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»Vortrefflich geschlossen, Andreas,« sprach ich, um ihn zu genauem Bericht aufzumuntern; »und was sagte Macready?«

»O, er sagte, was man Besseres von dem engländischen Pudding-Volke erwarten könne? Doch auf den Raub zu kommen. – Nachdem sich vermutlich die Whigs und die Torys gestritten und geschimpft hatten wie die ungehängten Diebe, stand einer unter ihnen auf und sagte, daß in Nord-England lauter Erz-Jakobiten wären – worin er auch wohl nicht unrecht hat – und sie hätten einen offnen Krieg angefangen und einen königlichen Boten auf der Landstraße angehalten und beraubt, und die vornehmsten Edelleute in Northumberland wären dabei gewesen, und man hab' ihm vieles Geld und mehrere wichtige Schriften abgenommen. Der beraubte Mann hätte kein Recht erhalten können; denn bei dem ersten Friedensrichter, zu dem er gegangen, hab er die beiden Burschen, welche die Tat verübt, schmausend angetroffen, und der Richter habe ihnen das Wort geredet, so daß der ehrliche Mann, der um sein Geld gekommen sei, das Land schleunigst verlassen habe, damit es ihm nicht noch schlimmer erginge.«

»Kann dies wirklich wahr sein?« fragte ich.

»Patrick schwört darauf. Und als dieser Mann das Schlimmste gesagt hatte, war ein gewaltiges Geschrei von Namen, und man nannte diesen Mann Morris und Euren Oheim und Junker, Inglewood und noch andre Leute« – setzte Andreas mit einem schlauen Blick auf mich hinzu. – »Und dann erhob sich jemand von der andern Seite und sagte, man solle nicht die besten Edelleute im Lande auf den Eid einer feigen Memme anklagen, denn dieser Morris sei vom Heer in Flandern davon gelaufen, und die Geschichte sei wahrscheinlich zwischen ihm und dem Minister ausgemacht gewesen, ehe er London verlassen, und wenn man Haussuchung tun wollte, würde man das Geld nicht weit vom königlichen Schlosse finden. Währenddessen brachten sie Morris vor die Schranken, um zu hören, was er zu der Sache sagen könnte; aber die Leute, die gegen ihn waren, machten ein so arges Gerede von seinem Davonlaufen, und von allem Bösen, was er bisher in seinem Leben getan oder gesagt hatte, daß er, wie Patrick erzählt, mehr tot als lebendig aussah, und sie konnten kein vernünftiges Wort aus ihm herausbringen, so große Angst hatte er vor ihnen, weil sie so furchtbaren Krakehl machten.«

»Und was war das Ende von allem? Hat es Euer Freund erfahren?«

»Ei ja; denn Patrick schob seine Reise hierher etwa eine Woche lang auf, weil es seinen Kunden angenehm sein würde, die Neuigkeit zu hören. Der Mensch, der zuerst gesprochen hatte, zog die Hörner ein und sagte, er glaube wohl, daß der Mann beraubt worden sei, aber er könne sich in den einzelnen Umständen geirrt haben. Und dann trat der andre auf und äußerte, es sei ihm einerlei, ob man Morris beraubt habe oder nicht, wenn nur keines braven Mannes Ehre und Ruf dadurch befleckt werde, besonders in Nord-England; denn er komme selbst daher, und wisse wohl, wie's da aussehe. Nachdem nun im Unterhause über Morris und seine Beraubung gesprochen und gestritten worden, bis man es überdrüssig war, kams zu den Lords, und die ergriffen die Sache so eifrig, als wenn sie ganz nagelneu gewesen wäre. Nebenbei sprach man auch von einem gewissen Campbell, der mehr oder weniger beim Raub im Spiel gewesen sein sollte und der ein gutes Zeugnis vom Herzog von Argyle gehabt hatte. Morris' Geschichte wurde für eine bösliche Verleumdung erklärt, und wenn er nicht Bürgschaft geleistet hätte, wär er vielleicht deshalb an den Pranger gekommen.«

Mit diesen Worten nahm der wackre Andreas seine Hacken, Spaten und Rechen zusammen und warf sie in den Schubkarren, jedoch gemächlich genug, um mir Zeit zu lassen, weitre Fragen zu tun, ehe er sie fortschaffte.

