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»Halt ein! Halt ein!« rief er. »Genug getan! Genug! 's ist kein Kampf auf Leben und Tod. Die fremden Herren haben sich als Ehrenmänner gezeigt und geziemende Genugtuung gegeben. Ich halte auf Ehre so viel, wie jeder andre, aber ich hasse unnützes Blutvergießen.«

Ich wünschte natürlich nicht, den Streit fortzusetzen; mein Gegner schien gleichfalls geneigt, das Schwert einzustecken; Jarvie, nach Atem schnappend, war als überwunden zu betrachten, und unsre beiden Schwert- und Schildmänner gaben ihr Gefecht so gleichgültig auf, als sie es angefangen hatten.

»Und nun,« sprach der würdige Mann, der den Friedensstifter gemacht hatte, »laßt uns trinken und uns vertragen als ehrliche Kerle. Das Haus ist groß genug für alle. Ich schlage vor, daß dieser gute kleine Herr, der sehr mitgenommen scheint, einen Becher voll Branntwein holen läßt, und ich bezahle einen andern, und dann vertrinken wir unsre Kreuzer als Brüder.«

»Und wer bezahlt mir meinen neuen, schönen Plaid?« sprach der lange Hochländer. »Es ist ein Loch 'nein gebrannt, so groß, daß man eine Hand durchstecken kann. Hat man noch je einen anständigen Mann mit einem Feuerbrande fechten sehen?«

»Laßt Euch das nicht bekümmern,« sprach Jarvie, der jetzt wieder zu Atem gekommen war. »Hab ich die Wunde gemacht, werd' ich auch das Pflaster dafür finden. Ihr sollt einen neuen Plaid haben, und zwar den besten von den Farben Eures Clans. Sagt mir, wohin ichs Euch schicken soll von Glasgow.«

»Ich brauche meinen Clan nicht zu nennen – ich bin vom Königs-Clan, der wohl bekannt ist,« antwortete der Hochländer. »Aber Ihr könnt ein Stück vom Plaid nehmen und das Muster davon sehen. Ein Vetter von mir soll zum Martinsfest danach fragen, wenn Ihr sagt, wo Ihr wohnt. Aber, wackrer Herr, wenn Ihr zunächst wieder fechtet und Euren Gegner nur etwas achtet, so nehmt Euer Schwert, weil Ihr eins traget, und nicht Pflugeisen und Feuerbrände wie ein wilder Indianer.«

»Wahrhaftig!« erwiderte Jarvie, »ein jeder muß tun, was er kann. Mein Schwert ist nicht wieder ans Tageslicht gekommen seit dem Gefecht an der Bothwell-Brücke, wo mein Vater es führte, und ich weiß nicht einmal gewiß, obs auch da herauskam, denn die Schlacht war eine der kürzesten. Auf jeden Fall ists jetzt so in die Scheide gerostet, daß ichs nicht davon trennen kann, und als ich das merkte, ergriff ich das erste beste, was mir zur Verteidigung helfen konnte. Aus dem Alter, in welchem man fechtet und fechten kann, bin ich heraus, immerhin laß ich mich nicht gern schimpfen. – Doch wo ist der wackre Bursche, der so tapfer meinen Streit übernahm?«

Der Held, nachdem er sich umsah, war indes nicht mehr zu sehen. Er hatte sich gleich nach dem Ende des Gefechtes entfernt, und doch hatte ich an seinen wilden Zügen und den struppigen roten Haaren unsern Bekannten Dougal, den Gefängnisschließer, wiedererkannt. Ich teilte diese Bemerkung leise dem Stadtvogt mit, der in demselben Tone antwortete: »Gut, gut, ich sehe, der bewußte Mann hat recht. Dieser Dougal hat einen Schimmer von gesundem Menschenverstand. Ich muß darauf denken, wie ich ihm etwas Gutes erzeigen kann.«

Mit diesen Worten setzte er sich nieder, holte einigemal tief Atem und sprach zu der herbeigerufenen Wirtin: »Da ich finde, daß mein Leib kein Loch gekriegt hat, was in Eurem Hause wohl zu fürchten war, halt ichs fürs beste, etwas hinein zu füllen.«

Die Wirtin, die sich, sobald der Sturm vorüber war, dienstfertig zeigte, unternahm es sogleich, uns ein schmackhaftes Abendbrot von Wildbretschnitten herzurichten; sie ließ Branntwein auf den Tisch setzen, den auch die Hochländer, trotz ihrer Vorliebe für ihre starken, einheimischen Getränke, nicht verschmähten, und nachdem der erste Becher herumgegangen war, fragte der niederländische Herr nach unserm Stand und dem Zweck unsrer Reise.

