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»Euer Gewissen, Mac Gregor!« sprach Rashleigh; »Ihr vergeßt, wie lange wir uns beide kennen.«

»Ja, mein Gewissen!« wiederholte Campbell, oder Mac Gregor, ober wie er heißen mochte. »Ich habe so ein Ding in meiner Brust, Herr Osbaldistone; mag ja sein, daß ich Euch hierin was voraus habe. Was unsre Bekanntschaft miteinander betrifft, so werdet Ihr wissen, wenn Ihr mich kennt, wodurch ich geworden bin, was ich bin; Ihr mögt ja davon denken, was Ihr wollt; aber ich tausche nicht mit dem stolzesten jener Unterdrücker, die mich genötigt haben, den Heidebusch zum Aufenthalt zu wählen. Was Ihr seid, Herr Rashleigh, und wie Ihr rechtfertigt oder entschuldigt, was Ihr seid, ist eine Sache, die Ihr mit Eurem Herzen abzumachen habt, und wohl auch mal werdet abmachen müssen, wenn nicht früher, so doch am Tage des ewigen Gerichts! ... Und nun, Herr Franz, laßt ihn los! Er sagt mit Wahrheit, daß Ihr eine Gerichtsperson mehr zu fürchten habt, als er, und wenn Eure Sache so gerade wäre wie ein Pfeil, er würde Mittel finden, sie krumm zu machen. –So! laßt ihn los, sage ich.«

Er lieh seinen Worten Unterstützung durch eine so plötzliche und unvermutete Anstrengung, daß er Rashleigh mit der einen Faust und mit der andern mich, trotz meines Sträubens, mit herkulischer Kraft festhielt. »Sucht das Weite, Herr Rashleigh!« rief er. »Lauft, als könntet Ihr Hände und Beine dazu brauchen; getan habt Ihr es ja oft genug!«

»Dankt's diesem Herrn, Vetter!« sprach Rashleigh. »Wenn ich Euch meine Schuld heute nicht voll tilge, sondern gehe, so geschieht es in der Hoffnung, daß wir uns bald wieder treffen und dann keine Unterbrechung zu befürchten haben werden.«

Er steckte seinen Degen ein und verlor sich im Gebüsch.

Der Schottländer hielt mich teils durch Gewalt, teils durch Vorstellungen ab, Rashleigh zu folgen, und ich gewann langsam die Meinung, daß es mir wenig helfen möchte.

»So wahr ich lebe!« sagte Campbell, als er sah, daß ich auf Widerstand verzichtete, denn daß er mich aufs schonendste behandelte, konnte mir wohl oder übel nicht verborgen bleiben. »Ihr seid ein Wagehals, wie ich ihn noch nie gesehen! Was hattet Ihr im Sinne? Wolltet Ihr dem Wolf in seine Höhle folgen? – Ich sage Euch, er hat die alte Falle wieder aufgestellt. Er hat die Einnehmerseele, den Morris, bewogen, die alte Geschichte wieder aufzutischen, und Ihr könnt jetzt von mir keine Hilfe erwarten, wie vor dem Richter Inglewood. Es sagt meiner Gesundheit nicht zu, diesen Whigs, diesem Beamtenvolke, hier nahe zu kommen. Ihr aber geht nun heim, gleich einem guten Sohn. – Vermeidet Rashleigh und Morris und diesen viehischen Mac Vittie! – Denkt an das Wirtshaus von Aberfoil, wie ich gesagt habe, und bei dem Wort eines Ehrenmannes, es soll Euch kein Leid geschehen. Aber haltet Euch ruhig, bis wir uns wiedersehen. Ich muß fort, damit ich Rashleigh aus der Stadt bringe, ehe etwas Schlimmeres daraus entsteht; denn wo er die Nase hinsteckt, ist immer Unheil. Denkt an Aberfoil!«

Er wandte sich ab, um mich dem Sinnen über die sonderbaren Ereignisse zu überlassen, die mir begegnet waren. Meine erste Sorge war, meine Kleidung zu ordnen und den Mantel so umzuschlagen, daß er das Blut verbarg, das mir aus der Seite drang. Ich hatte das kaum getan, so füllte sich der Garten mit den Schülern, deren Unterricht zu Ende war, und ich eilte hinaus. Auf dem Wege nach Jarvie's Wohnung, dessen Essenszeit nun kam, blieb ich vor einem kleinen Laden stehen, dessen Schild anzeigte, daß er dem Chirurgen und Apotheker Christoph Neilson gehörte. In der Hinterstube fand ich einen ältlichen muntern Herrn, der ungläubig mit dem Kopfe schüttelte, als ich ihm sagte, ich sei zufällig durch ein Rappier verwundet worden. Aber er legte mir Scharpie auf die Wunde und meinte: »Von einem Rappiere rührt Eure Blessur nicht her, junger Herr! Ja, das böse Jugendblut! das böse Jugendblut! Aber wir Wundärzte sind verschwiegen. Und wenn es nicht heißes Blut gäbe, und böses Blut, was wollte aus den gelehrten zwei Fakultäten werden?«

