Meilen. – Kommt, schenkt ein, Herr Morris! Seid nicht niedergeschlagen, Herr Osbaldistone! – Und Du, meine wilde Rose, – ein Glas Rotwein, um die Blume Deiner Wangen aufzufrischen.«

Diana fuhr gleichsam aus einer Träumerei empor, worin sie während unsrer Verhandlung, wie es schien, versunken war. »Nein, Richter! ich fürchte die Blume auf einen Teil meines Gesichts zu verpflanzen, wo sie sich nicht sonderlich gut ausnehmen würde. Aber ich will Euch in einem kühleren Tranke Bescheid tun,« erwiderte sie und füllte ein Glas mit Wasser, das sie schnell trank, wahrend ihre unruhige Hast die angenommene Fröhlichkeit Lügen strafte.