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»Und ist dieser Verwandte von Euch und Freund von mir auch ein solcher Laird?« fragte ich.

»Nein,« erwiderte Jarvie; »er ist keiner von den Häuptlingen, wie man sie nennt, Er ist aber von guter Herkunft. Ich kenne sein Geschlecht; er ist allerdings mein naher Verwandter, und, wie gesagt, von edlem, hochländischem Blute, obwohl Ihr leicht denken könnt, daß ich mir wenig aus solchem unsinnigen Begriff mache, denn das ist schlecht und flockig Garn, wie unsereins sagt.«

»Wenn er aber auch keiner von den Häuptlingen ist, von denen ich meinen Vater erzählen hörte, so hat doch Euer Vetter in den Hochlanden vermutlich viel zu sagen?« fuhr ich fort.

»Das dürft Ihr wohl glauben, – kein Name ist besser bekannt als der seinige. Robin war einst ein so wackrer, tätiger Viehhändler, als man unter zehntausend nur finden kann. Es war eine Freude, ihn zu sehen in seinem umgeschlagnen Plaid und seinen Riemenschuhen, mit der Tartsche auf dem Rücken und Tasche und Dolch am Gürtel, wie er Hunderten hochländischer Ochsen folgte, mit einem Dutzend rüstiger Gesellen, so rauh und wild, wie die Tiere, die sie treiben. Er war ein höflicher Mann und im Handel ein rechtlicher Mann. Ich hab's selbst mit angesehen, daß er fünf Schillinge auf ein Pfund Sterling herausgegeben hat.«

»Fünfundzwanzig Prozent,« sprach Owen – »ein schweres Diskonto.«

»Und er hat's gegeben, Herr, sag ich Euch; zumal wenn er glaubte, der Käufer sei arm und könne einen Verlust nicht verschmerzen. Aber es kamen schwere Zeiten, und Robin wagte viel. Es war nicht meine Schuld; er kann's mir nicht zuschreiben. Ich hab's ihm gesagt. Seine Gläubiger, besonders einige mächtige Nachbarn, griffen nach seinem Eigentum, und man erzählt, sie hätten sein Weib aus dem Hause geworfen und noch dazu mißhandelt. Schändlich! Schändlich! Ich bin ein friedlicher Mann und eine obrigkeitliche Person, aber hätte jemand meine Dienstmagd Mathilde so schlecht behandelt, wie sie Robins Weib behandelt haben mögen, ich glaube, ich hätte das Schwert wieder in Bewegung gesetzt, daß mein Vater, der Vorsteher, bei der Bothwellbrücke brauchte. – Gut, Robin kam heim und fand Verwüstung, Gott erbarm's! wo er Ueberfluß verlassen hatte. Er sah nach Westen, Osten, Süden und Norden, und sah weder Halt noch Hoffnung, weder Schutz noch Zuflucht. Da drückte er die Mütze in die Augen, gürtete das Schwert an seine Seite, ging ins Gebirge und war ein geschlagner Mann.«

Die Stimme des wackern Bürgers wurde durch widerstreitende Empfindungen unterdrückt. Offenbar bildete er sich heimlich etwas ein auf die Verwandtschaft mit dem Hochländer, während er seinen Stammbaum zu verachten schien.

»In seiner Verzweiflung,« sprach ich, als Jarvie in seiner Erzählung nicht fortfuhr,«ist Euer Vetter wohl einer von den Räubern geworden, die Ihr uns geschildert habt?«

»Ganz so schlimm ja nicht,« erwiderte Jarvie – »aber er erhob Schutzgeld, und in weit größerm Umfange, als in unsern Tagen je geschehen ist; bis an die Tore von Stirling-Schloß hat ers erhoben!«

»Schutzgeld? – Was soll ich darunter verstehen?« fragte ich verwundert.

»Nun seht, Robin scharte einen Haufen Blaumützen um sich, was ihm bei seinem alten angesehenen Namen, mag er auch noch so tief heruntergedrückt worden sein, wahrlich nicht schwer fiel, und da es ihm leid tat, wie er sagte, daß solche Räübereien an der südlichen Grenze des Hochlands verübt werden könnten, schlug er vor, wenn ein Erbherr oder Pächter ihm vier Pfund Schottisch für jedes hundert Pfund Einkünfte bezahlte, was gewiß ein mäßiger Anschlag sei, so wollte er sie schadlos halten. Da mochten sie nun zu ihm schicken, wenn ihnen auch nur eine Klaue gestohlen worden, und Robin verpflichtete sich, sie wieder zu schaffen oder nach ihrem Vollwerte zu ersetzen – und er hielt immer Wort – ich muß bekennen, er hält sein Wort. Und diese Meinung herrscht im ganzen Lande.«

»Ein sonderbarer Versicherungsvertrag,« bemerkte Owen.

