Выбрать главу

Herr Inglewood nahm das Papier und las halblaut: »Dies bezeugt, daß Inhaber dieses, Robert Campbell, aus – aus einem Ort, den ich nicht aussprechen kann,« redete der Richter dazwischen – »ein Mann von guter Herkunft und friedlichem Betragen ist, der in seinen eignen Angelegenheiten nach England reist etc. Gegeben von unsrer Hand in unserm Schloß Inver–Invera–rara.– Argyle.«

»Ich kenne den Herzog von Argyle,« sprach der Richter, »als einen ausgezeichneten Edelmann und einen echten Freund seines Vaterlandes. Ich wünschte, wir hätten mehr solche Edelleute. Sein Zeugnis ist völlig ausreichend, Herr Campbell – und nun berichtet, was Ihr über diese Raubgeschichte zu sagen habt.«

»Mit wenig Worten dies: Herr Morris könnte ebensogut ein Kind, das noch geboren werden soll, oder sogar mich selbst beschuldigen, als den Herrn Osbaldistone; denn ich kann nicht allein bezeugen, daß jener Mann, für den er ihn hielt, kleiner und dicker war, sondern auch, denn als sich die Larve verschob, habe ich etwas von seinem Gesicht gesehen – daß er andre Züge und andre Farbe hatte wie Herr Osbaldistone. Und ich glaube,« fügte er hinzu und wendete sich in einer ungezwungenen, aber etwas strengen Weise gegen Morris, »dieser Herr wird zugeben, daß er bessere Gelegenheit hatte, zu beobachten, wer dabei war, als er, da ich vermutlich der Kaltblütigere von uns beiden war.«

»Ich geb es zu, Herr – ich geb es völlig zu,« sagte Morris und bebte zurück, als Campbell mit seinem Stuhl ihm näher rückte. »Und ich bin geneigt,« fuhr er, zu dem Richter gewandt, fort, »meine Anzeige gegen Herrn Osbaldistone zurückzunehmen, und ich bitte Euch, Herr, ihm zu erlauben, seinen Geschäften nachzugehen, und mir dasselbe zu gestatten. Euer Gestrengen kann Geschäfte mit Herrn Campbell abzumachen haben, und ich habe es eilig.«

»Fort also mit den Anzeigen!« sprach der Richter und warf die Schrift ins Feuer. »Ihr seid nun gänzlich frei, Herr Osbaldistone – und Ihr, Herr Morris, könnt ruhig Eures Weges gehen.«

»Ja,« sprach Campbell mit einem Blick auf Morris, der mit jammervollem Gesicht des Richters Bemerkung beistimmte: »ja, so ruhig, wie eine Kröte, wenn sie unter der Egge liegt. – Aber fürchtet nichts, Herr Morris, wir müssen das Haus zusammen verlassen. Ich will Euch sicheres Geleit geben, – hoffentlich zweifelt Ihr nicht an meiner Ehre, wenn ich es sage – bis zur nächsten Landstraße, wo wir uns trennen; und wenn wir uns in Schottland nicht als Freunde wiedersehen, wird es Eure eigne Schuld sein.«

Mit einem Blick voll Entsetzen, wie ein verurteilter Verbrecher bei der Nachricht, daß der Karren ihn erwartet, stand Morris auf; aber dann schien er zu zögern. »Ich sage Dir, fürchte nichts,« wiederholte Campbell. »Ich werde mein Wort halten. Wie, Du Hasenherz, wie weißt Du denn, ob wir nicht etwas von Eurem Felleisen wiederfinden können, wenn Ihr guten Rat annehmen wollt? Unsere Pferde stehen bereit, sagt dem Richter Lebewohl, und zeigt Eure südliche, gute Lebensart.«

Auf diese Weise ermahnt und aufgemuntert, nahm Morris unter Campbells Geleite Abschied, aber gewiß waren neue Besorgnisse in ihm erwacht, ehe sie das Haus verließen, denn ich hörte, wie Campbell die Versicherung seines Schutzes wiederholte, als sie aus dem Vorzimmer gingen. »Meiner Treu, Mann! Du bist so sicher, wie in Deines Vaters Hofe. Daß ein Mensch mit einem so schwarzen Barte nicht mehr Herz hat wie ein Rebhuhn! Kommt!« Die Stimme verhallte, und das darauf folgende Trappeln der Pferde verkündete uns, daß sie das Haus verlassen hatten.

