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Als sie mir jedoch zu dem armseligen Schuppen leuchtete, wo unsre Pferde grobes Heu schmausten, kam es zu Tage, daß sie mich aus andrer Absicht von der Gesellschaft entfernt hatte. »Da, lest!« sprach sie, als wir vor dem Stall standen, und schob mir ein Blatt Papier in die Hand. »Gott sei Dank, daß ichs los bin! Zwischen Soldaten, Sachsen und Viehdieben ist jede ehrliche Frau besser daran, wenn sie in der Hölle lebt, als an der hochländischen Grenze.«

Mit diesen Worten gab sie mir die Kienfackel in die Hand und ging ins Haus zurück.

Neuntes Kapitel

Ich verweilte am Eingange des Stalles und entzifferte beim Schein meiner Fackel folgenden Brief, der auf ein feuchtes, zerknittertes, schmutziges Blatt geschrieben war:

Mein Herr!

Es sind Nachteulen draußen, darum kann ich Euch und meinen geehrten Vetter N. J. nicht im Wirtshause von Aberfoil treffen, wie meine Absicht war. Ich bitte Euch, unnötige Gemeinschaft mit den Leuten zu vermeiden, die Ihr dort antreffen werdet, weil für die Zukunft Verdruß daraus entstehen könnte. Die Person, die Euch dies zustellt, ist treu und zuverlässig und wird Euch an einen Ort führen, wo ich Euch, so Gott will, sicher treffen kann, wenn Ihr und mein Vetter mein armes Haus besuchen wollt, allwo ich, meinen Feinden zum Trotz, noch immer die Bewirtung versprechen kann, die ein Hochländer seinen Freunden zu geben pflegt, und wo wir feierlich die Gesundheit einer gewissen D. V. trinken und über gewisse Sachen reden wollen, worin ich Euch beistehen zu können hoffe. Uebrigens verbleibe

Euer ergebner Diener R. M. C.

Ich war ziemlich verdrießlich über den Inhalt dieses Briefes, der den Dienst, den ich von diesem Campbell erwartet hatte, in ungewisse Ferne zu rücken schien. Dennoch war es mir einiger Trost, zu wissen, daß er fortwährend Anteil an mir nahm, da ich ohne ihn nicht hoffen konnte, meines Vaters Papiere wieder zu erhalten. Ich beschloß daher, seinen Vorschriften zu folgen, gegen die Hochländer höchst vorsichtig zu sein, und bei erster günstiger Gelegenheit die Wirtin zu fragen, wo ich diesen geheimnisvollen Mann finden könnte.

Mein nächstes Geschäft war nun, Andreas aufzusuchen. Ich rief ihn mehrmals bei Namen, ohne eine Antwort zu erhalten. Endlich vernahm ich, nachdem ich den ganzen Stall, nicht ohne Feuersgefahr, abgeleuchtet hatte, ein klägliches »Hier!« in einem so ächzenden Tone, als ob es der von der Wirtin gefürchtete Kobold selbst ausspräche. Dem Rufe folgend, ging ich der Ecke des Schuppens zu, wo ich im Winkel der Mauer den mannhaften Andreas hinter einem Fasse fand, das mit Federn gefüllt zu sein schien, und halb durch Gewalt, halb durch Befehle und Ermahnungen, nötigte ich ihn, hervorzukommen. Seine ersten Worte waren: »Ich bin ein ehrlicher Bursche, Herr!«

»Wer zweifelt daran?« versetzte ich; »aber wie gehört das jetzt hierher? Ihr sollt uns beim Abendessen aufwarten.«

»Ja,« erwiderte er, ohne anscheinend zu verstehen, was ich zu ihm sagte. »Ich bin ein ehrlicher Bursche, was auch der Stadtvogt dagegen vorbringen mag. Ich gebe zu, meine Seele hängt an der Welt und ihren Gütern, wie bei vielen andern auch; aber ich bin ein ehrlicher Kerl, und wenn ich auch das und jenes geschwatzt haben mag, liegt es mir gar nicht im Sinne, Euch bald zu verlassen.«

»Was zum Henker treibt Ihr denn?« erwiderte ich. »Sind wir denn nicht über alles jetzt einig? Warum schwatzt Ihr nun ohne Sinn und Verstand in einem fort vom Fortgehen?«

»Wenn Ihr Euch raten lassen wollt, Herr,« sagte Andreas, »brecht lieber Euer Wort, als daß Ihr weiter geht. Ich bin ja gewiß, Ihr werdet Euren Freunden Ehre machen, wenn Ihr etwas mehr Klugheit und Festigkeit erhalten habt; aber ich kann Euch nicht länger folgen, wenn Ihr auch versinken und umkommen solltet auf dem Wege, aus Mangel eines Führers und Ratgebers – wer dorthin den Fuß setzt, wo Robin der Rote haust, der setzt die Vorsehung in Versuchung.«

»Robin der Rote!« sprach ich etwas befremdet; »ich kenne niemand dieses Namens. Was sind das für neue Possen, Andreas?«