»Er steht im krassen Widerspruch zu unsern Gesetzen, das muß man eingestehen,« sprach Jarvie. »Schutzgeld zu erheben und Schutzgeld zu bezahlen ist straffällig; wenn mir aber das Gesetz Scheune und Stall nicht beschützen kann, warum sollt' ich mich nicht mit einem Hochländer einlassen, der's kann? – Darauf gebt mir Bescheid!«

»Aber wird dieser Schutzgeldvertrag, wie Ihr's nennt,« fragte ich, »seitens der Landbesitzer und Pächter freiwillig geschlossen? wenn nicht, was geschieht? und was ist die Folge, wenn jemand sich weigert, solchen Tribut zu bezahlen?«

»Nun, ich will jedem Freunde raten, sich mit Robin zu einigen, denn wer noch so sehr auf seiner Hut ist, ist und bleibt doch, mögen sie wachen, wie sie wollen, und tun, was sie wollen, wenn bei uns die langen Nächte herbeikommen, noch immer Schrecken genug ausgesetzt. Gewiß! es haben sich ja hin und wieder Lairds geweigert, den Tribut zu entrichten; aber was hatten sie davon? schon im ersten Winter ging ihnen die halbe Herde verloren; und seitdem halten's die meisten für das beste, mit Robin sich gütlich zu einigen. Er meint's ehrlich mit jedem, der's mit ihm ehrlich meint; aber wer ihn aufbringt, der kann ebenso gut mit dem Teufel anbinden.«

»Und auf diese Weise,« fuhr ich fort, »hat er sich zu den Gesetzen des Landes in Konflikt gesetzt?«

»In Konflikt? – Nun, Ihr könnt's ja so nennen! sein Genick würde seine Last wohl spüren, wenn sie ihn fingen. Aber er hat gute Freunde unter den Großen, und ich könnte Euch eine gar vornehme Familie nennen, die ihm, soweit sie es mit Anstand kann, die Stange hält, um ihn als Dorn für andre zu brauchen. Zudem ist er ein so verschlagner Schelm, wie nie einer in unsern Tagen dies Handwerk getrieben hat oder treiben könnte. Manch tollen Streich hat er gespielt, – mehr als in ein Buch ginge, und ein wunderliches Buch würde es sein – so gut, als Robin Hood oder Wilhelm Wallace, voll kühner Taten und Erinnerungen, wie sie die Leute gern erzählen an Winterabenden.«

Ich verfolgte nun meine Nachforschungen durch die Frage, welchen Einfluß dieser Robert Campbell auf meine oder meines Vaters Angelegenheiten haben könne?

»Was Eures Vaters Sache anbetrifft,« erklärte Jarvie, »nun, so müßt Ihr wissen, daß in den letzten zwanzig Jahren einige Lairds und Häuptlinge im Hochlande ihren eignen Vorteil besser eingesehen haben. Euer Vater und noch andre kauften mehrere Waldungen, und Eures Vaters Haus gab dafür bedeutende Wechsel. Osbaldistone und Tresham hatten guten Kredit – und ich sag's Herrn Owen ins Gesicht, wie hinter seinem Rücken, bis auf das Unglück, das Gott geschickt hat, war niemand redlicher im Handel, und die hochländischen Herren, Inhaber dieser Wechsel, fanden für die Wechsel von Eurem Vater oder doch für den weitaus größten Teil der Wechsel in Glasgow und Edinburg willige Nehmer – so daß – aha! versteht Ihr mich nun?«

Ich bekannte, daß ich seine Meinung nicht ganz verfolgen könne.

»I nun,« sprach er, »wenn die Wechsel nicht bezahlt werden, so halten sich die Kaufleute in Glasgow an die hochländischen Lairds, die aber kein Geld haben und nicht wiedergeben können, was längst durchgebracht ist. – Sie werden in Verzweiflung geraten – fünfhundert Menschen werden aufstehen, die sonst daheim gesessen hätten – und die eingestellte Zahlung von Eures Vaters Hause wird den Ausbruch der Revolte im Hochlande beschleunigen, wo ja schon lange alles gärt und rumort, seitdem König Georg – Gott segne ihn! – die Tausende von Pfunden nicht mehr an die Clans und Häuptlinge zahlen läßt, die ihnen von König Wilhelm und Königin Anna bezahlt wurden, um sie in Ruhe zu halten.«