Sechstes Kapitel

»Warum kommt Ihr so spät?« fragte Jarvie, als ich in die Eßstube trat; »es hat vor fünf Minuten schon eins geschlagen. Die Mathilde ist zweimal mit dem Essen an der Tür gewesen.«

Ich entschuldigte mich, so gut es ging, wegen dieser Unpünktlichkeit, und saß bald an der Tafel. Jarvie war ein höchst angenehmer Wirt und übte die ungezwungenste Gastfreundschaft, nötigte Owen und mich bloß allzu viel zu den schottischen Leckerbissen, von denen sein Tisch strotzte, die aber mit unserm Geschmack doch nicht so recht harmonierten. Ich fand mich einigermaßen damit zurecht, aber Owen, dessen Begriffe von Höflichkeit weit strenger und förmlicher waren, und der bei dem Freunde der Firma nicht gegen den Respekt verstoßen wollte, zwang sich mit kläglicher Gefälligkeit einen Bissen nach dem andern hinunter, und pries alles in einem Tone, aus dem der Widerwille, trotz aller Höflichkeit, deren er sich befleißigte, ziemlich scharf hervorklang.

Als wir abgegessen hatten, bereitete Jarvic mit eignen Händen einen kleinen Napf voll Branntweinpunsch, den ersten, den ich im Leben erblickt hatte. Wir fanden das Getränk sehr schmackhaft. Es führte zu einem langen Gespräch zwischen Owen und unserm Wirt über den Handelsverkehr, der sich seit der Vereinigung Schottlands mit England zwischen Glasgow und den britischen Ansiedelungen in Amerika und Westindien angeknüpft hatte, und über die vorzügliche Lage dieser Stadt für die Aus- und Einfuhr. Einige Bemerkungen Owens über die Schwierigkeit für Schottland, zu exportieren, ohne von England zu kaufen, veranlaßten Jarvie zu heftiger Entgegnung.

»Nein, nein, Herr,« sagte er, »wir stehen auf eignen Füßen – wir haben unsre Wolle, haben Leinwand aller Art, besser und wohlfeiler, als Ihr in London – und wir kaufen Eure nordenglischen Waren doch so wohlfeil in Liverpool wie Ihr, und machen gute Geschäft mit Kattun und Musselin. Nein, nein! Ihr werdet bald finden, wir Glasgower sind nicht so weit zurück, daß wir nicht folgen könnten. – Aber für Euch, Herr Osbaldistone, ist das eine schlechte Unterhaltung,« wandte er sich zu mit, da er bemerkte, daß ich einige Zeit geschwiegen hatte; indessen Ihr wißt wohl, es spricht nun mal jeder gern von seinem Handwerk.«

Zur Entschuldigung für meine Zerstreutheit und Nachdenklichkeit fühlte ich die bedauerlichen Umstände meiner Lage und die seltsamen Abenteuer dieses Morgens an. Auf diese Art erhielt ich, was ich suchte, nämlich die Gelegenheit, meine Geschichte ausführlich und ohne Unterbrechung zu erzählen. Einzig und allein der erhaltenen Wunde erwähnte ich nicht, als zu unbedeutend. Jarvie hörte mit großer Aufmerksamkeit und anscheinender Teilnahme zu, zwinkerte mit den kleinen grauen Augen, nahm ein paar Prisen und unterbrach mich nur zuweilen durch kurze Ausrufungen. Als ich zu der Nachricht von dem Zweikampf kam, faltete Owen die Hände, hob die Augen gen Himmel und zeigte das Bild kläglichsten Schreckens, während Jarvie hastig einfieclass="underline" »Unrecht – schweres Unrecht, den Degen zu ziehen gegen Euren Verwandten! das verbieten göttliche und menschliche Gesetze! Aber erzählt weiter – was geschah dann?«

Als ich nun von Campbell erzählte, stand Jarvie ganz verdutzt auf und schritt durchs Zimmer.

»Robin schon wieder? Der Mensch ist toll! schier toll und töricht!« rief er. »An den Galgen wird er sich noch bringen und seine ganze Verwandtschaft in Schimpf und Schande stürzen! das wird man noch erleben! – Mein Vater, der Vorsteher, hat ihm die ersten, Strümpfe gewirkt – sonderbar, ich glaube, Threeplie, der Seiler, der jetzige Vorsteher, wird ihm die letzte Halsbinde drehen! – Doch sprecht weiter! wie ward's weiter?«

Ich erzählte die ganze Geschichte, so genau ich konnte, aber Jarvie fand immer noch an dem und jenem herumzureden, nach diesem und anderm zu fragen, bis ich, obgleich mit Widerwillen, auf die Begebenheit mit Morris und auf mein Zusammentreffen mit Campbell in Inglewoods Hause zurück gelangte. Jarvie hörte allem aufmerksam zu und schwieg eine Weile, nachdem ich ausgeredet hatte.