»Ich hätte gern den Hausierer gesprochen und von ihm selbst seine Neuigkeiten erfahren. Ihr habt wahrscheinlich gehört, daß die abgeschmackte Torheit dieses Morris mir Unannnehmlichkeiten verursacht hat,« – Andreas verzog sein Gesicht zu bedeutungsvollem Lächeln – »und ich möchte daher den Hausierer genau wegen des Vorgangs in London befragen, wenn es keine Umstände weiter macht.«

»Nichts ist leichter,« bemerkte der Gärtner; »ich darf meinem Vetter nur einen Wink geben, daß Ihr ein Paar Strümpfe braucht, so wird er aufs schnellste herbeieilen.«

»O ja; versichert ihm, daß er ein Geschäft mit mir machen kann, und da die Nacht schön und heiter ist, will ich im Garten auf und ab gehen, bis er kommt; der Mond wird bald aufgehen. Ihr könnt ihn durch die kleine Hinterpforte führen, und ich werde indessen die Sträuche und Immergrün-Hecken im Glanze des herbstlichen Mondlichts betrachten.«

Ich ging in dem alten Schloßgarten auf den weichen, kurzverschnittnen Rasengängen, die mit hohen Hecken von Taxus und Stechpalmen eingefaßt waren, auf und ab. Ich erhob meine Augen zu den Fenstern des Büchersaales, die, klein aber zahlreich, sich längs des zweiten Stockwerks an der Seite des Hauses reihten, die mir jetzt entgegen stand. Sie waren erleuchtet. Es überraschte mich nicht, denn ich wußte, daß Diana oft des Abends darin verweilte, obwohl ich aus Gründen des Zartgefühls mir es streng auferlegt hatte, sie nie zu einer Zeit dort aufzusuchen, wo ich wußte, daß die übrigen Mitglieder der Familie bei einander saßen und uns niemand stören konnte. In den Morgenstunden lasen wir in diesem Zimmer gewöhnlich zusammen; doch es traf sich dann oft, daß einer oder der andre unsrer Vettern hereinkam, um ein Pergamentbändchen zu suchen, das, trotz seiner Vergoldungen und Ausmalungen, zu einem Angelhaken benutzt werden konnte, oder uns von einer geplanten Jagd zu erzählen, oder auch bloß aus Mangel an anderm Zeitvertreibe. Kurz, während des Morgens war der Büchersaal eine Art gemeinschaftlichen Treffpunktes. In den Abendstunden war es anders, und ich machte selbst in aller zarten Rücksicht Diana darauf aufmerksam, daß, so oft wir des Abends lesen wollten, die Gegenwart eines Dritten schicklich sei.

Hierzu wurde dann in der Regel Martha, die alte Haushälterin, ersehen; die andern Dienstboten vermieden es, bei Nacht in dieses Zimmer zu kommen, weil es auf der Seite des Hauses lag, wo es nach ihrer törichten Meinung nicht geheuer war. Die Furchtsamsten wollten dort Gesichter gesehen und Töne gehört haben, wenn alle Hausgenossen zur Ruhe waren, und selbst meine jungen Vettern hatten keine Lust, nach angebrochner Dunkelheit in jenen furchtbaren Bezirk einzutreten, sofern sie nicht etwas Wichtiges dort zu tun hatten. Daß der Büchersaal einige Zeit Rashleighs Lieblingsaufenthalt gewesen war, und eine besondre Tür aus demselben in das abgelegene Gemach führte, welches er für sich gewählt hatte, gereichte eher zur Erhöhung als zur Verminderung des Grauens der Dienerschaft vor diesem furchtbaren Saale. Rashleighs ausgebreitete Kunde von allem, was in der Welt vorging, seine tiefen Kenntnisse in jeder Wissenschaft, einige physikalische Experimente, die er gelegentlich vorgemacht hatte, waren für die unwissenden und abergläubischen Bewohner das Schlosses hinreichende Gründe, ihm Gewalt über die Geisterwelt zuzuschreiben. Er verstand Griechisch, Lateinisch und Hebräisch, und brauchte daher, wie sein Bruder Wilfred sagte, weder vor Geistern noch Gespenstern, Teufeln oder Kobolden sich zu fürchten. Ja, die Diener behaupteten, sie hätten im Büchersaale Gespräche halten hören, wenn jeder sterbliche Mensch im Schlosse zur Ruhe gewesen wäre, und er habe die ganze Nacht über auf Gespenster gewartet und dann erst am Vormittag geschlafen, anstatt, wie ein echter Osbaldistone, die Hunde herauszuführen.

Ich war daher nicht verwundert, die Fenster des Büchersaales erhellt zu sehen, fühlte mich aber ein wenig betroffen, als ich deutlich den Schatten von zwei Gestalten bemerkte, der vor dem Fenster sich bewegte und es einen Augenblick verdunkelte. Es muß die alte Martha sein, welche diesen Abend mit dort zubringen soll, dachte ich, oder ich muß mich geirrt