»Wir sind Leute aus Glasgow, Euch aufzuwarten,« sprach Jarvie mit dem Anschein großer Demut, »und reisen nach Stirling, um etwas Geld einzufordern, das man uns schuldig ist.«

Der Sprecher von der andern Partei versetzte höhnisch:

»Ihr Handelsleute aus Glasgow habt nichts anders zu tun, als daß Ihr West-Schottland von einem Ende zum andern durchzieht und ehrliche Leute plagt, die zufällig nichts in den Händen haben, wie ich.«

»Wenn unsre Schuldner so ehrliche Männer wären, als zu denen ich Euch rechne, Herr Garschattachin,« entgegnete Jarvie, »wahrhaftig! so könnten wir uns die Müh' ersparen, denn sie würden kommen und uns aufsuchen.«

»Ei! Was! Wie!« rief die Person, an die diese Worte gerichtet. »So wahr ich lebe, es ist mein alter Freund Niklas Jarvie, der beste Mann, der je einem bedrängten Menschen Geld geliehen. Kommt Ihr vielleicht zur mir?«

»Meiner Treu', nein, Herr Galbraith,« versetzte Jarvie. »Ich hatt' etwas andres auf dem Rohre – ich dachte wohl, Ihr würdet sagen, ich käme wegen des verfallenen Jahreszinses der kleinen erblichen Verschreibung zwischen uns?«

»Verdammt die jährlichen Zinsen!« rief der Laird, so recht vom Herzen. – »Nicht ein Wort von Geschäften zwischen uns, da Ihr so nah an seiner Heimat seid. – Wie ein Reitkleid einen Mann doch entstellen kann – daß ich meinen alten teuren Freund, den Vorsteher, nicht wiedererkannte!«

»Stadtvogt, wenn's Euch beliebt,« entgegnete mein Gefährte. »Aber ich sehe, woher der Irrtum kommt; die Verschreibung ward bei meines seligen Vaters Lebzeiten gegeben, und der war Vorsteher; aber er hieß Niklas wie ich. So viel ich mich besinne, ward zu meiner Zeit keine Zahlung gemacht, und daher entstand ohne Zweifel das Mißverständnis.«

»Hol der Teufel das Mißverständnis, und was es veranlaßte!« versetzte Galbraith. »Aber ich bin erfreut, daß Ihr Stadtvogt seid. Füllt das Glas, Ihr Herren! – Aufs Wohl meines vortrefflichen Freundes, des Stadtvogts Niklas Jarvie! – Ich kannte ihn und seinen Vater seit zwanzig Jahren. – Füllt noch eins! – Dem baldigen Lord Provost Niklas Jarvie! – Und wer sagt, daß jemand in Glasgow besser dazu tauge, der hats mit mir zu tun!« Mit diesen Worten rückte Duncan Galbraith trotzig den Hut auf die eine Seite.

Der Branntwein war vermutlich bei den Hochländern die beste Empfehlung, denn sie fingen mit Galbraith Gälisch zu reden an, das er sehr geläufig sprach, da er, wie ich nachher erfuhr, in der Nähe vom Hochlande seinen Wohnsitz hatte.

»Ich hab den Burschen von Anfang an recht gut gekannt,« flüsterte Jarvie mir zu; »aber wer weiß, wie's ihm eingefallen wäre, seine Schulden zu bezahlen, als wir die Schwerter zogen. Ehe er, was er bei heißem Blut schnell getan hätte, im gewöhnlichen Wege tun wird, mag geraume Zeit vergehen; er kommt nicht oft nach Glasgow, aber manches Reh und Birkhuhn schickt er uns aus dem Gebirge. Mein Vater hegte für die Familie Garschattachin große Achtung.«

Da das Abendessen nun ziemlich fertig war, sah ich mich nach Andreas um; aber dieser getreue Diener war, seit der Zwist begonnen hatte, von niemand gesehen worden. Die Wirtin meinte indes, unser Diener sei in den Stall gegangen, und erbot sich, mir dorthin zu leuchten; aber zu dieser Stunde selbst in den Stall zu gehen, dazu könne sie niemand bringen, denn es hause ein Kobold darin, und darum könne sie auch keinen Stallknecht halten.