»Es ist hart,« versetzte Andreas, »sehr hart, daß man einem Manne nicht glauben will, wenn er die reine Wahrheit spricht, bloß weil er zuweilen ein wenig lügt, wo's nötig ist. Ihr braucht nicht zu fragen, wer Robin der Rote ist, der Erzräuber, der! – Gott verzeih mir's! – Ich hoffe, es hört uns niemand – da Ihr einen Brief von ihm in der Tasche habt. Ich hörte, wie einer seiner Gehilfen das alte Reibeisen von Wirtin bat, ihn Euch zu geben. Sie dachten, ich verstände ihr Kauderwelsch nicht, aber wenn ichs gleich nicht viel sprechen kann, erriet ich doch recht gut, um was es sich drehte! O, Herr Franz, alle Torheiten Eures Oheims und alle Streiche Eurer Vettern sind nichts gegen diesen Räuber der Räuber! Fangt meinetwegen dem Papst und dem Teufel Seelen ein, wie Euer Vetter Rashleigh, lärmt und tobt und entheiligt den Sabbat, wie alle Eure Vettern zusammengenommen, aber beim barmherzigen Himmel! kommt Robin dem Roten nicht zu nahe.«

Die Besorgnis des Gärtners war zu aufrichtig, als daß ich sie für Verstellung hätte halten können. Ich sagte ihm aber nichts weiter, als daß ich im Wirtshause zu übernachten gedächte, und empfahl ihm, gut für die Pferde zu sorgen. Uebrigens legte ich ihm das strengste Stillschweigen auf und gab ihm die Versicherung, daß ich mich nicht unvorsichtig in Gefahr begeben würde. Er folgte mir mit kläglicher Miene in das Haus und murmelte zwischen den Zähnen, Menschen sollten doch eher versorgt werden, als das liebe Vieh, er habe den ganzen Tag noch keinen Bissen zu sich genommen.

Die Eintracht der Gesellschaft schien während meiner Abwesenheit eine Störung erlitten zu haben, denn ich fand Galbraith und meinen Freund Jarvie in lebhaftem Streite.

»Ich will solche Reden nicht hören gegen den Herzog von Argyle und den Namen Campbell,« rief Jarvie bei meinem Eintritt. »Er ist ein wackrer, volkstümlich gesinnter Mann, ein Ruhm fürs Land und ein Freund und Beschützer des Handels von Glasgow.«

»Ich sage nichts gegen Mac Callummore,« [Herzog von Argyle mit seinem Stammnamen im Hochlande.] sprach der kleinere Hochländer lachend. »Aber nie gabs eine Verräterei in Schottland, worunter nicht ein Campbell stak, und jetzt, da das Schlimme die Oberhand gewinnt, sinds nicht wieder die Campbells, die das Recht darnieder halten? Aber das Wesen wird nicht lange dauern, und es wird Zeit sein, das Schwert zu schärfen. Die alte rostige Klinge hält hoffentlich wieder blutige Ernte.«

»Schämt Euch, Garschattachin!« rief der Stadtvogt; »pfui, schämt Euch, so etwas zu sagen vor einer obrigkeitlichen Person, und Euch selber in Ungelegenheit zu bringen. – Wie denkt Ihr die Eurigen zu erhalten und Eure Gläubiger zu befriedigen, – mich und andre – wenn Ihr auf diesem wilden Wege fortgeht, der Euch, zum Schaden aller, die mit Euch in Verbindung stehen, dem Gesetz verantwortlich machen wird?«

»Verdammt meine Gläubiger und Ihr dazu, wenn Ihr einer davon seid!« entgegnete der tapfre Galbraith. – »Ich sag', es wird bald eine andre Welt sein, und dann wird kein Campbell die Nase mehr hoch tragen und seine Hunde dahin hetzen, wohin er selbst nicht kommen darf, und nicht mehr Diebe, Mörder und Unterdrücker beschützen, die bessre Leute als sie selber sind, plündern und berauben.«

Jarvie hatte große Lust, den Streit fortzusetzen, als der wohlriechende Duft des gebratnen Wildbrets, den uns die Wirtin jetzt vorsetzte, eine so kräftige Wirkung auf ihn übte, daß er sich eifrig über seinen Teller machte und die Fremden den Streit unter sich fortsetzen ließ.

»Wahr ist's,« sagte der lange Hochländer, der, wie ich hörte, Stuart hieß, »wir würden nicht geplagt und geschoren, uns hier zu versammeln, um Robin den Roten zu fangen, wenn die Campbells ihm nicht Zuflucht gäben. Es waren unser dreißig meines Namens. Wir jagten den Mac Gregor, wie man ein Reh jagt, bis in die Gegend von Glenfalloch, wo die Campbells aufstanden und uns in den Arm fielen, daß wir um allen Lohn kamen. Aber ich gäb etwas drum, wenn ich dem Robin wieder so nahe wäre, als an jenem Tage.«