Die Freude dieses würdigen Richters über die leichte Beendigung einer Sache, die ihm etwas Mühe zu machen drohte, wurde durch die Betrachtung gedämpft, was sein Schreiber bei der Rückkehr zu dieser Verhandlung sagen würde. »Nun werd ich den Jobson auf dem Halse haben wegen dieser verdammten Papiere. – Ich hätte sie dennoch wohl nicht verbrennen sollen. – Aber, der Henker hol's, man darf ihm nur seine Gebühren bezahlen, und das wird alles gleich machen. Und nun, Fräulein Diana Vernon, obwohl ich alle andern freigelassen habe, möchte ich doch gegen Euch einen Verhaftsbefehl ausfertigen, und Euch für den Abend dem Gewahrsam der Mutter Blakes, meiner alten Haushälterin, übergeben. Wir wollen meine Nachbarin, Frau Musgrave, und die Fräulein Dawkins und Eure Vettern holen lassen, und den alten Geiger Cobs rufen, und uns lustig machen. Herr Franz Osbaldistone soll eins mit mir trinken, und in einer halben Stunde werden wir zu Eurer Gesellschaft geschickt sein.«

»Schuldigsten Dank!« erwiderte Diana; »aber wie die Sachen stehen, müssen wir sogleich nach dem Schlosse zurück, wo man nicht weiß, was aus uns geworden ist, und meinen Oheim wegen seines Neffen beruhigen, so gut, als wenn es einen seiner eignen Söhne betreffe.«

»Ich glaub es treulich,« sprach der Richter. »Eilt heim, und beruhigt seine väterliche Bekümmernis, da Ihr einmal gehen müßt. – Doch höre, Heideblümchen,« sprach er im gutlaunigen Tone der Vermahnung und zog sie bei der Hand nach sich hin. »Ein andermal laß dem Gesetz seinen Lauf, und stecke Deine niedlichen Finger nicht in die alte schimmelige Pastete voll Brocken von Gesetzlatein, Französisch und Hundelatein. Und, schönes Dianchen, laß die jungen Männer sich einander selbst den Weg zeigen durchs Marschland, Ihr könntet einmal Euren Weg verlieren, wenn Ihr ihnen den ihrigen zeigt, mein schmuckes Irrlicht.«

Mit dieser Vermahnung küßte und entließ er Fräulein Vernon und nahm einen ebenso freundlichen Abschied von mir.

»Du scheinst ein guter, netter Junge zu sein, Franz, und ich erinnere mich auch Deines Vaters – wir waren Schulkameraden. Höre, Bursche, reite nicht so spät in der Nacht, und tue nicht groß gegen unbekannte Reisende aus der Landstraße. Und hier ist die arme Diana Vernon – gewissermaßen allein und verlassen auf der weiten Erde, und kann reiten und laufen und sich trollen, nach ihrem eignen närrischen Gefallen. Du mußt Sorge tragen für Diana, oder, meiner Treu! ich werde wieder jung, und schlage mich mit Dir, so beschwerlich mir es auch sein würde. Und nun begebt Euch beide heim, und überlaßt mich meiner Tabakspfeife und meinen Betrachtungen.«

Ich freute mich sehr über die Strahlen von Verstand und Gefühl, welche der Richter aus dem Nebel von Trägheit und Weichlichkeit hervorbrechen ließ, dankte ihm für seine Ermahnungen und nahm freundlichen Abschied von dem wackern Mann und seiner gastfreundlichen Wohnung.

Wir fanden denselben Diener meines Oheims, der uns bei der Ankunft die Pferde abgenommen hatte, und der, wie er Fräulein Vernon berichtete, von Rashleigh beauftragt worden war, zu warten und uns nach Hause zu begleiten. Wir ritten eine Weile fort, ohne zu sprechen, denn mein Gemüt war zu sehr mit den Ereignissen des Morgens beschäftigt, als daß ich das Schweigen hätte brechen sollen. Endlich rief Diana, gleichsam ihren innern Bewegungen Luft machend:

»Ja, Rasleigh ist zu fürchten, zu bewundern, und alles, nur nicht zu lieben! Er tut, was ihm gefällt, und macht alle andern zu seinen Puppen, hat einen Schauspieler bereit für jede Rolle, die er sich vorsetzt, und weiß für jeden unvorhergesehenen Fall bequeme Mittel zu finden.«

»Ihr glaubt also,« sprach ich, mehr den Sinn als den bestimmten Ausdruck ihrer Worte erwägend, »daß dieser Campbell, der so glücklicherweise erschien und meinen Ankläger ergriff und heimführte, wie der Falke das Rebhuhn, ein Gehilfe Rashleighs gewesen sei?«

»Ich vermute es,« erwiderte Diana, »und glaube ferner, daß er schwerlich so zu rechter Zeit erschienen wäre, wenn ich Rashleigh nicht im Eingang des Hauses getroffen hätte.«

»In diesem Fall bin ich vorzüglich Euch Dank schuldig, meine schöne Retterin.«

»Allerdings,« erwiderte Diana, »und ich bitte, denkt, er sei entrichtet und mit gnädigem Lächeln aufgenommen, denn ich mag nicht die Mühe haben, ihn im Ernst anzuhören, und dürfte wohl eher dabei gähnen, als mich gebührend betragen. Kurz, Herr Franz, ich wünschte Euch einen Dienst zu leisten; glücklicherweise war ich es imstande, und das einzige, was ich dagegen verlange, ist, daß Ihr nicht weiter davon sprecht. – Doch, wer kommt uns hier entgegengesprengt, glühend rot vor Eile? Es ist, glaub' ich, niemand weniger, als der Schreiber Jobson.«